Hauptartikel: Geschichte Griechenlands, siehe auch: Griechenland (Liste
der Herrscher).
Das antike Griechenland samt den kleinasiatischen Städten wird als Wiege
Europas bezeichnet, insbesondere aufgrund der griechischen Philosophie
(siehe: Platon, Aristoteles). Nachdem Rom Griechenland im Jahre 146 v.
Chr. zur römischen Provinz machte, wurde es nach der Reichsteilung 395
Bestandteil des oströmischen bzw. byzantinischen Reiches bis zu dessen
Untergang.
Zu Details siehe: Antikes Griechenland und Byzantinisches Reich
Seit 1453 Teil des Osmanischen Reichs kam es ab 1821 zum großen
Volksaufstand. Als einer der wichtigsten geistigen Wegbereiter dieses
Volksaufstands gilt Rigas Velestinlis (1757-1798). Durch das Londoner
Protokoll vom 3. Februar 1830, vom Osmanischen Reich am 24. April
anerkannt, wurde Griechenland zum selbständigen Staat erklärt. Somit war
Ioannis Kapodistrias bis zu seiner Ermordung das erste Staatsoberhaupt.
Im Jahr 1832 wurde dann Prinz Otto von Bayern als Otto I. Griechenlands
erster (neuzeitlicher) König. Allerdings umfasste dieser Staat nur den
kleineren Teil des heutigen Staatsgebiets.
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Abbildung: Balkan-Halbinsel um 1888.
Die meisten Inseln sowie der
Norden Epirus und Nordosten Makedonien des heutigen Staates (mit
Thessaloniki) kamen erst durch die beiden Balkankriege 1912-1913 an
Griechenland, als das schwächelnde Osmanische Reich sich dort nicht mehr
gegenüber den mit Serbien und zeitweise Bulgarien verbündeten Griechen
behaupten konnte.
Nach dem Ersten Weltkrieg versuchte das mit der Entente verbündete
Griechenland mit Billigung der Siegermächte (Völkerbundsmandat) die
türkische Niederlage zu nutzen, um außer dem von Bulgarien gewonnen
Westthrakien auch Osthrakien und das damals mehrheitlich von Griechen
bewohnte Gebiet von Smyrna (heute İzmir) unter seine Kontrolle zu
bringen. Ziel war die Umsetzung der Megali Idea (Großen Idee), welche
vom damaligen Ministerpräsidenten Eleftherios Venizelos mit dem Ausdruck
"Griechenland der zwei Kontinente und fünf Meere" als außenpolitisches
Ziel konkretisiert wurde. Doch 1922 endete der Griechisch-Türkische
Krieg mit einer verheerenden griechischen Niederlage in der
Kleinasiatischen Katastrophe. Im Vertrag von Lausanne 1923 wurde ein
radikaler Bevölkerungsaustausch vereinbart: Alle noch in großen Teilen
der Türkei verstreut lebenden Griechen (mit Ausnahme der Istanbuler
Griechen und einiger Inselgriechen) wurden nach Griechenland vertrieben
(etwa 1,5 Mio.), im Gegenzug mussten an die 500.000 meist türkische
Muslime Griechenland verlassen, mit Ausnahme der Muslime in Thrakien.
Die Flüchtlingsquote in Griechenland nach diesem Krieg betrug ca. 25 %,
wesentlich mehr als etwa in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.
Im Zweiten Weltkrieg lehnte Griechenland unter dem Diktator General
Metaxas ein italienisches Ultimatum zur Kapitulation ab. (Der Tag der
Ablehnung wird heute als Nationalfeiertag, der sogenannte "Nein-Tag",
begangen, da Metaxas ein Telegramm lediglich mit dem Wort Όχι, also
Nein, an Italien gesendet haben soll.) Daraufhin wurde Griechenland von
Italien angegriffen, konnte aber die italienischen Truppen schlagen und
bis weit hinter die albanische Grenze zurückdrängen. Erst durch das
militärische Eingreifen der deutschen Wehrmacht im April-Mai 1941 über
Jugoslawien und Bulgarien wurde der griechische Widerstand gebrochen.
Italien, Deutschland und Bulgarien errichteten ein hartes
Besatzungsregime. Gegen die bald erstarkende Partisanenbewegung griffen
die Besatzungsmächte mehrfach kriegsverbrecherisch auf brutale Weise
durch: In verschiedenen Orten, unter anderem in Kalavrita und Distomo,
wurde als "Vergeltung" für Partisanenüberfälle die jeweilige
Dorfbevölkerung von der Wehrmacht oder "Sondereinheiten" ermordet, ohne
dass bisher von deutscher Seite eine Entschädigung dafür geleistet
wurde. Der bewaffnete Widerstand ging hauptsächlich von der
kommunistisch beeinflussten Volksbefreiungsarmee ELAS aus. Gleichzeitig
gab es aber auch rivalisierende royalistische Partisanen, die durch
Großbritannien unterstützt wurden. Nach militärischer Intervention
Großbritanniens am 5. Dezember 1944 wurde die ELAS entsprechend dem
Abkommen von Varkiza vom 12. Februar 1945 entwaffnet und demobilisiert.
