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Informatisierung
Von Agon S. Buchholz für
Kefk Network Wissen und
Wikipedia,
Februar 2004 ff.
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Erstellt/bearbeitet: 25-Nov-2005/14-Jan-07
Systemzeit: Sonntag, 07.09.2008, 13:31:08.
Home : Wissen : Theorie : Informatisierung
Übersicht
Als Informatisierung (frz. informatisation) bezeichnet man
- im engeren Sinne bezogen auf die heutige
Transformationsgesellschaft den Prozess der schleichenden, aber
ständig intensivierten Durchdringung ausnahmslos aller
Lebensbereiche der Gesellschaft durch die Integration von
IuK-Technologien (Nora/Minc). Die Entwicklungen der Informatisierung
in diesem Sinne führen zu tief greifenden Strukturveränderungen in
der Gesellschaft und münden in eine postindustrielle oder
postmoderne
Informationsgesellschaft, eine
Wissensgesellschaft,
in den informationellen Kapitalismus o.ä.
- im weiteren Sinne einen sozialen Prozess der Erzeugung
und Nutzung von Information,
um daraus weitere Information erzeugen zu können (Baukrowitz/ Boes/
Schmiede). Das Wesen der dieser Form der Informatisierung besteht
darin, Informationen als ein an sich ideelles, der Tätigkeit
bestimmter Subjekte zuzurechnendes Moment in einen materiellen
Gegenstand kooperativer menschlicher Tätigkeit zu überführen.
Die Informatisierung ist abzugrenzen von der Telematik
(frz. télématique), also der wachsenden Verflechtung von
Informatik und Telekommunikation, die lediglich einen Teilbereich der
Informatisierung im engeren Sinne darstellt.
Geschichte und Entwicklung
Der Begriff der Informatisierung wurde 1978 durch Simon Nora und
Alain Minc in dem Bericht Die Informatisierung der Gesellschaft
(sog. NORA-Bericht)
geprägt, der dem Staatspräsidenten am 20. Januar 1978 vorgelegt und am 19.
Mai 1978 formal für die Nutzung durch die Öffentlichkeit freigegeben wurde;
der Bericht wurde in der französischen Öffentlichkeit mit großem Interesse
zur Kenntnis gennommen; von dem NORA-Bereicht wurden innerhalb weniger
Monate allein in Frankreich 90.000 Exemplare verkauft (Uwe Kalbhen, in:
Nora/Minc 1979: 16, 19).
Außerhalb Frankreichs wurden die Thesen zur Informatisierung zunächst von Computer- und Sozialwissenschaftlern gleichermassen
abgelehnt – den einen erschienen die Thesen zu spekulativ, während sie
den anderen zu wenig sozialwissenschaftlich erschienen (vgl. Wersig 1983:
7). Bereits ab Anfang der 1980er Jahre wurden die Thesen zur
Informatisierung jedoch in den
Informationswissenschaften
thematisiert, so beispielsweise an der Freien Universität Berlin.
Weitere Anregungen zur Beschäftigung mit gesamtgesellschaftlichen
Transformationsprozessen ergaben sich durch den Bericht Auf Gedeih und
Verderb des Club of Rome sowie das Werk Theorie des
kommunikativen Handelns von Jürgen Hamerbas, die Wersig in seinem
Buch Die kommunikative Revolution. Strategien zur Bewältigung der Krise
der Moderne aufgriff und in einen größeren Rahmen zu stellen versuchte.
In den späten 1980er Jahren setzte sich der Terminus der
Informatierung dann großflächig im
wissenschaftlichen Diskurs durch.
In den 1990er Jahren entwickelten Andrea Baukrowitz, Andreas Boes und Rudi Schmiede
einen allgemeineren Begriff der Informatisierung, der das Vordringen von
Computer und Internet als Spezialfall einschließt.
Literatur
Andreas Boes: »Informatisierung«, in: SOFI, IAB, ISF,
INIFES (Hrsg.): Berichterstattung zur sozioökonomischen Entwicklung in
Deutschland - Arbeit und Lebensweisen, Wiesbaden 2005: S. 211-244. ISBN
3-531-14316-6
Simon Nora, Alain Minc: Die Informatisierung der
Gesellschaft. Hsrg. v. Uwe Kalbhen. Mit einem Vorwort von Ulrich Lohmar.
Frankfurt am Main; New York: Campus 1979. 278 Seiten. ISBN 3-593-32495-4
Rudi Schmiede (Hrsg.): Virtuelle Arbeitswelten. Arbeit,
Produktion und Subjekt in der 'Informationsgesellschaft'. Berlin:
Edition Sigma 1996. 212 Seiten. ISBN 3-89404-424-1 - mit Beiträgen von Rudi
Schmiede, Andrea Baukrowitz, Nicolai Egloff, Andreas Boes und Helmut Wenzel;
Textbeiträge im Volltext online unter
www.ifs.tu-darmstadt.de/fileadmin/sicherung/kairos/book.htm
(PostScript-Dateien).
Gernot Wersig (Hrsg.): Informatisierung und Gesellschaft. Wie
bewältigen wir die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien.
München; New York; London; Paris: Saur 1983. 300 Seiten. ISBN: 3-598-10503-7
- mit Beiträgen von Marianne Buder, Ralf-Dirk Hennings, Günther Lemke, Wolf
D. Rauch, Thomas Seeger, Dietmar Strauch, Gerhard Vowe und Gunther Windel.
Netmarks
Andreas Boes: »Informatisierung - Kontrolle - Markt« -
Arbeitspapier des des Projekts ARB-IT2 - Arbeitsbeziehungen in der
IT-Industrie - Interessenhandeln der Beschäftigten, Vortrag zur Tagung »Der
Wandel des Leistungsprinzips und die Entwicklung der Arbeit«, Frankfurt,
15. und 16. Juli 2005,
arb-it2.de/docs/Boes2005_Arbeitspapier12.pdf (PDF-Datei).
KAIROS (Kritical Analysis of the InfoRmatization Of Society):
Informatisierung der Arbeit - Gesellschaft im Umbruch - Arbeitsgruppe am
Istitut für Soziologie der TU Darmstadt, dem Fachgebiet »Arbeit, Technik und
Gesellschaft«, geleitet von Rudi Schmiede,
www.informatisierung-der-arbeit.de.
Rudi Schmiede: »Informatisierung, Formalisierung und
kapitalistische Produktionsweise« und »Informatisierung und
gesellschaftliche Arbeit« (1996),
www.ifs.tu-darmstadt.de/fileadmin/sicherung/kairos/text1.ps,
www.ifs.tu-darmstadt.de/fileadmin/sicherung/kairos/text4.ps
(PostScript-Dateien).
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