Charakteristik von Dokumenten im Internet

Dokumente im Internet unterscheiden sich durch verschiedene Merkmale von konventionellen in gedruckter Form vorliegenden Dokumenten. Unterschiede gibt es in drei Bereichen:

  • Publikationsprozeß.
    Im Internet kann jeder veröffentlichen, der über die notwendigen Kenntnisse sowie die technische Infrastruktur verfügt; der Publikationsprozeß ist dezentralisiert, Dokumente durchlaufen vor der Veröffentlichung keine Qualitätskontrolle (Auswahl durch den Verlag, peer review).
  • Repräsentation der Dokumente.
    Dokumente werden im Internet ausschließlich in elektronischer, d.h. nichtmaterieller Form bereitgestellt. Die Dokumente lieen in einer Vielzahl von Daokumentarten und Formaten vor, z.B. in unformatierten Ascii-Dateien, als HTML, PDF, PostScript usw. Die Dokumente können jederzeit geändert oder sogar dynamisch aus einer Datenbank generiert werden. Internet-Dokumente können vollkommen unterschiedlich strukturiert sein.
  • Bereitstellung der Dokument.
    Befinden sich die Dokumente im World Wide Web, sind sie immer in einen Hypertext eingebunden, das weltweite WWW selbst; zudem sind sie selbst meist ebenfalls in Form eines Hypertextes realisiert. Die Dokumente werden von unterschiedlichen Protokollen wie http oder ftp transportiert. Dokumente im Web können jederzeit an anderen Stellen abgelegt, dupliziert, gelöscht sowie ganz oder nur teilweise modifiziert werden. Internet-Dokumente haben keine dauerhaften Adressen und keine eindeutigen Namen. Im Internet gibt keine geregelte Archivierung oder Erschließung der Dokumente.

Vergleich von gedruckten und elektronischen Dokumenten im Internet

Folgende Übersicht gibt Aufschluß über Unterschiede zwischen gedruckten und elektronischen Dokumenten im Internet:

Eigenschaft Gedruckte Dokumente Elektronische Internet-Dokumente
Darstellung i.d.R. linear (Ausnahme: Lexika, Fuß- und Endnoten etc.) nichtlinear, i.d.R. Hypertext
Dokumentarten Text, Tabellen, ggf. Bilder, Grafiken multimedial
Veränderbarkeit/
Aktualität
nur in Neuauflage oder Errata veränderbar; Aktualität durch Publikationsprozeß begrenzt jederzeit modifizierbar; potentiell höchste Aktualität
Eindeutige Kennzeichnung ISBN, ISSN nein; Ansätze: URN
Publikationsprozeß i.d.R. durch Verlage; zentralisiert dezentralisiert
Verfügbarkeit unterschiedlich; über Buchhandel, Bibliotheken, Fernleiehe etc. unterschiedlich; über Internet-Service-Provider und Online-Dienste
Zensierbarkeit gut bei Kontrolle des Pressewesens z.Zt. kaum möglich
Beurteilbarkeit gut durch Kenntnis von Verlagen; Gestaltung etc. ermöglicht Rückschlüsse möglich, aber kaum ausgeprägt; aufwendig; Gestaltung etc. ermöglicht nur begrenzt Rückschlüsse
Qualitätskontrolle durch Verlage, teilweise peer reviewing selten
Deckungsbereich umfassen alle Wissensgebiete unsicher
Archivierung Nationalbibliotheken nicht geregelt; einige Initiativen
Nachweis Bibliothekskataloge, Bibliographien, Datenbanken teilweise durch Suchdienste und Kataloge; keine Vollständige Abdeckung
Erschließung Bibliotheken und Bibliographien: professionell einige Initiativen; teilweise durch Such- und Katalogdienste

Analogie zwischen konventionellen Informationsmedien wie Bücher oder Bibliotheken und dem World Wide Web

Es gibt nicht nur Unterschiede, wie es zunächst scheinen mag. Man kann eine Analogie zu vertrauten Informationsmedien wie Bücher oder Bibliotheken herstellen:

  Buch Bibliothek World Wide Web
Übersicht verschaffen Blättern Schmökern Gezieltes Surfen
Struktur identifizieren Inhaltsverzeichnis Thematische Klassifikation Katalogdienste
Auf Einzelinformationen zugreifen Stichwortverzeichnis Schlagwortindex Suchmaschinen

Daraus ergibt sich, daß sich zahlreiche erlernte Fähigkeiten auf die neuen Medien übertragen lassen, gleichzeitig jedoch die neuartigen Eigenschaften – beispielsweise der Umgang mit netzartigen Hypertextstrukturen -- berücksichtigt werden müssen.

 

 

powered by Webcounter