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Antikes Griechenland
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Erstellt/Zuletzt bearbeitet: 01-Sep-2005/03-Feb-06
Systemzeit: Freitag, 21.11.2008, 19:17:06.
Home : Webtravel : gr : Antikes.Griechenland
Übersicht
Das antike Griechenland hat die Entwicklung der europäischen
Zivilisation maßgeblich mitgeprägt. Die Geschichte Griechenlands in der
Antike umfasst im Rahmen dieses Beitrags etwa den Zeitraum von 800–146
v. Chr. (Integration Griechenlands ins Römische Reich), einschließlich
eines Ausblicks bis in die Zeit der Spätantike. Die davor liegende Zeit
wird in Geschichte Griechenlands und in Dunkles Zeitalter behandelt.
Alle Zeitangaben, soweit nicht ausdrücklich anders angegeben, verstehen
sich als v. Chr.
Während sich in der archaischen Zeit (ca. 700-500 v.Chr.) endgültig das
Polissystem etablierte und es zur großen Kolonisation des
Mittelmeerraums kam, war die klassische Periode (ca. 500-336 v.Chr.), in
der auch zentrale politische Begriffe wie die Demokratie geprägt wurden,
die Zeit der großen kulturellen Entfaltung der Antike, welche das
Fundament für das Abendland legte. Auch maßgebliche Erkenntnisse in
anderen Bereichen, wie der Mathematik, gehen auf die Leistungen der
antiken griechischen Kultur zurück, der wir neben vielen anderem auch
die Geschichtswerke Herodots und des Thukydides sowie die Verse der
Ilias und der Odyssee verdanken.
Griechenland in der archaischen Zeit (ca. 700–500)
Die archaische Zeit schuf in vielerlei Hinsicht das Fundament für die
klassische Zeit des antiken Griechenlands. Am Anfang stehen nach dem
„Dunklen Zeitalter“ die homerischen Epen, die Ilias und Odyssee, die wohl um
750/30 (Ilias) bzw. ca. 720/00 (Odyssee) in schriftlicher Form niedergelegt
wurden (Zeitpunkt in der Forschung umstritten, siehe auch homerische Frage).
Wohl noch vor Homer entstanden auch die Dichtungen des Hesiod.
In dieser Zeit formierte sich in Griechenland langsam ein neues
Staatensystem, dessen Ausbildung möglicherweise schon im 12. Jh. v. Chr.,
spätestens aber in geometrischer Zeit (ca. 1050-700 v. Chr.) beginnt: Die
Polis (Stadtstaat) wurde die beherrschende Staatsform (außer in Teilen von
Nord-Griechenland und Teilen des Peloponnes). Der Adel, der zunächst noch
kein Geburtsadel war, gewann an Einfluß und gleichzeitig wurde dadurch
bedingt die Königsherrschaft immer mehr zurückgedrängt und verschwand
größtenteils. So traten unter anderem verstärkt Oligarchien auf, während in
anderen Stadtstaaten die Bevölkerung stärker an der Regierung beteiligt war.
Die Demokratie (siehe auch das Prinzip der Isonomie, die Rechtsgleichheit)
wie im Falle Athens entwickelte sich jedoch erst vollkommen in klassischer
Zeit. Vollbürger waren in der Polis berechtigt, am politischen Leben
teilzunehmen. Der Grad der Mitbestimmung war freilich von Stadt zu Stadt
unterschiedlich abgestuft. Oft hatten Poleis nur ein kleines begrenztes
Umland (Chora). Große Poleis mit weitläufiger Chora, wie Athen und Sparta,
waren die Ausnahme. In der Regel verfügte jede Polis über eine Akropolis
sowie eine Agora (Marktplatz als wirtschaftliches und auch politisches
Zentrum).
