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Begriff des
Wissens bei Grimm
Aus: Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch.
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Erstellt/bearbeitet: 14-Okt-2005/14-Jan-07
Systemzeit: Mittwoch, 19.11.2008, 17:17:40.
Home : Wissen : Theorie : Wissen : Begriff
WISSEN [Lfg. 30,5], adj.
in der verbindung jem. ist wissen 'ihm ist bekannt' im 15. und 16. jh.
öfter bezeugt, weit älter ist gewissen sein bekannt sein (s. teil 4, 1, 3,
sp. 6218): daz uns wissen und kunt ist (1384) weist. 6, 20; des uns nit ist
wissen (1481) d. dt. bauernkrieg, aktenband 11 Franz; waz die ursache waz,
ist mir noch nicht wissen ARIGO decameron 44 Keller; das niemant wissen was
ebda 7; so einer das offenlich leugnet, daz menigklich kunt und wissen HIER.
GEBWEILER lob Marie (1523) 9a; es ist jedermann wissen, dasz ein gemein
ganghaftig zins inn landen ist LUTHER 24, 675 W.; ewern gnaden vil newer mer
zu sagen, deren seind mir nicht vil wissen WICKRAM 1, 46 Bolte; dir ist aber
wissen, das du zu den zeiten ... noch nit erzogen und ich ein junge fraw was
CARBACH Titus Livius (1551) 37a; es ist auch euch wissen, das Christus,
unser houptman, uns geben hat ein gsatz EBERLIN V. GÜNZBURG 1, 145 ndr.;
ebenso 1, 90; wie bei gewissen ist die attributive verwendung selten
bezeugt: ich han vernomen, wie du in götlichen gescheften ein weise und
wissen man seiest (che tu se savissimo nelle cose di dio) ARIGO decameron 33
Keller, vgl. auch mir ist wissend (sp. 772) und die auffallende form mir ist
zu wissen 'mir ist bekannt' unten sp. 767.
WISSEN [Lfg. 30,5], f.
'kenntnis', vgl. gewissen, f., teil 4, 1, 3, sp. 6226-6233:
ez wart gar ân die wizzen sîn
verborgen in diu röckel mîn ULRICH V. LICHTENSTEIN 189, 7;
unde ist aber daz er (der täter) in den furgeboten ungebunden unde
ungevangen furkumt unde wil sin laugen bieten, ist danne diu ware wissen da,
so mag er mit nihtiu enbresten wan mit der notwer stadtbuch von Augsburg 115
M.; das wort lebt fast nur in präpositionalen verbindungen: ob ein man ane
sine wizen koufet diubic oder roubic guot Schwabenspiegel 47 Wackernagel;
mit miner wissen und guoten gunst (1356) monumenta Zoller. 1, 331; mit siner
wissen und willen (1490) württemberg. geschichtsquellen 15, 457. in solchen
formeln der kanzleisprache, die die rechtsgültigkeit und
eigenverantwortlichkeit betonen, steht gern mit guter, (häufiger) rechter
wissen, ganz parallel den formeln mit guter, rechter gewissen, s. teil 4, 1,
3, 6231. die belege reichen bis ins 14. jh. zurück, s. auch JELINEK mhd. wb.
965; FISCHER schwäb. 6, 899: insiegeln, die mit guter wissen sint gehencket
an diesen [30,743] brieff (1366) Hohenl. urkundenb. 3, 300; dessen zu
urkundt haben wir unser königlich innsigel mit rechter wissen an dise unsere
und des heiligen reichs geenderte ordnung thun hencken kaiserliche
kammergerichtsordnung (1555) 163a; gern in der häufung: mit wolbedachtem
mute und rechter wissen geteidinget haben (1375) mecklenburg. urkundenb. 19,
67; ebenso 19, 77; mit wolbedachtem mute und rechtir wissen und mit willen
und wissen des hochgeboren Albrechtis, hertzogen zu Mekelimburg ebda 19, 79;
209, alle belege in urkunden der kaiserlichen kanzlei; so haben wir mit
wolbedachtem mut und rechter wissen geurteilt, erkant und gesprochen (1431)
chron. der stadt Bamberg 1, 71 Chroust; auch: haben wir mit wolbedachtem
mute, gutem rathe und rechter wissen den vorgnanten von Görlitz diese gnade
gethan (1429) cod. dipl. Lusatiae super. 2, 86; ebenso lehnsurk. Schlesiens
1, 530. wissene bei JACOB BÖHME kann eine persönliche neubildung sein: (die
sanguinische form des charakters) ist subtil, freundlich, fröhlich, ist
züchtig und rein und führet grosse heimligkeit in ihrer wiszne s. w. 6, 427
Sch.; so haben wir menschen noch eine höhere wissene und erkenntnisz 4, 116.
WISSEN [Lfg. 30,5], n. (subst. inf.)
kenntnis, kunde.
1) ältere sprache kennt im allgemeinen noch nicht den gebrauch des subst.
wissen.
ein vereinzeltes folli wizzinnis bei NOTKER 2, 411 P. ist übertragung des
lat. plenitudinem scientiae, wofür bei ihm an anderer stelle auch folli
chunste und folli gewizzedo steht, s. teil 4, 1, 3, 6226. mhd. ist wizzen,
n., nur in der mystik öfter bezeugt, wird jedoch über dieses gebiet hinaus
nicht üblich: die iht in gote suochent, ez sî wizzen, bekentnisse, oder
andâht oder swaz ez sî, vindet er ez, nochdanne vindet er got niht, wie daz
er nochdanne vindet wizzen, verstân, innekeit, ... ein mensche sol nihtes
niht suochen noch verstân noch wizzen noch inrekeit noch andâht noch ruowe
wan alleine gotes willen MEISTER ECKHART 177, 9; 14; der nû arm sol sîn des
geistes, der muoz arm sîn alles sînes eigenen wizzens, als der dâ niht
enweiz noch kein dinc weder got noch crêatûre noch sich selber ebda 282, 33;
282, 13; hie sol der mensche uberformet werden mit disem uberweselichen
wesende; so müessen alle die formen von not dannen die man in allen kreften
ie enphieng: das kennen, das wissen, das wellen, die wurklicheit, die
furwirflicheit, die bevintlicheit, die eigenscheftlicheit TAULER 257, 23
Vetter.
2) gebräuchlich wird wissen erst in frühnhd. zeit als 'kunde, nachricht,
kenntnis', besonders in festen verbindungen.
a) verbindungen verbaler art.
von ihnen ist eines dinges ein wissen haben oder tragen im 16. jh.
allgemein üblich und begegnet auch noch im 17. jh. (s. auch die belege unter
tragen teil 11, 1, 1, sp. 1097). wissen haben ist bereits mhd. bezeugt: des
hein alle wolgelert meister ein wüssen SEUSE deutsche schr. 162, 17
Bihlmeyer; das der punt kurtz ain wissen wolt haben von den hertzog
Fridrichischen, ob sy des künigs spruch nachkomen und volziechen wollten
oder nit ULRICH FÜETRER chron. 257 Sp.; was sich ertzaiget dem menschen des
hat er ain wissen ALBRECHT VON EYB spiegel d. sitten (1511) A 5a; hab weib
und kind, die haben kain wissen von mir, und natürliche liebe zwingt mich,
wider zu in zukommen Fortunatus 43 ndr.; mit wilchem ich nie in zweitracht
kommen, das du auch selber kuntest schuldigen oder das in meinem wissen
stunde HUTTEN op. 2, 182, 22 B.; thet aber nit dergleichen, das im der
sachen wissens were WICKRAM 2, 76, 10 Bolte; haben irer blindheit kain kunst
und wissen SEB. FRANCK lob der torheit (1534) 96a; darausz das cammergericht
lauter wissen empfahe, ob dieselb obrigkeyt dem volg thun woll oder nit
kaiserliche kammergerichtsordnung (1555) 153b; ob du schon ettlich mandat
habest lossen aussgon als man sagt, si es doch nit dein wissen dobi EBERLIN
V. GÜNZBURG 1, 11 ndr.; ob man schon ein argwon hat, ist doch kein wissen,
wer sie sind ebda 2, 59; so er das in wissen gebracht L. THURNEYSSER magna
alchymia (1583) vorr. 1; wie Moises, Helias, ... in erkandnuss vnd wissen
hatten ebda vorr. 1; [30,744] (die namen) Suevi Schwaben, Bohemi Böhmen ...
sind noch in gedächtlichem wüssen STUMPF Schweizerchron. (1606) 58a; nichts
..., das nicht der astrologei in wissen stand PARACELSUS opera 2, 489 H.;
(Sichäus) eröffnet jhr die schätz zu hand ...
darvon sonst niemandt wissens het SPRENG Ilias (1610) 10b; s. auch 11a;
43a; 237b;
wie dann Fl. dessen genugsames wissen tragen wird S. V. BIRKEN forts. der
Pegnitzschäferei (1645) 33; s. auch die belege bei SCHILLER-LÜBBEN und mhd.
wb. 5, 701; SCHMELLER-FR. 2, 1034; FISCHER schwäb. 6, 899; städtechron. 25,
166.
b) präpositionale verbindungen.
a) mit (ohne) wissen, als doppelformel meist mit (ohne, wider) wissen und
willen; bei beziehung auf das subject im sinne von 'bewuszt, beabsichtigt,
vorsätzlich': thes alles enti anderes manages, thes ih uuidar got almahtigon
sculdig si, thes ih gote almahtigen in minero kristanheiti gihiezi, enti bi
minan uuizzin forliezi (Fuldaer beichte) bei STEINMEYER ahd. denkm. 48, 18
(oder zu witz?);
ichn hân wider iuwern hulden
mit mînem wizzen niht getân HARTMANN VON AUE Iwein 727;
wan dis treit und zuhet in alles in daz aller innerste sunder sin wissen
TAULER pred. 25, 30 V.; item, wer einen stein umbkeret oder umbstöszet oder
verruckt oder auszeugt mit wissen ... weistümer 6, 84; mit der rete wissen
und willen (ca. 1454) bei EHEBERG verf.-gesch. 1, 167; er (auf dem balken)
in der inseln krum und lang kame on sein wissen; dann in im alle sinne und
vernunft verswunden waren ARIGO decam. 76, 32 K.; on iemant vermercken und
wissen 266, 36; s. auch 34, 24; B. ... bekant das er mit wissen und willen
... siner sun ... verkoufft hat ... ein huss FR. RIEDERER rhetoric (1493) n
2b; so wissen wirs, und sündigen mit wissen wider gott J. AGRICOLA sprichw.
(1534) n 5b; das kein gemeind hinder und on wissen und erlauben der amptleüt
gehalten werden soll des fürstenthumbs Wirtemberg newe landsordnung (1536) C
4a; und er sich anderswo on meinen wissen und willen hin wendet LUTHER 18,
91 W.; widder meinen wissen und willen 30, 2, 28; vgl. 10, 2, 33; 15, 167;
23, 344; on eins amptmanns von Hohenburg wort ader wissen weist. 6, 20; s.
22; mit auszgesprochen worten, wissen, willen ... desz abts KNEBEL chron. v.
Kaisheim 339 lit. ver.; jedoch soll er hinfort nichts in druck geben hinder
mir on mein wissen vnd willen VOGELGESANG-COCHLÄUS trag. Joh. Hussen 34
ndr.; ego prudens et sciens ad pestem ante oculos positam sum profectus
vorsetzlich, mit wissen vnd willen BAS. FABER thesaurus (1587) 656b; die ...
haben ... anlass geben hinder wissen vnd willen meiner eltern H. W. KIRCHHOF
militaris disciplina (1602) )(4a; solte kein theil, auszer des andern wissen
und willen, aus der einigung ausschreiten V. CHEMNITZ schwed. krieg 1 (1648)
64; zum naiven wird erfordert, dasz die natur über die kunst den sieg davon
trage, es geschehe diesz nun wider wissen und willen der person oder mit
völligem bewusztsein derselben SCHILLER 10, 431 G. in der urkundlichen
eingangs- oder schluszformel 'mit bewusztsein und überlegung, aus freier
entscheidung': mit vollim rate, mit worten, wizzen und willin der eldisten
und der gemeinescheft unsir metburger (1349) lehnsurkunden Schlesiens 1,
169; s. 1, 54; und haben des zu urkund unsser aigen insigel an disen brief
mit rechtem wissen gehangen RICHENTAL Constanzer concil 70 lit. ver.; mit
gutem wissen, wolbedechtlich und volkomner macht, ordeniren und statuiren
wir edict keiser Carls (1540) a 2a; wir ... bekennen öffentlich, das alle
und jede obgeschrieben punct und articul, mit unserem gutten wissen willen
und rathe fürgenommen ... sein kaiserliche kammergerichtsordnung (1555)
163b.
mit wissen als 'der kenntnis nach': man musz in den sachen nichtt allein mit
wiszen handeln, sonder auch kluglich und vorsichtigklich (1522) EGRANUS
predigten 85 Buchwald. mit wissen soviel man weisz: etlich pauern ... der er
mit wissen keinen kene noch zu nennen wiss (1526) chron. der stadt Bamberg
2, 303 Chroust; [30,745]
ich hab bei deiner aeptissen
gar nichts zu thun mit meinem wissen J. FISCHART 2, 184 Hauffen
sie sagt auch, sie mit wissen den schandtlichen buben nie gesehen hett
WICKRAM 1, 122, 10 lit. ver.; sie hatte sie mit ihrem wissen nie gesehen,
und noch weniger gekannt PFEFFEL pros. vers. (1810) 2, 4. in gleichem sinne:
item die mullner in dem lantgericht halten und fueren mit metzen und stupp
staefflein nach wissen der nachperschaft ungeverlich (v. j. 1478)
österreich. weist. 6, 31, 21. formelhaft ist ein mit wissen scheiden beim
abtreten von der bühne, wohl nur im 16. jh. bezeugt FISCHART Garg. 208 ndr.;
J. AYRER 2121 Keller, besonders bei HANS SACHS 9, 114; 14, 157; 182; 206;
266; 17, 188; 288.
b) nach (gutem) bestem wissen, wider besseres wissen. nach bestem wissen
in eigentlichem sinne 'so gut man weisz': (auskunft) nach meinem besten
wissen SCHNABEL Felsenburg 13; ich will aber nach meinem besten wissen ...
einen jedweden ehrlichen christen alles eröffnen, wie es zugehe, dasz ... J.
G. SCHMIDT rockenphilosophia (1706) 1, 9; der pfarrer ... explizirt das
werde nach bestem wissen in und auswendig – und doch wird nichts BETTINE
dies buch gehört dem könig (1843) 1, 75; 'nach bestem können': er wirbt ihm
soldaten ... und läszt ihm nach besten wiszen und vermögen gegen sein feind
schalten und walten Reinicke fuchs (1650) 344; wenn sein herr ihm seinen
willen läszt zu schalten und zu walten in seinem reich nach bestem wiszen
unnd willen ebda 218; mehr in ethischem sinne: mit dieser sentenz wurden
einige kardinäle nach Radolfszell, wo sich Johann aufhielt, geschickt, der
... erklärte, dasz er aus eigener bewegung und mit gutem wissen dieselbe
genehmigte M. I. SCHMIDT gesch. d. Deutschen (1778) 3, 745; er verspricht
die rechte der kirchen ... nach seinem besten wissen und können ... zu
beschützen RANKE s. w. (1867) 1, 12; ein ausschusz von domherren, edlen und
ministerialen, die nach ihrem besten wissen und gewissen alles zum besten
der kirche einrichten sollten M. I. SCHMIDT gesch. d. Deutschen (1778) 3,
754. diese verbindung nach bestem wissen und gewissen ist uns geläufig aus
der eidesformel (s. teil 4, 1, 3, 6256): jeder schöffe soll ... das recht
nach seinem besten wissen und gewissen finden K. FR. EICHHORN rechtsgesch.
(1821) 2, 637; nach bestem wissen und gewissen des seligen ... mannes ehre
... zu retten JUNG-STILLING w. 3, 9 Gr.; er gab selbst manchem seiner
verleumder und hasser die überzeugung, dasz er wirklich nach bestem wissen
und gewissen regiert zu haben glaubte ARNDT schr. f. u. an s. l. Deutschen
(1845) 1, 197.
gegenüber steht wider (besseres) wissen: wider sein besser wissen und
gewissen G. ARNOLD unpart. kirchen- u. ketzerhistorie (1699) 154a; dasz er
den armen hasen wieder sein besser wissen und gewissen erscheust STOPPE
Parnasz (1735) 532; so ist doch über dieses aus anderer zeugen aussage zu
sehen, wie sie ... wieder ihr besseres wissen und gewissen geredet CHR.
