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Ergebnisse, Folgerungen und Empfehlungen
Ergebnisse
Zwischen den untersuchten Ressourcen in Europa, den USA, Australien und Asien sind
große Unterschiede in Gestaltung, Nutzerfreundlichkeit und Informationsgehalt
festzustellen. Die Ergebnisse sind zudem nicht repräsentativ, da nur sehr wenige
Einrichtungen untersucht werden konnten.
Für alle in dieser Arbeit bewerteten Angebote gilt:
- Die meisten hier behandelten Institutionen bieten Volltexte von eigenen Newsletters
an. In Einzelfällen können über das Internet Beiträge abgerufen werden, die nicht in
der gedruckten Ausgabe veröffentlicht wurden.
- Die Angebote verändern sich größtenteils kontinuierlich; sogar die Struktur einer
WWW-Site kann bereits nach einem halben Jahr grundlegend verändert worden sein.
- Eine systematische Literaturrecherche über die Publikationen aller über Südostasien
forschenden Institutionen ist nicht möglich, da es keinen zentralen Literatursuchdienst
gibt.
- Die Internet-Angebote von akademischen Forschungseinrichtungen können dabei helfen,
spezialisierte Ansprechpartner für Forschungsthemen zu finden; i.d.R. ist dann eine
Kontaktaufnahme per E-Mail möglich.
- Gelegentlich können Informationen über Beschäftigungsmöglichkeiten oder
Forschungsprogramme recherchiert werden.
- Angebote aus den Ländern der GUS-Staaten oder des ehemaligen »Ostblocks« konnten
nicht gefunden werden.
- Die überwiegend verwendete Sprache ist englisch; die ggf. davon abweichenden
Landessprachen treten kaum in Erscheinung.
Folgende Charakteristika weisen die von uns thematisierten Forschungseinrichtungen und
Universitäten der o. g. vier Kontinente auf:
- Europa
: Die fünf universitären und/oder akademischen Institutionen und Initiativen
aus Europa bieten zum Teil umfangreiche und eigenständige Internet-Angebote; positiv
hervorzuheben sind hier vor allem das International Institute for Asian Studies (IIAS)
aus Leiden (NL) sowie das Nordic Institute of Asian Studies (NIAS) aus
Kopenhagen (DK). Das Engagement der Einrichtungen aus Portugal (University of Coimbra) und
Österreich (Institut für Sinologie, Universität Wien) konzentriert sich auf die
Mitarbeit an WWW-VLs. Angebote von Universitäten aus Deutschland, die im Internet für
Südostasienstudien nützliche Informationen bereitstellten, wurden im Rahmen dieser
Untersuchung nicht gefunden.
- USA
: Die drei untersuchten Einrichtungen in den USA bieten keine im negativen oder
positiven herausragenden Eigenschaften.
- Australien
: Die inhaltsreichsten und fundiertesten Angebote, die im Rahmen dieser
Untersuchung gefunden wurden, stammten aus Australien; mit Abstand das größte Engagement
zeigt die Australian National University (ANU) in Canberra; hier werden nicht nur
zahlreiche WWW-VLs betreut, sondern auch umfangreiche eigene Angebote erstellt. Im
Zeitraum von Februar bis Juli 1997 war jedoch zu beobachten, daß das Internet-Engagement
der ANU aus finanziellen Gründen schrittweise reduziert und zum IIAS, Leiden, verlagert
wurde. Ebenfalls vergleichsweise engagiert sind das Monash Asia Institute (MAI) in
Clayton, Victoria, und das Asia Research Centre (ARC) an der Murdoch University in
Murdoch.
- Asien
: Aufgrund der während des Untersuchungszeitraums (Oktober 1996 bis Februar
1997) noch vergleichsweise schlechten Internet-Anbindung nach Asien wurde hier nur
exemplarisch eine Einrichtung, das Institute of Southeast Asian Studies (ISEAS) in
Singapur untersucht; hier finden sich keine im negativen oder positiven Sinne
erwähnenswerten Angebote.
Im Bereich der Bibliotheken wurde schwerpunktmäßig das Projekt »World Wide Web
Virtual Library« behandelt, da an zahlreichen akademischen Einrichtungen immer wieder
Hinweise auf dieses Projekt gefunden wurden.