Der Zweite Weltkrieg ging in Griechenland quasi direkt in den
Griechischen Bürgerkrieg über, der sich bald als Stellvertreterkrieg der
beiden politischen Pole entpuppte: Die griechischen Kommunisten, welche
die Hauptlast des Partisanenkampfes gegen das Besatzungsregime der
deutschen Wehrmacht getragen hatten, versuchten nun, nur halbherzig
unterstützt von der Sowjetunion und anfangs auch Jugoslawien (siehe
Landkarte mit Umfang jugoslawischer Ansprüche gegen Griechenland:1), die
Herrschaft über das befreite Griechenland zu erlangen, stießen jedoch
auf vornehmlich royalistische Gegenwehr, welche v.a. von Großbritannien
und den USA großzügig unterstützt wurde. Im Gegensatz zu allen anderen
osteuropäischen Staaten gelang den Kommunisten die Machtübernahme in
Griechenland jedoch nicht: Im auf beiden Seiten mit äußerster Härte,
auch gegenüber der Zivilbevölkerung, geführten Bürgerkrieg wurden die
kommunistischen Verbände immer mehr nach Nordwesten zurückgedrängt. Das
Ende der Unterstützung durch Jugoslawien besiegelte schließlich das Ende
ihrer militärischen Macht.
Grund für die spärliche Unterstützung durch die kommunistischen
"Bruderstaaten" war ein Geheimabkommen am Rande der Konferenz von Jalta
1945: Churchill und Stalin hatten dort ein Einflussverhältnis von "90%
West zu 10% Ost" für Griechenland vereinbart; dies wurde später von
vielen griechischen Kommunisten als "sowjetischer Verrat" empfunden, da
man lediglich ein Bauernopfer Stalins gewesen sei. Seit dieser Zeit gibt
es in Griechenland zwei Kommunistische Parteien (griechisch "KKE" für
Κομμουνιστικό Κόμμα Ελλάδας, lat.: Kommunistiko Komma Elladas, dt.:
Kommunistische Partei Griechenlands): die damals Desillusionierten
bildeten die "Inlands-KKE", die weiterhin linientreuen Stalinisten die
"Auslands-KKE".
Im Sinne eines strikten Antikommunismus blieben noch bis in die 1960er
Jahre viele bürgerliche Freiheiten eingeschränkt, was die NATO jedoch
nicht davon abhielt, Griechenland 1952 aufzunehmen und so strategisch im
Westen zu verankern.
1967 ergriff in Reaktion auf Liberalisierungstendenzen ein Militärregime
unter Georgios Papadopoulos die Macht, während dessen zahlreiche
Oppositionelle eingesperrt, gefoltert, ermordet oder ins Exil getrieben
wurden, darunter der Komponist Mikis Theodorakis (sog. Obristenputsch).
Das Zypernabenteuer der Junta führte 1974 zum Zusammenbruch der Diktatur
und zur Rückkehr zur Demokratie unter Konstantin Karamanlis.
Seit 1981 ist Griechenland Mitglied der EU. Die wirtschaftliche und
gesellschaftliche Modernisierung wurde durch die hohen EU-Hilfsgelder
(unter anderem für die Landwirtschaft) gefördert, doch der Abstand zu
den entwickelteren EU-Staaten blieb bestehen.
Angesichts der Umwälzungen im ehemaligen Jugoslawien ab 1989 versuchte
Griechenland eine eigenständige, proserbische außenpolitische Rolle zu
spielen, oft in deutlicher Abgrenzung von EU und NATO. Dies zeigte sich
in der Namensfrage mit Mazedonien oder im Bosnien- und Kosovokonflikt.
Dies lag vor allem an den wirtschaftlichen Interessen Griechenlands in
dieser Region (Transitwege), aber auch ideologische Parallelen spielten
hierbei eine gewichtige Rolle. In jüngster Zeit wurden unter der
Regierung Simitis Schritte zur Entkrampfung des griechisch-türkischen
Verhältnisses, aber auch der Beziehungen zu den Nachbarstaaten auf dem
Balkan unternommen, die wirtschaftlich zunehmend interessant werden für
den griechischen Außenhandel und für Auslandsinvestitionen.