THOMASIUS gedancken u. erinnerungen (1720) 1, 52; vielleicht gar wider
besser wissen und gefühl, lebenslang in ihr auf ein rad Ixions geflochten zu
seyn HERDER 13, 340 S.; wenn ich ... sagen sollte, dasz ich das buch gut
fände, so müszte ich wider wissen und gewissen reden WIELAND im
Göthejahrbuch 6 (1880) 97; auch: man wagt und tut das dümmste oft allem
besseren wissen und wollen nur gleichsam zu trotz MÖRIKE 3, 134.
c) der modale genitiv meines (unseres) wissens 'soviel ich weisz' ist
seit dem 16. jh. bezeugt, dagegen heiszt es schon frühmittelhochdeutsch:
durch den scatz
der unseres unwizzenes in den sechen lach Wiener genesis 4565 Dollmayr;
s. unwissen teil 11, 3, 2236; vereinzelt: er (gott) vergiszt nit mit der
zit, sunder sicht er alle ding eines gwüssen wüssens und ansehens
gegenwürtiglich in die ewigkeit ZWINGLI deutsche schr. 1, 65; alt sind auch
die niederdeutschen verbindungen wetens of unwetens, wetens unde willens
SCHILLER-LÜBBEN 5, 701; s. auch wettens unde [30,746] unwettens B. ROTMANN
restitution 85 ndr.; wettens unnde moetwillens ebda 36; VERWIJS-VERDAM 9,
2392; dies aber musz ich erinnern, dasz ich mich, meines wissens, im wein
noch niemals voll gesoffen hatte H. V. SCHWEINICHEN denkwürdigkeiten 32 Ö.;
auch von den partheien in rechthängigen sachen, oder so seines (des
hofgerichts secretarius) wissens bald rechthängig werden hofgerichtsordnung
des pfalzgrafen bei Rhein (1573) 45; von denen ist, unsers wissens, die
Straszburgische die erste PH. ZESEN helikon. rosentahl (1669) 14; ich habe
ihm meines wissens nie ein leid getan PETER DÖRFLER um das kommende
geschlecht (1932) 13; ungewöhnlich: meines wissens nach doch einzig und
allein der alte (schulmeister) W. RAABE Horacker (1876) 132.
3) der gebrauch von wissen auszerhalb der obigen festen verbindungen:
a) wissen wird in zunehmendem masze der ausdruck für geistige kenntnisse
und erkenntnisse, vor allem seitdem wissenheit mit beginn des 17. jhs.
seltener wird und wissenschaft mehr und mehr in die objective bedeutung
übergeht.
a) wissen subjectiv als persönlicher geistiger besitz: die ordensleut
sampt andern apostytzlern ... so dann in iren zünszelwerken und aignen selbs
fürgenommen pharisäischen wissen gar erstorben und begraben warend
PHILADELPHUS REGIUS von den lutherischen wunderzaychen (1524) B 1a; als er
... einen jedern umb sein wissen genugsam aussgefraget, fieng er an ...
bücher ... zu beschreiben HEYDE Plinius (1556) vorr. 5a; viel lesen macht
viel wissen MOSCHEROSCH insomnis cura parentum 43 ndr.; Samuel Johnson, der
tiefes wissen mit witz und laune mit ernsthafter weisheit vereinigt H. P.
STURZ schr. (1779) 1, 1; ein seichtes wissen ist gefährlich BODMER sammlung
crit. schr. (1741) 1, 61; ein hirnloser kopf, mit lasten von folianten
beschwehrt, voll von belesenheit und leer an wissen, erbauet sein ohr stets
mit seiner eigenen zunge ebda 1, 79; zuviel wissen macht kopfwehe A.
SCHELLHORN sprichwörter (1797) 159; sein (des medikus) wissen ist ein
beständiges sammeln und ausspenden GÖTHE I 23, 219 W.; nicht zerstückeltes
buchstäbliches wissen war sein ziel, sondern er drang bis zum anschauen, bis
zum unmittelbaren ergreifen der vergangenheit 40, 281 W.; sein verworrenes
wissen und schwankendes urtheil B. G. NIEBUHR röm. gesch. 1, 118; ein mangel
an historischem sinne bei einer fülle historischen wissens TREITSCHKE hist.
u. polit. aufs. (1896) 1, 9; so fehlte es doch meinem wissen an zusammenhang
IMMERMANN 2, 109 B.; das glück des wissens gehört auch dadurch zum wahren
glück, dasz es einfach und rückhaltlos und, ob es früh oder spät eintritt,
immer ganz das ist, was es sein kann G. KELLER ges. w. 3, 16; dasz er in ...
allem, was wissen und urteil angeht, der bedeutendere war FONTANE ges. w. I
1, 215; er ... war ihm an wissen und witz ... überlegen ebda 376. mit
besonderer sinngebung:
dort (auf erden) schien alles schon gethan;
hier (im himmel) geht erst das wissen an B. NEUKIRCH ged. (1744) 54.
m spiel mit dem gleichklingenden gewissen: viel wissens, wenig gewissen
LEHMAN floril. polit. (1662) 3, 447; es ist besser gewissen ohne wissen als
wissen ohne gewissen P. WINCKLER 2000 gutte gedancken (1685) G 8a; du
setztest dein christentum nicht ins wissen, sondern gewissen GOTTSCHEDIN
briefe (1771) 1, 35; dann überleitend zu wissen in objectivem sinne:
wie schleunig wuchs in seiner brust
der angebohrne zug zum wissen? GOTTSCHED ged. (1751) 1, 116;
des wissens durst blieb ungestillt SCHILLER 11, 25 G.;
neue aufgaben reizen unsern immer regen trieb nach wissen J. J. ENGEL
schr. (1801) 1, 83; man vergegenwärtige sich den ungeheuren drang nach
wissen zu anfang des sechzehnten jahrhunderts GÖTHE IV 31, 235 W. auf dem
wege zu wissen in objectivem sinne liegt schon das wissen einer
gemeinschaft: so lass dir benugen an dem, das dich dein erfarung und gemein
wissen lernet [30,747] LUTHER 10, 1, 1, 569 W.; antheil ... an der groszen
niederlage alles menschlichen wissens in den köpfen der besten professoren
ZIMMERMANN über die einsamkeit 2, 20; man sieht ... dasz noch da und dort
hundert lücken in unserm wissen sind J. M. MILLER briefwechsel dreier akad.
freunde (1778) 1, 122; sollte man ihr wissen gliedern, so würden
hauptsächlich mythologie, ... und sternkunde zu nennen sein RATZEL völkerkde
(1885) 2, 130; mehr gilt eine unze glück, als alles wissen der welt
DÜRINGSFELD sprichwörter (1875) 1, 109b.
b) wissen objectiv: physiognomik, das wissen, die kenntnisse des
verhältnisses des äuszern mit dem innern LAVATER physiognom. fragm. (1775)
1, 13; die deutsche litteratur, eine rüstige arbeiterin und dienerin des
wissens, erscheint in einem bettlermantel von maculatur HERDER 17, 297 S.;
das wissen läszt sich überliefern GÖTHE II 1, 373 W.; vergleichende anatomie
... man hat gerade in dem augenblick alle ursache diesem herrlichen wissen
mehr freunde und schüler zu berufen GÖTHE IV 29, 145 W.; man besitzt dort
... weit verbreitete kenntniss der elemente des wissens RANKE s. w. 1, 152;
weite gebiete des wissens W. V. POLENZ Grabenhäger 1, 37; den ganzen kreis
des historischen wissens RITTER erdkde (1822) 1, VI; in besonderer fassung:
es (das absolute wissen) ist nicht ein wissen von etwas, noch ist es ein
wissen von nichts ...; es ist nicht einmal ein wissen von sich selbst; denn
es ist überhaupt kein wissen von – noch ist es ein wissen (quantitativ und
in der relation), sondern es ist das wissen (absolut qualitativ) FICHTE s.
w. (1845) 2, 14.
b) der sonstige freie gebrauch von wissen ist wenig umfangreich; als
'nähere kenntnis': das aber gedachte warnung, nitt on grüntlich wissen der
sachen geschehen, hat sich bald darnach bewisen HUTTEN opera 1, 408, 23 B.;
dan allen denen die hie mit bemühet seint gewesen, gut wissen, daz kain
gruntlichs wissen ader sicherung ungezweiffelt angezeigt mag werden, von
kainem hailgthum der ganzen welt J. STRAUSZ christenlich unterricht (1523) B
2b; als 'bewusztsein oder bewusztwerden': sobald ... regelmäszig
wiederkehrende ständeversammlungen berufen werden, nimmt das wissen vom
staate seinen anfang DAHLMANN gesch. d. franz. revol. 141; (als) der krieg
wirklich begann, ... gab es noch kein bestimmtes wissen von ... einander
HANS GRIMM volk ohne raum 1, 468. von der providentia dei: das ... alles
auss dem wissen, ja ordnungen gottes geschieht SEB. MÜNSTER cosmogr. vorr.
2.
das wissen an sich, ohne inhaltliche bestimmung, in seinem wechselnden
gehalt charakterisiert durch gegenüberstellung mit anders gearteten
begriffen: das wissen, indem es sich selbst steigert, fordert, ohne es zu
bemerken, das anschauen GÖTHE II 6, 302 W.; (hinaus) über zerstückelung zur
totalität, über todtes wissen zu lebendiger anschauung bei W. SCHERER kl.
schr. 1, XVIII; dem handeln gegenüber: wissen und thun sind so weit von
einander als himmel und erden LEHMAN floril. polit. (1662) 2, 916; das
blosze wissen erhebt den menschen noch nicht auf den standpunkt, wo er
bereit ist, das leben einzusetzen für ... ehre und vaterland MOLTKE ges.
schr. 7, 108; neben wähnen, dünken tritt der charakter der gewiszheit
hervor: wan so der wone und unwissenheitt tzu eim wissen und bekantnus der
warheit wirt, so velt das annemen ab theologia deutsch 14 Mandel; duncken
stehet auf ungewissen grund, wissen auf gewissen grund LEHMAN floril. polit.
(1662) 2, 531; neben glauben: ich muszte also das wissen aufheben, um zum
glauben platz zu bekommen KANT 3, 19 akad.; trennung von glauben und wissen
LANGE gesch. d. materialismus (1866) X; gegenüber hoffen und glauben als
höheren mächten: sie (die unsterblichkeit des geistes) ist eine blüthe der
hoffnung, ...; nicht aber ist sie ein werk des wissens oder der noch
kälteren erfahrung HERDER 16, 28 S.;
dafür aber ...
fordr ich, dasz du mit deinen mächtgen flügeln
mich von des wissens grenzen zu dem reich
des glaubens ...
hinüber suchst zu tragen GRABBE w. 2, 46 Bl.;
[30,748] das lignum boni et mali (baum der erkenntnis gutes und
böses 1. Mos. 2, 17) heiszt auch holz des wissens: der erloubt im ouch alle
frucht ze essen, usgenommen von dem holz des wüssens gutes und böses ZWINGLI
deutsche schr. (1828) 1, 182; von dem baum des wissens des guten und des
bösen verbot in got, das sie nicht darvon essen WICKRAM 3, 158, 23 Bolte.
WISSEN [Lfg. 30,5], vb.
scire, novisse.
herkunft und bedeutung.
wissen ist ein gemeingermanisches präteritopräsens: got. wait, ahd. mhd.
weiz, as., afr. wēt, ags. wāt, an. veit, zu ai. vēda, gr. oÒda, lat. vidi,
aslav. vedeti, von einer wurzel ueid- 'erblicken, sehen' (dann auch
'finden'), deren bedeutung in lat. vidi, gr. aor. eÒdon, ÏdeÙn durchsieht,
näheres s. WALDE-POKORNY 1, 236.
die entwicklung von der ursprünglich sinnlichen bedeutung 'erblickt,
gesehen haben, sehen' zu der allgemeineren 'erfahren haben, kenntnis
genommen haben von' (s. u. 1) hat wissen schon in der vorgermanischen zeit
durchlaufen. auf diesem stande ist das wort seither stehen geblieben. die
nachfolgende darstellung wird sich daher im wesentlichen mit den formen
seiner sprachlichen verwendung befassen.
formen.
der ursprüngliche bestand an formen ist durch analogische neubildungen
stark verändert worden. spätmhd. taucht die form weist (3. sing. präs.) auf,
s. das glossar zu den mittelhochdeutschen minnereden (hg. v. Matthäi) und
zum Göttweiger Trojanerkrieg. sie bleibt im 16. jh. allgemein üblich und
begegnet z. b. ARIGO decameron 251; SEB. BRANT narrenschiff 64; Fortunatus
60; 64 ndr. C. SCHEIDT Grobianus v. 420 ndr.; MURNER schelmenzunft 70 ndr.;
EBERLIN V. GÜNZBURG 1, 148 ndr.; P. SCHEDE psalmen 28 ndr.; FISCHART
flöhhatz 26 ndr.; sie scheint besonders in der Schweiz zu hause gewesen zu
sein: ZWINGLI freiheit d. speisen 16 ndr.; deutsche schr. 1, 131; H. R.
MANUEL weinsp. v. 3853 ndr.; Baseler chron. 3, 74; HEROLD-FORER Gesners
thierbuch (1563) 17; TSCHUDI chron. 1, 28; FRISIUS verzeichnet sie mehrfach
in seinem dict. (148a; 302b; 1019a) und noch DENZLER clav. (1716) 358b nimmt
sie als regelmäszig auf. späterhin gebraucht sie noch SPRENG Ilias (1610)
33b; PH. BECH Agricolas bergwerkbuch (1621) 31; A. AGRICOLA gottes aug
(1629) 11; ROMPLER V. LÖWENHALT erstes geb. (1647) 20; J. SPENER innerl.
friede (1686) 118; 144; 159 und SCHILLER 1, 240; 2, 146 (räuber IV 3), s.
PAUL gramm. 2, § 190.
du weiszest begegnet seit dem 17. jh. (doch du weissist schon bei LUTHER
6, 583 W.), vgl. JACOB BÖHME mysterium magnum (1682) 171 (weissestu woraus
die erde erbohren ist); CORVINUS fons (1646) 1; GROB versuchgabe (1678) 35;
BODMER sammlg. krit. schr. 1 (1741) 2; STEINBRYCKEL Philoctet (1760) 20; 21;
WIELAND Agathon 1, 139; HERDER 9, 35 S.; FOUQUÉ gefühle (1819) 1, 19. –
ungewöhnlich ist ich weisse GRETTER ep. Pauli an die Römer (1566) 404; 754;
ebenso wer weisse ebda 188.
im präteritum tritt neben die ursprüngliche ss-form (got. wissa, ahd.
wissa, wessa) schon früh die analogisch gebildete st-form (ahd. wista,
westa). im mhd. sind wiste, weste gegenüber wisse, wesse im übergewicht
(näheres über ihre verbreitung K. ZWIERZINA zs. f. dt. alt. 45, 95; 63, 1
und abhandlungen z. germ. philol. 444), im frühnhd. stehen sie allein neben
dem jüngeren wuszte. am längsten halten sie sich in chronikalischen und
urkundlichen aufzeichnungen (s. z. b. die glossare zu den städtechroniken 2;
5; 25 und zu den weistümern), aber auch in literarischen quellen, so
begegnet weste (meist indikativ): ARIGO decameron 33, 16; 84, 1; 113, 13;
erste deutsche bibel 1, 44; HANS SACHS 1, 23; 2, 85 Keller; theologia
deutsch 45 M.; SCHWARZENBERG Cicero (1535) 130. – wiste (wissete) ist
gleichfalls häufig indikativ: Fortunatus 145; 152 ndr.; LUTHER 10, 1, 1, 602
W. (Herodes, der die leut hoch zu halten wist); ÖHEIM Reichenauer chron. 5
lit. ver.; CARBACH Livius (1551) 21b; EBERLIN V. GÜNZBURG 1, 80 ndr.; buch
der liebe (1587) 99b; Amadis 1, 32; Meteren niederländ. krieg (1614) 257a;
[30,749] württemberg. geschichtsquellen (a. d. j. 1593) 20, 793; OPITZ ged.
