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Pierre Bayle
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22-Feb-2005/14-Jan-07
Übersicht
Pierre Bayle (* 18. November 1647 in Carla-le-Comte; † 28.
Dezember 1706 in Rotterdam) war ein französischer Philosoph und
Schriftsteller.
Bayle war einer der herausragenden Theoretiker der Aufklärung und gilt
als Begründer einer streng quellenkritischen Geschichtsschreibung. Er
wandte sich gegen Dogmatismus in jeder Form, verlangte Toleranz auch
gegenüber Atheisten und trat für die Trennung von Staat und Kirche ein.
Leben
Er wurde anfangs von seinem Vater, einem calvinistischem Minister,
unterrichtet, trat aber später einem Jesuiten-Kolleg in Toulouse bei.
Nach einen Monat konvertierte er 1669 zum römisch-katholischem Glauben.
Siebzehn Monate später rekonvertierte er wieder zum Calvinismus und floh
nach Genf, um etwaiger Verfolgung zu entgehen. Dort entdeckte er die
Lehren von René Descartes.
Für einige Jahre arbeitete er unter dem Namen Bèle als Hauslehrer für
verschiedene Pariser Familien. 1675 wurde er an die philosophische
Fakultät der protestantischen Universität von Sedan berufen. 1681 wurde
die Universität geschlossen. Bayle fand jedoch kurz darauf als Professor
für Philosophie und Geschichte eine neue Anstellung an der Ecole
Illustre in Rotterdam. Dort veröffentlichte er ein Jahr später die
Schrift Pensées diverses sur la comète de 1680 sowie seine Kritik an
Louis Maimbourgs Arbeiten zur Geschichte des Calvinismus.
1684 veröffentlichte Bayle diverse Literaturkritiken unter dem Titel
Nouvelles de la république des lettres. 1693 musste er seinen Lehrstuhl
nach einem mehrjährigen Streit mit Pierre Jurieu und seinen darin
wiederholt geäußerten freisinnigen Ansichten aufgeben. Bayle nutzte
diesen Umstand, um sich ganz seinem Hauptwerk, dem
Dictionnaire historique et critique, zu widmen. Während seiner letzten Jahre verfasste er zahlreiche
Schriften und Repliken zur Kritik seines Dictionnaires. Er starb 1706 im
Rotterdamer Exil.
Werk
- Historical and Critical Dictionary (1695-1697; 1702, enlarged;
best that of P. des Maizeaux, 4 vols., 1740)
- Les Œuvres de Bayle (3 Bände, The Hague)
- Émile Gigas (Hg.), Choix de to correspondance inédite de Pierre
Bayle (Paris, 1890
- de Budé (Hg.), Lettres inédites adressées a JA Turretini (Paris,
1887)
Literatur
Historisches und kritisches Wörterbuch. Eine Auswahl der philosophischen
Artikel.
von
Pierre Bayle
Herausgegeben von Günter Gawlick und Lothar Kreimendahl. PhB 542. 2002. LXXXII, 720 S. 1619-1. Ln.
Preis bei Amazon.de: EUR 68,00 (kostenlose Lieferung -
Bestellen)
Gebundene Ausgabe - Meiner Erscheinungsdatum: August 2002 ISBN: 3787316191
Website: www.meiner.de/PhB/Bayle.htm.
»Das 1697 in erster Auflage erschienene
Dictionnaire historique et critique von Pierre Bayle ist als die »Bibel der Aufklärung«bezeichnet
worden, oder, in den Worten Wilhelm Diltheys, als die »Rüstkammer der
Aufklärung«. Seine immense Bedeutung für das ausgehende 17. und das
darauffolgende »Jahrhundert der Aufklärung« ist immer wieder auch von
prominenter Seite bezeugt worden.
Gleichwohl führt dieses für die europäische Aufklärung und
Ideengeschichte zentrale Werk, das 1740 bereits in 8. Auflage in vier
voluminösen Foliobänden vorlag, in der deutschen Aufklärungsforschung ein
Schattendasein. Das liegt in erster Linie daran, daß bislang keine
erschwingliche Ausgabe auf dem Buchmarkt greifbar war.
Die
Attraktion, die Bayles Wörterbuch auf die zeitgenössischen Leser
ausübte, beruht in erster Linie auf dem skeptischen Geist, der das ganze
Werk durchzieht. Bayle unterzieht Philosophie und Theologie, aber auch
alle anderen Disziplinen hinsichtlich ihrer Methoden, Gegenstände und
Ergebnisse einer kritischen Revision. Dieser aus dem Wörterbuch
sprechende Geist einer
nüchternen Rationalität traf den Geist und das Lebensgefühl des
18. Jahrhunderts, das sich nach Kants Worten nur dem verpflichtet
fühlte, was vor dem »Richterstuhl der Vernunft« legitimiert worden war.
