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Differenzierungsbereiche
Typen von Computerviren
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Erstellt/bearbeitet: 27-Sep-2005/09-Jan-06
Systemzeit: Donnerstag, 16.10.2008, 03:10:52.
Kefk Network : Security : Malware : Viren : Differenzierungsbereiche
Übersicht
Folgende Arten von Computerviren können grundsätzlich
unterschieden werden:
- Boot-Sector-Viren: das Virus verlagert den
richtigen Boot-Sektor des Systems an eine andere Stelle auf der
Festplatte und schreibt sich selbst statt dessen in den Bootsektor
zusammen mit einem Programmsprung zum nun verlegten Boot-Sektor.
Wird das System gestartet, lädt sich das Virus so selbst ins Memory.
Von da an überwacht das Virus jeden Schreib/Lesevorgang des Systems.
Greift das System auf einen anderen Datenträger zu, überprüft das
Virus, ob der Bootsektor dieses Datenträgers schon ein Virus
enthält. Wenn nicht, verlegt es den dortigen Boot-Sektor und kopiert
sich selbst hinein.
- File-infecting Viren: solche Viren infizieren
Programme (nicht in erster Linie das Betriebssystem). Solche Viren
können entweder nur laufende Programme infizieren oder aber auch
solche Programme, die geöffnet werden, während das Virus im Memory
sitzt.
- Makro Viren: Makros zu Textbearbeitungs- und
Stylesheet-Programmen (wie MS Word, Excel), die wirksam werden, wenn
der ahnungslose Benutzer das betreffende Dokument öffnet
- Polymorphe Viren: solche Viren verschlüsseln
sich selbst bei jeder Infektion und ändern so jedesmal ihr Aussehen,
um so Antiviren-Programmen zu entgehen
- Stealth Viren: Viren, die verschiedenste
Techniken verwenden, um sich zu verbergen: sie speichern bei der
Infektion die nötigen Informationen, um dem Betriebssystem
vorzutäuschen, dass alles in Ordnung ist. Solche Viren können
bestenfalls entdeckt werden, wenn sie aktiv im Memory sind
- Multipart Viren: verwenden Methoden der Stealth
Viren und der Multipart Viren. Deswegen sind sie
sehr schwer zu entdecken.
Bootviren
Bootviren sind die ältesten Computerviren überhaupt. Diese Viren
waren bis 1995 die meistverbreitete Form von Viren. Ein Bootsektorvirus
infiziert den Bootsektor von Disketten und Festplatten sowie den Master
Boot Record (MBR) einer Festplatte. Der Bootsektor ist der erste
physische Teil einer Diskette und einen Sektor (512 Byte) groß. Der
Bootsektor wird von Startdisketten verwendet, um von der Diskette booten
zu können, jedoch hat jede Diskette und Festplatte einen Bootsektor oder
einen MBR. Bootsektorviren nutzen die Tatsache aus, dass der Bootsektor
immer als erstes geladen wird. Will ein Benutzer von einer infizieren
Startdiskette booten oder vergisst er eine infizierte Diskette im
Diskettenlaufwerk beim Start des Computers, greift das BIOS bei
entsprechender BIOS-Boot-Einstellung auf diesen Sektor zu und führt ihn
aus. Der Virus versucht danach, den MBR der Festplatte zu infizieren, um
bei jedem Start des Computers ausgeführt zu werden. Wenn ein infizierter
Computer startet, wird der MBR geladen, der normalerweise für das
Erkennen der verschiedenen Partitionen der Festplatte zuständig ist. Der
Virus, der nun geladen wird, bleibt im Speicher und überwacht die
Zugriffe auf andere Disketten. Wenn eine Diskette in einen mit einem
Bootsektorvirus infizieren Computer gelegt wird, wird der Virus im
Speicher aktiv und infiziert den Bootsektor der Diskette. Seit 2005 gibt
es auch Bootsektorviren für CD-ROMs. Diese infizieren bootfähige
Imagedateien (ISO-Images). Es ist technisch möglich, einen
Bootsektorvirus für einen USB-Stick oder für ein LAN-Netzwerk zu
erstellen, dies ist aber bis 2005 noch nicht geschehen. Heutzutage gibt
es beinahe keine Bootsektorviren mehr, da BIOS und Betriebssysteme
meistens einen gut funktionierenden Schutz haben. Zwar gibt es
Bootsektorviren, die diesen Schutz umgehen können, doch ist ihre
Verbreitung zu langsam, um ein Problem darstellen zu können.
Dateiviren
Linkviren oder Dateiviren infizieren ausführbare Dateien auf einem
Betriebssystem. Die Namenserweiterung und der Aufbau der Datei hängt vom
Betriebssystem ab. Die befallenen Dateien wurden nach dem Programmieren
kompiliert, das heißt, die Datei beinhaltet nur mehr vom Prozessor in
Verbindung mit dem Betriebssystem lesbaren Binärcode. Die meisten dieser
Viren sind in Assembler oder C programmiert, da diese die schnellsten
Programme liefern und direkte Kontrolle über die Hardware haben.