Bereits Ende des 2. Jahrtausends vor Christus sollen Griechen nach
Kleinasien - z. B. nach Milet (angeblich 1053 v. Chr. besiedelt, vorher
jedoch bereits Jahrhunderte griechisch) oder Smyrna (Besiedlung in so früher
Zeit jedoch bisher nicht nachgewiesen) etc. - übergesiedelt sein (s. auch
ionische Kolonisation, Kolonisation). Es kam im Zeitraum von ca. 750–550
schließlich zur großen Kolonisation, in deren Verlauf in weiten Teilen des
Schwarzmeergebiets und in vielen Gegenden des Mittelmeerraums Tochterstädte
gegründet wurden. Hier wurden vor allem in Unteritalien und auf Sizilien -
z. B. 735 Naxos und 730 Syrakus (Daten nach Thukydides) - viele Kolonien
gegründet. Vergleiche auch Magna Graecia. Gründe waren neben Überbevölkerung
und Sicherung von Handelswegen auch innenpolitische Schwierigkeiten
(Stichwort stasis, als Synonym für Kämpfe innerhalb einer Polis). Dabei darf
man den Begriff "Kolonisation" nicht nach modernen Maßstäben benutzen. Die
neugegründeten Städte waren unabhängig von der Mutterstadt und die
Ansiedlung geschah in der Regel dort, wo mit keinem ernsthaften Widerstand
durch einheimische Kräfte zu rechnen war.
Der Horizont der griechischen Welt reichte damit über den gesamten
Mittelmeerraum mit der Ägäis als Zentrum. In der Zeit ab 700 verstärkte sich
der Einfluss orientalischer Elemente auf die Kunst, wobei zunächst Städte
auf Euböa, bald darauf das mächtige Korinth eine wichtige Vermittlerrolle
spielte. Die Griechen übernahmen zuvor schon das Alphabet der Phönizier und
gestalteten es für ihre Zwecke um.

In diesem Zeitraum entstand auch die ionische Philosophie (wobei sich
beispielsweise Pythagoras ebenso mit Mathematik beschäftigt hatte), während
sich auf dem griechischen Festland verschiedene Poleis bekriegten. Auf der
Peloponnes war zunächst Argos lange Zeit führend, doch gelang es Sparta,
nach der Eroberung Messeniens (in mehreren erbittert geführten Kriegen bis
640) und einer Reform des Gemeinwesens, zur führenden Militärmacht
Griechenlands zu werden. Längst hatte sich das Militärmodell der
Bürgerwehren (siehe Hoplitentaktik) durchgesetzt. Um 550 gründete Sparta
schließlich den Peloponnesischen Bund und zementierte damit seinen
Herrschaftsanspruch.
Im 7. Jh. und 6. Jh. erlebte auch die Regierungsform der Tyrannis eine
Blüte. So namentlich in Korinth, wo die Krypseliden um 660 an die Macht
kamen und damit die früheste Tyrannis in Griechenland einrichteten, sowie in
Sikyon, Samos, später auch in Athen. Auch im Westen kamen in späterer Zeit
Tyrannen an die Macht, wobei die Entwicklung auf Sizilien recht spektakulär
verlief (siehe Gelon, Agathokles). Der Begriff Tyrannis stammte aus
Kleinasien und bezeichnete zunächst ohne Wertung eine Alleinherrschaft. In
der Regel übernahm ein mächtiger Aristokrat die Führung innerhalb einer
Polis und sicherte seine Macht durch militärische Kräfte ab und suchte zudem
Unterstützung bei anderen Tyrannen. Gegeben war also keine rechtliche
Grundlage, sondern eine rein machtpolitische. Im griechischen Mutterland
stellte jedoch etwa Sparta dieser Regierungsform entgegen und bekämpfte sie
energisch.
Die antike griechische Welt kannte kein "Nationalgefühl" im modernen
Sinn. Zwar waren die Olympischen Spiele ein gemeinsames Großereignis, an dem
auch Griechen beispielsweise aus Unteritalien teilnahmen, ähnlich wie das
Orakel von Delphi eine panhellenische Bedeutung hatte. Es gab außerdem (dies
ist ein Verdienst der homerischen Epen; die ersten Tempelbauten entstanden
denn auch erst in archaischer Zeit) einen Götterkanon. Ohnehin war die
antike griechische Welt tief religiös. Wenn es sich auch um keine
Buchreligion handelte, vielmehr wurde die Religion durch Mythen und
Heroengeschichten bestimmt, wurden doch fast alle öffentlichen und privaten
Handlungen von Anrufungen an die Götter begleitet. Jede Polis, mochte sie
noch so klein sein, wachte streng über die eigene Autonomie und war nicht
bereit, diese freiwillig aufzugeben. Dadurch bedingt war der Krieg im
antiken Griechenland eher der Normalzustand (siehe die Kämpfe zwischen Athen
und Ägina oder zwischen Sparta und Argos). Ein wirkliches Gemeinschaftgefühl
entwickelte sich erst am Vorabend der Perserkriege.