Bayle steht am Anfang dieser Entwicklung und pocht unbeirrbar auf die
Rechte der Vernunft, die sich für ihn in einer vorurteilsfreien Prüfung
des überlieferten Wissenstandes manifestieren. Ein Resultat dieses
Ansatzes ist die Forderung von Toleranz. Aus den mehr als 2.000 Artikeln
des Wörterbuchs sind die philosophisch bedeutendsten Artikel (gut 30 an
der Zahl) ausgewählt und übersetzt worden.
Dabei ist das Wort
»philosophisch« in einem weiteren Sinne zu verstehen als heute
üblich. Bayle faßt darunter den Gesamtbereich des rationalen
Wissens. Deshalb fällt dieses Wörterbuch nicht, wie der Titel nahelegen
könnte, bloß in den Bereich der Geschichte oder der Philosophie im
engeren Sinne, sondern umfaßt die heute sogenannten Geisteswissenschaften
in toto.
Bayles Wörterbuch ist somit unserem heutigen Sprachgebrauch nach
interdisziplinär angelegt und auch für die geisteswissenschaftlichen
Fächer neben Philosophie und Geschichte von immenser Bedeutung«
(Verlagsinformation).
Frankfurter Allgemeine Zeitung am 7. Mai 2003:
»Die sorgfältig übersetzte und gründlich kommentierte
Auswahl von Bayles Dictionnaire will den direkten Vergleich mit dem
Problemstand der großen zeitgenössischen Systembauer ermöglichen.
Sie stellen sich damit in die Tradition eines Voltaire oder
Friedrich II., die mit ihren Taschenausgaben das gleiche wollten.
Man schmälert ihr Lob nicht, wenn man darauf hinweist, daß Auswahl
und Kürzung die Individualität des philosophischen Schriftstellers
Bayle sehr zurücknehmen müssen. Dagegen hilft nur die Lektüre des
Originals, die dem Leser durch Sprache und Stil viel abverlangt. Die
jetzt vorliegende Auswahl ist deshalb eine ausgezeichnete Vorschule
für künftige Bayle-Leser und der seit langem in Deutschland
ausgebliebene Hinweis auf die überragende Bedeutung dieses Autors«.
Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 6/2004:
»Und in der Tat findet man (heute kaum noch anstößige)
sexualisierte Anekdoten, die Bayle - wie andere Anekdoten auch - in
seine Darstellung eingebaut hat. Nach Auskunft der herausgeber
dienten sie der Unterhaltung und sollten den Absatz des
aufklärerischen 'Wörterbuches' steigern (S. XXII). Beides ist auch
dem leser der deutschen Auswahlübersetzung (nicht nur wegen der
Anekdoten) sowie Verlag und Herausgebern für eine vorzüglich
gearbeitete Studienausgabe zu wünschen«.
Weitere Literatur
Ludwig Andreas Feuerbach, Pierre Bayle (1838)
des Maizeaux, Vie de Bayle
Jean Philibert Damiron, La Philosophie en France au XVIII'
siècle (1858-1864)
Charles Augustin Sainte-Beuve, “Du genie critique et de Bayle"
(Revue des deux mondes, 1. Dezember, 1855)
A Deschamps, La Génèse du scepticisme erudit chez Bayle (Liege,
1878)
J Denis, Bayle et furleu (Paris, 1886)
Ferdinand Brunetière, La Critique littéraire au XVIII' siècle
(vol. 1, 1890) und La Critique de Bayle (1893)
JF Stephen, Horae Sabbaticae (London, 1892, 3rd ser. pp. 174192)
A Cazes, P. Bayle, sa vie, ses œuvres, etc. (1905).
Netmarks
Dictionnaire historique et critique Online,
www.lib.uchicago.edu/efts/ARTFL/.../BAYLE/search.fulltext.form.html.
The Pierre Bayle Homepage,
www.lett.unipmn.it/~mori/bayle (engl., frz., ital.)
Y. Bizeul: Bayle - Vordenker des modernen Toleranzbegriffs, 2000,
www.wiwi.uni-rostock.de/~polreg/download/toleranz_bizeul.pdf
(PDF-Datei).
M. Overmann: Spinoza und Bayle: Trennung von Kirche und Staat und
Apologie des tugendhaften Atheisten - eine ethische Kontroverse, 1996,
www.ph-ludwigsburg.de/franzoesisch/bayle.htm.
Quelle und Lizenz
Ein Teil dieses Textes basiert auf einem Artikel aus
Wikipedia, der freien Enzyklopädie.
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Stand: 21:49, 9. Feb 2005.
Lizenz: GNU Free
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Bildquellennachweise:
de.wikipedia.org (Lizenz: Public Domain).
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