WebTV setzt die Intention, das Internet einer nicht-technischen Zielgruppe zu
erschließen, nicht konsequent um; die Kosten der Set-zip-boxen sind f&uum;r eine black
box viel zu hoch gegriffen, zumal keine Erweiterungsmöglichkeiten vorgesehen sind
und das Gerät nichtmal als CD-Player genutzt werden kann. Vor allem ist die
Internet-Anbindung des Haushalts über ein analoges Modem nicht durchdacht; es kann nicht
vorausgesetzt werden, daß sich in der Nähe des Fernsehers auch ein Telefonanschluß
befindet. Konsequenter wäre es gewesen, das Kabelnetz bis zum Haushalt gleich für die
breitbandige Zuführung von Internet-Daten per Kabelmodem zu nutzen und zusätzlich einen
schmalbadigen Rückkanal, beispielsweise per Funktelefon, vorzusehen. Dies ist technisch
bereits realisierbar, wie beispielsweise das Angebot des Kabelnetzbetreibers @home (
http://www.home.net/) beweist.
Unerwartete Bedeutung gewinnt WebTV durch Microsofts jüngst angekündigte Pläne. Microsofts Aussage, man erwarte, in den kommenden drei jahren eine Milliarde US$ Verluste durch das Engagement in den Bereichen Internet und Nachrichtendienste einzufahren (vgl. [128]), beweist die Entschlossenheit des Softwaregiganten, neue Märkte äußerst aggressiv zu erschließen. Offensichtlich beabsicht die Gates-Firma, erheblich mehr Einfluß auf die Verbreitung von Inhalten (content delivery) im konventionellen Consumer-Markt zu gewinnen. Diese Strategie würde sich dem Engagement von Microsoft im Bereich von Multimedia-Nachschlagewerken für den Home-Bereich (1994/95), dem Aufbau des eigenen Online-Dienstes Microsoft Network (MSN, 1995), der Übernahme zahlreicher Bildagenturen (1996) sowie den Kooperationen mit NBC und dem ZDF schlüssig anfügen.