510 wurde schließlich die Tyrannis in Athen beseitigt. Athen war bereits
vorher zur Vormacht in Attika geworden, während Theben später ähnliches in
Böotien versuchen sollte. In Kleinasien kam es kurz danach zu einem
Ereignis, das Weltgeschichte schreiben wird: der Ionische Aufstand
(500–494).
Griechenland in klassischer Zeit (ca. 500-336)
Ionischer Aufstand und Perserkriege
Der Ionische Aufstand (ca. 500-494), der seit Jahrzehnten unter
persischer Oberherrschaft stehenden kleinasiatischen und zyprischen Griechen
gegen das Perserreich, war von Athen nur halbherzig unterstützt worden.
Dennoch rüstete der persische Großkönig Dareios I. zum Vergeltungsfeldzug,
dem Beginn der Perserkriege, über die uns der Vater der Geschichte Herodot
in seinem Geschichtswerk Auskunft gibt; damit beginnt auch die (westliche)
Geschichtsschreibung im eigentlichen Sinn.

Athen siegte zwar bei Marathon 490, doch kam es zehn Jahre später zu
einem erneuten Feldzug unter Führung von Dareios Sohn Xerxes I. 481 wurde
daher der Hellenenbund gegründet, dem neben Sparta und Athen auch mehrere
andere, aber keineswegs alle Stadtstaaten des Mutterlandes angehörten;
manche waren sogar eher bereit, sich den Persern zu unterwerfen. Nach dem
Hinhaltegefecht an den Thermopylen kam es bei Salamis zur
Entscheidungsschlacht. Die Griechen vernichteten die zahlenmäßig überlegene
persische Flotte (480). Ein Jahr später wurde auch das persische Landheer in
der Schlacht von Plataiai geschlagen. 478 begann die Eroberung Ioniens.
Sparta weigerte sich jedoch, den Schutz der Griechen fern der Heimat zu
übernehmen. Athen hingegen, bisher der Juniorpartner, nahm an und gründete
478/477 den Attischen Seebund.
Es zeichnete sich bereits der Dualismus Sparta / Athen ab, der
schließlich zum Peloponnesischen Krieg führen sollte. Athen setzte nun den
Krieg gegen das Perserreich mit Hilfe seines Bundes fort. Es intervenierte
schließlich in Ägypten und im östlichen Mittelmeerraum. Mit dieser Strategie
überstrapazierte es allerdings seine Ressourcen. Schließlich kam es 449
folgerichtig zu einem Ausgleich mit Persien (Kalliasfrieden, dessen
Authentizität allerdings in der Forschung umstritten ist).
In Böotien verfolgte Theben eine Politik zur Errichtung einer Hegemonie
über die anderen böotischen Gemeinden. Auch Athen verfolgte unter Perikles
eine ähnlich aggressive Politik. Der Seebund, inzwischen längst ein
Instrument zur Verfolgung athenischer Interessen, entwickelte sich langsam
zum attischen Reich. 460-57 wurde die so genannten Langen Mauern errichtet,
die Athen mit dem Hafen Piräus verbanden und Athen selbst zur uneinnehmbaren
Festung machte. Die Demokratie wurde als Mittel zum Erreichen der
athenischen Ziele eingesetzt, wobei es auf athenischer Seite (besonders
während des Peloponnesischen Krieges) zu zahlreichen Greueltaten kam.
Vorher hatte bereits der so genannte Erste Peloponnesische Krieg (ca.
460-46) zwischen Athen und Sparta getobt. Grund war der vorläufige Austritt
Megaras aus der spartanischen Allianz und dessen Überwechseln zu Athen.