41, 22 ndr. auffallend ist jedoch der häufige gebrauch von wiste als
konjunktiv: NEITHART Terenz 60; NICLAS V. WYLE 21; 31; Fortunatus 87; Till
Eulenspiegel 3 ndr.; Alsfelder passionsspiel v. 1319; LUTHER 7, 559; 26, 209
W., über ihn näheres bei FRANKE 2, 192; KIRCHHOF 1, 125 lit. ver.; FISCHART
Dominicus 129 Kurz; BURKART WALDIS 1, 64; 2, 118; EBERLIN V. GÜNZBURG 1, 9
(doch wüszten 1, 93); W. SPANGENBERG 12; FRONSPERGER kriegsbuch 1 (1578) a
4b; und noch sehr spät S. GESSNER schr. 1 (1777) 33 (wistest du, was er da
zu dem körbchen sprach); städtechron. 5 stellt dem indikativ weste den
konjunktiv wiste gegenüber. weit häufiger wird jedoch wiste als konjunktiv
zu wuszte aufgefaszt sein und so zu dem endgültigen sieg der form wuszte
beigetragen haben, s. H. PAUL gramm. 2, § 190. wuszte begegnet zunächst in
mitteldeutschen quellen, s. Marienburger treszlerbuch (1399-1409) 252 und
LEXER 3, 961. im md. begegnet si woston K. STOLLE Thür. chron. 2 lit. ver.
das partizip gewissen, ahd. gawissan, hält sich vereinzelt bis in
frühnhd. zeit: (sie) wirt gewissen (scitur) erste deutsche bibel 2, 114;
gewiszen werden C. HEDIO christl. leer (1532) 7a; damit gewissen wirdt
österr. weistümer 6, 37; bewissen ebda 5, 157. geweten, die
mittelniederdeutsche form, lebt heute noch in Schleswig-Holstein. gewist
bleibt das ganze 16. jh. hindurch bezeugt.
1) etwas erfahren haben, kenntnis davon haben.
die kenntnis kann aus äuszerer sinnlicher wahrnehmung, aber auch aus
innerer erfahrung und einsicht stammen. gewöhnlich wird ihre herkunft gar
nicht zum ausdruck gebracht. inhaltlich umfaszt sie den gesamten
menschlichen erfahrungsbereich vom belanglosen factum bis zur tiefern
wahrheit: Jesu auh uuista iz (dasz sie ihn töten wollten), fuor danân
Monseer fragmente 5, 22 Hench;
waz tâ geschehe, wiez dort ergê,
gewin und flust, wie daz gestê,
desn weiz frou Herzeloyde nieht Parzival 102, 25;
waist du nicht, je höher du auffsteigest, je schwärer der nidervall sein
wirdet ALBRECHT VON EYB spiegel der sitten (1511) A 7b; waz liebe gewesen
syg, hab ich vor nit gewisset NICLAS VON WYLE translationen 33, 19 Keller;
die juristen ... versteend ir grob unchristenlich hirn nit, wissen auch nit,
was ir aigen facultet ist JACOB STRAUSZ wider den wucher (1523) 3b; wenn du
wisstest, das jemand dein kind von dem todte errettet hette, du würdest
demselbigen gütlichen dancken LUTHER 26, 209 W.; user was ursach ... das hab
ich nie gründtlichen gefunden oder erfaren künden, aber sovil waist man, das
... Zimmer. chron. 2, 477, 16; so es kundtlich ist, das der meertheil, so
jetz in klöstern ist, frau und man, nit gewisst hand, wie ein ellend
schedlich ding ist umb ein klosterläben EBERLIN V. GÜNZBURG 1, 140 ndr.;
experimento suo accipere, sine natura duce, non alio tradente selbsz wüssen,
verston und erfaren, und nit ausz eines andern leer JOH. FRISIUS dict.
(1556) 16b; damit ... die schäflin ... wissen und verstehn mögen, was man
durch solche geschrei meine SEBIZ feldbau (1579) 139; den sol man an die
statt und der rainstain gestanden ist, ingraben mit dem haubt unz an die
gurtel und die fuess aufkeren, damit gewissen wierdt, das der rainstain da
gestanden ist österr. weist. 6, 37, 36; ich versteh und weisz wol was gut
und recht, aber ich thu doch das bösz und unrecht ist LEHMAN floril. polit.
(1662) 1, 387; wie man dann aus der erfahrung weisz, dasz viele ... des
teufels selbst gebrauchen GRIMMELSHAUSEN 2, 329, 28 Keller; etwas aus langer
erfahrnis (erfahrung) wissen KRAMER dict. 2 (1702) 1367a; wenn man aus guten
gründen weis, wie man reden und schreiben soll GOTTSCHED deutsche
sprachkunst (1748) 6; wie wir aus sichern nachrichten wissen GERSTENBERG
recensionen 91, 20; nachdem ich etwas erfahren hatte, kam es mir erst vor,
als ob ich gar nichts wisse GÖTHE I 21, 20 W.; morgen ... geh ich von hier
ab, niemand weisz es noch (2. 9. 1786) IV 8, 22; um dieses zu verstehn, musz
man wissen, dasz die urtheile bei allen englischen tribunälen nach der
zeugen aussage [30,750] gefällt werden ARCHENHOLZ England u. Italien (1785)
1, 1, 15; gar bald weisz man das in Deutschland nicht mehr anders RANKE s.
w. 1, 27; Müllner will wissen, dasz ... der bischof von Würzburg 7000 ...
und Götz selber auch 2000 gezahlt habe 1, 137 anm. 1.
gern tritt das wissen dem tun oder wollen gegenüber: gelehrte leut
wissens, dapffere leut thuns LEHMAN floril. polit. (1662) 1, 416; ohne es zu
wissen oder zu wollen GÖTHE I 46, 43 W.
von der handlungsweise, meist negativ, im sinne von 'sich nicht klar,
unschlüssig sein', vgl. auch das formelhafte nicht aus noch ein wissen unter
5 b:
der stuont im enneben
und enweste, was ze reden OTTOKAR VON STEIER österreich. reimchron.
82609;
dasz er vor zorn und auch vor leid nicht wuszt, was todts er ihnen beiden
anthun solt buch der liebe (1587) 90b; dasz ich nicht weisz, woher nehmen,
ihren gaumen zu füllen MALER MÜLLER w. (1811) 1, 118; da wuszte er gar
nicht, was er sagen sollte GÖTHE I 43, 280 W.
nähere kenntnis wird durch zusatz hervorgehoben:
ez wart nie man so wis
der gar rehte wiste
mit welher hande liste
daz bilde gemaht were HEINRICH VON NEUSTADT gottes zukunft 1671 S.;
wann ich eigentlich wüste, dasz der Bernhäuter auf dem pferd geschlaffen
GRIMMELSHAUSEN 2, 338, 16 Keller; wer den unterscheid dieser völker und
ihrer sprachen genauer zu wissen verlanget D. G. MORHOF unterricht v. d. dt.
sprache (1682) 1, 31; etwas auf ein haarlein wissen saper' ogni cosa ad un
peluccio cioè a minuto, minutissimamente KRAMER dict. 1 (1700) 585c.
der wissensinhalt kann zeitlich voraufliegen. wissen ist ein
vorherwissen:
du wessest wol den sînen val Ezzolied v. 78;
wer weiz den tac sîner zuokunft? er ist als ein zesamne blâsende fiur
MEISTER ECKHART 159, 24 Pf.;
das gestrige liesz uns geringe kunde,
das morgende, zu wissen ists verboten GÖTHE I 3, 24 W.
bei zurückliegendem ereignis ist wissen 'erinnern': wiszt ihr nicht, wie
ihr zu zeiten seit bei höflichen zechen gewesen FISCHART Garg. 18 ndr.; das
weisz ich nicht, das ich das gesagt habe non memini me haec dicere JOH.
ORSÄUS nomenclator methodicus (1623) 308.
der gebrauch nominaler objecte ist bei wissen im gegensatz zu kennen (s.
u. 2 a) nur in beschränktem umfang möglich. gewisse verbindungen mit
abstracten begriffen sind seit alters fest:
sus enweiz ich mîn deheinen rât HARTMANN VON AUE Iwein 4883;
wen ich nymmer hülff et rat weis LUTHER 34, 2, 16 W.;
ich weysz bescheyd an diesen orten HANS SACHS 2, 5, 5 Keller;
tenere viam den weg wissen nomenclator (Hamburg 1634) 138; dasz diese
leuthe alle rick, weg und steg ... so wol wusten GRIMMELSHAUSEN 2, 38, 9
Keller; als einer ... verklaget worden, und keine entschüldigung wuszte
LEHMAN floril. polit. (1662) 1, 8; die vortrefflichsten mittel wissen
GERSTENBERG schlesw. lit.-br. 192, 19; keine rettung wissen GELLERT w. 1,
237; ich weisz dir vielleicht hülfe deutsche sagen (1891) 1, 54; sie ...
weisz sich in ihrer noth keinen rath O. JAHN Mozart (1856) 1, 373; niemand
... weisz mir da rat kriegsbr. gefallener studenten 337.
wissen verlangt ein ihm inhaltlich verwandtes object, also etwas
wiszbares oder mitteilbares. bei anderen objecten, so bei concreten
begriffen, erfährt der wissensinhalt eine charakteristische einschränkung
(s. u. 2 a):
thes namen westun se ouh giwant,
hiazun nan heilant OTFRID I 14, 4;
er waisz alle historien NICLAS V. WYLE translat. 17 Keller; er wuszt des
Catons spruch, das gessen ungetruncken sei [30,751] gehunken FISCHART
Gargantua 75 ndr.; er weisz weder wort noch weise darzu schöne weise
klugreden (1548) 91a; Darioleta, welche ... alle gelegenheit und ursach
ihres schmertzens und leids wust Amadis 26 lit. ver.; (es) ist narrheit, vom
verlauff der sachen wollen reden und den anfang nicht wissen LEHMAN floril.
polit. (1662) 1, 24; ich wuszte kein wort davon, dasz ... MOZART bei O. JAHN
3, 137; begeisterung, ein kunstwort, das alle welt weisz und fast
niemand erklährt RAMLER einleit. (1758) 31; ich weisz diese sache aus
erfahrung GELLERT w. 10, 150; sie wiszen das abentheuer meiner schiffahrt
HERDER 5, 168 S.; man wuszte die traurige nachricht GÖTHE I 24, 32 W.; ich
weisz die lustige geschichte einer frau IV 41, 48; Gockel wuszte nicht viel
von dem ur-Gockel ... er wuszte nur den alten familiengebrauch, dasz die
grafen Gockel immer den Alektryo in ehren hielten BRENTANO ges. schr. 5, 70;
unsere adresse weiszt du FONTANE ges. w. I 4, 234.
in einigen der vorauf genannten belege ist heute kennen sprachläufiger;
wo es sich jedoch um ein gedächtnismäsziges festhalten handelt, ziehen wir
wissen dem kennen stets vor: ich weisz noch einige verse, die ich der mutter
damals in die feder dictirte GÖTHE I 22, 260 W.; Felix freute sich, dasz
jener die namen von allen wisse 24, 47; ungewöhnlich: (er) hatte in der
fremde manches von dem alten städtchen vergessen. was er sich am wenigsten
verzeihen konnte, war, dasz er das stück stadtmauer und den runden turm
nicht mehr gewuszt hatte J. SCHAFFNER der dechant von Gottesbüren (1917) 37.
ähnlich: du weiszt unser bette mit den alten blauen vorhängen CHR. F. WEISZE
komische opern 3, 155; du weiszt den fauteuil im fenster, der seine grosze
lehne dem kamin zukehrt M. V. EBNER-ESCHENBACH ges. schr. (1893) 4, 391.
sprichwörtlich: keiner weisz, wo mich der schuh druckt ALBRECHT V. EYB
deutsche schr. 1, 7 H.; sie haben den rauch gesehen, wissen doch nicht, wo
das feuer brennet LUTHER 30, 3, 571 W.; ein schalck weysz wie dem andern
umbs hertz ist schöne weise klugreden (1548) 23a; wer weisz, wer des anderen
vatter oder schwager ist, da ein kirch vol leut ist 23a; was einer nit
waist, das thuet im nit wee, wie man sagt Zimmerische chron. 4, 208, 7; es
ist besser die warheit nicht wissen, denn davon abfallen PETRI d. Teutschen
weissheit (1604) 1, C 2a. vgl. weiter die zusammenstellungen bei WANDER 5,
289; ROTHER schles. sprichw. (gloss.) und in den wbb. der maa.
2) zu den charakteristischen eigenheiten von wissen rechnet
a) der allgemeine charakter. wissen besagt, dasz man etwas erfahren hat
oder – in einem noch weiteren sinne genommen – dasz etwas einem nicht
unbekannt geblieben ist. damit hängt es zusammen, dasz wissen allein keine
nähere kenntnis zum ausdruck bringen kann, sondern nur eine seite des
objectes umgreift.
a) bei concretem object meint es nur die örtliche lage, unterscheidet
sich hier also deutlich von kennen:
den schaz weiz nu niemanwan got unde mîn Nibelungenlied 2308, 3;
wolt ir das reich gottis wiszen, so durfft irs nit weit suchen, noch uber
landt lauffen LUTHER 2, 98 W.; item, wenn ein pferd vernagelt ist, ... wilt
du aber den nagel wissen, so geusz dem pferde kalt wasser auff den huff J.
WALTHER pferde- u. viehzucht (1658) 71; ach, dasz meine brüder mein
gefängnis wüsten volksbuch v. geh. Siegfried 65 ndr.; wenn er andere geng
oder geschick im felde weisz MATHESIUS Sarepta (1571) 27a; wenn ich die hexe
wüszte! SCHEFFEL ges. w. (1907) 2, 76; ze dän gieh se oder uns wissen se net
MÜLLER-FRAUREUTH obersächsisch 2, 674; vielleicht ursprünglich auch örtlich:
Helidor ... wuszte kein geld und durfte dem herzog ... es auch nicht sagen
PESTALOZZI s. schr. (1819) 3, 266.
verwandt sind die fälle, wo wissen besagt, dasz man jemanden (etwas)
angeben, nennen, bestimmen, aus einer zahl herausheben könnte. kennen hat
sich hier wissen angenähert, s. kennen II 5 e: warlich, so stete und so
gheure kam uns zu handen selten. es sei dann die selbe die du [30,752]
meinest: anders wissen wir keine ackermann aus Böhmen 4, 18 Bernt-Burd.; wo
man diesen (schuldigen) waist, soll man ... die anzaigen (1502) bei FISCHER
schwäb. 6, 896; der was ir feind und was der beriemptest reitter, den man
nicht west (16. jh.) städtechron. 25, 45, 22 (Augsb.); eltere geschriebene
bergordnung ... weisz ich keine MATHESIUS Sarepta (1571) 20a; man wuszte
auch niemand in der gantzen welt, der solche artznei kundt, als die schöne
Isalde buch der liebe (1587) 81a; alle waaren, welche die see ... ans ufer
wirft, und deren eigenthümer man nicht weisz ARCHENHOLZ England und Italien
1, 1, 32;
den möcht ich wissen, der der treuste mir
von allen ist, die dieses lager einschlieszt SCHILLER 12, 248 G.;
verbunden mit kennen: darumb solt billich eine igliche stad und dorff ihr
eigen armen wissen und kennen als im register verfasset, das sie ihn helffen
möchten LUTHER 26, 639 W.; wir können vnd wissen auch, spricht Peucerus,
dörffer, darinn viel jahr das vieh gestorben G. NIGRINUS von zäuberern,
hexen (1592) 84.
b) in anderen fällen umfaszt das wissen nur das dasein, die wirklichkeit,
wiederum deutlich verschieden von kennen. der heutige sprachgebrauch zieht
hier fast immer die construction wissen um, wissen von (s. 5 c) oder den
abhängigen satz vor. gänzlich fern liegt ihm ein unmittelbar folgender
sachbegriff: der mensch kan auch seiner seelen selbst nicht ansichtig
werden, sondern wie ein blinder weisz er den rock und sihet doch nicht die
farbe: also weisz er die seelen, die er bei sich hat vnd doch nicht sihet J.
