Ein Entwurf zur Intersubjektivit?:
Anerkennung und Zerst?ung

Wir alle werden in moralischer Dummheit geboren und sehen die Welt als Euter an, das das H?hste in uns n?ren soll: Dorothea hatte schon fr? angefangen, sich aus dieser Dummheit zu erheben, und doch w?e es leichter f? sie gewesen, h?te sie sich vorstellen k?nen, wie sie ... in seiner St?ke und Weisheit weise und stark werden k?nte, statt mit jener Deutlichkeit, die nicht mehr Reflexion, sondern ein Gef?l ist ... zu begreifen, da?er ein entsprechendes eigenes Ich hatte, von dem aus Licht und Schatten immer etwas anders fallen mu?en.

George Eliot, Middlemarch

In den letzten Jahren haben verschiedene psychoanalytische Schulen den Versuch unternommen, eine intersubjektive Theorie des Selbst zu entwickeln (Eagle, T984; Mitchell, 1988). Gemeinsam ist diesen Ans?zen die Annahme, das psychische Geschehen sei eher ein interaktives als ein monadisches Geschehen; der psychoanalytische Proze?solle entsprechend als ein Geschehen zwischen Individuen und nicht als intrapsychisches Erleben verstanden werden (Atwood & Stolorow, 1984; Mitchell, 1988). Die Psyche wird vom intersubjektiven Standpunkt aus betrachtet. Diese Perspektive hat in verschiedener Hinsicht bereits unsere Theorie wie unsere Praxis ver?dert; sie wirft jedoch auch neue Probleme auf. Eine Theorie, in der die absolute Herrschaft des einzelnen Subjekts gebrochen ist, mu?sich dem Problem stellen, da?jedes dieser Subjekte grundlegende Schwierigkeiten hat, andere als gleichwertige Zentren individueller Erfahrung anzuerkennen (Benjamin,1988).

Das Problem der Anerkennung des Anderen taucht auf, sobald wir jenes schwierige Erbe intrapsychisch orientierter Theorie betrachten, n?lich den Begriff des Objekts: In seiner urspr?glichen Bedeutung, in der er auch heute noch in der Ichpsychologie und der Objektbeziehungstheorie verwendet wird, meinte der Begriff der Objektbeziehung die Internalisierung und psychische Repr?entation von Beziehungen zwischen dem Selbst und Objekten. Obwohl in diesen Theorien der fr?kindlichen Umwelt und den Eltern-Objekten - kurz: ?realen? Anderen - eine erhebliche Bedeutung zuf?lt, haben sie uns nicht weiter gebracht als bis zu der Erkenntnis: ?Wo ein Ich ist, da sind auch Objekte?. So gehen beispielsweise weder Fairbairns Insistenz, da?das ganze Objekt gebraucht werde, noch Kohuts Verk?dung, da?Selbstobjekte ein Leben lang von Bedeutung bleiben, direkt auf den Unterschied zwischen Objekt und ?dem Anderen? ein. Vielleicht wird die Austauschbarkeit von wirklichen Anderen und ihren inneren Repr?entationen so widerspruchslos hingenommen, weil die epistemologische Frage, was Realit? und was Repr?entation ist, uns, die wir zu Recht bescheiden sind, f? unser begrenztes Handwerk zu allgemein und zu abgehoben erscheint. Oder vielleicht einfach, weil wir Psychoanalytikerlnnen uns durch die Frage der Realit? nicht wirklich st?en lassen.

Aber die ungl?kselige Neigung, andere Subjekte auf Objekte zu reduzieren, kann nicht einfach dieser Unentschlossenheit in bezug auf Realit? zugeschrieben werden. Sie kann auch nicht als begriffliche Verlegenheit abgetan werden, die sich durch gr?ere sprachliche Genauigkeit bew?tigen lie? (so Kohut, 1984). Vielmehr handelt es sich dabei um ein Symptom genau derjenigen Probleme der Psychoanalyse, auf deren Heilung eine intersubjektive Theorie abzielen sollte. Die Erforschung der totersubjektiven Dimension des analytischen Unternehmens w?de unsere Theorie und Praxis nach der Maxime ver?dern: ?Wo Objekte waren, sollen Subjekte sein!?

Was w?de eine solche Ver?derung der Psychoanalyse bedeuten? Mit der Einf?rung des Begriffs der Intersubjektivit? in die analytische Situation ist ein Anfang gemacht worden (Atwood & Stolorow, 1984; Stolorow, Brandchaft & Atwood, 1987). Hier wird Intersubjektivit? als das Feld der Uberschneidung zwischen zwei Subjektivit?en, als das Zusammenspiel zweier unterschiedlicher subjektiver Welten verstanden. Aber wie unterscheidet sich nun das Zusammentreffen zweier Subjekte von einer Begegnung zwischen Subjekt und Objekt? Wenn wir einmal anerkennen, da?das Objekt ein wichtiger Teil im Leben des Subjekts ist, was wird dann noch durch die Umbenennung dieses Objekts in ein Subjekt gewonnen? Und was sind die Hindernisse f? die Begegnung von zwei Menschen?

Um diese Untersuchung zu beginnen, m?sen wir folgende Frage konfrontieren: Welchen Unterschied macht ein Anderer, der wirklich als ein Au?rhalb wahrgenommen wird, als etwas von der eigenen Vorstellungswelt Geschiedenes? Gibt es nicht einen dramatischen Unterschied zwischen der Erfahrung des Anderen, der in der Au?nwelt wahrgenommen wird, und einem subjektiv vorgestellten Objekt? Winnicott (1971) formulierte die richtungweisende Darstellung dieses Unterschiedes in ?Der Gebrauch eines Objektes und die Identifikationsbeziehungen?, seiner wohl weitreichengsten und radikalsten ??rung. Seither ist - abgesehen von wenigen Ausnahmen (Eigen, 1981; Ghent, 1989; Modell, 1984) - kaum versucht worden, Winnicotts Gegen?erstellung zweier m?licher Objektbeziehungen auszuarbeiten. Und doch ist, wie ich zeigen werde, der Unterschied zwischen dem Anderen als Subjekt und dem Anderen als Objekt der entscheidende Unterschied f? eine intersubjektive Psychoanalyse.

