Joseph Meyer wurde in Gotha als Sohn eines Schuhmachers geboren, lernte
in Frankfurt am Main als Kaufmann und kehrte nach beendeter Lehrzeit in
seine Heimat zurück, um hier die kaufmännische Leitung des väterlichen
Geschäfts zu übernehmen. Das Unternehmen war zwar mittlerweile zu einer
kleinen Fabrik gewachsen, Meyer suchte jedoch nach größeren
Herausforderungen und verließ Gotha bald wieder.
1816 ging er nach London, wo er zunächst in einem Handelshaus arbeitete,
dann jedoch Spekulationsgeschäfte auf eigene Rechung betrieb; nach drei
Jahren war er jedoch dermaßen mit Schulden überhäuft, dass der Vater sein
Vermögen opfern mußte, um diese zu tilgen. Auch Meyers nächste Unternehmung,
eine »Gewerbe- und Hülfsanstalt« für die verarmte Weberbevälkerung, war ein
finanzieller Mißerfolg, die er nach weiteren drei Jahren aufgeben mußte.
Meyer kehrte wieder nach Gotha zurück, wo er das »Correspondenzblatt
für Kaufleute« herausgab; nach diesen ersten Erfolgen im Verlagsgeschäft
gab er u.a. für den Hennings'schen Verlag eine deutsche Bearbeitung von
Shakespeares Werken heraus. Im eigenen Verlag begründete er 1825 die
belletristische Zeitschrift »Meyer's British Chronicle« und gab ein »Handbuch
für Kaufleute« heraus.
Der große Erfolg dieser publizistischen Unternehmungen läßt sich auf zwei
Faktoren zurückführen: zum einen auf den ungewöhnlich günstigen Preis der
Werke, zum anderen auf die bis dahin in Deutschland unbekannt
buchhändlerische Vertriebsmethode des lieferungsweisen Erscheinens größerer
Werke; Meyer kann damit als Begründer des Subskriptionswesens in Deutschland
angesehen werden.
Auf dem Subskriptionsprinzip baute Meyers nächste große Unternehmung auf,
für die er das
Bibliographische Institut gründete. Dort gab er zunächst verschiedene
Ausgaben der älteren deutschen Klassiker heraus, die mit Porträts und
Biographien versehen waren; die Meyerschen Klassikerbändchen entwickelten
sich zu einem phänomenalen Erfolg und wurden zu hunderttausenden verkauft.
Meyer setzte seine Tätigkeit als Verleger fort mit der »Bibliothek der
Kanzelberedtsamkeit« und dem Andachtsbuch »Der Familientempel«
fort.
Im Herbst 1828 siedelte Meyer auf Einladung des Herzogs von Meiningen mit
seinem Geschäft nach Hildburghausen über. 1830 betätigte er sich mit der
Gründung der Zeitschrift »Der Volksfreund« erstmals politisch,
allerdings mußte er dieses Vorhaben bald wieder einstellen.
1838 begann er mit der Herausgabe des periodisch erscheinenden
Bilderwerks »Meyer's Universum«, das er bis zu seinem Tod fortführte;
es hatte in den 1830er Jahren bis zu 8.000 Abonnenten und erschien
zeitweilig in zwölf Sprachen, war jedoch aufgrund seiner freimütigen
Ansichten ständig bedroht durch Zensur und Verbote.
Daneben gab das
Bibliographische Institut u.a. Ausgaben griechischer und römischer
Klassiker heraus (unvollendet), veröffentlichte verschiedene Ausgaben der
Bibel mit Auflagen in Millionenhöhe und legte seine Ausgabe der deutschen
Klassiker in verschiedenen Varianten neu auf (»Familienbibliothek«,
»Nationalbibliothek«, »Groschenbibliothek«). Meyer gab auch die Sammelwerke
»Volksbibliothek für Naturkunde«, »Geschichtsbibliothek« und das »Große
Konversationslexikon« heraus, das 1840 bis 1855 in 52 starken Oktavbänden
erschien.
Daneben veröffentlichte er mehrere geografische Werke sowie große und
kleine Kartenwerke und betrieb einen Kunstverlag, der das Ziel verfolgte,
die klassischen Kunstwerke älterer und neuerer Zeit in hochwertigen Stichen
ebenso zum Gemeingut des Volkes zu machen, wie es ihm mit seinen
Klassikerbändchen gelungen war.
Ende der 1830er Jahre, als in Deutschland das Interesse am Eisenbahnbau
erwachte, entdeckte Meyer ein neues Betätigungsfeld und plante ein »Centraldeutsches
Eisenbahnnetz«; das Vorhaben war zwar 1837 durch Aktienzeichnungen
finanziell abgesichert, scheiterte dann jedoch an der
Konzessionsverweigerung der Hannoverschen Regierung.
Nachdem Meyers Interesse an industriellem Engagement geweckt war, bemühte
er sich um die Wiederbelebung der rohstoff- und mineralfördernden Industrie
in Thüringen; in kostspieligen Versuchen gelang es ihm, reichhaltige
Kohlenlager, Eisen-, Kupfer- und Silberminen sowie Kobalt- und Nickelgruben
nachzuweisen und zu erwerben. Meyer verausgabte sich dabei jedoch dermaßen,
dass er bis 1842 eine schwere Erkrankung ausheilen mußte.
Nach seiner Genesung gründete er 1845 die »deutsche
Eisenbahnschienencompagnie«, geriet jedoch in die wirtschaftlichen
Verwerfungen, die der Revolution von 1848 folgten, tat sich jedoch dennoch
als deren Unterstützer hervor und übersandte beispielsweise dem Landesherren
eine »Reformadresse«. In den darauf folgenden Jahren der Reaktion gehörte
Meyer zu den politisch Verfolgten und mußte eine Haftstrafe wegen eines
»Preßvergehens« abbüßen. Nach seiner Freisetzung fand Meyer noch einemal
Kraft für eine neue Unternehmung, den Plan zum Bau der Werrabahn, verstab
jedoch am 27. Juni 1856 an einem Schlaganfall (?).