Athen unternahm in diesem Zusammenhang sogar eine Expedition nach Ägypten
(460-54), die jedoch scheiterte. Doch konnte sich die pro-spartanische
Politik des zeitweise exilierten athenischen Politikers Kimon durchsetzen
(der 449 auf Zypern fiel), so dass 446 ein dreißigjähriger Frieden
geschlossen wurde, wobei die latenten Spannungen freilich bestehen blieben.
Im Westen erwehrten sich währenddessen die Griechen der Gefahr durch die
Etrusker und dem mächtigen Karthago. In der Schlacht von Kyme 474 wurden die
Etrusker vernichtend geschlagen. Auf Sizilien ging der Konflikt mit Karthago
weiter, auch wenn die Karthager 480 bei Himera geschlagen worden waren. Dort
konnten sich in zahlreichen Poleis auch weiterhin Tyrannen an der Macht
halten, wie beispielsweise Gelon, der zeitweise als der mächtigste Mann der
griechischen Welt galt.
Im griechischen Mutterland wurde derweil Athen zur Schule Griechenlands. Das
Geld aus der Kasse des Seebunds ermöglichte zahlreiche Bauprojekte wie den
Parthenon. Athen entwickelte sich auch zum Zentrum der Philosophie
(Sokrates, später vor allem Platon und Aristoteles; siehe auch Philosophie
der Antike). Die klassische Zeit war die Blütezeit Griechenlands und der
griechischen Kultur: Man denke nur an Phidias, Sophokles, Aischylos,
Euripides, Polyklet. Des weiteren der Arzt Hippokrates oder die
Geschichtsschreiber Herodot und Thukydides, deren Werke auch in
literarischer Hinsicht bemerkenswert sind. Der Redner Demosthenes war bis in
die Zeit Ciceros unerreichtes Vorbild. Ein ebenso eindrucksvolles Beispiel
für die kulturelle Entfaltung des klassischen Griechenlands ist die
Tragödie, deren Anfänge jedoch bereits in archaische Zeit zurückreichen. Es
die klassische Zeit des antiken Griechenlands, welche die Grundlagen legte,
an die spätere Generationen in vielerlei Hinsicht anknüpfen sollten.
Im politischen Bereich waren es vor allem neue Denkweisen, welche die
Entdeckung des Politischen durch die Griechen charakterisieren (Lit.: vgl.
Chr. Meier, 1980), wie beispielsweise die Sophistik und das demokratische
Denken. Unter Perikles wurde schließlich auch die radikale Demokratie
vollendet (der Anfang war bereits in den 60er und 50er Jahren gemacht
worden). Die athenische Demokratie mit der vollberechtigten Beteiligung der
Bürger wurde zwar zu einem Muster für die Zukunft, doch schützte sie
zunächst nicht vor so manchen Auswüchsen der Machtpolitik, zumal sie in
vielerlei Hinsicht kaum mit der modernen Demokratie zu vergleichen ist
(beispielsweise fehlte die Gewaltenteilung). Mit dem berühmten
Geschichtswerk des Thukydides, welches einen wissenschaftlichen Gegenentwurf
zu Herodots Schilderung der Perserkriege darstellt, entstand allerdings
bereits eine Schilderung des beginnenden Niedergangs.
Der Peloponnesische Krieg - ein antiker Weltkrieg
Über den Streit Korinths mit Korkyra bezüglich der Einmischung Athens in
den Bürgerkrieg in Epidamnos, der Furcht Athens vor einem Engagement
Korinths im Norden und über einen Handelsstreit mit dem mit Sparta
verbündeteten Megara, aber auch aus der Furcht Spartas vor einem weiteren
Machtzuwachs Athens, kam es schließlich zum Pelpononnesischen Krieg (mit
Unterbrechungen von 431-404).
432 forderten Megara und Korinth Sparta ultimativ zum Eingreifen auf, doch
begann der Krieg eher ungeplant mit einem Überfall der mit Sparta
verbündeten Thebaner auf die Stadt Plataiai. Sparta fiel 431 in Attika ein,
doch hatte Perikles die Bevölkerung in den Schutz der Langen Mauern
zurückgezogen. Währenddessen plünderte die athenische Flotte den Peloponnes.