Diese Unterscheidung zwischen zweierlei Typen der Beziehung zum Anderen kann nur dann deutlich hervortreten, wenn wir beide als integrale Bestandteile psychischen Erlebens und deshalb auch beide als legitime Gegenst?de psychoanalytischer Erkenntnis verstehen. Wenn es einen Widerspruch zwischen diesen beiden Formen der subjektiven Erfahrung gibt, so sollten wir darin eher eine Bedingung unseres Wissens sehen, anstatt einen Scheideweg. Andere theoretische Muster, die psychoanalytisches Denken vor Entscheidungen stellten - Triebtheorie versus Objektbeziehungstheorie, intrapsychische versus interpersonale Theorie -, beharrten auf einer Wahl zwischen den entgegengesetzten Perspektiven. Dagegen bin ich der Ansicht, da?die beiden Dimensionen der Erfahrung des Objekts/des Anderen einander erg?zen, selbst wenn sie manchmal als Gegens?ze erscheinen. Indem wir beide Dimensionen erfassen, k?nen wir die Absicht intersubjektiver Theorien verwirklichen, sowohl den folgenreichen Auswirkungen menschlicher Beziehungen auf die individuelle psychische Entwicklung als auch den ebenso unumg?glichen Auswirkungen intrapsychischer Vorg?ge und Phantasien auf das psychische Erleben und die Interaktion zwischen Individuen Rechnung zu tragen.

Ich nenne diese beiden Kategorien der Erfahrung ihre intrapsychische Dimension und ihre intersubjektive Dimension (Benjamin, 1988). Die Idee der Intersubjektivit?, die aus der Philosophie (Habermas, 1970) in die Psychoanalyse ?ernommen wurde, ist insbesondere deshalb n?zlich, weil sie sich dem Problem der Definition des Anderen als eines Objektes stellt. Intersubjektivit? wurde absichtsvoll der Logik von Subjekt und Objekt, die die abendl?dische Philosophie und Wissenschaft beherrscht, gegen?ergestellt. Sie bezieht sich auf jenen Bereich der Erfahrung und der Theorie, in der der Andere nicht nur Objekt der Bed?fnisse/Triebe oder des Wissens/der Wahrnehmung des Ichs ist, sondern unabh?giges und gleichwertiges Zentrum eines Selbst.

Die intersubjektive Theorie postuliert, da?der Andere vom Selbst als ein Subjekt anerkannt werden mu? damit es die eigene Subjektivit? in Anwesenheit des Anderen ganz erfahren kann. Dies bedeutet zum einen, da?wir ein Bed?fnis nach Anerkennung haben, zum anderen, da?wir auch die F?igkeit haben, Andere ihrerseits anzuerkennen -also die F?igkeit wechselseitiger Anerkennung. Aber Anerkennung ist ein Potential der individuellen Entwicklung, das sich nur ungleichm?ig entfaltet. Der Beziehungs-Psychoanalyse geht es gewisserma?n darum, diese Tatsache zu erkl?en. In der Freudschen Metapsychologie w?de der Proze?der Anerkennung des Anderen ?mit jener Deutlichkeit, die nicht mehr Reflexion, sondern Gef?le geworden ist, bestenfalls als Hintergrund-Effekt in der Beziehung zwischen dem Ich und der ??ren Realit? erscheinen. Mein Ziel ist es genau, den Proze?der Anerkennung in den Vordergrund unseres Denkens zu r?ken.

Zun?hst m?hte ich eine vorl?fige Skizze der Entwicklungsstadien der F?igkeit zur Anerkennung entwerfen. Diese konzentriert sich in erster Linie auf die Theorie von Trennung und Individuation und zeigt, wieviel ertragreicher diese Theorie ist, wenn sie durch die intersubjektive Brille, im Lichte der Beitr?e von Stern wie auch von Winnicott, betrachtet wird. Da die Trennungs-Individuationstheorie auf der Grundlage der Begriffe von Ich und Objekt formuliert worden ist, kann sie ihr eigenes Erkl?ungspotential gar nicht voll entfalten. Aus der Perspektive von Ich und Objekt ist das Kind das Individuum, das zur Abl?ung und Autonomie fortschreitet. Das Telos dieses Prozesses ist die Erzeugung einer psychischen Struktur, die durch die Internalisierung des Objektes gr?ere Unabh?gigkeit erringt. Als Folge davon konzentriert sich die Trennungs-Individuationstheorie auf das strukturelle Residuum der kindlichen Interaktion mit der Mutter als einem Objekt. Die Aspekte des Engagements, der Bindung und der aktiven Best?igung, die in der Interaktion mit der Mutter als einem anderen Subjekt sich ereignen, bleiben unbeachtet im Hintergrund.

Diese Perspektive ist kindzentriert, indifferent gegen?er den Ursachen der m?terlichen Reaktionen, in denen sich jedoch nicht nur Pathologie oder Gesundheit der Mutter spiegeln, ihr Narzi?us oder blo?s Gen?en, sondern auch ihre notwendig unabh?gige Subjektivit?. Deshalb entgeht dieser Perspektive auch die Lust an einer entstehenden Beziehung mit einem Partner, von dem man wei? wie man ihm eine Reaktion entlocken kann, die jedoch nie v?lig verhergesehen und der Phantasievorstellung angepa? werden kann. Die Idee der Lust ging verloren, als die Ich-Psychologie das Es auf Sparflamme stellte, aber durch die Anerkennung der Subjektivit? des Anderen k?nte sie wiederentdeckt werden. Mit Hilfe einer intersubjektiven Perspektive l?t sich der kindzentrierte Blickwinkel der intrapsychischen Theorie ?erwinden, indem n?lich gefragt wird, wie eine Person die F?igkeit der wechselseitigen Anerkennung erwirbt. Logischerweise kann die Anerkennung der Elternperson als Subjekt nicht nur das Resultat ihrer Internalisierung als Objektrepr?entation sein. Dies ist ein Entwicklungsproze? der erst in Ans?zen beschrieben ist. Wie kann sich ein Kind in eine Person verwandeln, die als Elternperson in der Lage ist, ihr eigenes Kind anzuerkennen? Was sind die internen Prozesse, die psychischen Wendepunkte eines solchen Entwicklungsprozesses? Wo ist die Theorie, die die Entwicklung der Reaktionsbereitschaft des Kindes, seiner Einf?lung und Beziehungsintensit? beschreiet und nicht nur das Gen?en oder Versagen der Eltern?