Makroviren
Makroviren verbreiten sich über infizierte Dokumente. Makros sind in
ein Programm eingebaute Sonderfunktionen, die vom Benutzer selbst
erstellt werden können, um Flexibilität zu garantieren. Makros gibt es
in allen Microsoft-Office-Programmen, aber auch in anderen Schreib-,
Tabellenkalkulations-, Zeichen- und Datenbankprogrammen, die nicht von
Microsoft stammen. Die meisten Programme, die Makros enthalten, haben
ein globales Makro, das sämtliche benutzerdefinierte Funktionen und
Einstellungen speichert. Dieses globale Makro wird bei jedem Start des
Programmes ausgeführt. Ein Makrovirus sucht nach Makros in verschiedenen
Dokumenten, um diese zu infizieren. Auch wird das globale Makro
infiziert, um bei jedem Start ausgeführt zu werden. Wenn ein infiziertes
Dokument geöffnet wird, nistet sich der Virus im Speicher ein und
erstellt in jedem gespeicherten, geöffneten oder geschlossenen Dokument
ein Makro mit dem Viruscode. Damit ist auch dieses Dokument infiziert.
Makroviren verbreiten sich viel schneller als normale Dateiviren, da
viel mehr Dokumente ausgetauscht werden als ausführbare Programme.
Scriptviren
Scripts sind Codes, die meist in Webseiten eingebettet werden. Sie
ermöglichen spezielle Funktionen, die mit normalem HTML oder XML nicht
realisierbar sind. Solche Funktionen sind zum Beispiel Gästebücher,
Foren, dynamisch geladene Seiten oder E-Mail-Accounts. Scriptsprachen
sind meist vom Betriebssystem unabhängig. Um ein Script auszuführen,
wird ein passender Interpreter – ein Programm, das das Script von einer
lesbaren Sprache in Maschinencode (Binärformat) umsetzt und dann
ausführt – benötigt. Ein Scriptvirus sucht sich am Rechner meist
HTML-Dateien und schreibt seinen Code in ein eigenes script-tag. Ein
script-tag ist ein HTML-Teil, der den Script-Code innerhalb des Tags an
den Interpreter zur Ausführung übergibt. Wenn nun eine mit einem
Scriptvirus infizierte HTML-Seite geladen wird, wird das Script
ausgeführt, das wieder nach anderen Webseiten zum Infizieren sucht.
Diese Viren werden oft in VBScript geschrieben, da man durch Microsofts
Windows Scripting Host weitreichenden Zugriff auf das
Windows-Betriebssystem hat. Meist schreibt ein solches Skript einen
anderen Virus, Wurm oder Trojaner in das System. Windows Scripting Host
wird nur von Microsofts Internet Explorer unterstützt. Aus diesem Grund
sollte Windows Scripting Host im Internet Explorer immer ausgeschalten
sein, denn somit werden diese Skripte nicht ausgeführt. Um Windows
Scripting Host zu deaktivieren, muss nur ein Eintrag in der Registry
hinzugefügt werden. Unter Hkey_Local_Machine\Software\Microsoft\Windows
Script Host\Settings den Schlüssel "Enable" mit dem Wert "0" anlegen.
Abbildung: Teil des Source-Codes von HTML.Lame, einem Scriptvirus,
der Homepage-Dateien infiziert.
Mischformen
Nicht alle Computerviren fallen eindeutig in eine spezielle
Kategorie. Es gibt auch Mischformen, wie zum Beispiel Viren, die Dateien
und Bootsektoren infizieren (Beispiel: Kernelviren). Bei der
Zusammensetzung ist beinahe jede Variation möglich. Das heißt, dass es
zum Beispiel Makroviren gibt, die auch Dateien infizieren.
Testviren
Das Eicar test file richtet keinerlei Schaden an und wird freiwillig
und offen von Benutzern verbreitet, um damit ihre Virenscanner zu
testen. Technisch gesehen handelt es sich dabei allerdings nicht
wirklich um einen Computervirus, da ihm der Code zur Vervielfältigung
fehlt.
Abbildung: Meldung des Eicar test files nach der Ausführung.
Siehe auch
Literatur
Zur Quellenlage: Die meisten Bücher zum Thema sind inzwischen veraltet
und/oder nicht mehr erhältlich.
Das große Computer-Viren-Buch, Ralf Burger, 1989, ISBN 3890112005
Computer-Viren-Report, Prof. Dr. Klaus Brunnstein, 1989, ISBN
3809205303
Virus: Detection and Elimination, Rune Skardhamar, 1995, ISBN
012647690X
The Giant Book of Computer Viruses, Mark A. Ludwig, 1998, ISBN
0929408233
The Art Of Computer Virus Research And Defense, Peter Szor, 2005,
ISBN 0321304543
Quelle und Lizenz
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