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Open Directory Project (ODP, dmoz)
dmoz.org,
dmoz.de,
Open Content : Open
Directory Project (aka dmoz) : Übersicht
23-Jun-2001/03-Feb-06
Übersicht

Das Open Directory Project hat sich als nichtkommerzieller
Clone des Katalogdienstes Yahoo! abmitionierte Ziele gesetzt:
"As the web grows, automated search engines and directories
with small editorial staffs will be unable to cope with the volume
of sites. The Open Directory Project's goal is to produce the most
comprehensive directory of the web, by relying on a vast army of
volunteer editors." (Quelle:
dmoz.org/about.html;
deutsche Übersetzung: dmoz.de/info).
Das ODP wird von einer Gruppe von freiwilligen Editoren aus aller
Welt betreut, die Sites danach bewerten, ob sie in das Verzeichnis
aufgenommen werden sollen oder nicht. Die Web-Seiten, die von diesen
Editoren ausgewählt wurden, sind in eine Anzahl von allgemeinen
Kategorien aufgeteilt, diese wiederum in spezifischere Unterkategorien.
Logo:

Die Inhalte stehen als RDF Dump unter der sog. Open
Directory License (dmoz.org/license.html;
inoffizielle deutsche Übersetzung:
dmoz.de/lizenz) frei zur Verfügung; die Lizenz wird auch als
Netscape Open-Directory-Lizenz (NOD-Lizenz) bezeichnet. Die Daten
des ODP werden von einigen Volltext-Suchmaschinen genutzt, u.a. von
Netscape Search, HotBot, Lycos, AOL Search, DirectHit und Google
(directory.google.com,
directory.google.de).
Sites an ODP übermitteln:
Beispiel:
Suchfunktion:
Open Directory Project
Deutschland/Österreich/Schweiz
Der deutschsprachige Ableger des Open Directory Projects,
dmoz.de, wird in Privatinitiative
betrieben; zumindest formal ist eine Mitarbeit möglich und erwünscht: "Editor
zu werden, ist ganz einfach: Finde eine Kategorie, die du warten willst.
Folge dem Werde-Editor-Link (Become an Editor in englischsprachigen
Kategorien) der gewählten Kategorie".
Bei einer stichprobenartigen Überprüfung des Verzeichnis im März 2002
fielen jedoch eklatante Lücken und fehlerhafte Rubrizierungen auf.
Beispiele:
- Im Kontext von Fotografie gab es zwar die Kategorie "Kamerasammeln",
jedoch keine Rubriken wie "Kameras", "Kamerasysteme"
oder "Hersteller" bzw. "Anbieter". Klassifikatorisch
wäre eine Hierarchie wie Fotografie : Technik : Kameras mit
Verzweigungen zu "Sammeln", "Systeme", "Hersteller"
usw.
- Im Kontext von Internet gab es Rubriken für die Dienste "E-Mail",
"Usenet" und "WWW"; andere klassische Internet-Dienste
wie IRC und FTP fehlen entweder ganz oder sind unsystematisch
klassifiziert (IRC beispielsweise unter Chats und Foren).
Logisch wäre hier wiederum eine systematische Klassifikation wie
Internet : Dienste und anschliessenden Verzweigungen auf "WWW",
"IRC", "FTP", "E-Mail", "Usenet"
usw. - dann wäre zumindest eine vernünftige Struktur mit Stand von
1994 abgebildet. Der Pflegezustand ist jedoch bestenfalls als
"desolat" zu bezeichnen: Rubriken für essentielle Entwicklungen im
Internet wie "Streaming Media", "Weblogs" und "Blogs"
oder "Peer-to-Peer" (P2P) fehlen vollkommen. Ein Web-Katalog
ist in diesem Zustand annähernd wertlos.
Das ODP bezeichnet sich als "offenes" Projekt, das auf die Mitarbeit
einer möglichst grossen Anzahl kompetenter, kommunikativer und
engagierter Mitarbeiter angewiesen sei:
"Wir brauchen dich - Wie jede Gemeinschaft basiert das Open
Directory Project auf Geben und Nehmen. Mitmachen ist einfach: Such
dir ein Thema aus, das dir gefällt und werde Editor."
(Quelle: dmoz.de/info, Zugriff:
22-Mar-2002).
Ganz so einfach wird einem das Mitmachen jedoch nicht gemacht. Von
neuen Editoren in spe wird eine gewisse Hartnäckigkeit erwartet.
Zunächst werden Korrektur- und Ergänzungsvorschläge häufig mit einem
Formbrief abgelehnt:
"[...] vielen Dank, dass Sie beim Open Directory Project
als freiwilliger
Editor mitarbeiten möchten! Obwohl wir uns über ihre Mitarbeit
als Editor freuen würden, haben Sie eine Kategorie gewählt,
an der bereits genügend Editoren arbeiten oder die für einen
neuen Editor zu umfangreich ist.