In Hinblick auf genau diese Fragen haben die meisten Theorien des Selbst zu kurz gegriffen. Sogar die Ichpsychologie, die - bezogen auf das analytische Setting - solchen Nachdruck auf Einstimmung und Empathie legt, hat im Stillen ein einseitiges Bild von der Eltern-Kind-Beziehung und der Entwicklung intersubjektiver Bindung. Kohut (1977, 1984) definierte, wohl um dem ?malen Realit?sprinzip entgegenzutreten, die notwendige Konfrontation der Bed?fnisse des Anderen oder von Grenzen ?erhaupt vom Selbstbezug her als Verweigerungen von Empathie, die parallel zu den Irrt?ern des Analytikers erscheinen -als ob es f? Kinder nichts ?er die Rechte und Gef?le des Anderen zu lernen g?e. Obwohl das Ziel darin bestand, ?neue Wege f? Empathie? zu ?fnen und ?Selbst und Selbst-Objekt in Harmonie zu bringen? (1984, S. 66), wurde das Selbst immer nur als Empf?ger, nie als Geber von Empathie gedacht. Der Ansprechbarkeit des Selbstobjekts kommt per definitionem die Funktion zu, ?unser Selbst aufzubauen?; doch an welchem Punkt wird sie zur Empf?glichkeit und Reaktionsf?igkeit jenes ??ren Anderen, den wir lieben? Denn jenes gelegentlich erw?nte (vielleicht h?figer schlicht vorausgesetzte) ?Liebesobjekt?, das doch den Ort eines ??ren Anderen einn?me, hat in der Theorie gerede keinen klaren Ort. Deshalb wird Lust an der Wechselbeziehung von der Anerkennung durch das Baby. Ein Baby, das weniger auf die zwischen zwei Subjekten ein weiteres Mal darauf reduziert, das Selbst zu stabilisieren und dient nicht zu einer Erweiterung unserer Wahrnehmungsf?igkeit des Au?n, noch zur Anerkennung, da?Andere von eigenen, aber ?nlichen Gef?len bewegt sind [*].

[* Meine Anmerkungen m?en speziell auf Kohuts Theorie passen und weniger f? die Ichpsychologie insgesamt zutreffen, denn es hat in der letzten Zeit Versuche gegeben, diese Einseitigkeit zu korrigieren und den Differenzierungsproze?in der Beziehung zum anderen einzubeziehen (z.B. Lachmann, 1986), ebenso wie die Beziehung zum ?wirklichen Objekt? (Stolorow, 1985).]

In diesem Aufsatz zeige ich einige entscheidende Punkte in der Entwicklung wechselseitiger Anerkennung auf. Es ist gewi?richtig, da?der Proze?des Anerkennens mit jener best?igenden Reaktion des Anderen beginnt, die uns zeigt, da?wir Bedeutung geschaffen, einen Einflu?ausge?t oder eine Absicht bekundet haben. Doch sehr fr? schon lernen wir, da?wechselseitige Anerkennung zwischen zwei Personen -- Verstehen und Verstandenwerden, sich aufeinander einstimmen - f? sich selbst erstrebenswert wird. Schon durch die Tatsache, da?wir uns ?er die best?igende Reaktion des Anderen freuen, erkennen wir ihn oder sie unsererseits an. Meiner Ansicht nach l?t sich das, was die Forschungen zu fr?en Mutter-Kind-Interaktionen ?er fr?e Reziprozit? und gegenseitige Beeinflussung herausgearbeitet haben, am besten als die Entwicklung der F?igkeit zu wechselseitiger Anerkennung konzeptualisieren. Die Bild f? Bild vergleichenden Untersuchungen der Filmaufnahmen von M?tern mit ihren drei bis vier Monate alten Babys haben uns eine Art Fr?geschichte des Prozesses der Anerkennung geliefert.

Die bahnbrechenden Arbeiten von Stern (1974, 1977, 1985) und die neueren Beitr?e von Beebe (1985; Beebe und Lachmann, 1988; Beebe und Stern, 1977) haben erhellt, wie entscheidend Beziehungen, in denen wechselseitiger Einflu?ausge?t wird, f? die fr?e Entwicklung des Selbst sind. Sie haben auch gezeigt, da?zu diesem Zeitpunkt SelbstRegulierung durch die Beeinflussung des Anderen erreicht wird: Der eigene psychische Zustand kann nun dadurch ver?dert werden, da?der Andere dazu gebracht wird, sich mehr oder weniger stimulierend zu verhalten. Die Anerkennung der Mutter bildet die Grundlage f? das Gef?l der eigenen Handlungsf?igkeit beim Baby. Mit etwas geringerer Betonung ist doch die andere Seite dieses Interaktions-Spiels gleich wichtig: Die Mutter ist bis zu einem gewissen Grade ebenfalls abh?gig von der Anerkennung durch das Baby. Ein Baby, das weniger auf die Mutter reagiert, ist ein weniger ?anerkennendes? Baby, und die Mutter, die auf ihr apathisches oder quengelndes Baby reagiert, indem sie es ?erm?ig stimuliert oder sich zur?kzieht, ist eine Mutter, die Verzweiflung dar?er ausdr?kt, da?das Baby sie nicht anerkennt.

In Sterns Sichtweise konstituiert jedoch das fr?e Spiel noch keine zwischenmenschliche Bindung (1985). Eher bezeichnet er die n?hste Phase, in der das acht bis neun Monate alte Baby zu affektiver Einstimmung auf andere f?ig wird, als eigentliche Intersubjektivit?. Es ist der Augenblick, in dem wir entdecken, da?es noch anderes Bewu?sein au?rhalb unseres Selbst gibt und da?unterschiedliche Wesen ?nliche Gef?lszust?de teilen k?nen. Ich w?de Stern zustimmen, da?diese Phase einen Fortschritt in der Anerkennung des Anderen darstellt, aber ich meine, da?die fr?ere Interaktion doch als ihr Vorl?fer in der Form eines konkreten affektiven Austauschs betrachtet werden kann. Vom Standpunkt der Mutter aus, deren Kind ihr L?heln erwidert, ist dies bestimmt schon der Beginn wechselseitiger Anerkennung. Deshalb m?hte ich, statt ausschlie?ich die sp?ere Phase als intersubjektive Bindung zu bezeichnen, einen Entwicklungsproze?der Intersubjektivit?, in dem es Schl?selmomente der Transformation gibt, konzeptualisieren.

