Bis Unix V7, das 1979 erschien, wurde der Quellcode von Unix, gegen
Erstattung der Kopier- und Datenträgerkosten, an Universitäten verteilt.
Unix hatte damit den Charakter eines freien, portablen Betriebssystems.
Der Code wurde in Vorlesungen und Veröffentlichungen verwendet und
konnte nach eigenen Vorstellungen geändert und ergänzt werden. Die
Universität Berkeley entwickelte eine eigene Distribution mit
wesentlichen Erweiterungen, die Berkeley Software Distribution (BSD).
In den frühen 80er Jahren beschloss AT&T, Unix zu vermarkten, der
AT&T Quellcode durfte ab diesem Zeitpunkt nicht mehr öffentlich
zugänglich gemacht werden, auch die Verwendung in Vorlesungen etc. war
ausgeschlossen. Auch auf BSD basierende Systeme mussten, da ein Teil des
Codes von AT&T stammte, eine (teure) Lizenz erwerben.
Die Nichtverfügbarkeit des Quellcodes veranlasste 1983 Richard
Stallman, das GNU (Gnu ist nicht Unix)-Projekt ins Leben zu rufen. Ziel
des Projekts war ein freies, Unix-kompatibles System. Bis 1990 hatte das
Projekt alle wesentlichen Teile - inklusive des GNU C-Compilers -
entwickelt, jedoch mit Ausnahme des Kernels.
1987 erschien das Lehrsystem Minix der Vrije Unversität, Amsterdam.
Minix war ein Unix-Klon mit Mikrokernel, C-Compiler, Editor und vielen
Kommandos, das auf anspruchsloser PC-Hardware lief. Der Quellcode war
Teil des Lieferumfangs. Es war zwar kommerziell, aufgrund seines sehr
niedrigen Preises kam es einem freien System aber sehr nahe. Wie vormals
Unix diente dieses System vielen als Ausgangspunkt für eigene
Experimente.
1991 veröffentliche der finnische Student Linus Torvalds den Kernel
für ein Betriebssystem, das auf einem normalen Intel 386er-PC laufen
sollte. Der POSIX-Standard und das GNU-Projekt, das alle nötigen
Werkzeuge wie Compiler und Shells bietet, boten einen geeigneten Weg
dahin. Torvalds verwendete das Minix-System und den GNU-C Compiler als
Grundlage. Er schrieb einen Kern, den er Linux nannte. Darauf übertrug
er die Softwarewerkzeuge und Bibliotheken des GNU-Projekts. Diese
Werkzeuge boten in Kombination mit dem Linux-Kern die Grundlage für ein
POSIX-getreues freies Betriebssystem, bekannt als GNU/Linux oder einfach
Linux.
1992 erschien mit 386BSD von Bill Jolitz ein weiteres freies System
für 80386 Prozessoren. Es bestand aus einem Patch für die nicht von AT&T
stammenden freien Teile der BSD Distribution und bildete ein weiteres
freies, sehr fortgeschrittenes Betriebssystem für Intel Prozessoren.
1994 veröffentlichte Berkeley mit 4.4BSDLite die letzte Version ihrer
Distribution, die von AT&T Quellcode befreit war. Dieses bildete
zusammen mit 386BSD die Grundlage für NetBSD, FreeBSD und kurz darauf
OpenBSD. Im Jahr 2000 gab Apple den Quellcode des Betriebsystems Darwin,
Bestandteil von Mac OS X, frei. Es basiert auf FreeBSD und dem Mach
Mikrokernel.