Wir würden uns freuen, wenn Sie sich für eine andere
Kategorie
mit weniger Editoren oder geringerem Umfang erneut bewerben
würden; damit erhöhen Sie ihre Chance, als Editor akzeptiert zu
werden."
Diese Vorgehensweise ist wenig konstruktiv, zumindest wenn man
tatsächlich an einer offenen Arbeitsweise interessiert ist:
- Wenn Kategorien derartig schlecht gepflegt sind, wie die o.g.
Beispiele zeigen, gibt es definitiv nicht genügend Editoren.
- Wenn eine neu einzurichtende Kategorie zu umfangreich "für einen
neuen Editor" ist, sollte die entsprechenden (und anscheinend auch
notwendigen) Unterkategorien eingerichtet und dem neuen Editor einen
nur eine Unterkategorie übergeben werden.
Betrachten wir ein fiktives Szenario:
Ede will Ressourcen zu "PKWs von Toyota" in die ODP-Datenbasis
einbringen und pflegen; eigentlich würde er ja gerne die Einrichtung
einer neuen Rubrik "Autos : PKW : Toyota" vorschlagen, das
kann er aber nur als Editor, nicht jedoch als Aussenstehender. Ede
bewirbt sich daher als Editor für die Kategorie "Autos". Er wird als
neuer Editor von dem ODP-Guru Alois abgelehnt, weil die Kategorie
für einen neuen Editor zu umfangreich ist; sie ist zu umfangreich,
weil es keine Unterkategorien gibt; es gibt keine Unterkategorien,
weil die Kategorie "Autos" nicht gepflegt wird; sie wird nicht
gepflegt, weil Alois keine Zeit hat, sich um die Kategorie Autos zu
kümmern - er ist ja ODP-Guru und muss in 97 weitere Kategorien
pflegen. Alois er ist damit eigentlich total überfordert und
gestresst, weil es einfach zu wenig Editoren gibt. Aber delegieren
von Kompetenzen kommt für ihn nicht in Frage, er ist ja schon so
lange dabei, und die "Neuen" machen bestimmt Fehler, die ihm nie
passieren würden.
Der Autofan Ede, ein passionierte Raser, ist zwar etwas
angefrustet, sucht aber trotzdem nach einer "anderen Kategorie
mit geringerem Umfang"; für sein Interessengebiet (PKWs von Toyota)
gibt es keine Kategorie; einrichten oder vorschlagen kann er sie
noch immer nicht.
Nach langer Suche findet er unter "Fortbewegung :
Geruhsame Vehikel : Pferdedroschke : Historisch" schliesslich
eine für ihn als Newcomer angemessen kleine Kategorie, für die er
als Editor akzeptiert wird. Ede wird ein sauschlechter Editor für
die Rubrik, weil er sich einen schei* interessiert für
Pferdedroschken. Und die Rubrik "Autos" bleibt weiterhin
unbrauchbar, weil es keinen Maintainer gibt.
Das Szenario ist fiktiv, die Abwehrhaltung der ODP-Maintainer jedoch
nicht. Ein Verzeichnis ist, wie jede bewahrende Institution, strukturell
konservativ; das ODP muss also einen Spagat leisten zwischen
konservativem Qualitätsanspruch und der geforderten Offenheit; das
gelingt zur Zeit nur begrenzt. Ähnliche Strukturen beschreibt Eric S.
Raymond übrigens auch im Bereich der Softwareentwicklung ( The
Cathedral & the Bazaar, vgl.
Literatur).
Vor allem zwei Punkte sind zu kritisieren:
- Unzureichende Offenheit.
In einem als "offen" deklarierten Projekt sollte es auch für
Aussenstehende möglich sein, Vorschläge zu unterbreiten,
beispielsweise für die Einrichtung neuer Unterkategorien. Genau das
ist der Unterschied zwischen "offen" und "geschlossen".
- Problematische Lizenz.
Das ODP steht unter der sog.
Open
Directory License (aka The dmoz.org License); die Free Software
Foundation bewertet diese Lizenz als "non-free": "This is not
a free documentation license. The primary problems are that your
right to redistribute any given version is not permanent and that it
requires the user to keep checking back at that site, which is too
restrictive of the user's freedom" (vgl.
Various
Licenses and Comments about Them).
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Literaturhinweise: |
Open Sources
von
Chris DiBona, Sam Ockman und Mark Stone (Hrsg.)
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The Cathedral & the Bazaar
von Eric S. Raymond
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