Perikles rechnete mit der Erschöpung des Gegners, während die Spartaner
jedes Jahr in Attika einfielen.

Nach dem Tod des Perikles 429 kam eine neue Generation von Politikern ans
Ruder, wobei Kleon für eine aggressive, Nikias hingegen für einen
ausgleichende Politik gegenüber Sparta standen. 425 schien Sparta aufgrund
der Gefangennahme mehrerer Spartiaten zum Frieden bereit, doch wurde dies
von Kleon abgewiesen. Sparta reagiert jedoch und marschierte unter Führung
des Brasidas 424 in Thrakien ein und bedrohte so die athenische Versorgung
mit Getreide. 421 kam es zu einem Friedensvertrag (Nikiasfrieden), der
jedoch nicht alle Streitigkeiten ausräumte. Sparta bekämpfte seine
Erzrivalin Argos, während Athen unter dem Einfluss des Alkibiades die
folgenschwere Sizilienexpedition unternahm (415-13). Diese endete in einem
Desaster für Athen. Die Einnahme von Syrakus misslang und das athenische
Heer wurde vernichtet, während in Griechenland Alkibiades, der zu den
Spartanern übergelaufen war, diese zu einer neuen Taktik gegen Athen
überredete. In Dekeleia wurde ein permanenter Stützpunkt errichtet, während
Persien nun Sparta unterstützte. Mit Hilfe persischen Goldes baute Sparta
eine leistungsstarke Flotte auf. Gleichzeitig fielen immer mehr
Seebundmitglieder, die von Athen wie Kolonien behandelt wurden, vom
attischen Bund ab. In Athen kam es daraufhin zu einem oligarchischen
Verfassungsumsturz (411), der aber schon 410 wieder rückgängig gemacht
werden konnte - auch mit Hilfe des wieder zu Athen übergelaufenen
Alkibiades.
Spartas neue Flotte unter dem fähigen Lysander bedrohte jedoch weiterhin
Athens Lebensnerv. 406 siegten die Athener noch bei den Arginusen, doch
unterlag die Flotte 405 in der Schlacht von Aigospotamoi. Athen kapitulierte
404 vor Sparta, wurde aber nicht zerstört, da Sparta ein Gleichgewicht der
Kräfte aufrecht erhalten wollte. Korinth und Theben fühlten sich jedoch um
die Erfüllung ihrer Kriegsziele betrogen und verfolgten nun eigene Ziele,
auch und vor allem gegen Sparta.
Kampf um die Hegemonie: Spartas und Thebens Höhenflug und der Aufstieg
Makedoniens
Sparta konnte nach dem Sieg von 404 die Führungsrolle Athens nicht
übernehmen, auch wenn es versuchte, die Lücke auszufüllen, die der Verlust
der athenischen Hegemonie hinterlassen hatte. Zwischen Sparta und Persien
kam es zudem zum Krieg um Kleinasien (400-394), da sich Sparta weigerte, die
dortigen griechischen Städte den Persern auszuliefern, wie es der Vertrag
von 412 vorgesehen hatte. Aber auch in Griechenland brachen die
Kampfhandlungen nicht ab. Im Korinthischen Krieg (395-87) kämpften Argos,
Athen, Korinth und Theben gegen die Spartaner. 387/86 kam es schließlich zum
so genannten Königsfrieden, der in Wirklichkeit ein persischer Diktatfrieden
war, der dem Krieg im griechischen Mutteland aber wenigstens zu einem
vorläufigen Ende brachte. Persien erhielt Kleinasien und Zypern, während
Athen nur einige seiner alten Kleruchien behalten durfte. Alle anderen
Poleis sollten autonom sein.
Auf dem Prinzip von Autonomie und Gleichberechtigung basierte die Idee der
Koine Eirene, des Allgemeinen Friedens, die in den Folgejahren starke
politische Wirkung entfaltete und neben dem Panhellenismus der prägende
politische Gedanke dieser Zeit war. Am Ende scheiterte aber auch diese
Friedensidee immer wieder an der Unmöglichkeit, sie ohne die Garantie einer
starken Hegemonialmacht durchzusetzen. Der Königsfriede wird von einigen
Forschern als erste Verwirklichung einer Koine Eirene angesehen.

