Das Kernproblem der neuen Mitbewerber auf dem bundesdeutschen Telekommunikationsmarkt ist die Anbindung der privaten Haushalte (?last mile?, local loop). Dabei handelt es sich um die relativ kurze Distanz von den ?erlandleitungen und gvermittlungsstellen bis in die Haushalte. Dieser local loop hat sich seit der Erfindung des Telefons kaum ver?dert; bis heute werden ?erwiegend Kupferadern verlegt, nur vereinzelt wird bereits Glasfasertechnologie eingesetzt.
Bei den neuen Mitbewerbern auf den deregulierten Telekommunikationsm?kten Europas sind die ?erlandnetze zwar vorhanden, die f? die konventionelle Vernetzung erforderlichen Erdarbeiten ?erfordern jedoch die Investitionsbereitschaft der jungen Telekommunikationsunternehmen. Da das Verlegen neuer Kabel als zu teuer erachtet wird, setzt man auf drahtlose ?ertragung auf diesen kurzen Strecken: ?[...] in der Branche besteht Einigkeit dar?er, da?in der Telekommunikation ?allein mit Netzen der Telekom und ohne eigenes Mobiltelefon kein Staat zu machen ist? [040]. Favorisiert werden dabei insbesondere zwei Technologien [041]:
Siehe auch: Alternativen zur Netzanbindung.
Aus dem Bereich der Funktechnologien, zu denen u.a. auch der Rundfunk einschlie?ich H?funk und Fernsehen z?len, bietet sich zur ?erbr?kung dieser kurzen Strecken vor allem die ?fentlichen bzw. nicht-?fentlichen Mobilfunknetze an. Unter den nicht ?fentlichen Mobilfunk f?lt z. B. der Flugfunk, der CB-Funk und der Betriebsfunk [diese ?erraschende Zuordnung des CB-Funks entstammt der offiziellen DBP-/Telekom-Systematik].
Die ?fentlichen Mobilfunknetze werden u. a. von der Telekom AG, vormals Deutsche Bundespost TELEKOM, zur Verf?ung gestellt. Sie k?nen von jedermann benutzt werden. Die klassischen ?fentlichen Mobilfunknetze sind die Funktelefonnetze, die Funkrufnetze, das Rheinfunknetz und das Seefunknetz.
Seit 1950 gibt es in der BR Deutschland ?fentliche Funktelefonnetze, doch dienten sie in der Regel nur speziellen Zwecken. Das A-Netz (ab 1958) und das B-Netz (1972 bis 1994) werden nicht mehr angeboten; derzeit sind die Funktelefonnetze C-Netz, D-Netz und E-plus auf dem Markt, ein E2-Netz soll Ende 1996 ausgeschrieben werden [040].
?ersicht Funktelefonnetze:
| Netz | Betrieb von/bis | Netzbetreiber | Technologie | Verbreitung |
|---|---|---|---|---|
| A-Netz | 1958 bis 1977 | Deutsche Bundespost | (analog?) | (Deutschland?) |
| B-/B2-Netz | 1972 bis 1994 | Deutsche Bundespost | (analog?) | nur Deutschland |
| C-Netz | ab 1986 | DBP/DeTeMobil | (analog?) | nur Deutschland |
| D1-Netz | ab 1992 | DeTeMobil | digital (GSM) | europaweit |
| D2-Netz | ab 1992 | Mannesmann | digital (GSM) | europaweit |
| E-plus | ab 1994 | Veba, Thyssen u.a. | digital | (international?) |
| Tabelle 5: ?ersicht Funktelefonnetze | ||||
Das Funktelefonnetz-D (D-Netz) ist ein mehrdienstf?iges (?ertragung von Sprache, Text und Daten), zellulares, digitales Mobilfunksystem im Frequenzbereich 900 MHz mit grenz?erschreitenden Nutzungsm?lichkeiten, das auf dem europ?schen GSM-Standard basiert. GSM (= Global System for Mobile Communications) ist ein internationaler Standard f? den Mobilfunkbetrieb. In vielen L?dern sind neben der Sprach?ertragung inzwischen auch Daten- und Faxdienste verf?bar. In Deutschland arbeiten das D1- und das D2-Netz nach dem GSM-Standard. Zwei D-Netze sind derzeit auf dem deutschen Markt: D1-Netz (Netzbetreiber in Deutschland: DeTeMobil) und D2-Netz (Netzbetreiber in Deutschland: Mannesmann).
