Multimedia Home Platform (DVB-MHP)
Ihr Benutzername: Besucher
Wer ist gerade online? - 22
aktive User.
Erstellt/Zuletzt bearbeitet: 05-Aug-2005/02-Feb-06
Systemzeit: Samstag, 22.11.2008, 21:44:42.
Home : hardware : Multimedia : Video : DVB : Standards : DVB-MHP
Übersicht
Der europäische Multimedia Home Platform-Standard (MHP), wurde vom
DVB-Projekt entwickelt und spezifiziert die Übertragung und die
Darstellung interaktiver Inhalte im Digitalen Fernsehen. MHP ermöglicht
es den Fernsehanstalten, zusätzlich programmbegleitende Angebote (z.B.
Programmübersicht, die Möglichkeit sich an Abstimmungen zu beteiligen,
Quizfragen zu beantworten oder Spiele zu spielen) oder zusätzliche
Informationen (zum Beispiel ein erweiterter Videotext) auszustrahlen.
Möglich sind auch interaktive Dienste, die einen so genannten Rückkanal
erfordern. Beispielsweise können das Fahrplanauskünfte,
Homeshopping-Angebote, Dienste der Wohnungswirtschaft,
Regionalinformationen oder Internet-Dienstleistungen sein.
MHP-basierte Anwendungen können über sämtliche DVB-basierte
Technologien, wie DVB-S, DVB-T und DVB-C, empfangen werden, sofern der
vorhandene DVB-Empfänger auch MHP-fähig ist. In Deutschland soll die
Umstellung auf digitalen Rundfunk bis zum Jahr 2010 abgeschlossen sein,
bis dahin sollten alle TV-Haushalte mit Digital-Receivern ausgestattet
sein. Die Marktentwicklung von MHP ist davon allerdings nur indirekt
berührt, denn die Unterstützung von MHP-Diensten in den DVB-Empfängern
ist lediglich optional.
Technik
Grundsätzlich ist eine Set-Top-Box (STB) oder ein Fernsehempfänger mit
Unterstützung der MHP-Plattform Voraussetzung für die Nutzung von
MHP-Angeboten.
Gegenwärtig existieren zwei Versionen des MHP-Standards, die Version 1.0
( aktuelle Fassung: 1.0.3), und die Version 1.1 (aktuelle Fassung: 1.1.2, Stand April 2005).
Die Standards definieren zwei Arten von Anwendungsklassen:
- DVB-J: Java-Anwendungen
- DVB-HTML: XHTML-Seiten mit optional eingebettetem Java-Code
DVB-J
Es handelt sich bei DVB-J Anwendungen also um in Java geschriebene
Programme. Die MHP-Plattform nutzt und definiert eine große Anzahl von
Schnittstellen, womit es dem Programmierer möglich wird, der speziellen
Situation und den Einschränkungen des MHP-Empfängers gerecht zu werden.

Abbildung:
Softwarestack der MHP-Plattform
Der Softwarestack zeigt die verschiedenen Softwareschichten einer
MHP-Implementierung. Die beiden untersten Schichten, die Hardware und
die Systemsoftware (Betriebssystem und Treiber), werden von den
eigentlichen MHP-Schnittstellen durch eine so genannte Java Virtual
Machine getrennt. Als Java-Grundlage dient mittlerweile in MHP 1.0.3 das
Personal Basis Profile (früher Personal Java), welches auf einer
CDC-basierten Virtual Machine aufsetzt. Diese MHP-Schnittstellen (APIs)
gewähren unter anderem Zugriff auf DVB-Service-Informationen (enthält
den EPG, eine angepasste grafische Benutzerschnittstelle (HAVI UI),
Zugriff auf das Datenkarusell (DSM-CC), das Management von Applikationen
(Xlets) und viele andere technische Aspekte der DVB-Standards wie etwa
den MPEG-Dekoder und einen optional vorhandenen Rückkanal (für
interaktive Anwendungen). Zusammen bilden diese Erweiterungen das MHP
API, auf dem die interoperablen MHP-Anwenderungen ausgeführt werden
können. Der so genannte Navigator dient zur Auswahl von MHP-Anwendungen
und weiteren DVB-Diensten durch den Nutzer und zur allgemeinen Steuerung
der Applikationen.
DVB-HTML
DVB-HTML Applikationen werden erst seit dem MHP 1.1 Standard voll
unterstützt, da die Komplexität im Vergleich zu DVB-J deutlich höher
ist, ist die entsprechende Unterstützung in MHP-Empfängern bisher
praktisch nicht vorhanden.