Zu seinem Wächter warf sich zunächst Sparta auf, um seine eigene Position
zu verteidigen. Es geriet aber zusehends in die Defensive. Athen begründete
378/77 den Seebund neu (allerdings verkleinert und auf einer
demokratischeren Basis). Tatsächlich waren aber sowohl Sparta als auch Athen
über das Anwachsen der thebanischen Machtstellung besorgt und versuchten,
den thebanischen Einfluss einzudämmen. Athen hatte sich von der Niederlage
im Peloponnesischen Krieg langsam wieder erholt und begonnen, den Seebund zu
restaurieren sowie Sicherheitsmechanismen in das demokratische System
einzubauen. Doch während sich die beiden alten Feinde nun doch noch
annäherten, kam es 371 zur Schlacht von Leuktra, in welcher das spartanische
Heer in offener Feldschlacht von den Thebanern vernichtend geschlagen wurde.
Dies bedeutete das endgültige Ende der spartanischen Hegemonie, doch auch
der Höhenflug Thebens endet bereits nach wenigen Jahren, als 362 der
wichtigste thebanische Strategen Epameinondas fiel, doch verlor Sparta
Messenien und wurde somit zu einer Macht zweiten Ranges, zumal die dringend
notwendigen inneren Reformen auch in späterer Zeit nicht verwirklicht werden
konnten.
Im fernen Westen blühte die reiche Polis Syrakus und erreichte eine
quasi-hegemoniale Stellung unter Dionysios I. von Syrakus, wurde im 4.
Jahrhnudert jedoch von schweren Bürgerkriegen heimgesucht. Auf Sizilien
lieferten sich Karthago und die sizilischen Griechen bereits seit dem frühen
5. Jahrhundert teils heftige Kämpfe, wobei sich beide Kräfte in etwa die
Waage hielten. Tatsächlich waren es gerade die "Randgebiete" der
griechischen Welt, die nach dem Peloponnesischen Krieg eine Blütezeit
erlebten, so eben Böotien mit Theben, aber auch Thessalien (siehe Jason von
Pherai), Korinth und Megara, die sich vom Krieg erholten und gerade vom
Handel profitierten.
Im Norden Griechenlands bestieg währenddessen Philipp II. den Thron von
Makedonien. Er machte Makedonien zur führenden Militärmacht in Griechenland.
In den 50er Jahren kämpfte er gegen die Phoker und erwarb 352 die
Vorherrschaft in Thessalien. 343 folgte die Eroberung Thrakiens. Athen
fühlte sich von der expansiven Politik Philipps ernsthaft bedroht. Vor allem
Demosthenes versuchte die Athener davon zu überzeugen, dass Philipp sie
unterjochen wollte, hatte zunächst jedoch keinen Erfolg. 340 kam es endlich
zur Bildung eines Abwehrbundes, doch unterlag das Heer 338 bei Chaironeia
dem Heer Philipps. Dieser gründete 337 den Korinthischen Bund und wurde zum
Hegemon ernannt. Philipp war de facto zum Beherrscher Griechenlands
geworden. Seine Pläne zu einem Feldzug gegen Persien konnte er jedoch nicht
mehr verwirklichen: Er wurde 336 ermordet.
Sein Sohn Alexander, später der Große genannt, würde sie jedoch in die
Tat umsetzen. Er zwang die aufständischen Städte in die Knie und zerstörte
Theben. Mit seinem legendären Alexanderzug öffnete er zugleich den Griechen
das Tor zu einer "neuen Welt". Damit endete auch das klassische Zeitalter
Griechenlands.
Es begann das Zeitalter des Hellenismus, in dem die griechischen Poleis
gegenüber den hellenistischen Großreichen nur eine untergeordnete Rolle
spielten, die griechische Kultur sich jedoch bis nach Indien verbreiten
sollte (siehe auch Diadochen).