- Europa
: Das International Institute for Asian Studies, Leiden (NL) verfügt
über ein eigenständiges und recht umfangreiches Internet-Angebot; bereits im Dezember
1996 betreute das IIAS darüber hinaus eine Untersektion der AS-WWW-VL, die »Southeast
Asian Studies WWW Virtual Library« (SEAS-WWW-VL). Ab Ende Februar übernahm das IIAS
hinaus vier weitere WWW-VLs: Brunei, Burma/Myanmar, Kambodscha
und die Philippinen. Diese Angebote sind alle formal einheitlich aufgebaut und in
sieben inhaltliche Hauptkategorien untergliedert, es folgen weitere Untergliederungen; die
hierarchische Struktur könnte eine sehr nuancierte Untergliederung ermöglichen, jedoch
fehlen oft noch die Inhalte, also die Referenzen auf Internet-Ressourcen; zudem scheinen
die WWW-VL-Angebote des IIAS auch nur sehr selten aktualisiert zu werden, die Eigenangaben
über Aktualisierungen scheinen unzutreffend zu sein; eine »Whats New«-Sektion
fehlt z.Zt. noch vollkommen.
Eine weitere Ausnahmeerscheinung ist der am Institut für Sinologie der Universität
Wien betreute »Internet Guide for China Studies«, der mittlerweile mit der »China
WWW Virtual Library« zusammengefaßt wurde. Einen Teil dieser WWW-VL bildet die »Singapore
WWW-VL«, die ebenfalls in Wien von Hanno Lecher betreut wird. Diese Ressourcen sind
mittlerweile detailliert annotiert, sehr aktuell, beispiellos umfassend und teilweise
bewertet; die inhaltliche Qualität der Guides hat sich in den vergangenen Monaten
derartig verbessert, daß man die Arbeiten Lechers mittlerweile ohne Einschränkung als
positive Beispiele für eine gelungene WWW-VL empfehlen kann.
Weniger spektakulär ist die »WWW Virtual Library East Timor« (`timorNET´)
an der Universität Coimbra in Portugal; die vorliegenden Ressourcen sind sorgfältig
ausgearbeitet, jedoch weitgehend statisch und in einigen Aspekten auf Portugal (Bilder,
Bibliographie) begrenzt. Diese scheinbare Begrenztheit ist jedoch zugleich ein Vorteil,
das `timorNET´ bietet sich geradezu für Einsteiger in die Internet-Materie an;
die Übertragungsraten nach Portugal sind über das Hochgeschwindigkeitsnetz WiN zwar sehr
gering, für Modem-Benutzer dürfte dies jedoch keinen entscheidenden Nachteil darstellen.
- USA
: Nur zwei der insgesamt drei untersuchten Einrichtungen in den USA stellen das
bibliothekarische Angebot vor; es gibt keine online recherchierbaren Literaturdatenbanken.
- Australien
: Hervorzuheben ist hier vor allem das Engagement der Australian
National University, die die Sektion »Asian Studies WWW Virtual Library The
Internet Guide to Asian Studies« (AS-WWW-VL) entscheidend geprägt hat. Die
Gesamtheit der AS-WWW-VL wurde im Rahmen dieser Arbeit nicht untersucht, im Bereich
der Südostasienstudien nimmt die ANU jedoch eine herausragende Stellung ein.
Aus finanziellen Gründen mußte das Internet-Engagement der ANU etwa ab Februar 1997
eingeschränkt werden; von den ursprünglich sieben an der ANU betreuten WWW-VLs wurden
vier an das IIAS, Leiden, abgegeben. Zur Zeit betreut die ANU noch die »Asian Studies
WWW-VL« sowie die WWW-VLs für die Länder Indonesien und Vietnam.
- Folgerungen und Empfehlungen
Wer vor der Entscheidung steht, sich der Materie »Südostasienstudien und Internet«
anzunähern, steht zwangsläufig vor der Frage »Wo fange ich am besten an?« Eine
Antwort auf diese Frage ist naturgemäß nur in Abhängigkeit von den jeweiligen
Interessen, der Fragestellung und dem Anspruch möglich.
- Internet-Einsteiger
: Für Internet-Einsteiger bietet sich zunächst das `timorNET´
(WWW-VL East Timor) an, da die hier versammelten Ressourcen gut aufbereitet sind
und der Umfang begrenzt sowie eher statisch ist.
