Die Berliner Zeitung veröffentlichte am
20. Januar 2004 einen
kurzen Artikel mit dem Titel »Starker Anstieg der Betrugsfälle bei
Ebay«. Zitiert wird hier eine amtliche Statistik des
Landeskriminalamtes (LKA) Sachsen, nach dem die Zahl der angezeigten (!)
Betrugsfälle im Jahr 2003 um 132,8 Prozent auf 2.305 Fälle gestiegen
ist. Im Jahr 2003 waren in Sachsen noch 990 Betrugsfälle registriert
worden. Der Schaden belaufe sich allein in Sachsen auf 474.000 Euro.
Die Betrugsrate bei Ebay liegt nach Aussagen von
Ebay über Ebay dennoch
angeblich unter
einem Prozent. Kritische Insider schätzen dagegen, dass die Rate der Betrugsfälle
eher im Bereich von 10 bis 15 Prozent liegt. Ebay ist eben kein netter Flohmarkt mehr,
sondern ein »Marktplatz für Betrüger« (M.
Mackinger), besser kann man das wohl nicht fomulieren.
Bei etwa 12
Millionen Auktionen pro Monat bei Ebay Deutschland ist das -- egal ob
man als Rate 1% oder 15% ansetzt -- eine recht stattliche Anzahl:
120.000 bis 1,8 Millionen Betrugsfälle.
Nach Angaben aus dem umfangreichen Ebay-Bericht in »Focus« 3/2004, S.
84 ff., sind die Einnahmen des Auktionshauses nicht unerheblich: Demnach
erwirtschaftet Ebay Gebühren und Provisionen i.H.v. 92 Millionen
Dollar pro Quartal, das wären über 370 Millionen Dollar pro Jahr –
wie gross mag wohl der Anteil daran sein, den Ebay aus betrügerischen
Auktionen erwirtschaftet?
Laut »Focus« wurden 2003 auf den Seiten von Ebay Deutschland
48 Millionen Produkte angeboten; die Betrugsrate liegt nach
konservativen Schätzungen in Presseberichten zwischen einem und zehn
Prozent; Ebay nennt keine konkreten Zahlen (warum eigentlich nicht?),
spricht jedoch von einer Rate von »unter einem Prozent«.
Selbst bei einer angenommenen Betrugsrate von »nur« einem Zehntel
der kleinsten in Presseberichten geschätzten Betrugsrate (also 1/10
Prozent!) wären das bei 48 Millionen Auktionen noch immer allein im Jahr
2003 in Deutschland 48.000 Betrugsfälle – eine stattliche Anzahl
angesichts eines Unternehmens, das keinen Handlungsbedarf bei den
Sicherheitsmassnahmen sieht.
In meinem Fall hat Ebay nachweislich die zweite Betrugsserie (Fall
2, Fall 3 und
Fall 4) wider besseren
Wissens zugelassen und 117 weitere Betrugsfälle geduldet. Die
einzige plausible Erklärung für dieses grobe Versämnis von Ebay ist die
Vermutung, dass Ebay an jeder Auktion – auch einer betrügerischen –
verdienen möchte.
Belegt wird diese Vermutung durch die Tatsache, dass gerade auch die
unberechtigten Forderungen in beträchtlicher Höhe über eine
Inkasso-Kanzlei unter
Inaussichtstellung einschüchternd wirken sollender Massnahmen wie der
Androhung gerichtlicher Schritte eingefordert werden, die ganz
offensichtlich keine Kenntnis der Sachlage besitzt, und die Beschwerden
über den Identitätsdiebstahl sowie die Ermittlungen der Behörden in dem
angezeigten Betrugsfall vollkommen ignoriert werden.
Zur Dimensionierung von Ebay: vgl.
Ebay über Ebay, insbes. »Umsatz-
und Gewinnentwicklung bei eBay«.