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Kabelkommunikation: Geschichte


Historische Entwicklung in Deutschland

Internationaler Hintergrund

Anfang der 70er Jahre begann eine Diskussion um neue Technologien aus den Bereichen Telekommunikation und Medien; in den USA wurde unter Pr?ident Nixon nach dem Konzept der ?Wired City? mit der Verkabelung der St?te begonnen, obwohl verschiedene Studien prognostizierten, da?dies nur unter bestimmten Voraussetzungen wirtschaftlich rentabel sein k?ne; vor dem Hintergrund der seit etwa 1970 betriebenen Deregulierung des Rundfunkwesens richtete Pr?dient Nixon eine Regierungskommision ein, die eine ?konsistente nationale Politik im Hinblick auf Kabel-Kommunikation fomulieren? ([029:194]) sollte. Auf politischer Ebene etablierte sich die Erkenntnis, da?sich die L?der der westlichen Welt von Industrie- zu Informationsgesellschaften umwandelten. Eine Breitbankverkabelung wurde nicht nur in den USA, sondern auch in Japan und in den Benelux-L?dern erfolgreich durchgef?rt.

Parallel dazu beschrieben die Sozialwissenschaften Entwicklungen der Informatisierung und Mediatisierung der Gesellschaft, in den Medien war die Rede von Wissensexplosion und Informationslawine.

KtK-Kommission

In der Bundesrepublik wurde 1974 die KtK-Kommission (Kommission f? den Ausbau des technischen Kommunikationssystems) eingerichtet; die griffige Formel von einem ?wirtschaftlich vern?ftigen und gesellschaftlich w?schenswerten Ausbau des Telekommunikationssystems der Bundesrepublik Deutschland? ([029]:203) zeigt, da?die wissenschaftliche Diskussion in die Kommissionsarbeit hineinwirkte. ?er die gesellschaftlichen Gefahren hinaus erwies sich auch die Finanzierung von Investitionen in Milliardenh?e als Problematisch: Die Deutsche Bundespost (DBP) erwirtschaftete seit Mitte der 60er Jahre massive Verluste. Im Abschlu?ericht vom Januar 1976 (Telekommunikationsbericht) sah die KtK-Kommission weder Bedarf f? Breitbandvermittlungsnetze, noch f? Zweiweg-Kabelfernsehen; als Hauptproblem werden die zu erwartenden hohen Kosten von (je nach Versorgungsgrad) 9 bis 22 Mrd. DM gesehen. Die KtK-Kommission empfiehlt jedoch, die Akzeptanz von Breitbandverteilnetzen in Pilotprojekten zu untersuchen.

EKIK-Enquete-Kommission

W?rend die KtK-Kommission zwischen 1974 und 1976 noch zu eher technologiekritischen Beschl?sen kam, zeigt sich an den Aussagen der folgenden Beratungskommission ein Wandel im politisch-?onomischen Umfeld: Die EKIK-Enquete-Kommission (Neue Informations- und Kommunikationstechniken, 1981-1983) stellte fest, der Aufbau eines Breitbandvermittlungsnetzes in Form eines Glasfasernetzes sei notwendig, aber, so Mettler-Meibom: ?In der EKIK wurde die Frage nach einer auch sozial vern?ftigen Netzpolitik ausgeblendet [...]? ([029:403]).

Der Sinneswandel zeigt sich etwa ab 1979 (Aufgabe der analogen Fermittlungstechnik; ?Waterloo der deutschen Fernmeldeindustrie? ([029:307], [113:405 f.]) an der ver?derten Technologiepolitik der DBP, die durch die Grundz?e ?Digitalisierung, Netzintegration und ?ergang zur Glasfaser? (vgl. [029:296 ff.]) gekennzeichnet ist. Ab 1980 wurde der BIGFON-Systemversuch eingeleitet, 1981 beschlo?die -- noch -- sozialliberale Bundesregierung dann endg?tig den ?Aufbau eines integrierten Breitband-Glasfaserfernmeldenetzes f? Zwecke der gesch?tlichen und der Individualkommunikation? ([029:320]).

BIGFON-Systemversuch

Der BIGFON-Systemversuch (Breitbandiges Integriertes Glasfaser-Fernmeldeortsnetz) lief von 1983 bis 1986; unter anderem wurde zwischen den sieben beteiligten St?ten (Berlin, Hamburg, Hannover, D?seldorf, Stuttgart, N?nberg, M?chen) ein Bildfernsprech-Versuchsnetz (Video telephony Network) aufgebaut. Die bundesdeutsche Diskussion um Breitband-Vermittlungsnetze in den 70er und 80er Jahren wird im Abschnitt ?er Interaktivit? ausf?rlicher er?tert.

ISDN

Am 26. M?z 1982 gab die DBP ihre Absicht zum Aufbau eines ISDN bekannt. Die neue Bonner Koalitionsregierung bewirkte einen strategischen Wandel: die Absicht zur raschen fl?hendeckenden Einf?rung von Glasfaser wurde zugunsten eines breitbandigen Spezialnetzes f? Fernsehen aufgegeben (vgl. [029:321], [113:405 ff.]).