Griechenland im Zeitalter des Hellenismus bis zur Eingliederung in das
Römische Reich
Griechenland blieb das Schlachtfeld der hellenistischen Großmächte. Vor
allem die Antigoniden versuchten, die alte makedonische Hegemonie zu
erneuern. Athens Versuch, nach dem Tod Alexanders wieder eine Macht zu
werden, scheiterte kläglich (Lamischer Krieg, 323-322). An Stelle der Polis
traten die griechischen Bundesstaaten. Die beiden wichtigsten waren der
Aitolische Bund und der Achaiische Bund. In kultureller Hinsicht verlagerte
sich der Schwerpunkt mehr in den Osten, wo vor allem Alexandria in Ägypten,
später auch Pergamon in Kleinasien, eine bedeutende Rolle spielte (siehe
auch Diadochen).

In Folge der Kämpfe zwischen den griechischen Klein- und Mittelmächten
untereinander und mit und gegen Makedonien kam es zum Eingreifen des
Römischen Reiches gegen Philipp V. von Makedonien. Im Zweiten
Makedonisch-Römischen Krieg (200-197) wurde Makedonien vernichtend
geschlagen. 196 verkündete der römische General Titus Quinctius Flamininus
die Freiheit Griechenlands, Rom blieb aber Protektoratsmacht. Da die Lage
weiterhin instabil war, sah sich Rom in der Folgezeit gezwungen, immer
wieder einzugreifen. Nach der Schlacht von Pydna 168 war Makedonien, welches
unter König Perseus noch einmal versucht hatte, die Vorherrschaft in
Griechenland gegen Rom zu erkämpfen, als Machtfaktor ausgeschaltet. Rom
engagierte sich nun dauerhaft in Griechenland. Dies führte nach der
Zerstörung von Korinth zur Umwandlung Griechenlands in eine römische Provinz
(146 zu Makedonien, 27 als Provinz Achaia).
133 wurde auch das Reich von Pergamon von Rom annektiert, 64/63 folgte das
Reich der Seleukiden in Syrien (welches aber bereits seit dem 2. Jahrhundert
nur noch von regionaler Bedeutung war und seine reichsten Provinzen längst
verloren hatte), 30 schließlich die letzte hellenistische Macht, das Ägypten
der Ptolemäer.
Die unabhängige politische Geschichte des antiken Griechenlands war damit
beendet, doch lebte die griechische Kultur im Römischen Reich fort und
prägte seit dem 2. vorchristlichen Jahrhundert zunehmend auch die römische
Zivilisation. Kaiser Nero war ein großer Philhellene und gewährte
Griechenland zahlreiche Privilegien, die seine Nachfolger aber wieder
zurücknahmen. Bis in die Spätantike war es für die Eliten Roms fast
selbstverständlich, neben Latein auch Griechisch zu beherrschen, und die
klassische griechische Bildung (paideia) blieb zumindest in der östlichen
Reichshälfte auch nach dem Sieg des Christentums noch lange lebendig.
Die Reichskrise des 3. Jahrhunderts nach Christus betraf dann auch
Griechenland, das unter Barbareneinfällen zu leiden hatte, sich aber wieder
einigermaßen erholen konnte und mit mit dem Neuplatonismus die letzte
bedeutende philosophische Strömung der Antike hervorbrachte. Gerade Athen
blieb bis ins 6. Jahrhundert nach Christus ein bedeutendes Zentrum antiker
Bildung. Seit etwa 580 drangen dann slawische Völker in die oströmischen
Balkanprovinzen ein; um 600 n.Chr. war Griechenland bis zur Peloponnes
weitgehend slawisch besiedelt und konnte erst im Mittelalter wieder für das
griechischsprachige Byzantinische Reich gewonnen werden. Die Eroberung der
römischen Orientprovinzen durch die islamischen Araber (seit 636) besiegelte
dann den Untergang der antiken griechischen Kultur und das Ende der Antike:
698 wurde im Reich der Kalifen schließlich die griechische Amtssprache durch
das Arabische ersetzt. Allerdings zeigten sich die Eroberer offen für viele
Errungenschaften der griechischen Zivilisation; so wurde nicht weniges nur
durch die Araber für die Nachwelt bewahrt.
