Geschichte und Entwicklung der Computerviren
Ihr Benutzername: Besucher
Wer ist gerade online?
- 1
aktive User.
Erstellt/bearbeitet: 30-Sep-2005/09-Jan-06
Systemzeit: Mittwoch, 09.07.2008, 09:29:32.
Kefk Network : Security : Malware : Viren : Geschichte
Übersicht
Theoretische Anfänge: Bis 1985
Im Jahr 1949 veröffentlichte der Computerpionier John von Neumann
seine Arbeit "Theory and Organization of Complicated Automata". Darin
stellt er die These auf, ein Computerprogramm könne sich selbst
reproduzieren. Das war die erste Erwähnung von Computerviren-ähnlicher
Software. Erst Mitte der 1960er Jahre wurde wieder über dieses Thema
diskutiert, als Victor Vyssotsky, Robert Morris Sr. und Doug McIlroy,
Programmierer bei Bell Labs, ein Computerspiel mit dem Namen Darwin
erschufen. Zwei Spieler ließen Software-Organismen um die Kontrolle über
das System kämpfen. Die Programme versuchten dabei, einander zu
überschreiben. Spätere Versionen des Spiels wurden als Core Wars
bekannt.
1975 veröffentlichte der US-Autor John Brunner den Roman "Der
Schockwellenreiter", in dem er die Gefahr von Internetviren voraus ahnt.
Sein Kollege Thomas J. Ryan schilderte 1979 in "The Adolescence of P-1",
wie sich eine Künstliche Intelligenz virenähnlich über das nationale
Computernetz ausbreitet.
Im Jahr 1980 verfasste Jürgen Kraus eine Diplomarbeit mit dem Titel
Selbstreproduktion bei Programmen, in welcher der Vergleich angestellt
wurde, dass sich bestimmte Programme ähnlich wie biologische Viren
verhalten können. Die Behörden wurden bei dieser Diplomarbeit hellhörig,
und ließen die Verbreitung des Werkes stoppen. Aus diesem Grund ist die
Arbeit heute nicht mehr erhältlich.
Professor Leonard M. Adleman verwendete 1984 im Gespräch mit Fred
Cohen zum ersten Mal den Begriff Computervirus.
Praktische Anfänge: Von 1985 - 1990
Fred Cohen lieferte 1986 seine Doktorarbeit "Computer Viruses -
Theory and Experiments" ab. Darin wurde ein funktionierendes Virus für
das Betriebssystem UNIX vorgestellt. Dieser gilt heute als der erste
Computervirus.
Zwei Software-Händler aus Pakistan verbreiteten im Jahr 1986 den
ersten Virus für das Betriebssystem MS-DOS. Das Programm war relativ
harmlos, da es nur das Inhaltsverzeichnis der befallenen Disketten in
Brain umbenannte.
Ein Jahr später, 1987, erschien im Data-Becker Verlag das erste Buch
zum Thema Computervirus "Das große Computervirenbuch" von Ralf Burger.
Da Burger den Quellcode einiger Viren im Buch veröffentlichte,
erschienen in den folgenden Monaten dutzende Varianten des von ihm
geschriebenen Virus in der Öffentlichkeit.
1988 erschien der erste Baukasten für Viren (Virus Construction Kit).
Damit ist es auch Anfängern möglich, Viren nach Maß zu erstellen. Das
Programm wurde für den Computer Atari ST geschrieben.
In diesen Jahren erschienen auch die ersten Antivirenprogramme, vor
allem um große Firmen zu schützen. Im Jahr 1989 erschien mit V2Px dann
auch der erste polymorphe Virus, der sich selbst immer wieder neu
verschlüsseln konnte und nur sehr schwer zu entdecken war.
Die Ära der DOS-Viren: 1990 - 1995
In diesen Jahren wurden Viren immer komplexer, um sich weiter
verbreiten zu können und um sich besser gegen die Entdeckung vor
Antivirenprogrammen zu schützen. Im Jahr 1992 veröffentlichte ein
Virenschreiber namens Dark Avenger den ersten polymorphen
Programmgenerator, MTE. Damit konnten sich auch einfachste Viren leicht
vor einer Erkennung schützen. Einige der damaligen Antivirenhersteller
konnten dieses Problem nicht lösen, und stoppten die Entwicklung ihres
Programms.
1992 löste auch der Michelangelo Virus eine enorme Medienhysterie aus
- nun war die Existenz der Viren auch in der Öffentlichkeit bekannt.
In diesen Jahren wurden auch immer wieder neue Techniken in Viren
entdeckt. Wie zum Beispiel die gleichzeitige Infektion von Dateien und
Bootsektor, OBJ-Dateien oder Quellcode-Dateien. Auch wurde 1992 mit
Win.Vir_1_4 der erste Computervirus für das Betriebssystem Microsoft
Windows 3.11 entdeckt. Diese wurden aber für den Anwender nie eine
Gefahr.
Das Ende der MS-DOS-Viren wurde gezeichnet von den komplexesten Viren
(wie ACG und OneHalf) bis zu dieser Zeit. Diese Viren waren stark
polymorph und enthielten auch Techniken wie Metamorphismus.
Die Ära der Viren für 32bit Windows Betriebssysteme: 1995 - 2002
Ab 1995, mit dem Erscheinen von Microsoft Windows 95, und dem
ständigem Zuwachs an Benutzern wurden auch Viren für dieses
Betriebssystem (und dessen obligaten Programmen wie Office) geschrieben.
1995 erschien der erste Makrovirus für Microsoft Word. Da Dokumente
öfter als Programme getauscht wurden, wurden Makroviren ein sehr großes
Problem für die Anwender. In den Jahren darauf erschienen dann auch die
ersten Makroviren für Excel (1997), Powerpoint und Access (beide 1998)
und Visio (2000). 1996 wurde auch das erste Virus Constructor Kit für
Makroviren geschrieben, die es auch Personen ohne Programmierkenntnissen
ermöglichten, Viren zu erstellen.
1996 erschien dann mit Boza auch der erste Virus für Microsoft
Windows 95, und Microsoft wurde gezeigt, dass ihr neuestes
Betriebssystem für Viren doch nicht unantastbar war.
Da der Kampf zwischen Antivirenherstellern und Virenautoren zugunsten
der Antivirenhersteller gewonnen schien, wurden 1998 mit W32.HPS und
W32.Marburg die ersten polymorphen Windows 32-bit Viren geschrieben.
Kurze Zeit später entstand mit Regswap auch der erste metamorphe Virus
für diese Betriebssysteme.
1998 und 1999 erschienen die ersten VBS- und JS-Viren und als
logische Konsequenz auch die ersten HTML-Viren. Diese Viren arbeiteten
mit dem umstrittenen Zusatzprogramm Windows Host Scripting. Nun konnten
auch Webseiten von Viren infiziert werden.
In dieser Zeit wurden auch einige andere, für den Benutzer
ungefährliche Viren geschrieben, die dennoch historisch interessant
sind. Beispiele sind der OS2.AEP Virus, der als erster ausführbare
Dateien des Betriebssystem OS/2 infizierten konnte, oder die ersten
Viren für HLP-Dateien, für PHP-Dateien, für Java, für AutoCAD, für Bash,
für PalmOS und für Flash. Mit dem W95/CIH-10xx verbreitet sich 1998 der
erste Virus, der neben dem Löschen der Festplatte auch das BIOS durch
Einschleusen eines Trojaners zerstören kann und somit den gesamten PC
unbrauchbar macht.
Am Ende dieser Ära tauchten wieder (wie in der DOS-Ära) die
komplexesten Viren auf, die es bis zu dieser Zeit gab. Beispiele sind
Win32.MetaPHOR oder Win32.ZMist, die sehr stark metamorph sind, und
nicht von allen Antivirenherstellern vollständig entdeckt werden können.
Neue Nischen: Ab 2002
Ab ungefähr dem Jahr 2002 traten Viren mehr und mehr in den
Hintergrund, und wurden durch Würmer ersetzt. Die Entwicklung von Viren
geht trotzdem weiter, und bezieht sich vor allem auf neue Nischen.
Im Jahr 2002 wurde der erste Virus geschrieben, der sowohl Win32-bit
Anwendungen als auch ELF (Linux Anwendungen) infizieren konnte. Dieser
Virus kann als Einläutung für ein neues Zeitalter der Viren gesehen
werden.
Im Jahr 2004 wurde dann endgültig eine neue Ära für Viren besiegelt.
Der erste Virus für PocketPCs (mit dem Betriebssystm Windows CE) tauchte
auf, und zeigte, dass die viel verwendeten Kommunikationsgeräte nicht
verschont werden.
Einige Monate später wurde der Virus Win64.Rugrad entdeckt. Dieser
Virus konnte die Anwendungen des neu erschienen Microsoft Windows XP
64-bit Edition infizieren, und hat eine Vorreiterrolle in der
Entwicklung neuer Viren.
Wieder einige Monate später, im Jahr 2005, wurde der erste Virus für
Handys (mit dem Betriebssystem Symbian OS) geschrieben. Er kann, nachdem
vorher schon Würmer für dieses Betriebssystem erschienen sind, auch
Dateien infizieren.
Mitte 2005, kurz nach der Veröffentlichung der ersten Beta-Version
des XP-Nachfolgers Microsoft Windows Vista, wurde der erste Virus für
Microsoft Command Shell (MSH - Codename: Monad) veröffentlicht. Zunächst
wurde propagiert, dass es einen ersten Virus für das neue Windows gäbe.
Jedoch lässt Microsoft nach Bekanntwerden der Viren verlautbaren, dass
Monad doch nicht wie geplant in Vista enthalten sein wird. Somit wäre
dies ein Virus für eine Betaversion mit extrem geringen Chancen auf
Verbreitung.
In dieser Zeit wurden auch die ersten Viren für Ruby und MenuetOS
entdeckt, die aber weder jetzt noch in Zukunft eine Gefahr für Anwender
sein werden, da diese Plattformen kaum verbreitet sind - und sich die
Viren nicht weitervermehren können.
Literatur
Zur Quellenlage: Die meisten Bücher zum Thema sind inzwischen veraltet
und/oder nicht mehr erhältlich.
Das große Computer-Viren-Buch, Ralf Burger, 1989, ISBN 3890112005
Computer-Viren-Report, Prof. Dr. Klaus Brunnstein, 1989, ISBN
3809205303
Virus: Detection and Elimination, Rune Skardhamar, 1995, ISBN
012647690X
The Giant Book of Computer Viruses, Mark A. Ludwig, 1998, ISBN
0929408233
The Art Of Computer Virus Research And Defense, Peter Szor, 2005,
ISBN 0321304543
Quelle und Lizenz
Anmerkungen
|