Applikationsübertragung in DVB
Übertragen werden die MHP-Anwendungen zusammen mit dem
DVB-Transportstrom, der auch die digitalen Audio- und Videodaten
enthält. Innerhalb dieses Transportstromes werden die MHP-Anwendungen in
DSM-CC (Digital Storage Media Command and Control) Datenkarusselle
verpackt. Diese Karusselle werden zyklisch in den DVB-Transportstrom
gemultiplext (hinzugefügt). Durch die zyklische Wiederholung ist
sichergestellt, dass zu jedem möglichen Einschaltzeitpunkt des
Empfängers die Applikation (früher oder später) erfolgreich empfangen
werden kann. Natürlich müssen Applikationen nicht pausenlos ausgestrahlt
werden, es ist durchaus möglich Applikationen zum Beispiel nur
sendungsbegleitend (z.B. Tageschau-Ticker) auszustrahlen.
Signalisiert werden die MHP-Anwendungen dem MHP-Empfänger über die
AIT-Tabelle (Application Information Table). Der Inhalt dieser
SI-Tabelle (Service Information) ermöglicht dem Empfänger, das
DSM-CC-Karussell mit der MHP-Anwendung zu finden und der MHP-Anwendung
einen Namen, sowie eine eindeutige ApplicationID und eine OrganisationID
zuzuordnen. Außerdem enthält die AIT (bei DVB-J Applikationen) Angaben
zum Klassenpfad und zur Java-basierten Startklasse (dem so genannten
Xlet). Ein Hersteller darf einen MHP-Empfänger nur dann mit dem MHP-Logo
schmücken, wenn der Empfänger vorher fehlerfrei einen Testlauf bestanden
hat. Dieser Test prüft das Funktionieren sämtlicher Elemente der API und
ist gebührenpflichtig. Die gegenwärtigen Tests umfassen deutlich mehr
als 10.000 Softwaretests. Dies stellt die fehlerfreie Ausführung der
Applikationen sicher - Abstürze sollen somit ausgeschlossen werden.
Implementierung
Prinzipiell kann jeder Boxen-Hersteller MHP implementieren, da der
Standard vollständig offen ist. Allerdings fallen bei der
Implementierung der MHP Patentkosten in zum Teil unbekannter Höhe an. In
der Praxis greifen viele Firmen jedoch auf MHP-Middleware von
Drittanbietern zurück (Marktführer: Alticast, 1 Mio. Lizenzen), da eine
MHP-Implementierung sehr aufwändig ist.
Neben MHP werden von einigen Kabelnetzbetreibern und Geräteherstellern
andere Verfahren zur Darstellung von Multimedia-Inhalten verwendet. Zum
Beispiel das MicroHTML-Verfahren, das anders als MHP nicht auf
DVB-Standards beruht.
Die Mehrheit der weltweit auf dem Markt befindlichen MHP-Receiver
(Stand: April 2004) orientieren sich gegenwärtig am Standard MHP 1.0.3.
Technische Entwicklung
Zukünftige Entwicklungen des MHP-Standards umfassen:
- die Unterstützung der Funktionalität von Festplattenrekordern,
- multimediale Heimvernetzung,
- die Unterstützung von interaktiven HDTV-Formaten,
- interaktives Fernsehen über breitbandige IP-Verbindungen (z.B. DSL)
- interaktive Dienste auf der Blu-ray Disc, mittels der BD-J
Java-Variante,
- weltweite Verbreitung im Rahmen des GEM-Standards (Globally Executable
MHP)
Bedienung von MHP-Applikationen
Die Bedienung von MHP-Applikation kann ausschließlich über die
klassische Fernbedienung erfolgen. Neben der Steuerung über die
Pfeiltasten/OK-Taste ermöglicht vor allem die Verwendung der vier vom
Videotext/Teletext her bekannten Farbtasten eine einfache, intuitive
Bedienung.
Prinzipiell gibt es zwei Methoden auf MHP-Anwendungen zuzugreifen.
Einerseits werden MHP-Anwendung automatisch mit der Wahl eines
Fernsehkanals gestartet. In diesem Fall erscheint zumeist im unteren
Bereich des Bildschirms ein kleines Hinweisfenster. Durch den Druck auf
eine (zumeist rote Farb-) Taste kann dann bequem die verfügbare
Applikation gestartet werden. Andererseits verfügen alle MHP-Boxen über
eine zentrale Benutzerschnittstelle zum Auswählen von Applikationen -
den so genannten Navigator. Von hier aus können Applikationen aus Listen
ausgewählt und gestartet werden.
Im britischen Pay-TV (Sky, ITV2) ist das interaktive Fernsehen (auf
Basis von OpenTV auf einer Pace-Box, nicht MHP) schon so weit
fortgeschritten, dass bei interaktiven Film- und Werbesendungen ein
roter Punkt im Bildbereich eingeblendet wird, der symbolisiert, dass bei
einem Druck auf den roten Knopf der Fernbedienung ein Rückkanal über die
Telefonleitung aktiviert wird (vorausgesetzt, das Empfangsgerät ist mit
der Telefonleitung verbunden) und man dadurch beim Teleshopping direkt
bestellen oder bei Umfragen abstimmen kann (so geschehen bei der letzten
Staffel der britischen Version von "Big Brother").
