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Grossbritannien

Gro?ritannien

Die Deregulierung des britischen Telekommunikationsmarktes wurde 1969 durch das Postgesetz (Post Office Act) eingeleitet, durch welches das General Post Office (GPO) von einer Regierungsbeh?de in eine Gesellschaft des ?fentlichen Rechts umgewandelt wurde. Das GPO wurde dadurch der direkten Kontrolle durch die Regierung entzogen; dar?er hinaus konnte das GPO jetzt sowohl bei der Regierung, als auch bei anderen Organisationen Geld f? Investitionen aufnehmen.

?nlich wie in Deutschland wurde Anfang der 70er Jahre die Notwendigkeit erkannt, das Fernmeldenetz zu modernisieren; 1972 wurde es dem GPO mit dem Post Office (Borrowing) Act erm?licht, sich h?er zu verschulden.

Mit der Macht?ernahme durch die Regierung Thatcher (1979) ergab sich einen Paradigmenwechsel: Das Leitbild der staatlichen Regulierung wurde durch das der freien Marktwirtschaft abgel?t. Im Juli 1980 wurde dann auch die Lockerung des Monopols von British Telecommunications (BT) bekanntgegeben. Mit dem britischen Fernmeldegesetz von 1981 wurde die British Telecom von der Post getrennt und die Regierung befugt, weitere Telekommunikationsanbieter zu lizenzieren.

Der erste Mitbewerber, Mercury, wurde im Februar 1982 zugelassen; im Dezember 1982 wurden zwei weitere Lizenzen vergeben an die Zellfunknetzanbieter Cellnet und Vodafone. Die beiden Anbieter nahmen ihre analogen Netze 1985 in Betrieb ([075:64]).

Im April 1993 k?digte die Regierung ein Wei?uch f? die Lizenzvergabe ?f? lokale Kabelnetze zur Bereitstellung von Telekommunikations- und Unterhaltungsdiensten? ([069:30]) an. Die Pl?e wurden im Juli 1984 durch den Cable and Broadcasting Act umgesetzt. Seitdem werden die britischen Kabelnetzbetreiber ?dazu ermuntert, Telekommunikationsdienste anzubieten, um BT im Ortsbereich st?ker Konkurrenz zu machen? ([070:36]). In Gro?ritannien gab es 1994 124 Lizenzen f? Betreiber von Kabelfernsehnetzen, die ca. 70 Prozent der britischen Bev?kerung abdeckten ([070:36]).

Der erste private britische Netzbetreiber, Mercury, brauchte vier Jahre, um sein Netz aufzubauen. Nach knapp zehnj?rigem Bestehen erzielte Mercury 1990/91 Gewinne i.H.v. ?116 Mio. bei einem Umsatz von ?er ?700 Mio.; dies entspricht einem Marktanteil von ca. 5 Prozent; damit hatte Mercury ?die Ansicht widerlegt, da?das Fernmeldewesen ein nat?liches Monopol sei? ([069:30]) [1].

Ende 1990 wurde die Deregulierung des britischen Telekommunikationsmarktes im Rahmen der Duopol-?erpr?ung (Duopoly Review, vgl. auch ([075:64 f.]) weiter vorangetrieben; das Diskussionspapier ?Wettbewerb und Auswahl: Telekommunikationspolitik der 90er Jahre? schlug vor, weitere Mitbewerber auf dem britischen TK-Markt zuzulassen und so den Wettbewerb weiter zu verst?ken. In rascher Folge gingen darauf ?er 70 Lizenzantr?e ein, von denen die Mehrzahl positiv beschieden wurden (z.B. Taxi Rank Telephone Ltd., AT&T (UK) u.a.). In Gro?ritannien konkurrieren mittlerweile nicht nur Telekommunikationsunternehmen untereinander, sondern auch Kabelnetzbetreiber mit Telekommunikationsunternehmen und sogar Kabelnetzbetreiber mit Personal Communication Services (PCS) wie DECT (Digital European Cordless Phone); zwei Kabelnetzbetreiber beantragten bereits 1994 eine PCS-Lizenz ([070:36])]. Wichtigster neuer Konkurrent im Festnetz ist ([075:64]) Energis, das sich im Besitz eines Konsortiums der EVUs des Landes befindet. Das Unternehmen kann daher das Hochspannungsleitungsnetz der National Grid Company f? den Aufbau seines 2,54-GBit/s-Glasfaser-SDH-Netzes nutzen; es wird gesch?zt, da?der neue Mitbewerber daher nur ein Viertel der Kosten aufbringen m?se, die Mercury f? den Aufbau seines Netzes entstanden seien ([075:65]).

1996 betrieben vier konkurrierende Anbieter sechs Netze; der Wettbewerb im Binnenmarkt gilt als ??rst hart ([075:64]). Vodafone und Cellnet bieten neben einem analogen Funknetz mittlerweile auch GSM an. Ferner gibt es zwei PCN-Netze. Um sich gegen die etablierten C-Netze durchsetzen zu k?nen, die bereits 98 Prozent der Bev?kerung erreichen, bieten die aufkommenden PCN-Netze ??rst attraktive Angebote; der One-2-One-Dienst von Mercury erm?licht es beispielsweise, im Raum von Greater London an den Abenden und Wochenenden kostenlos (!) zu telefonieren; dieses Angebot f? Privatkunden zielt nicht nur auf Marktanteile der anderen Mobilfunknetzbetreiber ab, sondern auch auf das Festnetz ([075:64]).

Nach einer Studie der Firma Analysys [2] haben die britischen Telekommunikationskunden bisher von der Deregulierung profitiert; die Gespr?hsgeb?ren seien seit 1983 allgemein niedriger gewesen als in Frankreich, Deutschland und Italien (ausf?rlicher in: [069:30-31]). Einzelne britische Telekommunikations- und Kabelnetzbetreiber wie Windsor Cable TV behaupten, mit Telefonie bereits heute einen mit den Fernsehverteildiensten vergleichbaren Umsatz zu erzielen ([070:36]). Durch ?Gr?en- und Verbundvorteile? soll es Kabelnetzbetreibern m?lich sein, ?Telefonieren bis zu 15 Prozent billiger anzubieten? (vgl. [070:35]); durch die Einf?rung des Telefondienstes lie? sich f? Kabelnetzbetreiber ein Umsatzplus von 77 Prozent generieren, w?rend sich die Kosten des Netzausbaus nur um 21 Prozent erh?ten (vgl. [070:35]). Die Investition in digitalen Vermittlungsstellen (Switches) werde daher zu einem kritischen Faktor f? den zuk?ftigen Betrieb und vor allem f? die Rentabilit? von Kabelnetzen.

Die Auswirkungen der Deregulierung des britischen Telekommunikationsmarktes werden nahezu ausschlie?ich positiv bewertet; Probleme werden bestenfalls am Rande angedeutet (z.B. ?Tarifdickicht?). ?ereinstimmen laufen die Analysen auf ein Gesamtbild hinaus, wie es beispielsweise Morant formuliert: ?Die Liberalisierung der Telekommunikation war in Gro?ritannien ein Ansporn f? technische und kommerzielle Entwicklungen. In Gro?ritannien [profitierte] faktisch jeder von den reduzierten Geb?ren und der schnelleren Einf?rung moderner Dienste [...]? ([075:64])

Die technische Realisation der Kabelfernseh-Overlay-Netze in Gro?ritannien und in den USA wird im Abschnitt ?er die Situation der Breitbandvermittlungsnetze ausf?rlich er?tert.

[ Die Darstellung des britischen TK-Marktes folgt weitgehend den Artikeln ?Die Privatisierung und der britische Telekommunikationsmarkt. Die Revolution dient dem Kunden? ([069:28-31]) und ?Private Netzbetreiber in Gro?ritannien. Weg in die Zukunft? ([075:64-65]) mit diversen Erg?zungen, v.a. aus ([070:35-36]). ]

Material:


Siehe auch:


Erstellt am: 13-Nov-1996 von: asb@zedat.fu-berlin.de>
Zuletzt bearbeitet am: 27-May-1997 von: asb@zedat.fu-berlin.de> mit: Hab.
Projekt: Kabelnetze als Telekommunikationsnetze: Internationaler Vergleich: Gro?ritannien
URL: http://userpage.fu-berlin.de/~asb/Internet/Kabelnetze/int_gb.html