In dieser Phase besteht, wie Stern (198S) hervorgehoben hat, das Neue in der M?lichkeit, die innere Welt mit Anderen zu teilen. Das Kind lernt herauszufinden, was die Elternperson f?lt, etwa wenn es ein neues Spielzeug entdeckt hat und die Elternperson dann demonstriert, da?sie sich darauf einstimmt, indem sie - in einem anderen Medium -darauf reagiert. Indem der Erwachsene denselben affektiven Gehalt in eine andere Modalit? - beispielsweise von der kinetischen in die stimmliche - ?ersetzt, dr?kt er dabei die bedeutsame Tatsache aus, da?es die innere Erfahrung ist, die gleichbleibt. Denn der Unterschied in der Form hebt das Element der ?nlichkeit oder des Teilens hervor. Ich m?hte noch hinzuf?en, da?die Elternperson genaugenommen nicht denselben Gef?lszustand teilt, denn gew?nlich sind die Eltern ?er die Reaktion des Kindes, nicht ?er das neue Spielzeug entz?kt. Die Elternperson freut sich ?er den Kontakt mit der Psyche des Kindes.

An dieser Stelle lassen sich intersubjektive Theorie und Ich-Psychologie gut kontrastieren, wie bereits von Stern gezeigt wurde. Die Phase, in der das Kind Andere entdeckt, stimmt ungef?r mit Mahlers Abl?ungs- und Ubungs-Phase ?erein; beide Theorien betonen jedoch ganz unterschiedliche Elemente. Aus der intersubjektiven Perspektive entwickelt sich die gr?ere Unabh?gigkeit des Kindes, die von Mahler betont wird, mit Hilfe des Anderen und verst?kt gleichzeitig das Gef?l der Verbundenheit mit ihm. Die Freude der intersubjektiven Einstimmung ist die Erfahrung: Dieser Andere kann meine Gef?le teilen. Nach Mahler (Mahler et alt, 1975) ist jedoch das zehn Monate alte Kind in der Hauptsache mit dem Erforschen, mit ?seiner Liebesaff?e mit der Welt?, besch?tigt. Der pr?ende Blick zur?k zur Mutter hat Mahler zufolge nichts mit dem Teilen der Erfahrung zu tun, sondern mit Vergcwisserung und ?gstlichkeit, er dient dem ?Auftanken?. Und in Mahlers Augen nimmt die Mutter in dieser Phase auch nicht mit dem Kind als Person Kontakt auf, sondern st?t es aus dem Nest. Obwohl Stern seine Differenzen zu Mahler betont, meine ich, da?beide Modelle einander nicht ausschlie?n, sondern erg?zen. Mir scheint, da?an dieser Stelle die intersubjektive Theorie die Trennungs-Individuationstheorie erweitern kann, weil sie sich auf den affektiven Austausch zwischen Elternperson und Kind konzentriert und die Gleichzeitigkeit von Verbundensein und Trennung hervorhebt. Anstelle entgegengesetzter Endpunkte auf einer Entwicklungsskala erzeugen Bindung und Trennung eine Spannung, die die gleichwertige Anziehungskraft beider Pole voraussetzt.

Diese Spannung zwischen Bindung und Losl?ung wollen wir nun ?er die Periode der affektiven Einstimmung hinaus verfolgen. Wenn wir sie im zweiten Lebensjahr betrachten, so k?nen wir sehen, da?sich nun eine Spannung zwischen Selbstbest?igung und Anerkennung des Anderen entwickelt. Wenn wir Mahlers Wiederann?erungskrise in die Terminologie der intersubjektiven Theorie ?ersetzen, so l?t sich sagen, da?in dieser Phase die Spannung zwischen Selbstbehauptung und Anerkennung des Anderen zusammenbricht und sich als Konflikt zwischen dem Selbst und dem Anderen manifestiert.

Mein Instrumentarium zur Analyse dieser Krise stammt teilweise aus der Philosophie, aus Hegels Formulierung des Problems der Anerkennung in der Ph?omenologie des Geistes. In seiner Er?terung von ?Abh?gigkeit und Unabh?gigkeit des Selbstbewu?seins? zeigte Hegel, wie der Wunsch des Selbst nach absoluter Autonomie mit seinem Wunsch nach Anerkennung durch den Anderen in Konflikt steht. Bei dem Versuch, sich selbst als unabh?gige Entit? zu setzen, mu?das Selbst dennoch den Anderen als gleiches Subjekt anerkennen, um seinerseits vom Anderen anerkannt werden zu k?nen. Dies kompromittiert unmittelbar den Absolutheitsanspruch des Selbst und erzeugt das Problem, da?der Andere gleicherma?n absolut und unabh?gig sein k?ne. Jedes Selbst will vom Anderen anerkannt werden und will doch seine Unabh?gigkeit absolut erhalten. Das Selbst sagt: ?Ich will auf dich einwirken, aber nichts von dem, was du tust oder sagst, soll auf mich einwirken - ich bin, der ich bin.?

Diese Beschreibung des Absolutheitsanspruchs des Selbst deckt in etwa dasselbe Terrain ab wie der Narzi?us in der Freudschen Theorie, insbesondere seine Manifestation als Allmachtsgef?l: das Insistieren auf dem Eins-Sein (jede/r ist identisch mit mir) und auf dem Alleinsein (au?rhalb meiner selbst gibt es nichts, was ich nicht kontrolliere). Freuds Konzeption des fr?en Ichs (19 1 1; 191 ,) mit seiner Feindseligkeit gegen die Au?nwelt, seiner Neigung, sich alles Gute einzuverleiben, ist der Hegelschen Vorstellung des absoluten Selbst nicht un?nlich. Hegels Feststellung eines Kampfes zwischen Autonomie und Abh?gigkeit im Individuum entspricht der klassischen psychoanalytischen Ansicht, da?das Selbst seine Allmachtsphantasie nicht aufgeben Will.

Doch selbst wenn wir die Freudsche Auffassung vom Ich ablehnen bleibt die Auseinandersetzung mit der Subjektivit? des Anderen und die Bestimmung der Grcnzcn, die dem Wunsch nach Selbstbest?igung gesetzt sind, ein schwieriges Problem. Denn mit dem Bed?fnis nach Anerkennung ist jenes grundlegende Paradoxon gesetzt: In demselben Augenblick, in dem man des eigenen, unabh?gigen Willens gewahr wird, braucht man einen Anderen, der ihn anerkennt. In dem Augenblick, in dem mir die Bedeutung meines Ich, meines Selbst bewu? wird, mu?ich auch die Grenzen dieses Selbst begreifen. Und im selben Augenblick, in dem wir verstehen lernen, da?voneinander unterschiedene Individuen dieselben Gef?le teilen k?nen, beginnen wir auch zu erleben, da?es zwischen diesen beiden nicht nur Ubereinstimmung gibt.

