Der fünfte Tag von Nausikaa
in ihrer neuen Heimat.
Es ist noch nicht ganz Mitte Oktober, und es gibt den ersten Schnee
in Brandenburg; in Berlin richt es nur für Schneeregen, aufregend ist
das aber trotzdem für Nauka. Den Regen mag sie überhaupt nicht, aber
herumliegende Eisklumpen und schneebedeckte Rasenflächen findet sie
spannend. In dieser Phase beginnt sie auch, alles ins Maul zu nehmen,
was auf der Strasse herumliegt und ins Maul hineinpasst, eingeschlossen
zusammengeknülltes Alupapier, weggeworfene Stullen, Windeln,
Taschentücher, Laub, Stöckchen usw. Beim Spaziergehen müssen wir ständig
schauen, was sie denn nun schon wieder aufgelesen hat.
Wir üben mit durchwachsenem Erfolg die Wortkomandos KOMM!, HIERHER!,
HALT!, SITZ!, FUSS!, NEIN! und AUS! sowie -- seit heute -- BAUTZ! (so
eine Art entspanntes PLATZ!); mit Leckerchen und ohne blenkung klappt
fast alles zuverlässig, bei Ablenkung nur gelegentlich. Wenn es Futter
gibt oder bevor wir die Wohnung betreten, macht Nauka mittlerweile meist
von alleine, also ohne Wortkommando, SITZ!, allerdings ist uns noch
nicht so ganz klar, wie die Koppelung hier abläuft. Ausserdem
leisten wir uns einen bösen Fehler, indem wir KOMM! und HIERHER!
inkonsistent nutzen; bei KOMM! soll Nauka uns eigentlich nur folgen ader
vom SITZ! aufstehen, auf HIERHER! sollte sie von einer anderen
Beschäftigung ablassen und sofort zu uns kommen. Weil wir hier etwa Mist
gebaut haben klappt das natürlich noch überhaupt nicht zuverlässig.
Ähnliches gilt für NEIN! und AUS!, welches wir noch ziemlich synonym
verwenden.
Wir probieren aus, ob wir Nauka bereits kurze Zeit alleine lassen
soll; Hundebücher wie
Petra
Führmanns und
Nicole
Hoefs' »Erziehungsprogramm
für Hunde« rät, dies überhaupt erst zu versuchen, wenn der Welpe
mindestens zwei Wochen bei den neuen Besitzern ist, sich eingelebt und
Vertrauen gefasst hat;
Führmann und
Hoefs
schlagen vor, das Alleinsein längere Zeit (einige Wochen lang) zu üben
und die täglichen Abwesenheitsphasen jeweils nur um einige Minuten zu
verlängern. Praktikabel ist das aber wohl kaum, und manche erfahrene
Hundebesitzer meinen, dass dies auch nicht nötig sei. Wir verlassen
jedenfalls probeweise mehrmals die Wohnung für etwa vier Minuten, unsere
12-wöchige Nauka fängt jedoch bereit nach wenigen Sekunden in der für
Samojeden tpischen Stimlauge zu Mauzen, zu Jaulen und zu Winseln. Die
Tatsache, dass wir nach wenigen Minuten bereits wiederkommen, schafft
bei ihr offensichtlich nicht genügend Vertrauen, dass wir auch beim
nächsten Mal wiederkommen werden. An ein Alleinbleiben für eine halbe
Stunde oder gar mehr ist also wohl vorerst nicht zu denken.