Die D-Netze mit digitalisierter ?ertragung von Funktelefonaten wurden im Juli 1992 eingef?rt. Europaweit werden 10 Mio. Teilnehmer erwartet. Das D2-Netz (D2 privat) ist das Mobilfunksystem der Firma Mannesmann Mobilfunk und war das erste Telephonnetz eines privaten Anbieters, der als Konkurrent zur Bundespost Telekom auftrat. Auf der CeBit 1991 k?digte die Firma das digitale Netz D2 privat an, das planm?ig ab 1992 zur Verf?ung stand. Die Mobiltelefone wurden zun?hst ?er Fernsehh?dler und Kaufh?ser zu einem Preis von knapp unter DM 3.000 angeboten. Mit ca. 200 Antennenstationen war D2 zun?hst in einigen bundesdeutschen Gro?t?ten wie Hamburg, Bremen, Hannover, Frankfurt, Stuttgart u. a. pr?ent. Ende 1992 erreichte das D2-Netz 80 Prozent Deutschlands. Die Geb?ren lagen unter denen des bestehenden Funktelefonnetzes C der Post. Von Anfang an waren ?erg?ge an das Festnetz der Telekom vorgesehen.
Das Funktelefonnetz-E/E1 (E-plus) ist ein kleinzelliges digitales Mobilfunknetz in Deutschland, das auf dem Standard DCS-1800 (= Digital Cellular System 1800 MHz) basiert, der GSM ?nelt. DCS-1800 gilt als Vorstufe zum PCN (= Personal Communication Network); gelegentlich wird E1-Netz auch synonym zu PCN benutzt. Weltweit erste DCS 1800-Installation ist das One20ne in Gro?ritannien. Bundespostminister Wolfgang B?sch (CSU) vergab 1993 die Lizenz f? den Aufbau eines dritten digitalen Mobilfunknetzes, des E1-Netzes. Das E-plus-Funktelefonnetz ging Mai 1994 an dem Markt. Lizenzinhaber ist das Konsortium E-Plus; Hauptgesellschafter sind Veba und Thyssen, die beide jeweils 30,2 Prozent daran beteiligt sind (?Keiner hat wirklich das Sagen? [040]). E-Plus ist damit neben Mannesmann der zweite private Betreiber eines ?fentlichen Telekommunikationsdienstes; der Marktwert von E-plus wird auf etwa 3 Mrd. DM gesch?zt [040].
Eine ausf?rliche Darstellung der Mobilfunknetze findet sich in der ?ersicht zum Thema Funk.
DECT (Digital European Cordless Technology, gelegentlich auch Digital Enhanced Cordless Telecommunications) ist ein europ?scher Standard f? eine Funktechnologie, die sich sehr rasch in Privathaushalten und in der B?okommunikation durchgesetzt hat; DECT-Endger?e sind beispielsweise digitale schnurlose Telefone. Zwischen mehreren Handger?en k?nen geb?renfreie interne Gesp?he gef?rt werden, was eeine Verkabelung innerhalb des Hauses oft ersetzen kann. Als weiterer Vorteil gilt die erh?te Abh?sicherheit [1].
Zu den Nachteilen von DECT geh?t u.a. die Begrenzung der Bandbreite auf Anwendungen bis etwas 64 kbit/s
Das erste multizellulare System Freeset f?rte die Firma Ericsson 1994 ein; alle wichtigen Lieferanten haben die Spezifikation aufgenommen und zu einem Industriestandard gemacht; DECT ist ein offizieller ETSI-Standard.
Wunderlich nennt in [074:28-29] eine Reihe von Vorteilen, die sich aus dem Einsatz von DECT-Technologie ergeben:
B-CDMA (Broadband-Code Division Multiple Access) ist eine im Vergleich zu DECT modernere Funktechnologie, die u.a. von Interdigital, Samsung und Siemens eingesetzt wird, um die last mile-Problematik zu l?en.
Zellul?e Technik
Zellul?e Technik
Ein typisches WLL-System besteht aus den Komponenten
Der RNC (Radio Node Controller) ist die Kontrolleinheit f? die Zugangsknoten. Er verwaltet ankommende und abgehende Gespr?he und stellt Verbindungen zum Festnetz her. Dar?er hinaus ist der RNC auch f? die Sprachkompression zust?dig.
Der DAN (DECT Acess Node) besteht aus sechs Basisstationen, die an die zugeh?igen Richtantennen angeschlssen sind. Wird der DAN m?lichst hoch installiert, also beispielsweise auf dem Dach eines h?eren Geb?des, liegt der maximale Versorgungsbereich bei ca. 5 km. Kommt es dennoch zu kleineren Funkversorgungsl?ken oder sollen au?nstehende, weiter entfernte Teilnehmer miteinbezogen werden, kann eine sog. Coverage Enhancement Unit verwendet werden. Dabei handelt es sich um eine Art ?Repeater? f? den DAN.
Die FAU (Fixed Access Unit) wird an einer beliebigen Stelle in der Wohnung des Endverbrauchers oder auch im Au?nbereich des jeweiligen Geb?des installiert; sie stellt einen Standardanschlu?f? Telefone sowie Faxger?e und Modems zur Verf?ung. Technisch gesehen ist die FAU ein DECT-Transceiver, der per Funk mit dem DAN kommuniziert und die Gespr?he in f? die angeschlossenen Endger?e verst?dliche Signale ?ersetzt. Die FAU kann zur Zeit nur einen vollwertigen drahtgebundenen analogen Anschlu?vollst?dig ersetzen; eine zuk?ftige Generation wird auch einen ISDN-Anschlu?zur Verf?ung stellen k?nen.
Vor allem f? gro? deutsche Konzerne sind angetreten, auf dem sich 1998 ?fnenden deutschen Telekommunikationsmarkt -- den gr?ten in Europa -- Fu?zu fassen:
Es lag also nahe, da?die beiden etablierten privaten Mobilfunknetzbetreiber Mannesmann und Viag/Thyssen von Mitbewerbern auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt umworben wurden und so Allianzen bildeten:
Im Herbst 1996 verschoben sich die Allianzen:
Der Stand im Juni 1997 ist folgender:
Beobachter des Marktes zeigen sich zur?khaltend bei Prognosen ?er die Verteilung der Marktanteile im deutschen Telekommunikationsmarkt nach 1998; obwohl Otelo und Viag Intercom anstreben, bis 2005 jeweils etwa zehn Prozent des Marktes zu halten, ist noch v?lig unklar, ob diese Ziele realisiert werden k?nen. Eine Konkurrenz zum etablierten Mitbewerber Telekom w?de sich ?erwiegend im Preisbereich abspielen; hier hat die Telekom jedoch noch viel Raum f? Preissenkungen: Bei einem Umsatz von 63 Milliarden Mark 1996 lag der ?erschu?bei etwa zehn Milliarden Mark (vgl. [153]).
[1]
Vgl. ?Wissenswertes zu Telefonen und mehr?, Brosch?e des T-Versand der
Deutsche Telekom AG aus dem Sommer 1996; das 28-seitige Heftchen enth?t zahlreiche
simplifizierende Begriffserkl?ungen aus dem Bereich der Telekommunikation.