Wenn wir nun zu Mahlers Beschreibung der Wiederann?erungskrise zur?kkehren, so l?t sich zeigen, da?sie das Paradoxon der Anerkennung darstellt und wie das Kind es ?erwinden soll. Vor der Wiederann?erungskrise, in der Selbstgewi?eit der ?ungsphase, ist das Kind sich seiner selbst noch sicher, genauso wie es sich seiner Mutter sicher ist. Es macht noch keinen deutlichen Unterschied f? das Kind, ob es etwas allein oder mit Hilfe der Mutter vollbringt. Denn das Kind ist viel zu begeistert von seinen Taten, um dar?er nachzudenken, wer sie eigentlich vollbringt. Beginnend etwa im Lebensalter von 14 Monaten, entsteht ein Konflikt zwischen dem Grandiosit?sgef?l des Kindes und seiner nunmehr wahrgenommenen Realit? der eigenen Begrenzungen und der eigenen Abh?gigkeit von Anderen. Obwohl das Kleinkind nun mehr Dinge als fr?er selbst?dig tun kann, sieht es auch, was es nicht tun kann und wozu es die Mutter nicht zu bewegen vermag - zum Beispiel bei ihm zu bleiben, anstatt fortzugehen. Viele der Machtk?pfe zwischen Kind und Mutter (in denen es die ganze Birne haben will, nicht nur ein St?k davon) k?nen in der Forderung: ?Erkenne meinen Willen an!? zusammengefa? werden. Das Kind besteht dann darauf, da?die Mutter alles mit ihm teilt, an allen seinen Aktivit?en teilhat und alle seine Forderungen hinnimmt. Das Kleinkind beginnt nun auch, sich gegen seine versch?fte Wahrnehmung des Getrenntseins und folglich auch der eigenen Verletzlichkeit zu wehren: Zwar kann es sich von der Mutter fortbewegen, aber auch die kann es verlassen.

Wenn wir diese Beschreibung aus der Perspektive der intersubjektiven Theorie bestrukturieren, dann wei?das Kind nun, da?voneinander unterschiedene Personen auch unterschiedliche Gef?le haben k?nen und da?es selbst sowohl unabh?gig als auch von Anderen abh?gig ist. In diesem Sinne ist die Wiederann?erungskrise gleichbedeutend mit einer Krise der F?igkeit, den Anderen anzuerkennen, besonders die Unabh?gigkeit der Mutter von sich selbst zulassen zu k?nen. Nicht zuf?lig wird das Fortgehen der Mutter zum Zentrum der Auseinandersetzungen, denn hier erlebt das Kind nicht nur das Getrenntsein, sondern es wird auch mit ihren unabh?gigen Zielsetzungen konfrontiert. Aus vergleichbaren Motiven heraus erlebt die Mutter unter Umst?den diesen Entwicklungsschritt als konflikttraft; die Forderungen des Kindes sind nun bedrohlich, keine blo?n Bed?fnisse mehr, sondern Ausdruck des unabh?gigen (und tyrannischen) Willens des Kindes. Sie erlebt nun, da?das Kind sich von dem Bild, das sie sich von ihm gemacht hat, unterscheidet - es ist nicht l?ger ihr Objekt. Vielleicht tauscht das Kind sogar die Rolle mit ihr: passiv wird aktiv. Das Kind, und nicht mehr die Mutter, erscheint nun als das Gef? jener Allmacht, die sie selbst einst der ?guten?, alles spendenden Mutter zugeschrieben hatte. Wie sie auf ihr Kind reagieren kann, wird von ihrer F?igkeit abh?gen, solche Phantasien durch ein Selbstwertgef?l abzumildern, das auf wirklicher Handlungsf?igkeit und einem unabh?gigen Selbst basiert, und von ihrem Vertrauen in die F?igkeit des Kindes, Konflikt, Verlust und menschliche Schw?he zu ?erleben. Die Mutter mu?beides k?nen: Sie mu?dem Kind deutliche Grenzen setzen und den eigenen Willen des Kindes anerkennen k?nen, sie mu?auf ihrer eigenen Unabh?gigkeit bestehen und doch auch die des Kindes anerkennen - kurz, sie mu?die Balance zwischen Selbstbest?igung und Anerkennung in der Beziehung zum Kind halten k?nen. Wenn es Mutter und Kind nicht gelingt, eine solche Balance in ihrer Beziehung aufrechtzuerhalten, dann florieren die Allmachtsphantasien weiter, entweder auf selten der Mutter oder des Kindes, und in keinem der beiden F?le lie? sich sagen, da?die Entwicklung wechselseitiger Anerkennung vorangetrieben worden sei.

Vom Standpunkt der intersubjektiven Theorie aus besteht die ideale L?ung des Paradoxons der Anerkennung in der Aufrechterhaltung einer permanenten Spannung zwischen Anerkennung des Anderen und Selbstbehauptung. In Mahlers Theorie dagegen scheint die Krise der Wiederann?erungsphase auf dem Wege der Internalisierung gel?t zu werden, durch das Erreichen der Objektkonstanz - dann, wenn das Kind die Trennung von der Mutter aushalten kann, wenn es auf sie w?end sein kann und trotzdem noch in der Lage ist, ihre Anwesenheit oder ihre guten Seiten zu genie?n. Damit wird aber das Ziel der Entwicklung zu gering veranschlagt: Da es schwierig ist, ist es dann aber auch schon ausreichend, wenn dem Kind eine realistische Integration guter und schlechter Objekt-Repr?entationen gelingt (Kernberg, 1980) Die knappe Formulierung der Konfliktl?ung der Wiederann?erungskrise ist sozusagen ohne jeden H?epunkt; sie l?t uns zur?k mit der Frage: War das alles? Denn in dieser Beschreibung mu?das Kind nur akzeptieren lernen, da?es von der Mutter entt?scht wird; es findet keine Verlagerung des eigenen Schwerpunkts statt, um anzuerkennen, da?die Mutter so handelt, weil sie eine unabh?gige Person ist.

