Besuch des Zwingers »Edeyomas«
von Ursula Mahr in Allersberg (Franken, Bayern).
Von Berlin aus braucht man
dank der Autobahn A9 nach Allersberg "nur" gut vier Stunden, was den
Züchter als potentielle Urlaubspension eigentlich schon fast
ausschliesst. Die Mahrs wohnen in einem neu gebauten Einfamilienhaus in
der Nähe von Nürnberg und leben mit einem halben Dutzend Samoyeden
zusammen, davon zwei aus der "Rennlinie", ein Weibchen aus der
englischen Zucht und der Rest irgendwo dazwischen. Das umgebende
Grundstück ist allerdings relativ klein, verglichen mit dem Gelände, das
den Samoyeden in den Zwingern »Classic
Samojed of Paradise« oder gar »Von
Inguri« (4.000 qm!) zur Verfügung steht.
Wie schon fast gewohnt werden wir sehr freundlich empfangen und
lernen das Samoyeden-Rudel kennen; der Zuchtrüde Nebula ist wie
erwartet ein prächtiger Kerl, der höchst selbstbewusst durch das Haus
läuft und bei jedem Laut ausserhalb nachschaut, was los ist. Er
interessiert sich allerdings nur kurz für uns und verschwindet dann auf
seinen eigenen Wegen.
Die Mutter des Wurfs vom Juli,
Aga, wirkt etwas gerupft -- Samoyeden-Mütter verlieren nach dem Wurf
häufig einen Teil ihres üppigen Fells; Aga interessiert sich auch nur
kurz für uns und kümmert sich dann auf herzigste Weise um ihre Welpen,
spielt mit ihnen oder schaut einfach zu, was sie anstellen. Nach
menschlichen Masstäben würde ich mir so eine gute Mutter vorstellen:
Sorgend um das Wohlbefinden ihrer Kinder, aber nicht bevormundend oder
übervorsichtig.
Insgesamt eine sehr nette Familie mit einem vielleicht etwas zu
dominanten und etwas eigensinnigen (aber absolut beeindruckenden) Rüden.
Leider sind die meisten der überlebenden fünf
Geschwister
schon ausser Haus, daher lernen wir zunächst nur die zwei Mädchen des
"C"-Wurfes, Cosma Shiva und
Christmas Comet,
kennen.
Cosma Shiva wurde uns am Telefon als "frech" beschrieben; man
könnte das auch als "aufgeweckt" oder "mobil" umschreiben; das kleine,
neunwöchige Fellknäuel klettert beispielsweise -- zwar nicht ganz
mühelos, aber dennoch erfolgreich -- über einen etwa 60 cm hohen
Zaun und wirkt auch sonst sehr aufgeweckt.
Christmas Comet
ist erheblich ruhiger; an ihr demonstriert uns Ursula Mahr das Kämmen
und Präsentieren eines Samoyeden für Züchter-Ausstellungen, was zwar
possierlich aussieht, uns aber nicht weiter interessiert, da wir ja
eigentlich nicht vorhaben, unseren Hund auf Shows zu präsentieren. Meine
Freundin ist begeistert von der Kleinen, ich bin etwas skeptisch: Auf
micht wirkt das weisse Pelzbündel eher lethargisch und desorientiert;
die Augen weichen mir aus, wenn ich Comet anschaue, sie liegt abseits
der anderen Hunde, nimmt kaum an derem Spiel teil und kommt beim Füttern
kaum an den Futternapf heran. Wenn ich mit den Fingern vor ihren Augen
herumfuchtele, folgt der Kopf kaum der Hand, sondern blickt verwirrt
oder vielleicht etwas verängstigt daran vorbei.
Später wird noch ein Rüde des "C"-Wurfs vorbeigebracht, der von Frau
Mahr quasi als Tagesmutter aufgenommen wurde; C'Tatanka gefällt
mir viel besser als die beiden Mädchen, ist aber leider schon vergeben.
Der kleine Tatanka ist aufgeweckt, munter und zumindest ebenso
entdeckerisch veranlagt wie seine Schwester, Cosma Shiva: Auch er
überklettert den 60 cm hohen Zaun, spielt sehr aktiv mit den anderen
Hunden und blickt mich interessiert an, folgt meiner Hand und klettert
furchtlos auf mir herum. Wenn man der alten (aber umstrittenen) Regel
folgen würde, dass man die Hunde ihren Besitzer aussuchen lassen solle
und nicht umgekehrt, müsste dieses Kerlchen jetzt wohl uns gehören.
Nach längeren Gesprächen mit Frau Mahr machen wir uns gegen Abend auf
den Rückweg nach Berlin. Die
freche Cosma ist uns beiden etwas unheimlich, meine Freundin hat sich
aber für Comet
erwärmt und wir suchen nach einem passenden Rufnamen für die Kleine;
allerdings steht die Genehmigung unseres Vermieters zur Hundehaltung
noch aus...