Ein weiterer Wandel wurde im Bereich der Medienpolitik deutlich: w?rend die CDU/CSU seit Gr?dung der Bundesrepublik immer wieder Versuche unternommen hatte, einen privatwirtschaftlichen Rundfunk einzuf?ren, verteidigte die SPD den ?fentlich-rechtlichen Rundfunk gegen die Privatisierungs- und Kommerzialisierungsversuche der CDU/CSU (Mettler-Meibom stellt die medienpolitische Debatte ausf?rlich dar in [029:325-341]).

Kabelpilotprojekte

Laut Beschlu?der Ministerpr?identen der Bundesl?der vom 11. Mai 1978 wurden insgesamt vier Kabelpilotprojekte an den Standorten Berlin, M?chen, Dortmund und Ludwigshafen initiiert (vgl. [110:115]):

Ludwigshafen:
Zeitraum: 1.1.1984-31.12.1986
Angebot: 8 Fernseh-, 4 H?funkkan?e
Teilnehmer zu Beginn: 1.200
Gesetzliche Grundlage: Landesgesetz ?er einen Versuch mit Breitbandkabel vom 4.12.1980
M?chen:
Zeitraum: 1.4.1984-31.12.1985
Angebot: 16 Fernseh-, 23 H?funkkan?e
Teilnehmer zu Beginn: 500
Prognostizierte Teilnehmerzahl f? Dez. 1985: 13.000-15.000
Teilnehmer zum Ende des Prilotversuchs: 3.500 (Okt. 1985); 6.200 (Dez. 1985)
Gesetzliche Grundlage: Art. 111a der Bayerischen Verfassung
Dortmund:
Zeitraum: 1.6.1985-1988
Angebot: 24 Fernseh-, 20 H?funkkan?e
Teilnehmer zu Beginn: k. A.
Gesetzliche Grundlage: ?Gesetz ?er die Durchf?rung eines Modellversuchs mit Breitbandkabel? vom 20.12.1983
Berlin:
Zeitraum: 29.8.1985-1990
Angebot: 12 Fernseh-, 5 H?funkkan?e
Teilnehmer zu Beginn: 220.000
Gesetzliche Grundlage: ?Gesetz ?er die Durchf?rung des Kabelpilotprojekts Berlin? vom 17.7.1984

?Neue Medien?

Durch die Kabel?ertragung wurden Programme m?lich, da die Limitierung der Frequenzen (Frequenzknappheit) entfiel; die hohe Zahl von 29 Fernsehkan?en und 24 Stereo-H?funkprogrammen rief eine ?fentliche Debatte um die Neuen Medien hervor; Informations?erflutung und Kommerzialisierung wurden vor allem durch B?gerinitiativen heftig kritisiert. Das neue Medienzeitalter definiere sich lediglich durch neue Verteiltechniken, also andere Organisationsformen und gr?ere Programmquantit?en, nicht jedoch durch qualitative Verbesserungen, so lautete eine h?fig ge??rte Kritik (vgl. [110:110]).

Die meisten Kabelpilotprojekte fanden wenig positive Resonanz bei den Teilnehmern; am 30.6.1985 hatten mit 3,47 Mio etwa 13% aller bundesdeutschen Haushalte die M?lichkeit, H?funk- und Fernsehprogramme ?er Kabel zu empfangen; die M?lichkeit nutzten jedoch nur ein Drittel, n?lich 1,24 Mio. Haushalte (Medien Bulletin 8 (1985), S. 10 f., zit. in: [110:116]). Fazit der Kabelpilotprojekte: ?M?chen und Ludwigshafen endeten mit Mi?land und Frustration, Dortmund sendet in ?fentlich-rechtlicher Tr?erschaft wie ein experimentelles Landesstudio des WDR [...]? ([110:120]).

Duales Rundfunksystem

Die Attraktivit? der Distributionsform des Kabelrundfunks erh?te sich jedoch mit dem vierten Rundfunkurteil (?Niedersachsenurteil?) des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) vom 4.11.1986, durch welches der private Rundfunk in Form des dualen Rundfunksystems etabliert wurde (vgl. [111:140 ff.], [112:175 ff.] u. a.). Die rechtlicher Kodifizierung des dualen Systems erfolgte schlie?ich 1987 mit dem ?Staatsvertrag zur Neuordnung des Rundfunkwesens in Deutschland?


Weiter: Ausbau der Breitband-Verteilnetze


Erstellt am: 31-Mar-1997 von: Agon S. Buchholz <asb@zedat.fu-berlin.de>
Zuletzt bearbeitet am: 18-May-1997 von: Agon S. Buchholz <asb@zedat.fu-berlin.de> mit: Hab.
Projekt: Kabelnetze als Telekommunikationsnetze: Geschichte der Kabelnetze
URL: http://userpage.fu-berlin.de/~asb/Internet/Kabelnetze/kabelhistorie.html