Der Zusammenbruch der Spannung zwischen der Behauptung der eigenen Realit? und der Anerkennung der Realit? des Anderen und die Wiederherstellung der Spannung ist ein vernachl?sigter Aspekt der Krise; gleichwohl ist er ebenso wichtig. Dieser Aspekt tritt deutlicher hervor, wenn wir Winnicotts Vorstellung von der Zerst?ung des Objekts (1971) wie eine Folie ?er Mahlers Beschreibung der Wiederann?erungsbrise legen. Denn es ist die Zerst?ung - Negation im Sinne Hegels -, die das Subjekt in die Lage versetzt, anders als durch Identifikation, Projektion und andere intrapsychische Prozesse, die mit dem subjektiv vorgestellten Objekt zu tun haben, mit dem Objekt in Beziehung zu treten. Sie erm?licht den ?ergang von einem nur (intrapsychischen) Bezug auf das Objekt zu seiner Benutzung, zum Kn?fen einer Beziehung zum Anderen, der objektiv als au?rhalb des eigenen Selbst existierend wahrgenommen wird, als Wesen f? sich. Das hei?, im mentalen Akt der Negation oder Vernichtung des Objekts, der eventuell von einem physischen Versuch des Angriffs auf den Anderen begleitet wird, finden wir tats?hlich heraus, ob der reale Andere ?erlebt oder nicht. Wenn der oder die Andere den Angriff ?erlebt, ohne sich zu r?hen oder zur?kzuziehen, dann wissen wir auch, da?er oder sie au?rhalb unseres Selbst existiert und nicht nur ein Produkt unserer Phantasie ist.

Winnicotts These st?zt die Vermutung einer grundlegenden Spannung zwischen Verleugnung und Best?igung des Anderen (zwischen Allmachtsphantasie und Anerkennung der Realit?). So lassen sich die Konflikte der Wiederann?erungsphase mit Hilfe des Konzepts von Zerst?ung und ?erleben anders verstehen: Der Wunsch, das eigene Selbst absolut zu behaupten und alles, was au?rhalb der eigenen Allmachtsvorstellungen liegt, zu verleugnen, mu?manchmal an der unersch?terlichen Realit? des/der Anderen zerschellen. Die Kollision, die Winnicott meint, ist jedoch nicht eine, in der Aggression Reaktiv auf die Erfahrung mit dem Realit?sprinzip hin? erfolgt, sondern eine, in der die Aggression ?die Qualit? der Externalit? erzeugte (Winnicott, I97I, S. 110). Wenn die Destruktivit? weder die Elternperson noch einen selbst zerst?t, ger? die ??re Realit? in einen scharfen, deutlichen Kontrast zur inneren Welt der Phantasie. Das Ergebnis dieses Prozesses ist nicht blo?die Wiedergutmachung am guten Objekt oder seine Wiederherstellung, sondern Liebe, das Gef?l, den/die Andere(n) zu entdecken (Eigen, 1981; Ghent, 1990).

Die Kehrseite von Winnicotts Analyse w?e folgendes: Wenn der Zerst?ung nicht durch das ?erleben des Objektes entgegengearbeitet wird, wenn die Realit? des Anderen nicht ins Blickfeld r?kt, findet ein defensiver Proze?der Verinnerlichung statt. Die eigene Aggression wird zum Problem - wie kann man das schlechte Gef?l loswerden? Nun wird das, was zusammen mit dem ??ren Anderen durchgearbeitet und bew?tigt werden k?nte, in ein Drama zwischen internalisierten Objekten verwandelt. Es wird aus der Dom?e des Intersubjektiven in die Dom?e des Intrapsychischen verschoben. Im wirklichen Leben gibt es - selbst wenn die Reaktion des/der Anderen die Aggression zerstreut - keinen vollkommenen Proze?der Zerst?ung und des Uberlebens; immer findet auch ein Proze?der Internalisierung statt. Man k?nte versucht sein zu sagen, da?jede Erfahrung auch intrapsychisch verarbeitet wird, aber wenn der/die Andere nicht ?erlebt und die Aggression nicht aufgel?t wird, dann wird dies fast ausschlie?ich zu einem intrapsychischen Proze? Es w?e deshalb irref?rend, Internalisierungsprozesse nur als Resultat von Zusammenbr?hen oder Abwehrhaltungen zu interpretieren; vielmehr scheinen sie eine Art permanenter Unterf?terung unserer psychischen Aktivit? zu bilden -einen st?digen symbolischen Verdauungsproze? der ein wichtiges Element im Austausch zwischen dem Individuum und der Au?nwelt darstellt. Erst der Verlust der Balance zwischen Intrapsychischem und Intersubjektivem, zwischen Phantasie und Realit? wird zum Problem.

Es ist tats?hlich ein Problem der psychoanalytischen Theorie, da?Internalisierung - entweder in ihrem defensiven Aspekt oder unter dem der Strukturbildung, je nachdem, welche Objektbezichungstheorie gew?lt wurde - die Komponente der Zerst?ung verdeckt hat, die Winnicott (1964, S. 69) hervorgehoben hat: Das Entdecken, da??Wirklichkeit und Phantasie beide wichtig sind, sich aber trotzdem voneinander unterscheidend. Hier ist der Charakter wechselseitiger Erg?zung der intrapsychischen und der intersubjektiven Erfahrungsweise zentral: Wie Winnicott deutlich gemacht hat, geht es um den Kontrast der ZerSt?ungsphantasie zur Realit? des Uberlebens des/der Anderen. Es ist dieser Kontrast, der die Erfahrung so befriedigend und authentisch macht.

Winnicott hat also auf eine Realit? aufmerksam gemacht, die geliebt werden kann, die ?er die Integration von Gut und B?e hinausgeht. W?rend dem intrapsychischen Ich die Realit? von au?n ?ergest?pt wird, entdeckt das intersubjektive Ich die Realit?. Das Realit?sprinzip steht nicht f? die Abweichung vom Weg der Wunscherf?lung, es fordert keine Modifikation des Lustprinzips. Es bedeutet auch nicht die Hinnahme eines falschen Lebens der Anpassung. Es bedeutet eher eine Fortsetzung der urspr?glichen Faszination des Kleinkindes durch die und mit der Au?nwelt, seiner Begeisterung f? Unterschiedliches und Neues, allerdings nun unter weitaus komplexeren Bedingungen. Diese Begeisterung gibt hier der Trennung ihre positive F?bung, im Unterschied zu einer schlicht feindseligen: Liebe zur Welt, nicht nur Verlassen der Mutter oder Entfernung von ihr. In dem Ma?, in dem die Mutter dann in der Au?nwelt plaziert wird, kann sie auch wieder geliebt werden; denn Losl?ung ist in Wahrheit die andere Seite der Bindung an den Anderen.

