Die Wikipedia bezeichnet sich explizit als »Die freie Enzyklopädie«,
sie hebt in ihrem Selbstbild also zwei Merkmale hervor:
- den Anspruch, eine Enzyklopädie zu sein oder zu werden und
- als solche »frei« zu sein.
Dieser Terminus bezieht sich auf das von Richard Stallman geprägte
Verständnis von frei im Sinne von Freiheit (liberte),
nicht auf den Preis (frei im Sinne von kostenlos). Weitere
Interpretationsmöglichkeiten – beispielsweise frei im Sinne der Freiheit von bestimmten
Sachzwängen oder der Unabhängigkeit von gewissen Rahmenbedingungen –
sind unüblich und werden kaum diskutiert.
Der Anspruch der gedanklichen Freiheit wird damit zur zentralen, da
einzigen explizit formulierten ideologischen Grundkomponente des
Projekts. Diese Freiheit in der Stallmanschen Interpretation ist
gekennzeichnet durch eine Lizenz, die berechtigt zur Vervielfältigung,
Weitergabe und Veränderung der Inhalte unter den Auflagen der jeweiligen
Lizenz; im Bereich der Software handelt es sich dabei um die GNU
General Public License, im Bereich der Dokumentation um die GNU
Free Documentation License.
Diese GNU-Lizenzen sind, wie Microsoft und andere Vertreter des
Software-Establishments anmerken, viral; dies bedeutet, dass ein Werk,
das einmal unter einer GNU-Lizenz freigegeben wurde, für immer dieser
Lizenz und ihren Auflagen unterliegen wird; und dies wiederum appliziert
vor allem auf derivate Werke, die ebenfalls unter der GNU-Lizenz stehen
müssen. Im Sinne der GNU-Ideologie wird somit eine dauerhafte Freiheit
der Software gewährleistet, die beispielsweise bei Software erzwungen
wird durch die Notwendigkeit der Freigabe des Quellcodes.
Für die Wikipedia ergeben sich aus dieser Grundentscheidung für eine
GNU-Lizenz zahlreiche Probleme: