Begriffsfeld Neuro-

Alles was mit den Nerven zu tun hat. Die Neurologie zum Beispiel ist die medizinische Lehre von den Nerven. Die Neurose dagegen—und hier zeigt sich, wie ungenau in diesem Bereich mit Begriffen umgegangen wird—ist eine seelische Störung; sie kann mit den Nerven zu tun haben, aber nicht unbedingt.

Neurose

Einer der schwierigsten Begriffe überhaupt. Im 18. Jahrhundert Bezeichnung für jede Erkrankung des Nervensystems ohne nachweisbare Ursache. Im 19. Jahrhundert nennt man Organstörungen ohne nachweisbare Verletzung der Struktur Neurosen. Sigmund Freud griff die Bezeichnung auf und verwendete sie für Störungen des Instinkt-, Trieb- oder Affekt(Gefühls)lebens, sofern sie primär, also nicht als Folge von Gehirnveränderungen auftreten. Jede Empfindung, die das seelische Gleichgewicht eines Menschen bedroht und nicht nur auf reale, tatsächliche Ursachen zurückzuführen ist, kann man als Neurose bezeichnen. Angst zum Beispiel ist dann neurotisch, wenn sie nicht eine begründete Reaktion auf Außenfaktoren ist (dann wäre sie eine sogenannte Realangst), sondern ihren Grund in inneren, seelischen Konflikten hat. Außerdem kann man sagen: Hinter jeder Neurose steckt Angst. Angst, Tabus zu verletzen, Angst, sich zu blamieren, Angst, zu kurz zu kommen . . . es gibt tausend Formen der Angst. Immer dann, wenn diese Angst die Handlungen und/oder Gedanken eines Menschen bestimmt—wenn also die Angst ihn/sie treibt—, muß dieser Mensch reagieren und die Angst auf irgendeine Weise bearbeiten. Oft geschieht das auf eine Weise, die man dann neurotisch nennt, in Form einer Zwangshandlung, einer Vermeidung, Projektion und so weiter . . . Mechanismen der Angstbewältigung. Angst, die nur so im Zaum gehalten werden kann, daß die persönliche Entwicklung des betroffenen Menschen und/ oder seine Beziehung zu Mitmenschen und Umwelt leiden, ist der Hintergrund einer Neurose. Noch anders ausgedrückt könnte man auch sagen: Die Neurose ist die Form, in der ein Mensch an sich selber leidet.

 


Zuletzt bearbeitet: 07-Jan-06 von: Agon S. Buchholz