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Geschichte und Entwicklung der Computerviren

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Erstellt/bearbeitet: 30-Sep-2005/09-Jan-06
Systemzeit: Samstag, 11.10.2008, 11:59:53.

Kefk Network : Security : Malware : Viren : Geschichte


Übersicht

 

Theoretische Anfänge: Bis 1985

Im Jahr 1949 veröffentlichte der Computerpionier John von Neumann seine Arbeit "Theory and Organization of Complicated Automata". Darin stellt er die These auf, ein Computerprogramm könne sich selbst reproduzieren. Das war die erste Erwähnung von Computerviren-ähnlicher Software. Erst Mitte der 1960er Jahre wurde wieder über dieses Thema diskutiert, als Victor Vyssotsky, Robert Morris Sr. und Doug McIlroy, Programmierer bei Bell Labs, ein Computerspiel mit dem Namen Darwin erschufen. Zwei Spieler ließen Software-Organismen um die Kontrolle über das System kämpfen. Die Programme versuchten dabei, einander zu überschreiben. Spätere Versionen des Spiels wurden als Core Wars bekannt.

1975 veröffentlichte der US-Autor John Brunner den Roman "Der Schockwellenreiter", in dem er die Gefahr von Internetviren voraus ahnt. Sein Kollege Thomas J. Ryan schilderte 1979 in "The Adolescence of P-1", wie sich eine Künstliche Intelligenz virenähnlich über das nationale Computernetz ausbreitet.

Im Jahr 1980 verfasste Jürgen Kraus eine Diplomarbeit mit dem Titel Selbstreproduktion bei Programmen, in welcher der Vergleich angestellt wurde, dass sich bestimmte Programme ähnlich wie biologische Viren verhalten können. Die Behörden wurden bei dieser Diplomarbeit hellhörig, und ließen die Verbreitung des Werkes stoppen. Aus diesem Grund ist die Arbeit heute nicht mehr erhältlich.

Professor Leonard M. Adleman verwendete 1984 im Gespräch mit Fred Cohen zum ersten Mal den Begriff Computervirus.

Praktische Anfänge: Von 1985 - 1990

Fred Cohen lieferte 1986 seine Doktorarbeit "Computer Viruses - Theory and Experiments" ab. Darin wurde ein funktionierendes Virus für das Betriebssystem UNIX vorgestellt. Dieser gilt heute als der erste Computervirus.

Zwei Software-Händler aus Pakistan verbreiteten im Jahr 1986 den ersten Virus für das Betriebssystem MS-DOS. Das Programm war relativ harmlos, da es nur das Inhaltsverzeichnis der befallenen Disketten in Brain umbenannte.

Ein Jahr später, 1987, erschien im Data-Becker Verlag das erste Buch zum Thema Computervirus "Das große Computervirenbuch" von Ralf Burger. Da Burger den Quellcode einiger Viren im Buch veröffentlichte, erschienen in den folgenden Monaten dutzende Varianten des von ihm geschriebenen Virus in der Öffentlichkeit.

1988 erschien der erste Baukasten für Viren (Virus Construction Kit). Damit ist es auch Anfängern möglich, Viren nach Maß zu erstellen. Das Programm wurde für den Computer Atari ST geschrieben.

In diesen Jahren erschienen auch die ersten Antivirenprogramme, vor allem um große Firmen zu schützen. Im Jahr 1989 erschien mit V2Px dann auch der erste polymorphe Virus, der sich selbst immer wieder neu verschlüsseln konnte und nur sehr schwer zu entdecken war.

Die Ära der DOS-Viren: 1990 - 1995

In diesen Jahren wurden Viren immer komplexer, um sich weiter verbreiten zu können und um sich besser gegen die Entdeckung vor Antivirenprogrammen zu schützen. Im Jahr 1992 veröffentlichte ein Virenschreiber namens Dark Avenger den ersten polymorphen Programmgenerator, MTE. Damit konnten sich auch einfachste Viren leicht vor einer Erkennung schützen. Einige der damaligen Antivirenhersteller konnten dieses Problem nicht lösen, und stoppten die Entwicklung ihres Programms.

1992 löste auch der Michelangelo Virus eine enorme Medienhysterie aus - nun war die Existenz der Viren auch in der Öffentlichkeit bekannt.

In diesen Jahren wurden auch immer wieder neue Techniken in Viren entdeckt. Wie zum Beispiel die gleichzeitige Infektion von Dateien und Bootsektor, OBJ-Dateien oder Quellcode-Dateien. Auch wurde 1992 mit Win.Vir_1_4 der erste Computervirus für das Betriebssystem Microsoft Windows 3.11 entdeckt. Diese wurden aber für den Anwender nie eine Gefahr.

Das Ende der MS-DOS-Viren wurde gezeichnet von den komplexesten Viren (wie ACG und OneHalf) bis zu dieser Zeit. Diese Viren waren stark polymorph und enthielten auch Techniken wie Metamorphismus.