M. MEYFART das himml. Jerusalem (1630) 2, 222; doch bleiben solche fälle
stets vereinzelt: des geleichen hat Paulus in dissem sacrament kein ander
werck gewüst denn eszen unnd trincken LUTHER 8, 515 W.; das ist, das sie die
sterck des scepters nit wissen 9, 189; (welche) sie angriffen, in die flucht
geschossen und unsz, wiewoll wir und sie unsz nitt wiszten, sye (die feinde)
alszo gleich in die hend gejagt (v. j. 1532) württemberg. geschichtsquellen
20, 793;
der, der mich gewust, eh himmel war und erde LOGAU sinnged. 70 E.;
neben den thränen, die gott weisz MOSCHEROSCH insomnis cura parentum 5
ndr.; und welcher ein sölichen esel verkauffen wöllen, der hat wärschafft
... versprechen müssen, dasz er kein mangel wüsse HEROLD-FORER Gesners
thierb. (1563) 42b; obcaecare fossas in agro gräben oder tulen machen,
dardurch das wasser laufft, welche oben deckt sind, darmit man si nit wüsse
JOH. FRISIUS dict. (1556) 573a; wenn ich euer gnaden sonderbaren verstand
und beständiges, in alles unglück sich findendes gemüth nicht wüszte LEIBNIZ
deutsche schr. (1838) 2, 14; wer die menge der bücher und sonderlich der ...
tractate weisz 2, 22; der herr cardinal hat ... statuen und sachen an das
tageslicht gebracht, die vorher kein mensch gewuszt hat JUSTI Winckelmann
(1866) 1, 306; ich wuszte alle ihre zusammenkünfte GÖTHE 23, 49 W.; man
weisz aus den ältesten zeiten blosz fragmente J. V. MÜLLER s. w. (1810) 1,
27; der raub, den du wusztest, und hast ihn nicht aufgedeckt CL. HARMS verm.
aufs. (1853) 121;
wenn thränen auch euch weisz die elysische welt E. M. ARNDT 3, 139;
ich wuszte nur meinen schmerz, bis der hunger mich lehrte, auf dieser
welt gelte es nicht vergangenes zu beklagen O. LUDWIG 2, 452.
es kann wissen dann auch mehr aussagen als bloszes 'kenntnis haben':
küschkhait waisz nit die kostlichkait richer hüsern NICLAS VON WYLE
translationen 27, 38 Keller; schärfer tritt die bedeutungswendung vom
'nichtwissen' zum 'nichthaben' hervor bei den unter wissen um und wissen von
angeführten belegen (s. u. 5 c a, b) und vor allem bei kennen (s. kennen II
7). auch in gewissen formeln gewinnt die bedeutung von wissen eine
concretere färbung, so in umgangsprachlichem geld wissen müssen u. ä.
(MARTIN-LIENHART elsäss. wb. 2, 870; FISCHER schwäb. 6, 897) oder
niederdeutschem ein ende wissen wollen (d. h. machen wollen s. u. 6 a) u. ä.
[30,753]
b) die stets perfective bedeutung, entsprechend dem ursprünglichen
charakter als präteritopräsens. wissen kann nicht 'erfahren' sein: was drey
wissen, das erfahren hundert FRIEDRICH WILHELM sprichwörterregister (1577) i
i 2a nr. 102; wer nichts erfährt, der weisz nichts niente sà se non che và
per la città KRAMER dict. 2 (1702) 1368a, es sei denn, dasz der zusammenhang
ergibt, dasz das wissen noch nicht perfectiv ist: inti gibot in thrato that
iz nioman ni uuesti (et precepit illis vehementer, ut nemo id sciret) Tatian
60, 17;
si wolte wizzen alle wege
und sehen, ob ime sîn sache
stüende ze gemache GOTTFRIED VON STRASZBURG Tristan 2048;
... und geschach wenn sie des nachts uber die greber traten, und rieffen
den todten zu, was sie gern gewisset hetten, weil sie solchs von den
lebendigen nicht erfahren kundten G. WICELIUS annotationes (1536) 59b; wann
aber das grimmen noch nicht nachlassen will, so nim das weisz von hünerkaht
geschaben, vnd gibs jhm ein, warinn du das magst einbringen, dasz ers nicht
weist GÄBELKOVER artzneybuch (1595) 1, 238; eine öffnung ... von der ich
dein urtheil wissen möchte GERSTENBERG Ugolino 224, 31 H.;
wisse die erde, der himmel da droben, es wisse der schwarze
drunten flieszende Styx GÖTHE I 4, 324 W.;
in ein paar tagen musz ich antwort wissen I 23, 110. unter solchen
bedingungen kann wissen dann gleichbedeutend neben erkennen und erfahren
treten: also das ain jeder ... die ännderung des wetters aygentlich und
augenscheinlich wissen und erkennen mag (1510) REYNMANN wetterbüchlein 1 H.;
sie dasselbe vorhin gerne wissen vnd erkennen wolten L. THURNEYSSER magna
alchymia (1583) vorr. 1; fürwitz wil alle ding wissen vnd erfahren LEHMAN
floril. polit. (1662) 1, 249.
wissen kann übergehen in die bedeutung 'dartun, beweisen': ich frage dich
auf den aid, ob das landtätung bei allen gerichten der finf stäb im Pongei
auf heutigen tag ordentlich geboten sei, und wie man dasz wissen soll
österr. weist. 1, 182, 36; darnach fragt er, (wie man das) wissen soll, das
der mesner solches erfaren hab (v. j. 1570) ebda 1, 179, 12.
3) bedeutungsschattierungen, die sich jeweils aus dem zusammenhang ergeben.
a) wissen als 'wissen haben, kenntnisse und erkenntnisse besitzen':
maister hans Spenhin, ..., sunst göttlicher und menschlicher historien vil
wissend G. ÖHEIM chron. von Reichenau 2 Barack; wer viel weisz, der wird
nicht feist LEHMAN floril. polit. (1692) 1, 320; alle menschen begehren von
natur viel zu wissen JOH. ARND nachfolge Christi des Thomas a Kempis (1631)
3; möchte er mir doch einige nachricht von den englischen und irländischen
klosterstudien geben können aus jener dunklen zeit von der man wenig weisz.
wäre es auch nur nachricht, dasz man nicht viel wisse GÖTHE IV 30, 117 W.;
was man nicht weisz, das eben brauchte man,
und was man weisz, kann man nicht brauchen I 14, 55 W.;
dasz es dem menschen keine ruh läszt, alles wissen und fühlen zu wollen
BETTINE dies buch gehört dem könig (1843) 1, 30.
besonders fühlbar bei absolutem gebrauch:
du bist ein arm eintönig einfalt kind,
verstast dich nüt und wilt doch wüssen N. MANUEL 172 B.;
der mensch ist von natur geneigt zu wissen l'huomo ama (inclina)
naturalmente di (a) sapere KRAMER teutsch-ital. 2 (1702) 1368a; dasz, wo er
(der naturforscher) jetzt nicht weisz, er wenigstens unter umständen wissen
könnte DU BOIS-REYMOND über die grenzen d. naturerk. (1873) 38; ich weisz
aber auch garnichts, nur das sich da etwas wissen lassen musz U. V.
WILAMOWITZ-MÖLLENDORFF an Usener (1934) 9.
gegenüber steht das 'nur-wissen', das, wenn es rein gedächtnismäszig ist,
durch verschiedenartigen zusatz betont [30,754]
wird, vgl. auszen kunnen oder wissen memoriter DIEFENBACH gl. 355c;
cordetenus mit dem herczen, hertz glich wissen nov. gloss. 114a; sie hatte
Wolfs sämtliche deutsche schriften gelesen, besonders aber wuszte sie
desselben kleine logik auswendig NICOLAI Sebastian Nothanker (1773) 1, 12.
das 'nur-wissen' bildet zu einem tieferen verstehen den gegensatz: wenn man
bemerkt hat, wie behaglich er (der mensch) oft das zu begreifen glaubt, was
er nur weisz GÖTHE II 5, 1 W.; so kann denn auch wissen sich selbst
gegenübertreten:
gar mancher hat sich ernst beflissen,
und hatte dennoch schlechten lohn.
es ist ganz eigen: wenn sie wissen,
so meinen sie, sie wüszten schon GÖTHE 5, 110 W.
b) 'gewisz sein, überzeugt sein', man fühlt die nähe von gewiszheit,
gewisz durch. in religiöser sprache besonders häufig:
sô duent thie gotes thegana,sie uuizun thaz guat hiar
in himilrîches hôhîthia gotes guallîchî obana, OTFRID V 23, 43;
wann ich weisz das mein erlöser lebet erste deutsche bibel 7, 187, 54,
hier wie im folgenden 'vom bewusztsein religiöser gewiszheit getragen sein'
(s. c): dann es weiszt, es hat in dem herren, dessen himmel und erden ist,
alles was ihm zu seinem genusz nöthig ist PH. J. SPENER der innerliche u.
geistliche friede (1686) 118. die philosophie nimmt wissen in diesem
strengeren sinne des gewiszseins: was aus ungezweiffelten gründen durch
richtige schlüsse herausgebracht wird, davon pflegen wir zu sagen, dasz wir
es wissen CHR. FR. WOLFF vernünftige gedanken v. gott (1720) 195, s. auch R.
EISLER wb. der philos. begr. (1910) 1849.
gewöhnlich heben zusätze den charakter der gewiszheit besonders heraus:
ich weiz ez als mînen tôt HARTMANN VON AUE Iwein 3407; 4095;
schwur ... und sprach also, das er das mit rechter warhait wol wüszte und
ime gewissen wär, das die vesst Lanenburg weilandt lehen sei gewesen J. A.
V. BRANDIS gesch. d. landeshauptleute von Tirol 24; ein ding wol, gar wol
wissen, gewisz wissen, genau wissen KRAMER dict. 2 (1702) 1366c. der
besondere charakter der gewiszheit ergibt sich ebenso durch
gegenüberstellung von wissen mit wähnen, glauben u. s. w.: ein weiser man
wänet nicht, sondern weisz FRIEDRICH WILHELM sprichwörterregister (1577) 9b,
nr. 941; wir duncken, was wir nicht wissen LEHMAN floril. polit. (1662) 2,
531; die meisten menschen wissen zuerst, und nach diesem lernen sie zweifeln
GERSTENBERG recensionen 113, 11 F.;
die lebendgen
glauben und die todten wissen FR. W. WEBER Dreizehnlinden (1907) 127.
c) 'bewuszt sein, von einem bewusztsein getragen werden', die bedeutung
ist deutlich durativ und über die einer bloszen kenntnisnahme
hinausgewachsen; vgl. auch die unter 5 c b, 5 d b und 8 angeführten
verbindungen: ein recht volkomen mensch sol sich selben so tot gewenet sin
unt sich selben entbildet in gotte unt in gottes willen so überbildet ...,
(dasz er) sich selben unt alles (und) niht wisse unt got allein wisse, nit
wisse noch ouch wissen welle denne gotes willen MEISTER ECKHART buch der
göttl. tröstung 14, 10 Str.;
die wîl ich iuch weiz, sô lebe ich wol ULRICH V. D. TÜRLIN Willehalm
114, 27 S.;
vgl.: (verbunden sollen unsere herzen) immer bleiben, so lange wir uns
wissen und empfinden STORM an seine braut 90;
aber süszer ist noch, schöner und reizender,
in dem arme des freunds wissen ein freund zu sein KLOPSTOCK oden 1, 85
M.-P.;
einen menschen zu wissen, der einem ganz und ewig angehört FÜRST PÜCKLER
briefw. 1, 450; ich sehe sie selbst, ich weisz sie, wie ich noch niemals
einen menschen gewuszt habe O. GMELIN sommer mit Cordelia (1933) 119. von
innerer gewiszheit und überzeugung: sie schwuren sich nicht, sich nie zu
verlassen: sie wuszten, dasz sie einander nie würden lassen können RUD. G.
BINDING keuschheitslegende [30,755] (1929) 27; ich weisz, dasz meine kinder
und mein geschlecht und das deutsche volk ein und dasselbe sind und ein
schicksal tragen müssen HANS GRIMM volk ohne raum 1, 11. tieferen gehalt
gewinnt wissen bei absolutem gebrauch:
du, der du weiszt und dessen weites wissen
aus armut ist und armutsüberflusz R. M. RILKE 2, 284;
im grunde fühlt wohl jeder einen sinn in sich, der mit und über allen
planeten weisz und wirkt H. CAROSSA rumänisches tagebuch (1926) 77. in
physischem sinne: ein pferd, welches seine stärke weisz, lässet sich keinen
menschen zäumen ZIEGLER die asiatische Banise (1689) 341.
gern negativ 'sich nicht bewuszt sein oder werden': zuo dem vierden mâle
suochent alle crêatûre ruowe, sie wizzenz oder enwizzenz niht MEISTER
ECKHART 152, 28 Pf.; in deme (einen antlitz der seele) ist on undiralis
gotlich licht und wirkit dar inne, alleine si ez nicht enweiz, wan si da
heime nicht inist MEISTER ECKHART in: paradisus an. intell. 51, 34 Strauch;
er wuszte nun selbst nicht mehr, was er wollte, gleich einem nachtwandler,
der plötzlich bei seinem namen gerufen wird EICHENDORFF s. w. 3, 122; was
ist alles künstliche wissen in der welt, was ist die ganze stolze mündigkeit
der menschlichen gedanken gegen die ungesuchten töne dieses geistes
(Diotimas), der nicht wuszte, was er wuszte, was er war HÖLDERLIN s. w. 2,
156.
vom physischen zustand: und der weisz ritter was so ser von seinen sinnen
kumen durch der künigin schön, das er nicht umb sich west U. FÜETERER
Lanzelot 33; vgl. nix um si wissen bewusztlos sein FISCHER schwäb. 6, 897;
catalepsis ... ein melancholische plag, da einer die augen off hat, und
sihet immer ein ding an, und weisz selbst nit, was er thůt ALBERUS dict.
(1540) H 4b. eine häufig gebrauchte formel: ich weisz nicht, wie mir ist io
non sò quel che sento, io mi sono tutto imbalordico e confuso KRAMER dict. 2
(1702) 1367a.
das partizipium wird gleichbedeutend mit 'bewuszt, beabsichtigt':
allerdings erscheint solche härte (in der musik) auch bei Mozart nie als die
folge einer ungelenken sprödigkeit, sondern stets als eine gewuszte und
gewollte O. JAHN Mozart (1856) 3, 383; so willkürlich auch die phantasie
hier und dort verfahren mag, es ist nirgend eine gewuszte willkür W.
WACKERNAGEL poetik (1873) 57; damals wusztest du es noch nicht, und erst
viele jahre später war es gewuszter und klarer O. GMELIN Konradin reitet
(1933) 11.
4) das verhältnis zu den bedeutungsverwandten können und kennen.
a) können ist ursprünglich 'wissen, kennen, verstehen', vgl. got. ik kan
'ich weisz' und die ableitungen kund, kunde, kundig.
a) die einstige verwandtschaft verrät sich noch in der häufigen
verbindung oder gegenüberstellung von wissen und können (s. teil 5, sp.
1726):
wan si daz allez wiste
daz ieman kunnen solte KONRAD VON WÜRZBURG Trojanerkrieg 7452;
swaz man wizzen und kunnen sol,
daz des rîches reht an gehôrt,
des was er unbetôrt OTTOKAR VON STEIER reimchron. 39337;
en juwelik mensche is dat schuldich, dat he sinen vlijt darto do, alle
dinge to konnen, to wettene und to lerene JOH. VEGHE 273 Jostes; vom
erlernten: unser seelsorger, die nüt in der geschrift wüssend und könnend
ZWINGLI deutsche schr. 1, 132 B.; als 'sich auf etwas verstehen':
der weste unde kunde,
wie man damit solt gebâren OTTOKAR VON STEIER reimchron. 24275;
die kunden unde westen,
wie manz ellenden gesten
erbieten soll ebda 887.
doch ergänzt heutiges sprachgefühl hier einen infinitiv. neuere belege
wird man daher zuerst aus dem beiden verben [30,756] gemeinsamen gebrauch
mit nachfolgendem infinitiv (s. u. 5 e) verstehen müssen: der cardinal trägt
alle sorge für mich und schont mich, wo er weisz und kann WINCKELMANN bei
JUSTI 2, 1, 295; und sagte so bescheiden als ich nur wuszte und konnte GÖTHE
I 43, 220 W.; das leben ist kurz und die bücher sind lang: was wunder also
wenn man sich so geschwind mit ihnen abzufinden sucht, als man weisz und
kann? A. W. SCHLEGEL im Athenäum 1, 1, 143.
b) in der schulsprache hielt sich können als 'wissen' am längsten (s.
teil 5, 1725). in folgenden belegen kann daher statt wissen auch können
stehen, heutiger sprachgebrauch zieht sogar können vor: von den kleinen
pusillen (pusselchen), welche ihr vatter unser und glauben nicht wissen R.
