Die Septem artes liberales (die Sieben Freien Künste) sind
die in Antike und Mittelalter gelehrten sieben klassischen
Studienfächer.
Die Freien Künste (artes liberales), die gegenüber den
praktischen Künsten (Artes mechanicae) höher bewertet wurden,
waren:
- Grammatik,
- Dialektik,
- Rhetorik,
- Geometrie,
- Arithmetik,
- Astronomie und
- Musik.
Sie wurden personifiziert in Form von weiblichen Allegorien und mit
folgenden Attributen dargestellt:
- Grammatik - Rute
- Dialektik - Schlange
- Rhetorik - Tafel & Griffel
- Geometrie - Zirkel
- Arithmetik - Rechenbrett
- Astronomie - Astrolabium
- Musik - Musikinstrument

Abbildung: Septem artes liberales aus dem
Hortus deliciarum
der Herrad von Landsberg (um 1180).
Die Griechen legten sich nicht auf eine kanonische Anzahl der Fächer
der Freien Künste fest.
Erstmals erfuhren die Sieben Freien Künste eine
enzyklopädische Behandlung durch den römischen Gelehrten Marcus
Terentius Varro im 1. Jahrhundert v. Chr. Die Sieben Künste des
Mittelalters kannte man vor allem aus Schriften des 5. bis 7.
Jahrhunderts n. Chr., besonders des Martianus Capella, Flavius Magnus
Aurelius Cassiodurus und des Isidor von Sevilla.
Im Mittelalter wurden die Freien Künste in Klöstern gelehrt. Man
unterschied das Grundstudium (Trivium) und das weiterführende
Quadrivium.
Zum Trivium gehörten die sprachlichen Fächer
- Grammatik (mit Literatur),
- Dialektik oder Logik und
- Rhetorik (mit Recht und Ethik).
Zum Quadrivium gehörten die mathematischen Fächer
- Arithmetik,
- Geometrie (die Geographie und Naturgeschichte beinhaltete),
- Astronomie, in der auch Astrologie behandelt wurde, sowie
- Musik, insbesondere Kirchenmusik.
Nach Abschluss des Quadriviums erhielt der Schüler den akademischen
Grad eines Magisters der Künste (Magister artium). Mit dem
Aufkommen des Humanismus und der Aufklärung wurde die klassische
Fächeraufteilung weitgehend aufgegeben.
Als Merkvers für die Sieben artes liberales diente in früheren Zeiten
das folgende lateinische Epigramm:
Gram loquitur, Dia verba docet, Rhe verba ministrat / Mus
canit, Ar numerat, Geo ponderat, Ast colit astra (dt.: »Die
Grammatik enthält die Sprache, die Dialektik erklärt die Worte, die
Rhetorik lehrt das Reden / Die Musik singt, die Arithmetik zählt,
die Geometrie misst das Gewicht, die Astronomie behandelt die Sterne«).