Als nächster Schritt sind die Guides vom Institut für Sinologie der Universität
Wien zu empfehlen, die jedoch leider Frame-Technologie verwenden, aber inhaltlich
z.Zt. mehr bieten als alle anderen untersuchten WWW-VLs. Wer sich nicht vom scheinbar
unerschöpflichen Umfang des »Internet Guide for China Studies« bzw. der »China
WWW Virtual Library« und der »Singapore WWW Virtual Library« abschrecken
läßt, für den sind diese Guides gut geeignet zur Vertiefung seiner Kenntnisse.
Für die »World Wide Web Virtual Library« mit ihren Untergliederungen AS-WWW-VL,
SEAS-WWW-VL sowie den zahlreichen länderspezifischen WWW-VLs kann keine
generelle Empfehlung ausgesprochen werden, da die einzelnen Angebote zu heterogen sind.
Von einem Einstieg über die vom IIAS betreuten WWW-VLs (Brunei, Burma/ Myanmar,
Cambodia, Philippines) ist unserer Einschätzung nach abzuraten. Hier finden sich zwar
auch viele Informationen, jedoch dürfte die unübersichtliche verschachtelte Baumstruktur
zunächst eher zu Frustrationen führen. Es fehlen einführende Texte und Annotationen,
die den Benutzer durch das Angebot geleiten; die an den Internet-Dienst Gopher
angelehnte Aufbereitung wirkt kühl und abweisend. Aus der jeweils übergeordneten
Kategorie ist beispielsweise nicht ersichtlich, ob und wie viele Unterpunkte folgen; wenn
z.B. in einer Rubrik keine Links verzeichnet sind, erfährt der Benutzer dies erst,
nachdem er die jeweilige Seite aufgerufen hat; eine Art »Site Map«, d.h. ein Überblick
über die Struktur der gesamten WWW-Site, ist nicht vorgesehen. Die Benutzung dieses
Interface könnte in zahlreichen Aspekten für den Einsteiger verbessert werden.
- Experten für Südostasienstudien
: Wer bereits über grundlegende
Internet-Erfahrungen verfügt und sich primär für Sachfragen aus dem Bereich der
Südostasienstudien interessiert, dem können vor allem drei Ressourcen empfohlen werden:
Wiederum die Guides von Hanno Lecher (»Internet Guide for China Studies«
bzw. »China WWW Virtual Library«, »Singapore WWW Virtual Library«), die
spezialisierten Angebote der australischen ANU im Kontext der AS-WWW-VL sowie das sehr
ansprechend aufbereitete Angebot des dänischen NIAS.
- Literaturnachweise/ Referenzen und Dokumente im Volltexte
: Literaturdatenbanken mit
Spezialisierung auf Südostasienstudien, die über das Internet abgefragt werden könnten,
wurden nicht gefunden werden. Einige Institutionen weisen ihre eigenen Publikationen nach,
jedoch gibt es kein zentrales, alle Institutionen umfassendes »Register«, das einem
Benutzer in einem Arbeitsschritt einen Überblick über Sachthemen verschaffen kann. Ein
Äquivalent zu einer thematisch spezialisierten Bibliographie findet sich z.Zt. nicht im
Internet. Literaturnachweise über das Internet zusammenzustellen, bleibt eine
zeitaufwendige Puzzlearbeit.
Etwas günstiger sieht die Situation im Bereich der im Volltext verfügbaren Dokumente
und Publikationen aus; i.d.R. kann man z.Zt. noch nicht davon ausgehen, Publikationen
grundsätzlich über das Internet lesen oder beziehen zu können; in einigen Fällen wird
eine Bestellmöglichkeit geboten; etwas seltener ist auch ein Abonnement von
elektronischen Volltexten gegen Bezahlung vorgesehen.
Einige Institutionen wie das IIAS und vor allem das NIAS bieten ihre Newsletter
komplett in elektronischen Editionen an; diese Adressen sind für alle an der Region
Südostasien Interessierten die Empfehlung schlechthin, wenn die eigene Bibliothek
die Printausgabe nicht zur Verfügung stellt. Vorteile der in elektronischer Form
vorliegenden Texte sind darüber hinaus die Möglichkeit, ein elektronisches Archiv mit Back
Issues einzusehen sowie Volltextrecherchen in sämtlichen bisher erschienen Ausgaben
durchzuführen. IIAS und NIAS bieten derartige Rechercheoptionen und sind daher wiederum
unsere Empfehlungen.
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