Ein Text wird normalerweise von oben nach unten und von Anfang bis Ende gelesen. Neben dieser «linearen Textform» tritt der Hypertext als nicht mehr lineare Form. Er kann sich verzweigen, er enthält verschiedene Ebenen und man navigiert per Mausklick auf die hervorgehobenen Verweise (Links) zu anderen Texteinheiten. Ein sauber strukturierter Hypertext läßt beim Leser («Anwender») gar nicht erst den Eindruck aufkommen, er habe es mit einem zusammenhängenden Text zu tun. Er besteht statt dessen aus einzelnen Texteinheiten, die man völlig zusammenhanglos und dennoch mit Gewinn lesen kann. Dem Leser werden maximale Bequemlichkeit und Unterstützung geboten er darf zur nächsten Texteinheit blättern, eine oder zwei logische Ebenen höher springen, einen Index aufrufen, eine Volltextsuche starten, vielleicht sogar einen Zufallssprung ausführen.
Assoziative Verknüpfungen zwischen den Textteilen, ähnlich der Art, wie wir denken,
gehören dazu. Ein Hypertext entsteht grundsätzlich aus der Spannung zwischen zwei
Extremen: Fragmentierung und Isolierung einzelner Texteinheiten einerseits, Vernetzung und
Verdichtung dieser Texteinheiten andererseits. Das «Vernetzen und Verdichten» ist dabei
die leichter zu lösende und eher technische Aufgabe. Da geht es um Fragen wie die, welche
Navigationsmöglichkeiten dem Anwender ständig zur Verfügung stehen sollen, welche Art
von Querverbindungen in ausführbare Querverweise (
Links)
umgesetzt werden sollen usw.
Schwieriger ist das «Fragmentieren und Isolieren». Was ist eine isolierte
Texteinheit? Eine Karteikarte? Oder darf in einer weltweit vernetzten Umgebung wie dem
WWW auch ein ganzer Roman als
Texteinheit durchgehen? Wichtig ist, daß die Texteinheit nicht die Kenntnis bestimmter
anderer Texteinheiten voraussetzt, aber so gestaltet ist, daß sie sinnvolle Verweise auf
andere Texteinheiten enthalten kann. Ansonsten entsteht sehr schnell das Gefühl, sich im
Cyberspace zu verlieren.
Siehe auch «Hypertext» von Stefan Münz:
http://www.teamone.de/hypertext/