Dieser Rückkanal ist bei MHP auch vorgesehen, allerdings beschränkt er
sich nicht nur auf Analog-Modem, sondern ist unabhängig von der
verwendeten Übertragungstechnik. Das heisst, die Verbindung kann etwas
auch über ISDN, DSL, Kabel, GPRS oder UMTS aufgebaut werden. Einige der
in Deutschland erhältlichen Geräte unterstützen bereits
Rückkanalverbindungen.
Verbreitung von MHP-Empfängern
MHP konnte sich in Deutschland seit seiner Einführung (Beginn des
Regelbetriebes im Oktober 2002) bisher noch nicht durchsetzen, der
Anteil MHP-fähiger Receiver liegt bei den DVB-Boxen unter 0,1% (GfK).
Auf dem deutschen Markt sind derzeit 5 Geräte erhältlich (Stand: Juni
2005, Quelle: Receiversuche auf www.digitalfernsehen.de):
- Humax CI 8140 (DVB-S)
- Humax DTT-4000 (DVB-T)
- Nokia Mediamaster 310S (DVB-S) (Produktion abgekündigt)
- Panasonic TU-MSF100 (DVB-S)
- Philips DSR 5600 (DVB-S)
Die geringe Verbreitung in Deutschland ist vor allem auf die zu hohen
Preise der Endgeräte, die mangelnde Unterstützung des privaten
Fernsehens und das noch zu geringe Angebot an MHP-basierten Anwendungen
zurückzuführen. Sein übriges tat der Streit um den zukünftigen Standard
des interaktiven Fernsehens, der andere Applikationen wie OpenTV
verdrängte und zur Unsicherheit seitens der Zuschauer beitrug.
Das Beispiel Italien zeigt, dass es auch anders geht: Durch die
staatliche Subvention der durch MHP entstehenden Mehrkosten konnten
bereits über eine Millionen MHP-Endgeräte abgesetzt werden. Da dies der
Weiterentwicklung der MHP-Empfänger einen Schub gegeben hat, ist zu
erwarten, dass in einiger Zeit auch in Deutschland neue Geräte auf den
Markt kommen werden.
Verfügbare MHP Anwendungen in Deutschland
Verfügbare MHP Anwendungen in Deutschland
(Stand Juli 2005):
ARD:
- TV-Portal (Programmübersicht, Persönliche Programmerstellung,
Zusatzinformationen)
- ARD-Online Kanal
- Interaktive Begleitung der Tour de France (Live-Ticker,
Zusatzinformationen wie Zeiten, Höhenprofile u.a.)
- Presseclub
- Interaktives Quiz mit Jörg Pilawa
- Feste der Volksmusik
- c't interaktiv
- Sportschau interaktiv
Der größte Teil des Angebots kann über DVB-S empfangen werden, eine
Teilmenge ist über die DVB-T Verbreitung verfügbar, allerdings mit
regionalen Unterschieden.
ZDF:
- ZDFdigitext (Das Hauptportal, auch über DVB-T verfügbar)
- ZDF Infokanal (Nachrichten, Programmübersicht)
- ZDF interaktiv: Reise (Reiseinformationen)
RTL, Vox, RTL 2 und Super RTL:
- RTL TV Interaktiv (Portal, Informationen, Wetter,...)
- Wer wird Millionär (Zum mitraten, mit Rückkanal!)
Spartenkanäle von ARD und ZDF:
Siehe auch
Literatur
Ulrich Reimers: DVB, The Family of International Standards for Digital
Video Broadcasting, Second Edition, 2005, ISBN 3-540-43545-X (Kapitel
14, MHP)
Steven Morris & Antony Smith-Chaigneau: Interactive TV Standards. A
Guide to MHP, OCAP, and JavaTV. First Edition, Focal Press, 2005, ISBN
0-240-80666-2
Edward M. Schwalb: iTV Handbook. Technologies and Standards. First
Edition, Prentice Hall, 2004, ISBN 0-13-100312-7
Rainer Schäfer: Technische Grundlagen des interaktiven Fernsehens. In:
Christiane zu Salm (Hrsg.): Zaubermaschiene interaktives Fernsehen?
TV-Zukunft zwischen Blütentraümen und Businessmodellen. 1. Auflage,
Gabler, 2005 ISBN 3-409-12637-6
Netmarks
Offizielle MHP-Webseite,
www.mhp.org
Deutsches MHP-Forum,
www.mhp-forum.de
OpenMHP - MHP-Open Source Projekt,
www.openmhp.org.
xleTView - xleTView, MHP-Open Source Emulator auf Sourceforge,
xletview.sourceforge.net.
MHP-KDB - Webseite des EU-Projektes MHP-KDB, Beispielcode,
Applikationstests,
www.mhp-knowledgebase.org.
Interactive-TV-Web - MHP/OCAP Webseite von Steven Morris,
www.interactivetvweb.org.
VDR-Wiki:MHP,
www.vdr-wiki.de/wiki/index.php/Mhp.
Quelle und Lizenz
Anmerkungen
|