Literatur
Einführend (weitere Angaben sind in der Bibliographie Antike zu
finden sowie vor allem den Bibliographien der Bände der Cambridge
Ancient History, 2. grundlegend veränderte Aufl.; für die Zeit nach 30
v. Chr. vgl. die Artikel Römisches Reich, Byzantinisches Reich und
Spätantike):
Hans-Joachim Gehrke und H. Schneider (Hrsg.): Geschichte der Antike,
Stuttgart Weimar 2000. Dort auch weitere Angaben.
Heinrich Krefeld: Hellenika. Einführung in die Kultur der Hellenen.
Berlin 2002. Gute u. knappe Beiträge von Experten zu folgenden Themen:
Gesellschaft u. polit. Verfassung, Religion, Kultstätten, Sprache,
Literatur, Philosophie, Erziehung u. Peideia, Wissenschaft, Kunst.
Wolfgang Schuller: Griechische Geschichte, Oldenbourg Grundriss der
Geschichte, München 2002 (neueste Aufl.). Knappe, problemorientierte
Darstellung mit Forschungsteil und umfassender Bibliographie
Auswahl an weiterführender Literatur:
Paul Cartledge: Kulturgeschichte Griechenlands in der Antike,
Stuttgart 2000.
John K. Davies: Das klassische Griechenland und die Demokratie,
München 1982.
Simon Hornblower: The Greek World, Routledge Ancient History, 3.
Aufl., London-New York 2002.
Christian Meier: Athen. Ein Neubeginn der Weltgeschichte, Berlin
1993.
Derselbe: Die Entstehung des Politischen bei den Griechen, Frankfurt
a.M. 1980.
Oswyn Murray: Das frühe Griechenland, München 1982.
Robin Osborne: Greece in the Making, Routledge Ancient History,
London-New York 1996.
Graham Shipley: The Greek World after Alexander, Routledge Ancient
History, London-New York 2000.
Michael Stahl: Gesellschaft und Staat bei den Griechen, 2 Bde.,
Paderborn 2003.
Frank W. Walbank: Die hellenistische Welt, München 1983.
( Bestellen).
Netmarks
Perseus - antike Texte in englischer Übersetzung
Britannica 1911 Artikel bei Fordham; aufgrund des Alters teilweise
veraltet, aber dennoch lesenswert
Livius.org - empfehlenswert (englisch)
Übersicht mit Artikeln (auch von fremden Websites), Karten und weiteren
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• Die Akropolis von Athen; Quelle:
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• Die griechische und phoenikische Kolonisation; Quelle:
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• Perikles im Britischen Museum; Quelle:
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Version 1.2 |
|
|
• Sokrates, der Lehrer Platons; Quelle: NOAA, National
Geographic Data Centerhttp://hypernews.ngdc.noaa.gov/HyperNews/get/ecosci.html
via
http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Socrates.png; Lizenz:
Public Domain. |
|
|
• Schlachten und Feldzüge. Die Farbgebung entspricht der Lage
bei Ausbruch des Krieges 431 v. Chr., mit Ausnahme des
halbbarbarischen Makedoniens, das zunächst neutral war. Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Pelop_krieg1.png; Erstellt
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• Griechenland zur Zeit der Hegemonie Thebens, 371-362 v. Chr.;
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GLOBE http://www.ngdc.noaa.gov/mgg/topo/gltiles.html (Public
Domain)
ETOPO2 http://dss.ucar.edu/datasets/ds759.3/ (Public Domain);
Erstellt von Benutzer: Captain_Blood. |
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• Zeitgenössische Büste von Alexander dem Großen; Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Alexander_the_great_1.jpg;
Lizenz: Public Domain. |
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• Die Diadochenreiche und ihre Nachbarn nach der Schlacht von
Ipsos 301 v. Chr.; Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Diadochen1.png; Lizenz:
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Für das Relief - falls vorhanden - wurde(n) einer oder beide
dieser externen Datensätze verwendet:
GLOBE http://www.ngdc.noaa.gov/mgg/topo/gltiles.html (Public
Domain)
ETOPO2 http://dss.ucar.edu/datasets/ds759.3/ (Public Domain);
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