Die Ära der Viren für 32bit Windows Betriebssysteme: 1995 - 2002

Ab 1995, mit dem Erscheinen von Microsoft Windows 95, und dem ständigem Zuwachs an Benutzern wurden auch Viren für dieses Betriebssystem (und dessen obligaten Programmen wie Office) geschrieben. 1995 erschien der erste Makrovirus für Microsoft Word. Da Dokumente öfter als Programme getauscht wurden, wurden Makroviren ein sehr großes Problem für die Anwender. In den Jahren darauf erschienen dann auch die ersten Makroviren für Excel (1997), Powerpoint und Access (beide 1998) und Visio (2000). 1996 wurde auch das erste Virus Constructor Kit für Makroviren geschrieben, die es auch Personen ohne Programmierkenntnissen ermöglichten, Viren zu erstellen.

1996 erschien dann mit Boza auch der erste Virus für Microsoft Windows 95, und Microsoft wurde gezeigt, dass ihr neuestes Betriebssystem für Viren doch nicht unantastbar war.

Da der Kampf zwischen Antivirenherstellern und Virenautoren zugunsten der Antivirenhersteller gewonnen schien, wurden 1998 mit W32.HPS und W32.Marburg die ersten polymorphen Windows 32-bit Viren geschrieben. Kurze Zeit später entstand mit Regswap auch der erste metamorphe Virus für diese Betriebssysteme.

1998 und 1999 erschienen die ersten VBS- und JS-Viren und als logische Konsequenz auch die ersten HTML-Viren. Diese Viren arbeiteten mit dem umstrittenen Zusatzprogramm Windows Host Scripting. Nun konnten auch Webseiten von Viren infiziert werden.

In dieser Zeit wurden auch einige andere, für den Benutzer ungefährliche Viren geschrieben, die dennoch historisch interessant sind. Beispiele sind der OS2.AEP Virus, der als erster ausführbare Dateien des Betriebssystem OS/2 infizierten konnte, oder die ersten Viren für HLP-Dateien, für PHP-Dateien, für Java, für AutoCAD, für Bash, für PalmOS und für Flash. Mit dem W95/CIH-10xx verbreitet sich 1998 der erste Virus, der neben dem Löschen der Festplatte auch das BIOS durch Einschleusen eines Trojaners zerstören kann und somit den gesamten PC unbrauchbar macht.

Am Ende dieser Ära tauchten wieder (wie in der DOS-Ära) die komplexesten Viren auf, die es bis zu dieser Zeit gab. Beispiele sind Win32.MetaPHOR oder Win32.ZMist, die sehr stark metamorph sind, und nicht von allen Antivirenherstellern vollständig entdeckt werden können.

Neue Nischen: Ab 2002

Ab ungefähr dem Jahr 2002 traten Viren mehr und mehr in den Hintergrund, und wurden durch Würmer ersetzt. Die Entwicklung von Viren geht trotzdem weiter, und bezieht sich vor allem auf neue Nischen.

Im Jahr 2002 wurde der erste Virus geschrieben, der sowohl Win32-bit Anwendungen als auch ELF (Linux Anwendungen) infizieren konnte. Dieser Virus kann als Einläutung für ein neues Zeitalter der Viren gesehen werden.

Im Jahr 2004 wurde dann endgültig eine neue Ära für Viren besiegelt. Der erste Virus für PocketPCs (mit dem Betriebssystm Windows CE) tauchte auf, und zeigte, dass die viel verwendeten Kommunikationsgeräte nicht verschont werden.

Einige Monate später wurde der Virus Win64.Rugrad entdeckt. Dieser Virus konnte die Anwendungen des neu erschienen Microsoft Windows XP 64-bit Edition infizieren, und hat eine Vorreiterrolle in der Entwicklung neuer Viren.

Wieder einige Monate später, im Jahr 2005, wurde der erste Virus für Handys (mit dem Betriebssystem Symbian OS) geschrieben. Er kann, nachdem vorher schon Würmer für dieses Betriebssystem erschienen sind, auch Dateien infizieren.

Mitte 2005, kurz nach der Veröffentlichung der ersten Beta-Version des XP-Nachfolgers Microsoft Windows Vista, wurde der erste Virus für Microsoft Command Shell (MSH - Codename: Monad) veröffentlicht. Zunächst wurde propagiert, dass es einen ersten Virus für das neue Windows gäbe. Jedoch lässt Microsoft nach Bekanntwerden der Viren verlautbaren, dass Monad doch nicht wie geplant in Vista enthalten sein wird. Somit wäre dies ein Virus für eine Betaversion mit extrem geringen Chancen auf Verbreitung.

In dieser Zeit wurden auch die ersten Viren für Ruby und MenuetOS entdeckt, die aber weder jetzt noch in Zukunft eine Gefahr für Anwender sein werden, da diese Plattformen kaum verbreitet sind - und sich die Viren nicht weitervermehren können.

Literatur

Zur Quellenlage: Die meisten Bücher zum Thema sind inzwischen veraltet und/oder nicht mehr erhältlich.

Das große Computer-Viren-Buch, Ralf Burger, 1989, ISBN 3890112005

Computer-Viren-Report, Prof. Dr. Klaus Brunnstein, 1989, ISBN 3809205303

Virus: Detection and Elimination, Rune Skardhamar, 1995, ISBN 012647690X

The Giant Book of Computer Viruses, Mark A. Ludwig, 1998, ISBN 0929408233

The Art Of Computer Virus Research And Defense, Peter Szor, 2005, ISBN 0321304543

Quelle und Lizenz

Textquellennachweise:
Ein Teil dieses Textes basiert auf einem Artikel aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie.
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Stand: 14:50, 30. Sep 2005 (Permalink).
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