LORICHIUS paedagogia principum (1595) 175. besonders von sprachlichem
können: die lateinische sprach wissen, ist einen fürsten ein stattliche zier
LEHMAN floril. polit. (1662) 1, 493; eine sprach wissen sapere una lingua
KRAMER dict. 2 (1702) 1367c;
wenn keiner wird gehört, er musz französisch wissen LEIBNIZ dt. schr.
(1838) 1, 439
ich schmeichle mir jetzt, doch gewisz ziemlich viel italiänisch zu wissen
LESSING 18, 160 M.; ohne zweifel wuszte er damals so viel englisch noch
nicht und konnte es auch nicht wissen, als er während seines aufenthalts zu
London zu wissen gezeigt hat 6, 405; doch: du kannst aber nicht deutsch, das
ist: du weiszt nicht, was in dieser sprache gemein oder niedrig, rauh oder
annehmlich, undeutlich oder verständlich, alt oder gebräuchlich ist; du
weiszt ihre regeln nicht; du hast keine gelehrte kenntnis von ihr 1, 284;
der kerl weisz latein A. V. ARNIM 16, 3. ebenso: sie hat lectüre, weisz
musik FR. M. KLINGER neues theater (1760) 2, 186; gebürtig aus dem
Thüringerlande, wo jeglicher bauer musik weisz J. H. VOSS ged. (1802) 1,
183.
b) wissen und kennen. der bedeutungskern ist bei beiden verschieden:
kennen setzt in seinem genauen gebrauch eigene erfahrung und nähere
vertrautheit voraus, wissen bezeichnet jede kenntnisnahme (s. o. teil 5, sp.
541 und 539): Christum Jesum, den gekreutzigten kennen, ist besser denn
alles wissen KRAMER dict. 2 (1702) 1366c; die welt kennen, heiszt wissen,
dasz man nicht viel auf derselben bedeutet SCHLEIERMACHER im Athenäum (1798)
1, 2, 105. doch hält die sprache diesen unterschied nicht fest, die gebiete
von kennen und wissen überschneiden sich.
a) häufig in religiöser sprache, hauptsächlich durch fremdsprachlichen
einflusz, der sich bei den älteren quellen deutlich ersehen läszt und in
festen verbindungen wie gott wissen, gottes namen wissen lange nachlebt:
enti aer auuar laucnita mit eidu, daz aer den man ni uuisti (et iterum
negavit cum iuramento quia non novi hominem) Monseer fragmente 23, 12 H.,
vgl. OTFRID IV 18, 10; IV 18, 30; ir bettot daz ir ni uuizzunt, uuir betomes
daz uuir uuizzumes, uuanta heili fon Judeis ist (vos adoratis quod nescitis,
nos adoramus quod scimus, quia salus ex Judeis est) Tatian 87, 5;
'Ih,' quad druhtin, 'weiz thihbi namen, thaz ni hiluh thih,
bi namen uueiz ih thih al,so man sinan drut scal'
(non te generaliter, sed specialiter scio) OTFRID V 8, 37; 38;
fure dene dina gnada, daz chit sceine sia unde spende sia dien die dih
uuizzin (scientibus te) NOTKER 2, 126 P.; uuizzist du min herza (scito cor
meum) 2, 580; uone diner lera uuizzon uuir dinen sponsum filium de patre
WILLIRAM 86, 4 S.; der weiz, di her irwelit hât mystiker 138, 4 Pf.;
der ist die warheit, der mich hat gesant,
den ir nit wissen zehand,
ich weisz in aber, als ich úch sag MONE schauspiele des mittelalters 2,
217;
ferre ist die seligkeit von den, die dich nicht wissen Bonaventura
deutsch Marial (1516) f 3b; herre, du sihest und weist allein die natur
einsz liebrichen hertzen der ewigen wisheit betbüchlein (1518) 4a; got, der
die seynen weiss und kend (1552) bei FISCHER schwäb. 6, 896. die [30,757]
fremdsprachliche vorlage mag auch im folgenden nachwirken:
gilîh, quad, uuurtîn thannegoton, nales manne,
ioh thanne in iro brustinguat ioh ubil uuestîn
(vom sündenfall, vgl. baum des wissens, der wissenschaft) OTFRID II 6,
22;
in erlangung der kunst zu wiszen guts und bösz JUDAS NAZAREI vom alten
und neuen gott 4 ndr., s. übel unde guot künnen zs. f. dt. altert. 7, 345.
b) vom gelehrten wissen; die schrift, das gesetz kennen: ir irret nicht
wissent die schrift erste deutsche bibel 1, 85, 11; die ersten sind die
priester und schreiber, die wissen die schrifft und leren sie yderman und
kommen selbs nit dahinn LUTHER 10, 1, 1, 593 W.; unser hoffrichter und
beysitzer sollen dise unsere jnen zugestelte hoffgerichtsordnung eigentlich
wissen unnd verstehn hofgerichtsordnung des pfalzgrafen Friedrich (1573) 5;
es gehört mehr zu regierung, als recht vnd gesetz wissen LEHMAN floril.
polit. (1662) 2, 653.
g) doch beschränkt sich der gebrauch von wissen im sinne von heutigem
'kennen', besonders in älterer sprache, nicht auf die vorauf genannten
gebiete. vereinzelt und heutigem sprachgebrauch am fernsten stehen
nachfolgende concrete objecte:
du weist daz mer unz uf den grund
und allez, daz ie menschen munt
ze keiner stunt
gesprach, dast âne lougen pseudogottfried. lobges. 56, 11 L. Wolff;
der werlde bin ich unbekant;
sal mich die bekennen,
der muoz ich mich nennen:
vorswige ich mich, wer weiz mich dan? HEINR. V. HESLER apokalypse 143;
da kamen an die predig gar vil haimlicher ketzer, die man nit west
städtechron. 5, 46, 11 (Augsb.); die nahrung ist behende und mancherlei, wer
sie weisz PETRI der Teutschen weiszheit (1604) 2, R 1a; ungleich häufiger
sind die inconcreta, aber auch bei ihnen handelt es sich oft um abweichungen
vom normalen sprachgebrauch, nicht um sprachläufige verbindungen, s. auch
die belege oben unter 1:
frouwe, ich weiz wol dînen muot:
daz dû gerne stæte bist,
daz hab ich befunden wol WALTHER VON DER VOGELWEIDE 97, 23;
wie die Deutschen nit szo gantz grobe narn sein, das sie romische
pracktick gar nichts wissen oder vorstehen LUTHER 6, 418 W.; hettestu
(Luther) der östereichschen fürsten angeborne art gewisst und erkennet, du
würdest unserm fridsamen blut usz Östereich solcher uffruren nit geraten
haben MURNER an den adel 9 ndr.; der freund weise soll man wissen, aber nit
hassen (mores amici noueris, non oderis) schöne weise klugreden (1548) 56b;
das er die eigenschafften ... seins viechs und bodens wol wüsste vnd
erkennte SEBIZ feldbau (1579) 36; ach lieber vatter ... wisset ihr nicht die
traurigkeit dieser fürsten und herrn? buch der liebe (1587) 13d; er waist
und kennet die böse naigungen der menschen ÄG. ALBERTINUS Lucifers
königreich 23 L.; eines sein hertz, seine gedanken, sein innerliches wissen
KRAMER dict. 2 (1702) 1367; den gebrauch, die gewonheit nicht wissen ebda;
wer die beschaffenheit dieses ... ortes weiss SCHNABEL Felsenburg 3 Ullr.;
die sitte unserer vorfahren weiszt du doch, auch die wichtigsten dinge am
tische zu überlegen LESSING 13, 406 M.; wissen sie schon ihre gesinnungen 3,
341; ohne die meinung kaiserlicher majestät zu wissen RANKE s. w. 1, 144. im
sinne von 'kennen, sich verstehen auf':
zuht enwisse nieman baz ULRICH V. ZATZIKHOVEN Lanzelet 4023;
denn die Türcken gar keine erbarkeit wissen noch achten LUTHER 26, 229 W.
dieser gebrauch wurde erleichtert durch die mehr und mehr sprachläufig
werdende verbindung von wissen mit dem infinitiv, wo sich die gleiche
bedeutung ergab:
so min lieber knecht Rosenkrancz,
du weist den alden reien gancz Alsfelder passionsspiel v. 267 G.;
und den buw des ackerwercks waisz er als Virgilius NICLAS VON WYLE
translationen 17 K.; aber ein handtwärck [30,758] solt er vorhin lernen,
wann er keines wüste EBERLIN V. GÜNZBURG 1, 99 ndr.; aber sie (die
kardinäle) wissen die kunst J. SLEIDANUS reden 68 B.; diese manier, phasanen
zu halten, wissen die reichen garkuchen zu Paris trefflich wol SEBIZ feldbau
(1579) 114; ein jeglicher baurenknecht weist die kunst PARACELSUS opera 1,
324C Huser; als hätte Guttenberg nur die art, in holz die formen zu
schneiden, gewuszt LEIBNIZ deutsche schr. 2, 433; eine kunst wissen sapere
un' arte KRAMER dict. 2 (1702) 1366c; kein hirt weisz die pflege der
pflanzen wie er SAL. GESSNER w. (1778) 2, 6.
5) die sprachliche form für das object des wissens.
a) nominales oder pronominales object, belege oben unter 1-4.
b) der abhängige satz. diese form kann auch überall da eintreten, wo die
knappere des nominalen objectes nicht möglich ist. gern steht indirekter
fragesatz (s. o. 1), der oft nur durch das pronomen angedeutet ist: nicht
wissen wohin, wer weisz wo, gott weisz wann u. s. w. (s. unten die formeln
unter 7). alt und weit verbreitet: nicht wissen wo aus oder ein u. ä.: (er)
nicht west wo aus oder ein ARIGO decameron 84 K.;
do wuszt ich nit wo usz noch an,
und wolt mich niemant me ouch han H. R. MANUEL weinspiel 2988 ndr.;
difficultatibus affectus ... der nit weisz wo er ausz sol, weder trumm
noch end FRISIUS dict. (1556) 58b; haerebat nebulo, quo se verteret, non
habebat er war betretten und wuste nicht wo aus BAS. FABER thesaurus (1587)
372b;
da ich ein kind war,
nicht wuszte wo aus noch ein,
kehrt ich mein verirrtes auge
zur sonne GÖTHE I 2, 76 W.;
wenn meine liebe schwache mutter nicht ein und aus wuszte mit mir M. V.
EBNER-ESCHENBACH ges. schr. 4, 177.
c) präpositional angeschlossenes object, am häufigsten wissen um und
wissen von etwas. das mittelhochdeutsche kannte auch noch andere
constructionen: er enwiste niht hiemite GOTTFRIED V. STRASZBURG Tristan 771;
die verbindung mit präpositionen gestattet auch den anschlusz von nominalen
objecten mit der weiteren bedeutung von wissen, wo der transitive gebrauch
den sinn in der oben gekennzeichneten form (s. 2) festlegen würde.
a) um etwas wissen, bis in die gegenwart üblich, doch mehr und mehr nur
dann, wenn es sich um ein unbestimmtes wissen oder ein wissen um etwas
dunkles, geheimnisvolles handelt, vgl. das vereinzelte verstehen um, s. u.
sp. 1683; um etwas wissen sapere di qualche cosa KRAMER dict. 2 (1702)
1367b; nichts um etwas wissen non sapere niente di qualche cosa ebda:
der herzoge Kyôt
wesse wênc umb sîner tohter tôt Parz. 805, 12;
dasz wort (die 3. bitte des vaterunsers) hât zwêne sin. daz êrste: slâfe
vor allen dingen, daz ist, daz dû noch umbe zît noch umbe crêatûren noch
umbe bilde niht enwizzest. die meister sprechent: ein mensche, der rehte
sliefe, sliefe er hundert jâr, er enweste umbe dekeine crêatûre, er enweste
noch umbe zît noch umbe bilde MEISTER ECKHART 208 Pf.; caecus iudicat de
colore ... der sich eins dings annimpt und wil vil drumb wissen, und hat
kein verstand ALBERUS dict. (1540) V 2a; aber disser kunst gedenckt man itzt
nit in den hohen schulen, und wissen die pawren mehr drum, denn unsser magi
LUTHER 10, 1, 1, 563 W.; nun waren diese ding dem getrewen truchses, hertzog
Thinas, verhalten gewesen, vnd hett auch nichts darumb gewisst, denn hette
er es gewiszt, er were hierzu nicht kommen buch der liebe (1587) 90c; alle,
die umb das mord wiszten Fortunatus 152 ndr.; mit hülfe eines bedienten, der
um den betrug weisz, sieht er alles, was in seinem hause vorgeht LESSING 10,
139 M.;
graf Aubespine, der abgesandte Frankreichs
weisz um den bund SCHILLER 12, 426 G.;
die gesellschaft ... ward noch mehr in dem verdacht bestärkt, dasz Serlo
um die erscheinung des geistes wisse GÖTHE I 22, 207 W.; das subject selbst
darf nie so aussehen, [30,759] als wenn es um seine anmuth wüszte SCHILLER
10, 84 G.; die ganze Kröppelstrasze wuszte bereits um das ereignis W. RAABE
der hungerpastor (1864) 1, 6.
ungewöhnlich statt des üblichen von nichts wissen wollen ist um etwas
nichts wissen wollen (non voler sapere altro d'una cosa) KRAMER dict. 2
(1702) 1367b; will nichts um dich wissen – allein will ich bleiben MALER
MÜLLER w. (1811) 1, 68; das 'nichtwissen' kann im 'nichthaben' begründet
sein und so die bedeutung des letzteren annehmen:
dine wizzen umme arbeit niet graf Rudolf Cb, 23;
liezen mich gedanke frî,
son wiste ich niht umb ungemach WALTHER VON DER VOGELWEIDE 41, 36;
umb solhen kumber ich niht weiz WOLFRAM VON ESCHENBACH Parzival 532,
16.
b) von etwas wissen. es wird dadurch gelegentlich eine teilweise kenntnis
zum ausdruck gebracht:
nu hœrt dirre âventiure site.
diu lât iuch wizzen beide
von liebe und von leide Parzival 3, 29;
der gut mann erschrack und sprach, er wiszte von nichts KIRCHHOF
wendunmuth 1, 125 Öst.; und iru hüttlach mit gerör gemacht, wann si
noch nit wiszten von kainerlay pau weder von stain noch kalck städtechron.
4, 280, 10 (Augsb.); denn wie solte derjenige von lieben wissen, welcher die
zeit seines lebens von nichts anders als fechten gewust? schauspiele der
engl. comödianten 74, 34 Creiz.; denn damals wuszten diese ungläubige nur
von drey reichen HAHN staatshistorie (1721) 1, 38; und du vornehmlich, o
geist, ... unterrichte du mich, denn du weiszest von allen dingen J. J.
BODMER sammlung crit. poetischer schr. (1741) 1, 2;
ins herz, das fest wie zinnenhohe mauer
sich ihr bewahrt und sie in sich bewahret, ...
nur weisz von sich, wenn sie sich offenbaret GÖTHE I 3, 23 W.;
als ich wieder erwachte und von mir zu wissen anfing BETTINE die
Günderode (1840) 1, 26;
es ist kein krieg, von dem die kronen wissen KÖRNER 1, 122;
wo es an tugend und an liebe gebricht, da weisz der hang zur verbesserung
von keiner rückkehr in sich selbst und in die vergangenheit FR. SCHLEGEL im
Athenäum 2, 28.
grammatisch anders liegen die verhältnisse in folgenden belegen: und ich
kein uneer oder laster (on rum zu reden) von mir weisz HUTTEN opera 1, 413
B.; auch wuszt er solche kunst nit von ir, er hette es vielleicht sonst mit
seiner listigkeit wol darzu gebracht, dasz im iergends hülffe durch sie
geschehen were buch der liebe (1587) 81a, auch, wenn es heiszt etwas, wenig,
nichts wissen von: was wolten wir doch von der gewalt und herrschaff
Achillis, Alexandri Magni, Herculis oder Julij Caesaris wissen, wenn keine
historien vorhanden weren BINHARDUS thüring. chron. (1613) vorr. b 3; dann
sie wuste ja nichts von mir GRIMMELSHAUSEN 2, 346, 9 K.; er aber, höchst
miszvergnügt über die worte seines meisters, behauptete mich nicht zu
kennen, noch etwas von mir zu wissen GÖTHE I 43, 41 W.; häufig ist hier der
übergang von 'nichtwissen' zu 'nichthaben': trunckenheit ... weisz nichts
von gerechtigkeit AMBACH vom zusauffen (1544) B 4b; weil aber die leut von
keiner ... freude wuszten MATHESIUS Sarepta (1571) 8b;
o fürst ausz Canaan, da alle bäche flieszen
mit honig, da sie gar von keinem winter wissen OPITZ teutsche poemata
186 ndr.;
er folgt und läst den kil, der nichts von moder weisz,
bisz in das innerste des düstren alters dringen LOHENSTEIN Arminius (1689)
1, e 4b;
ihr nichts von stein, darm- oder gliedergicht wissendes leben ebda 2,
300b; (Wieland hätte nicht) blosz deswegen ganze episoden auswerfen
sollen, weil die Griechen nur von einer haupthandlung wissen GERSTENBERG
schlesw. lit.-br. 111, 34; man weisz auf dieser insel von keinen
überschwemmungen ARCHENHOLZ England und Italien (1785) 1, 1, 94.
