Begriff »Konvergenz«

allgemein: Annäherung.

wird in unterschiedlichen Kontexten (Biologie, Technik, Mathematik, Völkerkunde, Optik u.a.) verwendet.

Im Kontext der Völkerkunde bezeichnet Konvergenz die Entwicklung von Kulturgütern ganz verschiedener Herkunft zu gleichen oder ähnl. Formen; oft Anlaß zu einer Mißdeutung auf gleiche Herkunft [1].

Einführung: Entwicklungsmöglichkeiten

Generell sind drei Entwicklungstendenzen vorstellbar, wenn ein neues Medium erfunden wird:

  1. Extinktion.
    Bei der Ablösung oder Verdrängung wird ein Medium beispielsweise durch eine technische Innovation weitgehend ersetzt. Ein solcher Prozeß ergab sich beispielsweise nach der Einführung der Compact Disc (CD), durch die die Bedeutung der analogen Schallplatte als Wiedergabemedium für Sprach- und Tonaufnahmen massiv reduziert wurde.
  2. Kovergenz und Koexistenz.
    Bei Annäherung- und Ergänzungsprozessen wird ein Medium nicht durch ein anderes verdrängt, sondern nur ergänzt; zwei Technologien existieren dann beispielsweise nebeneinander. Ein Grund für Koexistenz kann beispielsweise das Vorhandensein spezifischer Eignungen der Medien für jeweils unterschiedliche Zwecke sein. Einen solchen Prozeß gab es beispielsweise nach der Einführung der Musikkassette (MC), durch die die analoge Schallplatte nicht verdrängt wurde.
  3. Evolution.
    Entstehen von etwas Neuem. Ein neues Medium entwickelt neuartige Nutzungsmöglichkeiten, andere Technologien werden nicht verdrängt (möglicherweise durchaus jedoch beeinflußt). Einen solchen Prozeß gab es beispielsweise nach dem Durchbruch des Information Superhighway in seiner real existierenden Ausprägung als Internet, welches vollkommen neuartige Möglichkeiten bot.

Konvergente Entwicklungen lassen sich in den unterschiedlichsten Kontexten untersuchen; im Bereich der Erforschung der Medien gibt es beispielsweise seit der Einführung des dualen Rundfunksystems in Deutschland eine Konvergenzdebatte die untersucht, ob sich der öffentlich-rechtliche dem kommerziellen Rundfunk annähert. Eine ähnliche Diskussion gibt es in verschiedenen Teilbereichen des IuK-Sektors.

Entwicklungen mit konvergenter Dynamik

Im Kontext der Entwicklung des Mediensystems sind vor allem zwei konvergente Entwicklungstendenzen vorstellbar:

Konvergenz von Telekommunikations- und Unterhaltungsindustrie

Martin Polon [1] prognostiziert in seinem Essay über »Technologie und Spielfilme in der Zukunft« eine Konvergenz von Telekommunikations- und Unterhaltungsindustrie und geht davon aus, daß der Konsument neue Distributionsformen akzeptieren wird:

Konvergenz von Computer- und Unterhaltungshardware

Prof. Nicholas Negroponte vom Media Lab des MIT prognostiziert eine Annäherung von Fernsehempfänger und Computer; er läßt dabei offen, ob Computer zu intelligenten Fernsehern mutieren werden, oder ob die Fernsehgeräte eher zu dummen Computer degenerieren werden. Negroponte meint, beide seien »ein und dasselbe« [?:132] und rät den Herstellern von Fernsehgeräten in die Zukunft zu investieren und PCs zu produzieren.

Andere Entwicklungstendenzen

Neben einer konvergenten Entwicklung sind auch andere Varianten denkbar.

Konvergenztheorie

die (umstrittene) Lehre, daß sich die kommunist. u. die westliche Gesellschaftsordnung immer ähnlicher werden, bes. infolge der gleichen Gegebenheiten der industriellen Gesellschaft [1].


[1] Quelle: Bertelsmann Discovery 1995