Als Hypertext bezeichnet man die nicht-lineare Organisation von
heterogenen Objekten, deren netzartige Struktur durch logische
Verbindungen (= Verweise, Links) zwischen atomisierten
Wissenseinheiten (= Knoten, z.B. Texte oder Textteile) hergestellt
wird (Verweis-Knoten-Konzept).
Die Begriffe Hypertext und
Hypermedia werden meistens synonym benutzt; Hypertext betont dabei
jedoch den textuellen Anteil, Hypermedia dagegen mehr den
multimedialen.
Nutzen
Hypertexte bieten gegenüber der linearen Informationsdarstellung
den Vorteil, eine größere Komplexität redundanzfrei oder zumindest
vergleichsweise redundanzarm vermitteln zu können. Komplexe
Denkansätze wie die Systemtheorie lassen sich aufgrund ihrer
Selbstreferentialität und Rekursivität nur noch begrenzt linear
beschreiben.
Durch die assoziative Struktur eines Hypertextes
ähneln Hypertexte auch grundsätzlich eher der Funktionsweise des
menschlichen Denkens als lineare Texte.
Probleme
Ein alle Hypertexte betreffendes Problem ist das
Information-Retrieval, also das gezielte Auffinden von Informationen
in einem nichtlinearen Text; während literate Menschen über
Jahrhunderte in der Rezeption von linearen Texten geschult wurden,
beginnt man heute erst den Umgang mit komplexen Hypertexten zu
erlernen.
Ein weiteres Grundproblem ist die Navigation in
Hypertexten, da häufig eine vom Autor vorgegebene Lesestruktur (z.B.
Guided Tour) fehlt; in der Folge können sich ein Information
Overload, die Überflutung mit ungeordneten Informationen, und das
Phänomen des Lost in Hypertext, also die Desorientierung im
Informationssystem einstellen.
Erst in Ansätzen gelöst ist auch
das Problem der Visualisierung von Hypertexten, also die grafisch
aufbereitete Darstellung der typischerweise netzwerkförmigen und
daher nicht hierarchisch präsentierbaren Struktur eines Hypertextes
(siehe auch Hyperbolic Tree).
Anwendungen
Die Wikipedia – oder das gesamte World Wide Web – ist ein
Beispiel für einen komplexen Hypertext, je nachdem, was als
Bezugsrahmen genommen wird.
Auch viele Software-Dokumentationen,
Hilfe-Texte und Nachschlagewerke wie die elektronischen Ausgaben des
Brockhaus und der Encyclopaedia Britannica sind als Hypertext
konzipiert.
Geschichte und Entwicklung
Hypertextuelle Strukturen sind seit Jahrhunderten bekannt; die im
Aufschreibesystem der Neuzeit ausdifferenzierten Erschließungshilfen
für lineare Texte wie Inhaltsverzeichnise, Indices, Querverweise und
Fußnoten sowie jegliche Verweissysteme entsprechen funktional einem
Hypertext, der einzige Unterschied besteht darin, dass zum einen die
Verweisziele nicht vor Ort präsent sein müssen und zum anderen, dass
das Verfolgen der Verweise nicht mechanisiert bzw. automatisiert
ist; als Vorläufer heutiger digitalsierter Hypertexte gilt daher
beispielsweise Agostino Ramellis Bücherrad aus dem 15. Jahrhundert
und Roussels Lesemaschine, eine Art Wechselrad für Notizzettel.
Das moderne Hypertext-Konzept wurde erstmals von Vannevar Bush im
Jahr 1945 in einem Artikel As We May Think im Journal The Atlantic
Monthly erwähnt. Er sprach darin über ein zukünftiges System Memex
(für Memory Extender), das das Wissen eines bestimmten Gebietes
elektronisch aufbereitet leicht zugänglich darstellen kann. Die
Kernidee des Konzepts ist zum einen, dass das Verfolgen von
Verweisen mit elektronischer Hilfe erleichtert wird und zum anderen,
dass Bücher und Filme aus einer Bibliothek verfügbar gemacht und
angezeigt werden können. Die Idee von Hypertext ist also von Anfang
an mit alten Utopien von der "universellen Bibliothek" verbunden
(siehe auch Bibliotheksutopie).
Der Gesellschaftswissenschaftler
Ted Nelson (Projekt Xanadu) prägte den Begriff "Hypertext" im Jahr
1965.
Eines der ersten Hypertextsysteme, das einer größeren Gruppe
zugänglich war, war HyperCard der Firma Apple, das mit den Apple
Macintosh Computern ausgeliefert wurde.
Das heute am weitesten
verbreitete Hypertext-System ist der Internet-Dienst World Wide Web
(WWW), obwohl ihm einige wichtige Funktionen früherer
Hypertextsysteme fehlen. So ist zum Beispiel das Problem der so
genannten toten Links (engl. dead links oder dangling links) im WWW
ungelöst. Auch die Implementierung der Uniform Resource Identifiers
(URIs) ist über die im Web gebräuchlichen URLs nur unvollständig
erfüllt. Im Gegenzug erlaubt das WWW aber auch das Einbinden von
nichtsprachlicher Datentypen. Dadurch ist es, obwohl auf Hypertext
beruhend, streng genommen ein Hypermedia-System. Die Sprache, in der
die Texte des World Wide Web beschrieben werden, heißt HTML;
Web-Dokumente werden von Webdesignern konzipiert und erstellt.
Eine ausführlichere Darstellung der Geschichte des Hypertext findet
sich in der Chronologie der Hypertext-Technologien.