[30,760]
g) nichts wissen wollen von als ausdruck einer ablehnenden haltung:
gemelte brudere, wolten von keiner stieffmutter wissen J. MICRÄLIUS
Pommerland (1640) 3, 317;
die damen wolln von nichts als chevalliers ietzt wissen LOGAU
sinnged. 24 Eitner;
kann man ihm verdenken, dasz er von ihren freuden nichts wissen will?
GÖTHE 24, 217 W.; so sag ich mich gänzlich von euch los und will nichts mehr
von euch wissen A. V. ARNIM s. w. 5, 7; das Wiener publicum ... das von
Mozarts besten compositionen nichts wissen mochte O. JAHN Mozart (1856) 3,
313; Luther ist von allen, die sich jemals an die spitze einer weltbewegung
gestellt haben, vielleicht derjenige, der am wenigsten von gewalt und krieg
hat wissen wollen RANKE s. w. (1867) 3, 30; und das wasser da unten (die
Wolga) hatte es eilig, es schien nichts vom lande wissen zu wollen J. PONTEN
die väter zogen aus (1934) 264.
älter ist der einfache accusativ: volget er den Teutschen ... so spotten
sein die Italianer, und wolten in weder wissen noch hören SEBASTIAN FRANCK
chron. Germ. (1538) 124b;
bisz da ich kam umb all mein hab ...
min fründ woltend mich nienen wüssen H. R. MANUEL weinspiel 3112 ndr.;
ich mag ihn weder wissen noch hören (io non voglio ne sapere ne udire
del fatto suo) KRAMER dict. 2 (1702) 1367b.
d) etwas auf jemanden wissen:
(Pilatus dicit:)
uff en (Jesus) weisz ich kein sach,
die en des todes schuldig mach Alsfelder passionsspiel 133 Gr.;
denn darüber zanken und sperren sich seine feinde wider ihn und treiben
hart darauf, er müsse etwas groszes wider gott verschuldet haben, und auf
ihn wissen, dasz er so gestraft werde LUTHER 43, 12 Erl.; mens sibi conscia
recti ein hertz oder gemüt eines guten gewüssens oder das nüt bösz auff sich
selbsz weiszt FRISIUS dict. (1556) 302b; der etwann was wuste auff mich ...
der wolle ietzunder auffstehen und solches mit bescheidenheit anmelden das
schleiffen desz bötticherhandwerckes (1693) A 3b; auf in nichts wiszen oder
darthuen (17. jh.) österr. weist. 8, 767, 9; wo ... ainer kain clag auf in
weste, so mag ainer den andern woll versprechen oder vertreten 3, 374, 4; ik
weet nix op em (op sien arbeit) ich kann ihm (in seiner arbeit) nichts
nachsagen MENSING schleswig-holstein. wb. 5, 610.
d) zu wissen tritt ebenso wie zu kennen (s. d. II 9) ein zweites object
oder eine präpositionale bestimmung erklärungsweise hinzu.
a) verbunden durch für, jünger als: getzûgen ... mit alle des herren mannen,
die iz vor war wizzen, daz iz sin len si Sachsenspiegel 169, 14 Eckhardt;
liest doch einer mit lieb vnd lust,
das man offt nie für gewies gewust G. THYM Thedel von Wallmoden v. 20
ndr.;
so gehts uns menschen, wir wollen uns immer als ein centrum wissen S.
BRUNNER erz. u. schr. 1, 319; wir haben ehre, indem wir uns selbst als eine
sittliche persönlichkeit wissen und fühlen W. H. RIEHL die deutsche arbeit
16; er (Jesus) weisz sich schon jetzt und hier als den 'könig' des neuen
reiches KARL ADAM Jesus Christus (1933) 191.
b) am häufigsten ist hinzutretendes prädicatives object: uuizenti inan
rehtan man inti heilagan (sciens eum virum justum et sanctum) Tatian 79, 3;
sowohl bei OTFRID (I 2, 23; III 20, 108) als NOTKER bezeugt, und auch mhd.
durchaus üblich (s. die wbb.):
er weiz unser zweier minne
sô lûter âne truopheit Parzival 711, 24;
si sûmten sich lenger niht
unde zogten algeriht
dâ man die vînde weste
ligent vor der veste OTTOKAR VON STEIER reimchron. 58461;
můsten auch aus dem land fliechen, dan sie westen sich nicht sicher
städtechron. 25, 230 (Augsburg); gott weiszt uns [30,761] allesammt
brestenhaftig und sünder H. ZWINGLI dt. schr. 1, 131; ich ... nit allein
mich keyner übelthat schuldig wüsste HUTTEN opera 1, 406, 30 B.; wie stoltz,
sicher und gewaltig sie (die feinde) sich wissen LUTHER 30, 1, 203 W.; ich
weysz meinen bruder in liebe entzündt WICKRAM 1, 13, 29 Bolte; künig Rugger
(schickt) sin botschafft zu hertzog Welfen von Beiern (den er wuszt küng
Cunrats viend sinde) TSCHUDI chron. Helvet. 1, 68; ich wüszte niemand
geschickter dazu als unsern jungen freund GÖTHE 23, 241 W.;
wenn sich nur bei euch nicht jede zeile selber geistreich wüszte
MÖRIKE 1, 214 G.;
der könig weisz sich in diesem entschlusse von der zustimmung seines
volkes getragen BISMARCK polit. reden 3, 7 K.; zwecke und ziele ..., in
denen alle parteien sich eins wissen ebda 3, 8; durch Susanne selbst
gewarnt, weisz er (Figaro) sich ihrer sicher O. JAHN Mozart 4, 219; s. auch
die belege bei FISCHER schwäb. 6, 818; SCHILLER-LÜBBEN 5, 700.
ein subst. als zweites object bleibt selten:
erstlich wisz mich ein jehen man! HANS SACHS 7, 170, 35 K.;
die prediger bewahren sich überhaupt besser, wenn sie sich priester
wissen CLAUS HARMS pastoraltheologie (1834) 2, 39; gekreuzt mit der
construction wissen von: wir ... bekennen, das wir von im anders nit dan
eynen frumen adlichen und cristlichen ritterman wissen HUTTEN opera 2, 89
B.; selten ist auch genitivisches object:
ich weiz in solches muotes Alphart 188, 4;
aber ir wiszt mich nit solicher vernunfft und verstentnisz solichs zu
volbringen Eulenspiegel 3 ndr.; weysz in auch der treuw WICKRAM 1, 29, 15
Bolte.
g) das zweite object ist ein infinitiv, so dasz eine deutsche form des
acc. mit dem inf. entsteht:
und gar einen herten man
sie wisten sîn den soldân Ludwigs kreuzfahrt 3300 N., s. auch 2536;
6115;
alle die hantveste,
die der abt weste
im selbe nutze wesen OTTOKAR VON STEIER reimchron. 37729, s. auch 59544;
dann er waisz sich selbs ainen man sin NICLAS VON WYLE translationen 15,
11 Keller; s. auch 7, 19;
o gott genad den sünden mein,
der du mich waist verwürcklich sein J. V. SCHWARZENBERG der teutsch
Cicero (1535) 111;
und nachdem ich dich weisz einen warhafftigen trewen diener sein unsers
hern, des romischen keisers H. V. CRONBERG schr. 9 ndr.; sie weisz mich in
wüsten irren und im elend herumschwärmen SCHILLER 2, 151 G.; nicht auf
seinen zwei sterblichen augen, sondern auf den augen des unsterblichen herrn
wuszte er die sache der kirche ruhen BESSER bibelstunden 3 (1877) 694.
örtlich:
ich weisz ein brünnlein flieszen,
das rauschet ohne ruh M. GREIF ged. 5 37,
wie auch heute noch: etwas liegen, stehen wissen. freier: eine sache für
den herrn F., der schon hier ist und den ich nicht wohnen weisz RABENER bei
GELLERT 5, 235.
anders geartet ist ein freier infinitiv, der einen objectsaccusativ
regiert und mit ihm als ganzes zu wissen das object bildet:
er (Rüdeger) weste schaden gewinnen und ungefüegiu leit
Nibelungenlied 2093, 1 L.;
lag 3 tag darvor und zoch wider dann, wan er west nichtz da zu gewünen
städtechron. 25, 338, 18 (Augsb.); sie westen gott damit khain dienst oder
gefallen zue thuon 25, 371, 20. später ungewöhnlich: Wildicke, in dem man
einen besonders gefährlichen verbrecher vor sich zu haben wuszte PAUL LINDAU
spitzen (1926) 82.
d) das erste object ist erweitert um eine präpositionale bestimmung, bis
in die gegenwart üblich: [30,762]
then drost uueiz ih in thir OTFRID III, 10, 29, vgl. 111, 29,
fürs mhd. s. die belege im mhd. wb.:
weist dus (sie) in den zühten, ich wil si gerne minnen Kudrun 1622;
der ist eyn narr der me verheiszt
dann er in sim vermögen weiszt SEBASTIAN BRANT narrenschiff 64, 2 Z.;
denn ich dich, lieber Hans, gern bei mir weisz V. SCHWEINICHEN
denkwürdigkeiten 151 Ö.; das wer mir hertzlich leid, dasz ich solche not an
euch wissen solt buch der liebe (1587) 86a; unter des henckers hand wissen
ZIEGLER die asiatische Banise (1689) 276; geld etc. bey einem wissen sapere
ch'uno habbia danari, scorgere quattrini appresso di uno KRAMER dict. 2
(1702) 1367a; dich in händen zu wissen, welche deiner würdig sind LESSING 3,
74, 23 M.; wobei ich nur den trost habe, dasz ich dich in meiner nähe weisz
GÖTHE IV 27, 169 W.; jene himmlische geburtsstätte der christenheit noch im
frevelhaften besitze der ungläubigen zu wissen NOVALIS schr. 4, 101 M.;
concreter: ich wolt, das er (Luther) noch junger were, dan solt er einen
gnedigen herrn an mir wissen (der Sultan über Luther) LUTHER tischreden 2,
508, 20 W. ungewöhnlich und nur in älterer zeit:
dû bekenne, bœser geist!
sît daz dû dich ze valle weist,
sô gip die êre dem hœhesten got ULRICH VON DEM TÜRLIN Willehalm 276, 2
S.;
Salatîn aber die
besande, die er weste noch
im zu helfe Ludwigs kreuzfahrt 3807 N.;
nit aber alle ding ... seind lieb zu haben, sunder allein die ding, die
mit uns in einer gesellschafft auff gott gewiszen werden C. HEDIO christl.
leer (1532) 7a.
jemand etwas zu willen wissen: weil wegen seines stetsgeführten
verschwenderischen lebens, seine tugendhafte mutter die Sextilia ihm nichts
mehr wolte zu willen wissen, als muszte er aus noht seinen palast verkauffen
A. U. V. BRAUNSCHWEIG Octavia (1677) 3, 391;
(sie) mit gespräch und speis ergezten,
desgleichen auch mit musicspilen,
und was sie wuszten in zu willen J. FISCHART glückhaft schiff v. 822
ndr.
e) in der formel etwas wissen wollen (mögen), die eine erwartung oder
forderung zum ausdruck bringt, wiederholen sich die voraufgenannten
constructionen. der akzent liegt auf dem wollen, nicht wissen. am häufigsten
mit einem particip als zweitem object; etwas wollen gethan etc. wissen
KRAMER dict. 2 (1702) 1367b; vgl. tia si ... io gerno uuissi ungehita (quam
manere cuperet semper intactam) NOTKER 1, 732 Piper: dise ... welche das
teutsch von allen frembden wörtern gerainiget und geläutert wissen wollen
GRIMMELSHAUSEN 4, 404 Kurz; die höchste officin der weltlichen regierung
ihren stat ... wil respectiret wissen CHR. WEISE politischer redner (1677)
vorr.; eine so unwillkührliche und charakteristische bewegung, die ich ...
nicht ersetzt wissen mögte GERSTENBERG schlesw. lit.-br. 122 lit.-dkm.;
historie ..., aus der er drei verschiedene disciplinen gemacht wissen will
LESSING 8, 25 M.; herr Antonio ... wollte nichts von alle dem beobachtet
wissen GÖTHE I 44, 6 W.; sie wollten die bücher, in denen sie enthalten,
vertilgt wissen RANKE s. w. (1867) 2, 5; dasz er ... natur und kunst ...
gewürdigt und geschätzt wissen will GERVINUS gesch. d. dt. dichtung (1853)
5, 15; die möglichkeit ... möchte ich gewahrt wissen MOLTKE denkwürdigkeiten
(1892) 7, 73; dasz der mann die ehre seiner arbeit allzu trutzig anerkannt
wissen will W. H. RIEHL die deutsche arbeit 20; mit präpositionaler
bestimmung, also anschlieszend an die unter d angeführten belege: ich wil
ihn (Erasmus) in der kirchen nicht wissen LUTHER 3, 302, 30 W.; also daz
ietz offt die tüffel frümer sein dan die richter selber, so sie die selbigen
von in verbanten in der hellen nit wöllen wissen, sehen oder hören MURNER an
den adel 47 ndr.; derhalben wir dich unter uns nicht wissen wollen BINHARDUS
thüring. chron. (1613) 22; sondern [30,763] dieselbten verantwortung einig
und allein bei dem abgesandten haben ond wissen wollen acta publica 1, 6 P.;
schaw er neigt sich dich zu küssen,
wil dich umb und bei sich wissen ANGELUS SILESIUS heilige seelenlust 67
ndr.;
er (der graff) wollte es (das kind) auch in seiner unmittelbaren nähe
wissen H. LAUBE ges. schr. (1875) 2, 188.
e) wissen mit nachfolgendem infinitiv: sich auf etwas verstehen, die
geschicklichkeit, fertigkeit, auch möglichkeit zu etwas besitzen. die
grundbedeutung von wissen kann ganz zurücktreten. der gebrauch ist ahd. und
mhd. spärlich bezeugt – mhd. ist kan, kunde mit dem inf. das übliche, –
sprachläufig ist er nach den vorliegenden belegen erst bei LUTHER. gewisse
verbindungen sind besonders häufig: etw. zu schätzen, zu würdigen wissen,
sich zu hüten, zu helfen wissen, sich in etwas zu schicken (zu finden)
wissen, sich nicht zu fassen wissen.
ahd. im Tatian: wizzut guot ze gebanne (nostis bona dare 40, 7), wie man
sieht, der lat. vorlage nachgebildet, dagegen: samo so du ne wizzist dien ze
antwurtenne NOTKER 2, 155, 10 P.; tuon ih, daz ih weiz ze tuonne 2, 537, 5;
auch hier könnte mittelbar noch lat. sprachgebrauch nachwirken; denn die
mhd. zeit meidet die construction. ganz vereinzelt im mhd., und dann ohne
zu:
westen wir si vinden, sô müese in werden wê Kudrun 836;
wan daz reht wil den kinden
diu muoter alle wege geben;
ouch enwizzen diu kint leben
nâch der muoter von triuwen HEINRICH V. D. TÜRLIN krone 22353;
mit swiu und er weste
sich an iu gerechen,
wer wolt darzuo iht sprechen,
ân daz er sîn hât reht? OTTOKAR VON STEIER reimchron. 29101;
auch spätmhd. bleiben die belege selten:
so fragt frow mynn, die houchgemut,
die uch usz solichem laid
waist truwen raut zu geben minnereden 1, 124 (12, 257) Mathäi;
das sie sich vor semlichen schanden wissen zu huten JOHANN V. OLMÜTZ
Hieronymus 205, 23 B.; sich yderman west zu pehelffen U. FÜETRER Lanzelot
202; und schick die futterzettel vorhere, das man dir wiss herberg zu geben
(1479) G. STEINHAUSEN privatbriefe 1, 198; do wisse dich nach zu richten
ARIGO decamerone 88, 26 Keller; (sie) von iren czweyen kinden nicht weste zu
sagen ebda 93, 37; bei ihm öfter, s. 39, 18; 451, 17, es kann hier einflusz
der fremdsprachlichen vorlage vorliegen, wie 49, 1; 52, 22; 141, 34; hett er
nitt klainat, so wiszt er sy dort zu überkommen. aber ainen sollichen hut,
den wiszt er nit zuwegin bringen Fortunatus (1509) 87 ndr.; damit er (der
forstmeister) sollich wiltpret frisch in unser kuchin wisz zu antwurten
(1514) der deutsche bauernkrieg, aktenband 111 Frantz; ich wüste für war den
papisten kein grösser leid zu wündschen noch mich bas zu rechen, denn das
sie gezwungen wörden, ernstlich zu glauben und für warheit zu halten alles,
was sie leren und schreiben LUTHER 26, 613 W.; liesz mein büchlin, so wirstu
sehen, das der lügengeist nicht hat wiszen zu antworten und darumb mein
büchlin mit groben, ungehöfelten lügen verdechtig machen wil ebda 26, 354;
dann ich mich offenlich vnd durch recht noch ietzo nit zuförchten hab oder
weisz HUTTEN opera 1, 409, 33 B.; ... der bekenn das er nit wisze kinder ze
ziehen (fateatur nescire imperare liberis) BOLTZ Terenz deutsch (1539) 86a;
man hette wol etliche punkten mögen uszlassen (Agricola) ich hab nichts
darinn wiszen zu meiden oder auszzelassen VOGELGESANG-COCHLÄUS trag. Joh.
