Kontext:
Firmen wie die Digital Equipment Corporation (DEC) bieten bereits seit längerem Ethernet Bridges ins Kabelnetz. Mit einer solchen Bridge können Distanzen von bis zu 160 Meilen mit einer Kapazität von 10 MBit/s überbrückt werden:
Die Firma WebTV Networks, Inc., bietet gegen eine monatliche Gebühr von knapp 20 Dollar einen unbegrenzten Zugang zum Internet; enthalten sind fünf »mailboxes« für die E-Mail-Accounts der Familienangehörigen. Voraussetzung ist eine Set-top-box, die von Sony (»Sony INT-W100 Sony Internet Terminal«) und Philips Magnavox angeboten wird, sowie ein herkömmlicher Fernseher; die Sony-Box kostet knapp 350 Dollar, liegt also preislich in der Größenordnung eines billigen Videorecorders; die monatlichen WebTV bewegen sich ebenfalls im Rahmen des Videtheken-Budgets. Für US-amerikanische Verhältnisse sind monatliche ISP-Kosten fast 20 Dollar für einen Internetzugang per Modem jedoch sehr hoch, zumal vermutlich noch Telefongebühren hinzukommen.
Die Set-top-box enthält ein V.34bis-Modem, eine CPU und eine Sound-Hardware; WebTV wird über eine drahtlose Fernbedienung bedient; eine ebenfalls drahtlose Tastatur ist optional erhältlich; die Gebühren werden über eine ISO smart card abgewickelt.
Die Set-top-box hat einen WWW-Browser integriert, der einige verbreitete Internet-Standards (HTTP, MIME, HTML 3.0 [gibts nicht!]) unterstützen soll; neben dem Surfen im Web ist eine E-Mail-Funktion vorgesehen.
WebTV peilt als Zielgruppe den typischen passiven Fernsehzuschauer an, der weder über Computerwissen, noch technisches Verständnis verfügt; WebTV wird als einfache und narrensichere Komplettlösung angepriesen; aus der Werbung für WebTV: »You're surfing the Web with a remote control in one hand and a handful of cheese puffs in the other. Now that's progress.« (aus einem Inserat in Wired 12 (1996): S. 210 f.). Gleichzeitig wird jedoch auch behauptet, wohl als Abwehr gegen das Negativ-Image des schlaffen couch potatoe: »WebTV. It isn't the idiot box anymore« (a.a.O.)
| Internet via Fernseher: WebTV |
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| Quelle: [088] |
Vergleichbare Produkte haben die Firmen Samsung, Sony und Dual Technology vorgestellt; bei der Dual Mediabox von Dual Technology handelt es sich wie bei WebTV um ein TV-Zusatzgerät, welches den Fernseher mit dem ISDN-Telefonnetz verbindet. Samsung entwickelt zusammen mit der Firma Diba eine neue Linie internet-tauglicher Fernseher mit eingebautem Modem.
Im November 1994 kündigte das IEEE Computer Society LAN/MAN Standards Committee das Projekt P802.14 der Cable-TV Protocol Working Group an, als dessen Ziel genannt wurde, Standards für die Zweiwegübertragung mehrerer Dienste über Kabelfernsehanlagen zu erarbeiten. Als Beispiele für solche Dienste werden genannt:
Eine in der Computerzeitschrift PC Professionell zitierte Studie der Consulting-Firma Jupiter Communications prognostiziert, daß bis zum Jahr 2002 rund 12,2 Millionen US-Haushalte über WebTVs verfügen werden; dem steht eine Zahl von 47 Millionen Haushalten gegenber, die den PC als Zugang nutzen werden (vgl. [127]:20).
Am 7. April kündigte Microsoft an, WebTV Networks Inc. für 425 US$ übernehmen zu wollen; WebTV soll als Eckpfeiler für Microsofts Pläne mit dem, digitalen Fernsehen werden (vgl. Meldung des Nachrichtendienstes Bloomberg [129]). Darüber hinaus kündigte Microsoft an, in die Betriebssysteme Windows 95 und Windows NT in Zukunft eine Technologie zum Empfang von digitalen Videodaten über Satellitenverbindungen, Kabel- oder andere Breitbandverteilnetze integrieren zu wollen. Die nicht näher genannte Technologie solle es den Kunden ermöglichen, sowohl Video als auch Daten gleichermaßen auf PCs und an einen PC angeschlossenene Fernseher darzustellen (vgl. [128]).
Unerwartete Bedeutung gewinnt WebTV durch Microsofts jüngst angekündigte Pläne. Microsofts Aussage, man erwarte, in den kommenden drei jahren eine Milliarde US$ Verluste durch das Engagement in den Bereichen Internet und Nachrichtendienste einzufahren (vgl. [128]), beweist die Entschlossenheit des Softwaregiganten, neue Märkte äußerst aggressiv zu erschließen. Offensichtlich beabsicht die Gates-Firma, erheblich mehr Einfluß auf die Verbreitung von Inhalten (content delivery) im konventionellen Consumer-Markt zu gewinnen. Diese Strategie würde sich dem Engagement von Microsoft im Bereich von Multimedia-Nachschlagewerken für den Home-Bereich (1994/95), dem Aufbau des eigenen Online-Dienstes Microsoft Network (MSN, 1995), der Übernahme zahlreicher Bildagenturen (1996) sowie den Kooperationen mit NBC und dem ZDF schlüssig anfügen.