Es ist diese Begeisterung f? die Realit? des/der Anderen, die das Bild der Losl?ung vervollst?digt und gleichzeitig erkl?t, was jenseits der Internalisierung liegt - n?lich die Verankerung einer geteilten Realit?. First (1988) hat einige sehr ?nliche Beobachtungen der Phase beigesteuert, in der das Kleinkind zu verstehen beginnt, da?Wechselseitigkeit eine Begleiterscheinung des Getrenntseins ist, besonders im Hinblick auf Situationen des Verlassenwerdens, wenn die Mutter weggeht. In Ankn?fung an Winnicott wird bei First die Uber-Kreuz-Identifizierung zum Vehikel der Konfliktl?ung: Die F?igkeit, sich selbst an die Stelle der Anderen zu setzen, gr?det in einem emphatischen Verst?dnis der Gemeinsamkeiten innerer Erfahrung. Das anf?gliche Spiel zweij?riger Kinder, die imitieren, wie die Mutter sie verl?t, ist zun?hst vom Geist der Rache und Umkehrung gekennzeichnet: ?Ich werde dir auch antun, was du mir angetan hast!? Aber allm?lich lernt das Kind, sich mit der subjektiven Erfahrung der Mutter zu identifizieren, und es merkt: ?Ich k?nte dich vermissen, so wie du jetzt mich vermi??, und begreift deshalb: ?Ich wei? da?du vielleicht auch ein eigenes Leben haben willst, so wie ich meines habe.? First hat gezeigt, wie sich das Kind durch die Anerkennung solcher gemeinsamer Erfahrung schlie?ich aus einer rachs?htigen Welt der Kontrolle in eine Welt wechselseitigen Verstehens und geteilter Gef?le bewegt. Diese Analyse f?t der Idee des Erreichens der Objektkonstanz, in der das gute Objekt die schlechte Erfahrung ?erlebt, die Vorstellung hinzu, da?die fortgehende Mutter nicht schlecht ist, sondern nur unabh?gig, eine Person wie man selbst. Indem das Kind dies akzeptiert, gewinnt es die eigene Unabh?gigkeit - das wurde auch schon in traditionellen Theorieans?zen hervorgehoben - und dar?er hinaus auch die Lust am wechselseitigen Verstehen.

Im R?kblick lassen sich nun die Konturen einer Entwicklungslinie zur intersubjektiven Beziehungsf?igkeit bis zu diesem Punkt nachzeichnen. Sein Hauptmerkmal ist die Anerkennung der ?nlichkeit innerer Erfahrung bei gleichzeitiger Erfahrung von Differenz. Man k?nte sagen, es beginnt mit: ?Wir f?len dieses Gef?l?, und schreitet dann fort zu: ?Ich wei? da?du, getrenntes Bewu?sein, mit mir dieses Gef?l teilst.? In der Wiederann?erungsphase spitzt sich jedoch die Krise zu, wenn das Kind die Differenz merkt: ?Du und ich, wir wollen nicht dasselbe, wir f?len nicht dasselbe.? Die anf?gliche Antwort auf diese Entdeckung ist der Zusammenbruch der Anerkennung zwischen Selbst und Anderem: ?Ich bestehe auf meinem Willen, ich verweigere dir die Anerkennung, ich versuche dich zu zwingen, und deshalb erfahre ich deine Verweigerung als Umkehrung: Du zwingst mich.? Hier mu?die F?igkeit zu wechselseitiger Anerkennung ausgeweitet werden, um die Spannung aufzufangen, die durch die Differenz erzeugt wird, das Wissen um konfligierende W?sche.

Im dritten Lebensjahr des Kindes taucht dieses Thema oft im symbolischen Spiel auf. Hier kann das fr?e Spiel der Rache nehmenden Umkehrung zu einer Art Erm?htigung des Kindes werden, in der das Kind f?lt: ?Ich kann dir antun, was du mir angetan hast.? Aber dann beginnt das Spiel, auch die emotionale Identifizierung mit der Position der Anderen zu umfassen, wodurch es reflexiv wird; das hei?, in der Formulierung von First: ?Ich wei? da?du wei?, was ich f?len In diesem Sinne bleibt das Medium gemeinsamer Gef?le in sp?eren Phasen der Entwicklung gleich wichtig f? die intersubjektive Beziehungsf?igkeit wie in den fr?eren. Aber es ist nun ausgedehnt worden auf die Ebene symbolischer Verst?digung ?er Gef?le ?erhaupt zu: ?Du wei?, was ich fohle, selbst wenn ich das Gegenteil von dem, was du willst oder f?lst, will oder f?len Dieser Fortschritt in der Differenzierung bedeutet: ?Wir k?nen Gef?le teilen, ohne da?ich Angst haben m?te, da?meine Gef?le in Wirklichkeit nur deine Gef?le w?en.?

Das Kind, das nun in seiner Phantasie beide Rollen - die der fortgehenden Person und die der Person, die verlassen wird - ?ernehmen kann, beginnt damit, die bisher nur komplement?e Form der MutterKind-Beziehung zu ?erschreiten. Die komplement?e Beziehungsform organisiert ein Verh?tnis von gebendem und empfangendem, von aktivem und passivem Partner, von M?htigem und Ohnm?htigem. Darin ist es zwar m?lich, die Rollen zu vertauschen, aber nicht, ihre Struktur aufzuheben. Auch wenn die Rollen in der Beziehung vertauscht werden, so kann doch nur eine Person das Subjekt sein, die andere mu?das Objekt spielen: Die eine Person wird anerkannt, die andere negiert; eine ist Subjekt, die andere Person bleibt Objekt. In der komplement?en Beziehungsstruktur werden die Allmachtsphantasien nicht aufgel?t, sondern zwischen den beiden Partnern hin- und hergeschoben. Durch die Bewegung aus der Welt komplement?er Machtbeziehungen heraus in die Welt wechselseitiger Verst?digung hinein wird ein wichtiger Schritt zum Abbau der Allmachtsvorstellungen getan: Macht wird nun aufl?bar, statt da?sie in einem nicht endenwollenden Kreislauf zwischen Mutter und Kind hin- und hergeschoben wird.

Aber wenn wechselseitige Anerkennung nicht wiederhergestellt wird, wenn die gemeinsame Realit? der Beziehung die Zerst?ung nicht ?erlebt, dann regieren wieder die komplement?en Strukturen, und der ?Bezug? auf das innere Objekt wird dominant. Weil dies h?fig genug vorkommt, stimmt das intrapsychische Konzept der Subjekt-Objekt-Bezichung tats?hlich mit dem dominanten Modus innerer Erfahrung ?erein. Aus diesem Grunde, unbenommen des menschlichen Potentials zu intersubjektiver Erfahrung, erhellt die umkehrbare, komplement?e Beziehungsstruktur zwischen Subjekt und Objekt, wie sie von der intrapsychischen Theorie konzeptualisiert worden ist, so viel von der inneren Erfahrung. Die von Freud zuerst analysierten Prinzipien des Unbewu?en (wie die Vertauschung der Gegens?ze, zum Beispiel von aktiv und passiv, die Austauschbarkeit oder Ersetzbarkeit innerer Objekte) bleiben deshalb unentbehrliche Leits?ze zur Deutung der inneren Welt der Objekte.

Doch auch wenn die F?igkeit zur Anerkennung des Anderen gut entwickelt ist, wenn das Subjekt zu gemeinsamer Erfahrung und zur Aufnahme jener Nahrung ?Anders-als-ich? f?ig ist, bleiben die intrapsychischen F?igkeiten wirksam. Denn die F?igkeit des Selbst zu manipulieren, zu entfernen, Bedingungen zu verkehren und ein Ding in ein anderes zu verwandeln, ist keine blo? Negation der Realit?, sondern auch die Quelle geistiger Kreativit?. Dar?er hinaus bedeutet Komplementarit? - wenn alles gut geht - auch einen Schritt auf dem Weg zur Wechselseitigkeit. Die beharrliche Reziprozit?, die Kleinkinder oft zeigen, ihre Anstrengungen, im Spiel die Beziehung zur Mutter umzukehren, sie zu f?tern, zu pflegen und zu verlassen, ist ein Schritt im Proze?der Identifizierung, der letztlich zum gegenseitigen Verstehen f?rt.

So bleibt die richtige ?Benuttung? des oder der Anderen im Kontrapunkt zur ?Beziehung durch Identifikationen?. Benutzen, das hei? Anerkennen, impliziert die F?igkeit, komplement?e Strukturen zu ?erschreiten, aber nicht etwa, da?keine solchen Strukturen vorhanden w?en. Es bedeutet nicht, da?Phantasien oder Negation verschwinden, sondern da??Destruktion ... zum unbewu?en Hintergrund f? die Liebe zum realen Objekt [wird]? (Winnicott, 1979; S. 110). Es bedeutet eine Balance zwischen Zerst?ung und Anerkennung. Im weitesten Sinne versuchen die inneren Phantasien immer, die ??re Realit? aufzufressen oder zu negieren - ?Obwohl ich dich liebe, zerst?e ich dich in meiner (unbewu?en) Phantasie? (S. 105). Der geliebte Mensch wird st?dig zerst?t, aber sein Oberleben bedeutet, da?wir in unserer Realit? beides haben k?nen. Aus der intersubjektiven Perspektive ist die Negation des realen Anderen in jeglicher Phantasie impliziert, gleich ob ihr Inhalt negativ ist oder idealisiert. Ebenso erscheint aus intrapsychischer Perspektive die ??re Realit? einfach als das, was als Phantasie verinnerlicht wird. Das dauernde Zusammenspiel von Zerst?ung und Anerkennung ist die Dialektik zwischen Phantasie und ??rer Realit?.

Im analytischen Proze? in der Anstrengung des Analysanden, die Produkte seiner Phantasie dem Analytiker mitzuteilen, wird der Status der Phantasie selber ver?dert, er wird aus der inneren Realit? herausger?kt in die intersubjektive Kommunikation. Das Objekt der Phantasie, auf das man sich bezieht oder das man zerst?t, und der verwendbare Andere, der der Empf?ger der kommunikativen Anstrengung ist und geliebt werden kann, erg?zen einander. In gelungenen AnalyseStunden entsteht eine momentane Balance zwischen intrapsychischer und intersubjektiver Dimension, eine anhaltende Spannung oder schnelle Bewegung zwischen der Erfahrung des Patienten von uns als innerem Material und von uns als anerkennendem Anderen. (Die Aufhebung des Konflikts zwischen diesen beiden Erfahrungsweisen beruht ebenfalls auf dem Verst?dnis des Ubergangsraumes im Sinne Winnicotts.) Die M?lichkeit, sich auf beiden Ebenen zu engagieren, konstituiert den therapeutischen Aspekt der Beziehung. Die Wiederherstellung der Balance zwischen Intrapsychischem und Intersubjektivem im psychoanalytischen Proze?soll nicht als Anpassung aufgefa? werden, die Phantasien auf Realit? reduziert, sondern eher als eine Praktik zum Aushalten von Widerspr?hen.

Wenn die emotionale Anspannung, die zum Aushalten von Widerspr?hen notwendig ist, zusammenbricht, was h?fig geschieht, werden die intersubjektiven Strukturen - Wechselseitigkeit, Gleichzeitigkeit und Paradoxie - den komplement?en untergeordnet. Der Zusammenbruch der Spannung zwischen dem Selbst und dem Anderen zugunsten einer Beziehung zwischen Subjekt und Objekt ist ein gew?nlicher Tatbestand des psychischen Lebens. Aber diesem Zusammenbruch der Spannung kann nicht durch das Ideal der Balance Rechnung getragen oder entgegengearbeitet werden. Das w?de eine Vorstellung von Normalit? implizieren, die den Zusammenbruch der Spannung zum Versagen erkl?en w?de und seine Begleitph?omene - Internalisierung, Phantasie und Aggression - zum pathologischen Symptom. Wenn der Zusammenprall zweier unterschiedlicher Willen ein inh?enter Teil intersubjektiver Beziehungen ist, dann kann auch keine noch so perfekte Umgebung der Erfahrung mit der Andersartigkeit die Stacheln nehmen. Zur Frage wird dann, wie die unvermeidlichen Elemente der Negation gehandhabt werden. Es ist schon -ausreichende, wenn der inwendigen Bewegung, die die Realit? negiert und Kreativit? freisetzt, durch eine ??re Bewegung zur Anerkennung der ??ren Realit? gegengesteuert wird. Mehr von intersubjektiver Verst?digung zu verlangen, w?de schon zum Triumph der ??ren Realit? einladen, zu einer schrecklichen psychischen Leere und zum Ende jeglicher Kreativit?. Eine psychoanalytische Beziehungstheorie sollte f? die schmuddelige, intrapsychische Seite von Kreativit? und Aggression Raum lassen; es ist das Verdienst der totersubjektiven Perspektive, diesen Elementen einen hoffnungsvotieren Anstrich geben zu k?nen, indem sie uns das ?Andere? der Zerst?ung zeigt: die Anerkennung.


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Zuletzt bearbeitet: 07-Jan-06 von: Agon S. Buchholz