Hussen 16 ndr., hier klingt der eigentliche sinn von wissen wieder an; so
wird doch ein frommer bescheidener haussvater, sichs an dem wissen zu
benügen, was im von der mildten hand und den genaden gottes wird bescheret
SEBIZ feldbau (1579) 3; welche (bootsgesellen) ... sich dennoch dapffer zu
wehren unnd groszen beistandt zu thun wisten E. v. Meteren niderl. [30,764]
krieg (1614) 257a; Amor mich auch hat wissen zu suchen schauspiele engl.
comödianten 297, 33 Creiz.; auch weiss ich mich etlicher exempeln zu
erinnern J. PRÄTORIUS Saturnalia (1663) 30; jedoch wuszte sie nicht zu
begreiffen, warumb gott mit der rotten farbe versöhnet werden könnte
LOHENSTEIN Arminius (1689) 2, 200a; also ist wahrhafftig derjenige am
reichesten, der ... mit wenigem auszukommen weiszt PHIL. JAC. SPENER der
innerliche friede (1686) 159; sie hat sich nicht wissen (gewust) zu hüten
(ella non ha saputo guardarsi) KRAMER dict. 2 (1702) 1368b; sich in etwas zu
schicken wissen ebda 1367b; sich in etwas nicht wissen zu finden (non
sapersi intendere di qualche cosa) ebda; sie (anrede) werden zu begreifen
wissen SCHNABEL insel Felsenburg 7 Ullr.; ich darf es mit teutschem
freimuthe bekennen, dasz ich vernünftiges lob und vernünftigen tadel zu
schätzen gewuszt und anzuwenden gewollt habe KRETSCHMANN s. w. (1784) 1, 3;
ich weisz für vielfachem aüszern und innern mich kaum zu lassen GÖTHE IV 42,
127 W.; die pfaffen haben aus diesem jammervollsten aller ereignisse soviel
vortheil zu ziehen gewuszt IV 38, 122; ich weisz recht gut, dasz mir deshalb
ein drittel des lebens fehlt; aber man musz sich einzurichten wissen ebda
33, 10; gott weisz zu erhalten und zu nehmen, und dasz nichts ohne seinen
willen geschieht, musz uns trösten MOLTKE denkw. (1892) 4, 153; nach dem
abfall ... hat es (Rom) sich noch einmal zum mittelpunkt des glaubens und
denkens der südeuropäischen romanischen nationen zu erheben gewuszt RANKE s.
w. 37, v.
6) feste verbindungen von wissen mit substantiv oder verb.
a) mit einem substantiv: jemandem dank wissen, ahd. und mhd. bezeugt, s.
GRAFF 5, 167 und die mhd. wbb.; habeo tibi gratiam ich weysz dirs danck,
grecismus est, dicunt enim Greci: novi tibi gratiam i. habeo tibi gratiam
ALBERUS (1540) ii 1a: diese werden dir deine thaler und gülden rein
hinwegnehmen und dir desz keinen dank dazu wissen LUTHER 6, 8 Erl.; quid
mihi cum mundo? der teuffel wisz ir dang LUTHER 34, 2, 159, 29 W.; grosze
herren sollen den leuten guts thun, wenn es inen gleich die leute keinen
danck wissen FRIEDRICH WILHELM sprichwörterregister (1577) D 2a. der genitiv
des objects bleibt in der form des pronomens bis in die gegenwart: die
menschen wissens euch dank, wenn ihr etwas wunderliches unternehmt GÖTHE 23,
309 W.; bei andern geht er umher um zu lernen, und weisz es ihnen dann nicht
einmal dank SCHLEIERMACHER Platon (1804) 6, 91; niemand hat es ihm dank
gewuszt RANKE s. w. 8, 62; er wurde aber als solcher nicht mehr verstanden
und führte so zu miszbildungen: und niemand von allen zuschauern wuszte ihm
diesen betrug dank J. E. SCHLEGEL w. 3, 150; und ihm seine mühe und arbeit
wenig dank wuszte MUSÄUS volksmärchen 1, 6 H.; denn wir können den juden das
nicht genug dank wissen BETTINE dies buch gehört dem könig (1843) 1, 9.
heute ist dank wissen f ü r das übliche. es findet sich seit dem 17. jh., z.
t. neben dem genitiv bei demselben autor: und wenn wir mit der speise recht
ersättiget wären, so wolten wir dir dafür schuldigen danck wissen J.
PRÄTORIUS winterflucht der sommervögel (1678) 371; wofür ich ihm groszen
dank weisz GÖTHE IV 33, 134 W. ungewöhnlich dank wissen um: einem groszen
danck um etwas wissen KRAMER dict. 2 (1702) 1367c. wohl nur im
niederdeutschen begegnet auch die formel jemandes bestes wissen jemandes
vorteil erstreben, s. städtechron. 6, 29; 392; SCHILLER-LÜBBEN 5, 700; auch:
do dachte de rad in der oldenstad, dat se der schult einen ende wetten
wolden städtechron. 6, 145, 32 (Braunschweig).
b) mit verben. so entstehen ausdrücke für 'berichten' oder 'erfahren',
bedeutungen, die wissen allein wegen seines perfectiven charakters nicht
haben kann, s. o. 2 b und vgl. einen (einem) etwas verstehen lassen, machen,
thun merken lassen, andeuten, mitteilen, s. teil 12, 1, sp. 1671.
a) jem. etwas wissen lassen; mhd. reich bezeugt, s. mhd. wb. und RUDOLF
V. EMS weltchron. 18836; 19779, bis in die gegenwart lebendig: [30,765]
er sant nach im und bat
si daz liessent wissen in
dez sternen zit der sœlden hort 1743 A.;
last mich wissen alle eure sache und geprechen ARIGO decamerone 121, 16
Keller; vgl. ebda 40, 8; 255, 17; das er doch hette die stad Halle solchs
lassen wissen LUTHER 50, 419 W.; annuntiare qualche cosa einen etwas wissen
lassen durch ein andren HULSIUS (1618) 2, 30a; so lasset mich ... antwort
wissen CHR. REUTER Schelmuffsky 21 ndr.; (er) aber ... liesz zur antwort
wissen, dasz ... A. OLEARIUS reisebeschreibungen (1699) 9; wollten sie ...
in jedem falle das ja oder nein in mein haus wissen lassen GÖTHE IV 16, 59
W.; im sinne von 'vorladen': ob ainer ainen zig mit geldschuld, so mag er in
wol geladen fur den richter oder die herrschaft. der sol disen tail wissen
lassen auf antwurt und soll darnach baid tail gegen ainander verhorn österr.
weist. 9, 51, 27; wellicher nachper aber auf des viertelmaisters
wissenlassen zu wegmachen nit erscheint ... 5, 276, 24; ain ersame
tyrolische landtschafft zusammen wissen lassen J. A. V. BRANDIS
landeshauptleute von Tirol 53.
der personale dativ ist ebenfalls mhd. bezeugt (s. mhd. wb.) und wird in
jüngerer zeit öfter angewendet:
wie ez in dem lande was getân,
daz wart im allez wizzen lân livländ. reimchron. 2026;
nur armen leuten will er sein ankunft wissen lassen A. HARTMANN
volksschauspiele 315, 413. LESSING hat den dativ 2, 32; 13, 337, GÖTHE hat
neben dem dativ (IV 5, 6 W.; IV 6, 132) durchaus auch den acc. I 21, 178;
43, 66; IV 1, 61; 29, 10; 35, 119; 41, 76; keinem menschen etwas wissen
lassen BÜRGER briefe 1, 36 Str.; er ... liesz dem spanischen botschafter
wissen RANKE s. w. 1, 94; wenn ihr es noch anders überlegen sollt, so laszt
ihr mirs wissen P. DÖRFLER Apollonias sommer (1932) 17.
b) zu wissen tun, machen (geben, bringen), kund und zu wissen tun,
machen:
sin eiscot iogilichojoh filu giuuaralicho,
sliumo duet ouh thanneiz mir zi uuizzanne OTFRID I 17, 48;
auch sonst ahd., s. GRAFF;
als mir zu wizzene ist getân
und die rede ich vernumen hân
(niht von mir selben ich die sage) Ludwigs kreuzfahrt 2631 N.;
daz wart zuo der stunt
ze wizzen unde kunt
dem herzogen gemacht OTTOKAR VON STEIER reimchron. 4315;
(sie) in ir aller meinung zu wissen thet ARIGO decamerone 13, 1 K.; hier
häufiger 12, 35; 21, 19; 31, 13; 35, 12; 46, 2; 82, 25; darumb schicken wir
hin und lassends dem kunig zu wüssen thun Zürcher bibel (1531) 1, 227a;
ordeniren auch allen unsern amptleuten, uns ... wissen zu thun edict keiser
Carls (1540) C 2b; dann er ie keinem menschen solche liebe zu wissen thun
wolt WICKRAM 1, 4, 16 Bolte; zu wissen machen öfter bei LOHENSTEIN Arminius
(1689) 1, 26b; 106a; 444a; 904b; einem etwas wissend oder wissen machen far
sapere qualche cosa ad uno KRAMER dict. 2 (1702) 1368b; der könig ... läszt
mir zu wissen thun, dasz ... LICHTENBERG briefe (1901) 1, 13; wir ...
entbieten allen gegenwärtigen und zukünftigen gerichtsdienern unsern grusz;
und thun kund und zu wissen jedermänniglich sammlung v. schauspielen
(1764-69) 3, probe der zärtlichkeit 95; dasz musz man ihm sehr behutsam zu
wissen machen J. NESTROY ges. w. (1890) 2, 18; s. auch die belege bei
SCHILLER-LÜBBEN 5, 700. schrift- und umgangssprache verwenden die verbindung
zu wissen machen, (tun) heute kaum, doch wird zu wissen tun als lebendig
verzeichnet bei MÜLLER-FRAUREUTH 2, 674 und WOESTE westf. 323b, hier
freilich in einer abweichenden bedeutung: dai het mi wot te wieten dån der
hat mich recht gequält. mnd. scheint auch einfaches wissen 'mitteilen'
bedeuten zu können: wie Lodewich ... welet weten ... allen den genen, die
..., dat ... (Frankf. 1317) bei DIEFENBACH-WÜLCKER 906, vgl. die
briefanfänge z. b. hans. geschichtsquellen [30,766] 3, 238; 240; 246: wii
begeren ich to wetene, dat ... her ... uns einen breif gesant hevet;
eigenartig: wie im sommer ... nur dasz keine lerchen in die höh steigen, und
die nachtigall macht sich auch nichts wissen HOLTEI erz. schr. 24, 69.
ungewöhnlich sind andere verbindungen: zu wissen bringen, fügen, geben:
darzu der zungen dunnes blat den leuten zu wissen bringet ganz der leute
meinunge ackermann aus Böhmen 25, 35 Bernt-Burd.; certificio vel potius
certiorem reddo vel facio ich mach gewisz, lasz wissen, geb zu wissen,
entpiet ALBERUS dict. (1540) ii 2a; wir fügen ewer uberschwencklichen kunst
und weisheit gantz untertheniglich zu wissen, das der ketzer Martinus Luther
ewer trefflich geticht noch kunst nicht gelesen hat LUTHER 26, 542 W.;
und niemandt würt am morgen geben
zu wissen dises abents leben J. V. SCHWARZENBERG der teutsch Cicero
(1535) 151b.
g) zu wissen werden, bereits ahd. bezeugt, s. GRAFF 1, 1089; zu wissen
kommen, bekommen:
thaz ih nu meinu mit thiu,unkund harto ist iz iu,
iz wirdit etheswannethoh iu zi wizanne OTFRID IV 11, 28;
wann nichten ist bedeckt das nit werd deroffent, noch verborgen, das nit
werd ze wissen erste dt. bibel 1, 262, 18; vor allem im niederdeutschen hält
sich zu wissen werden lange, s. CHILLER-LÜBBEN 5, 700; städtechron. 6, 19;
29; 161; 390. zu wissen kommen: das ir man ein trit nicht gethun mocht, das
es ir nit ze wissen käme ARIGO decamerone 269, 18 K.; s. 45, 21; 91, 7; 117,
1; wie dann gemainklich das dem hauszvatter allweg später zu wissen kompt,
was in seinem hausz verbracht wirt, weder anderen leuthen M. LINDENER
rastbüchlin 8 Licht.; da ... dieses ... unglück zu wissen kommen W. XYLANDER
Polybius (1574) 64. anscheinend elliptisch: erste überfrörung desz bodensz
see, so zue wüszen SEB. BÜRSTER 4 Weech; das persönliche zu wissen bekommen
(vulgärer kriegen) ist jünger und in der gegenwart üblich; etwas zu wissen
bekommen venire a sapere qualche cosa, venir ad haverne notitia, auviso
KRAMER dict. 2 (1702) 1367c; etwas zu wissen bekommen venir a sapere, a
risapere una cosa KRAMER dict. 2 (1702) 1367a;
man möcht zu wissen kriegen STIELER geharnschte Venus 126 ndr.
fürs niederdeutsche s. SCHILLER-LÜBBEN 5, 700 und MENSING 5, 610.
d) es ist zu wissen, vgl. es ist zu verstehen, seit ahd. zeit bezeugt,
wie die belege zeigen, mit wechselnder bedeutung:
'nist iu', quad er, 'noh mannethaz zi wizanne,
thaz min fater so githuanginti innan sinaz dreso barg,
theiz hiar in woroltfristiman nihein ni westi,
zi wizanne iz firbari,war thiu zit wari OTFRID V 17, 5;
hie ist zu wissen das Cristus ... ist gewesen ein mensch erste dt. bibel
1, 6, 23; es ist zu wissen, daz der ymnus lucis und der erst psalm ... uff
zwen sinn gezogen und verstanden mag werden STEPHAN FRIDOLIN dt. predigten
21, 16 Sch.; so ist auch zu wissen, dasz wann solche (obstbäume) zu tieff
stehen, sie übermäszig wuchern HOHBERG georg. cur. aucta (1715) 3, 327a;
häufig als formel der ankündigung: es ist auch ze wizzen, daz ain igleich
frau ir haimsteuer und ir morgengab und ir erbguet allez daz da mit tuen
sol, daz landes recht ist österr. weist. 5, 386, 2; s. 3, 102, 17; harumb
sig ze wissen allen christglöubigen, dasz wir ... gegabet habend ÄG. TSCHUDI
chron. Helvet. 1, 19, und dann gern erweitert: kund und zu wissen sei
hiemit, dasz mit hoher obrigkeit erlaubnisz heute grosze oper sein wird K.
FR. CRAMER Neseggab (1791) 1, 32; kund und zu wissen sei hiermit jedermann,
dasz der reichsgraf, Friedrich Wetter vom Strahl, heut seine vermählung
feiert H. V. KLEIST 2, 311; ganz formelhaft wie unser nämlich: wann
iedtweders was nackent das ist zu wissen Adam und sein hausfrowe erste dt.
bibel 1, 51;
kam umb das leben ohne schuld,
zuwissen von den pferden grim SPRENG Äneis (1610) 149a;
s. SCHILLER-LÜBBEN 5, 700. [30,767]
auffallend ist die verwendung der formel jemandem ist zu wissen in
gleichem sinne wie jemandem ist wissen ihm ist bekannt (s. o. wissen, adj.):
es mag sich um eine kreuzung beider handeln, doch kann man auch an einflusz
der unter b und g angeführten verbalverbindungen denken:
sit das dir ze wissene sint
die mære wie es komen ist,
so ere an mir den süezen Crist RUDOLF VON EMS Wilhelm von Orlens 2934;
wass dir zue wissen, thue uns sagen Endinger judenspiel 56 ndr.;
der münch Hildebrand, der ... die vereinigten band des frids zerrütet
hat, wie dir wol zu wüssen ist ÄG. TSCHUDI chron. Helvet. (1734) 1, 25; ut
mea memoria est so vil ich gedencken mag, als vil als mir zwüssen ist
FRISIUS dict. (1556) 811a.
7) formeln, s. auch die zusammenstellungen in den wörterbüchern der
einzelnen landschaften, die hier nicht wiederholt werden.
a) gott weisz, mit alter wortstellung weisz gott, eine formel der
beteuerung, mhd. reich bezeugt, auch in erweiterter form, s. die mhd. wbb.;
die glossare zu HARTMANNS Iwein, zur Elisabeth, zu den minnereden (hg. v.
Mathäi): denn wir haben es hie eigentlich erzählt, wie es ergangen, und
nicht anders, weisz gott MELANCHTHON bei J. T. MÜLLER symbol. bücher (1882)
74;
mein sohn, dein leid, so grosz und schwer,
geht mir, weisz gott, zu hertzen sehr W. SPANGENBERG bei DÄHNHARDT
griech. dramen 1, 114 lit. ver.;
es kompt mich (wiss gott) schwer an H. GUARINONIUS grewel der verwüstung
(1610) 677; aber gott weisz, er thut mir unrecht, wenn er meint, dasz ...
LESSING 17, 390 M.; und ich hatte, gott weisz! weder neue bosheit noch ärger
gegen W. (Wieland) GÖTHE gespräche 1, 28; das weisz der allwissende gott,
wenn ich von all dem eine silbe verstehe SCHILLER 2, 287 G.; man findet zwar
in jedem jahre wohl irgend etwas gutes und ungeahndetes, ... aber weisz
gott, man verliert auch, was einen ganz niederdrücken würde, wenn man es so
mit einem male voraus wüszte A. V. DROSTE-HÜLSHOFF briefe an Schücking 47;
da hätte herr Dreisziger weisz gott viel zu thun G. HAUPTMANN weber (1892)
6; weisz gott, mir war heiligernst zumute AUG. WINNIG frührot (1926) 294.
gott weisz mit nachfolgendem abhängigen satz, der häufig nur durch ein
fragepronomen angedeutet wird, ursprünglich im sinne von 'nur gott weisz',
'niemand weisz': und sol derjenige, gott weisz wo, oder wenn, noch geboren
werden, der jedermann wird recht thun können L. SANDRUB hist. u. poet.
kurzweil 4 ndr.; es thut mir weh, dasz man mich für so leichtsinnig oder
gott weisz was hält GÖTHE IV 5, 33 W.; aber all meine thorheit und all mein
wiz sind, gott weis wohin! 3, 18; weisz der liebe gott, ... was sie treiben
mögen TIECK schr. (1828) 4, 367; wir fanden ... niemand von unserer
gestrigen gesellschaft. gott weisz, was aus ihnen geworden war MOLTKE
denkwürdigkeiten (1892) 1, 107. formeln ähnlicher art, die z. t. anderem
sprachstil angehören: wizze Krist, s. ahd. und mhd. wbb.; HARTMANN VON AUE
Iwein 5487; das weis sent Marx M. HAYNECCIUS Hans Pfriem 31 ndr.; weisz der
teufel STRANITZKY ollapatr. 201 Wiener ndr.; SCHILLER 12, 371 G.; der himmel
weisz GELLERT 4, 223; A. V. DROSTE-HÜLSHOFF 2, 101; der henker weisz
SCHILLER 3, 357 G.; weisz der kuckuck MALER MÜLLER 1, 232.
b) verneinende oder einschränkende formeln: ich weiz nicht meist mit
nachfolgendem fragepronomen oder frageadv. zeigt schon ahd. und mhd.
(neizwer, neizwaz u. s. w., s. die wbb.) eine erstarrte form. der sinn der
formel, mit der man eine bestimmtere aussage umgeht, kann verschiedener art
sein:
die sach er hohe schulde tragen,
ich enweiz wamit (von Josephs brüdern) RUDOLF VON EMS weltchron. 7052;
ich enweiz wie lange ebda 9614; 11103;
dez betelerez lichame bleip umbegrawen, und namen in di hunde ich enweiz
(forsitan) die wůlfe, aber die engele [30,768] enphingen sine sele und
brachten si zu der ewigen wroude die heilige regel 41, 3 Priebsch;
das decret und der halgn lugent
wais, wie si all seien genemnt Sterzinger spiele 25, 613 Zing.;
das brot das im besser dunckt, denn do heim weisz was in sinem huse
KEISERSBERG bilgersch. (1512) 18c; also einer der got den herren weysz
worumb bat ebda 19d; wenn ettwan ein grober mensch über ein füerzüg kompt,
der nit darmit kan, der schlecht etwen weisz wie lang 13a; mit solchem
zusatz, dasz Hans Schenitz denselben ring weit (weisz nicht wie viel) sollt
dem cardinal uberteuret und uberrechent haben LUTHER 50, 408 W.; attrectare
uxorem alterius eines anderen weib beruren oder mit iren umbgon ich weisz
nit wie FRISIUS dict. (1556) 135b; dasz etwan von etlichen gelehrten, weisz
was fürbracht worden ist von zweiffelhafftigen dingen G. NIGRINUS von
zäuberern, hexen (1592) 48; ja Aristoteles ... wolte ... ihr, ich weisz
nicht ob einen gar zu wol formirten procesz an den halsz werffen CHR. WEISE
politischer redner (1677) 20; sie hat etwas weisz nicht was an sich alla ha
non so che se KRAMER dict. 2 (1702) 1367c; es ist ein ich weisz nicht wer
(ein lumpenhund) RÄDLEIN 1, 1067a; ich weisz nicht, ich scheu ihn ärger als
den teufel LENZ ges. schr. 1, 3 Tieck;
ein halb trauriger zug auf seinem gesicht –
ich weisz nicht – gefiel mir so wohl! GÖTHE 8, 59 W.;
die schrift hat für mich ich weisz nicht welchen geheimen zauber
vielleicht durch die dämmerung von ewigkeit, welche sie umschwebt FR.
SCHLEGEL im Athenäum (1798) 2, 3; gleichsinnig: es was nit des tanzens, als
man hie pfligt und durch einander lauft als sei man unsinnig, und die mannen
die weiber ufwerfen, das man sieht, was weisz ich wahin KEISERSBERG
brösamlein 2, 53a; er (Biondello) könnte sich dann als ein Türk oder was
weisz ich verkleiden MOZART bei O. JAHN (1856) 4, 167; über dem schwatzen
von kunst, von kunstsinn, und was weisz ich – können sie nicht zum schaffen
kommen E. T. A. HOFFMANN s. w. 1, 16 Gr.; neben dem bestimmteren ich weisz
nicht steht die mildere form des conjunctivischen ich wüszte nicht: ich
wüszte keinen stand, der so viel annehmlichkeiten ... darböte, als den eines
schauspielers GÖTHE 21, 78 W.; ob ich zurück oder seitwärts gehe, wüszt ich
nicht zu sagen IV 26, 13; warum sollte ... dieses buch allein nicht sein
ordentliches ende haben? ich wüszte wenigstens keine ursache als etwan die
... JEAN PAUL 48, 18 H.
formeln, die die aussage einschränken:
dorthin, soviel ich weisz,
hat sich der könig mit dem hof gezogen SCHILLER 5, 5 G.;
des zweiten bandes erstes stück, der Renegat, ist, soviel wir wissen, vom
herrn Breithaupt sammlung von schauspielen (1764) 1, vorber. 7; ebenso:
niemand hat sich, das ich wüszte, seiner göttlichen arbeit genähert GÖTHE
43, 72 W.;
zu flehn, herr general? so weit ging weder
mein auftrag, dasz ich wüszte, noch mein eifer SCHILLER 12, 69 G.;
keins (d. i. paket) von des fürsten hand? –
nicht, dasz ich wüszte 12, 194.
c) wer weisz, negativ dem sinne nach; die nachfolgende aussage erhält
dadurch den charakter des ungewissen, auch geheimnisvollen: wer weisz wer
mit dem andern isset, oder andern sein brot vorm maul abschneidet MATHESIUS
Sarepta (1571) 38a; rauberische mauszköpffe, die wer weisz was vor einen
anschlag hätten GRIMMELSHAUSEN 2, 335, 17 Keller; Nachodine, ... die, wer
weisz wohin gerathen ist GÖTH I 24, 111 W.; wenn Voltaire gewuszt hätte,
dasz er so sollte aufgeführet werden, wer weisz! GÖTHE IV 1, 9 W.; als
zweifelnder einwurf:
und du sprachst, dasz auch das üble
dem zum heil gereichen müszte,
der es gott zu liebe trüge: –
guter prior, wer das wüszte! FR. W. WEBER Dreizehnlinden (1907) 287.
[30,769] die aussage erhält den charakter einer vermutung. unser
vielleicht könnte an die stelle treten: und gedacht im ain jeder: wer
waiszt, got gibt meiner tochter das glück als bald als ainer anderen
Fortunatus 64 ndr.; und gedacht heimlich in seinem hertzen, wer weist, das
pferd möcht nur noch wol eben kommen WILH. SALTZMAN Octavian (1548) G 3b;
wer weisz, ist er nicht gar schon an der thurmthüre! GERSTENBERG Ugolino
235, 5; wer weisz, ist das die letzt westen, die ich mach! O. LUDWIG ges.
schr. 2, 329; durch die ungewiszheit wird die gröszenangabe ins ungewisse
gesteigert: als mancher halbgelehrter in wer weisz wie viel wochen ...
vergeblich zusammen suchen solte LOHENSTEIN Arminius (1689) 2, 7b anmerkung;
es ist wer weisz wie lang her O. LUDWIG ges. schr. (1891) 2, 90.
d) wisse, wisset; der imperativ gibt der aussage besonderen nachdruck:
wizzet mit der wârheit HARTMANN VON AUE Iwein 6414; daz wizze an rehten
triuwen Nibelungenlied 785, 3. weitere belege in den mhd. wbb.;
das wyssest auff dye trewe mein! altdt. passionssp. 27 Wackernell;
wisz auch o mächtiger keyser das Johann Reüchlin aller wält bekant ain
urhab ist alles nutzes in teütschen landen EBERLIN VON GÜNZBURG s. schr. 1,
3 ndr.; ha, wiszt nur immer, ein doktor iuris ist in Teutschland ein ganzer
kerl KLINGER w. (1809) 3, 42.
andere formen dienen dazu, auf etwas neues oder gewichtiges aufmerksam zu
machen: weist du was? gehe hin zum herrn N. und sag ihm, dasz ... sai va
(vattene) dal signor N. e digli che KRAMER dict. 2 (1702) 1367c; weisz er
was, komm er morgen wieder hieher auf den fleck G. STEPHANIE D. J. s.
singspiele (1792) 115; 'nun war es nacht', sagte er, 'weiszt du? ganz
finster' STORM w. (1899) 1, 5.
8) das reflexive wissen.
sich wissen das bewusztsein seiner selbst haben: darzu ist die tugent so
zart, das sie sich selbs nit sihet noch weisz SEB. FRANCK sprichw. (1541) 1,
133b;
mein unschuldig hertz
das sich in sich ängstiget, und sich selber fast nicht weisz NEUMARK
fortgepfl. lustw. (1657) 1, 321.
s. auch oben 5 d b.
sich viel wissen stolz sein, im 18. jh. sehr häufig bezeugt, späterhin
merklich seltener: unerfahrne leuth wissen sich gewaltig viel, wenn sie mit
groszen Hansen umbgehen dürffen, sie haben degen an und wissen sich gar
viel; ob es doctor oder was sonsten seyn? SCHOCH com. v. studentenleben
(1657) F 5b; damit sich die gelehrten insgemein viel wissen LEIBNIZ deutsche
schr. (1838) 2, 39; Alexander der grosze wuszte sich viel wegen seiner
groszen glückseligkeit im kriege CHR. SCRIVER seelenschatz (1737) 1, 559a;
die Franzosen wissen sich ein vieles damit GOTTSCHED beiträge (1732) 1, 2;
dasz sie so unvergeszlich viel sich wuszte auf ihre weltkenntnis, auf ihre
belesenheit J. T. HERMES für eltern und ehelustige 5, 118; ich weisz mir
nicht wenig, einen so würdigen berühmten mann zum freunde zu haben
WINCKELMANN s. w. (1825) 11, 164;
da sie (Maria Stuart) sich stets so viel gewuszt, so stolz
gethan mit der französischen vermählung SCHILLER 12, 484 G.;
da wuszte ich mir denn auszerordentlich viel, wenn ich, mit dem bakel
unterm arm, in der stube auf und abgehen, und meine schüler ein stück Nepos
aufsagen lassen ... konte BAHRDT gesch. seines lebens (1790) 1, 57; aber er
wuszte sich dennoch was rechts O. LUDWIG ges. schr. 2, 335; s. auch 2, 330;
5, 421; Ruprecht, der sich nicht wenig damit wuszte, dasz er in seiner
jugend die kantische philosophie gehört hatte EICHENDORFF s. w. (1864) 2,
404; Turgang ... war ein starker fünfziger und wuszte sich etwas auf die
jugendlichkeit seiner erscheinung FONTANE ges. rom. u. nov. (1890) I 7, 16.
niederdeutsch noch lebendig: sek wat wetten MENSING schlesw.-holst. wb. 5,
609; DAMKÖHLER 226. sich mit jemand wissen in vertraulichem, namentlich
geschlechtlichem verkehr stehen FRISCHBIER 2, 476, s. a. BETCKE Königsberger
ma. 65. [30,770]
9) anders geartet ist ein dem wissen zugefügter dativ des interesses, der
anteilnahme, der auch bei kennen und fühlen auftritt (s. d.)
vgl. auch sich rat wissen unter 1: doch wollten sie die sach zu uns
stellen, ob deren zu vil weren, wolten sie sich wissen, und von uns heren
unser gut meinung pol. correspondenz der stadt Straszburg (1525) 1, 201;
häufig: ich weisz mir ein stoltze müllerin FISCHART Gargantua 34 ndr., so
häufig im älteren volkslied; ich weisz mir nichts anderes noch besseres
GÖTHE 24, 50 W.; oder wissen sie mir einen ärmern mann zwischen himmel und
erde? SCHILLER 6, 287 G.; ich ... wuszte mir kein gröszeres vergnügen MÖRIKE
3, 20; ähnlich:
dem der sich deine gnade weisz GÖTHE 4, 258 W.;
hierhin auch (s. fühlen II 2), doch nicht subjectsbezogen: ich kan noch
weisz dir von keinem Andrencz ARIGO decameron 85 Keller; ich wüszte ihnen
den ort, wo es aufgehoben sein sollte SCHILLER 3, 47 G.;
wenn es auch niemals mit mir sprach
und ich ihm nie ein wort gewuszt:
sein kurzer anblick bringt mir lust STEFAN GEORGE das neue reich 131.
anders (s. kennen 1): der meister wird fleiszig gelesen, und in neuer
zeit verschlungen, aber die kritiker wissen ihm denn doch viele mängel und
fehler W. V. HUMBOLDT an Göthe 22. 8. 1795.
Quellen
Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch.
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