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Einleitung: Konzeptionelle Überlegungen


Textkonzeption:
Hypertext
Dieser Text wurde konzipiert als Hypertext; eine konventionelle lineare Version ist nicht vorgesehen, daher ist es wohl erforderlich, einige grundlegende Anmerkungen zu Hypertexten voranzustellen.
Assoziative,
nichtlineare
Zugriffsstruktur
Hypertext ist keine Erfindung des Informationszeitalters; die kennzeichnende Eigenschaft, die nichtlineare, assoziativ-vernetzende Zugriffsstruktur wird in vergleichbaren Textsorten wie beispielsweise Lexika und Kommentaren seit Jahrtausenden genutzt. Jede Abhandlung mit Fußnoten, Querverweisen oder systematisch erschlossene Dokumente mit Inhalts-, Abbildungs-, Personen- oder sonstigen Verzeichnissen bietet dem Leser eine hypertextartige Zugriffsstruktur; der Hauptunterschied zum computerisierten Hypertext liegt in der Automatisierung der Verknüpfungen.

Ein Hypertext vernetzt zwei oder mehr Stellen eines Textes; es ergibt sich eine netzartige, assoziative Struktur, die der Funktionsweise des menschlichen Denkens möglicherweise näherkommt, als das sequentielle Lesen eines konventionellen Textes von genau einem Anfang bis zu genau einem Ende.

Das semantische Netz eines Hypertextes verknüpft zusammengehörige Informationselement und es kann widersprüchliche Informationen aufzeigen, ein Hypertext kann jedoch auch -- im ungünstigsten Falle -- nur scheinbar zusammengehörige Informationsbrocken miteinander zu verbinden und dadurch Fehlschlüsse provozieren.

Im Rahmen dieser Einleitung kann keine Einführung in das Hypertext-Konzept angeboten werden; daher sei an dieser Stelle auf einige empfehlenswerte Text im WWW verwiesen:

Ein Text, der mit einigen Hyperlinks versehen und ins WWW gestellt wird, ist noch nicht automatisch ein vollwertiger Hypertext; er enthält bestenfalls einige Hypertextelemente. Ein gelungenes Beispiel für einen »echten« Hypertext im WWW hat Tim Guay erstellt:

Hyperlinks Das Neue am computerisierten Hypertext ist die Automatisierung der Verknüpfungen durch Hyperlinks; dem Leser wird das Blättern zu den Endnoten, das Nachschlagen in Primärquellen etc. erspart.

Die Hyperlinks im WWW sind als unidirektionale Links realisiert; d.h., wenn eine Datei umbenannt oder verschoben wird, müssen alle auf diese Datei verweisenden Hyperlinks manuell aufgefunden und korrigiert werden. Für Informationsanbieter einer größeren Anzahl von Dokumenten ist es daher kaum möglich, das Informationsangebot seriös (d.h. konsistent) zu verwalten.

In fortschrittlichen Hypertextsystemen wie Hyper-G bzw. HyperWave sind Links daher bidirektional implementiert, so daß auch rückwärtiges Verfolgen und eine graphische Darstellung der Abhängigkeiten zwischen Dokumenten möglich ist. Als Werkzeuge werden von Hyper-G beispielsweise eine Local Map, ein Fish-Eye-View, eine Overview-Map sowie eine Information Landscape angeboten.

Eine Diskussion der unterschiedlichen Linktypen findet sich in folgenden Dokumenten:

Hypermedia Ggf. können im WWW auch Verbindungen zu weiteren Medien (z.B. Bewegtbild, Ton) erzeugt werden, was in einem linearen Text nur über Umwege möglich ist. Ein Hypertext, der zusätzliche Medien integriert, bezeichnet man meist als Hypermedia. Im WWW werden Hyperlinks immer in einem Textdokument, der HTML-Datei, gespeichert; ein Link kann dann zwar auf ein beliebige Dateiformat verweisen, das dann entweder im Textdokument (inline) oder durch einen externen Viewer dargestellt wird. In fortschrittlichen Informationssystemen wie Hyper-G können jedoch Links von und zu allen Typen von Dokumenten ausgehen bzw. verweisen. Die Links werden hier nicht in den Dokumenten selbst abgelegt, sondern als Relation in einer Datenbank verwaltet; Links können daher beispielsweise auch in PostScript-, Bild- und sogar Filmdateien eingebetet werden.
Weltweite
Vernetzung
Der Hypertext in der Realisation des World Wide Web fügt eine weitere Dimension hinzu: die weltweite Vernetzung.
Navigation
in Hyperspace
Als sehr aufwendig erwies sich die manuelle Verknüpfung der einzelnen Dateien; HTML-Konverter, die aus einem bestimmten Dateiformat einen simplen Hypertext generieren (z.B. LaTeX2HTML) erledigen diese Arbeit automatisch, indem der Text jeweils an den Überschriften einer bestimmten Verschachtelungstiefe (z.B. 2. Gliederungsebene) in Teildateien aufgesplitet wird; der Konverter erledigt dann das Verknüpfen der Dateien automatisch, allerdings bleibt dabei die lineare Struktur erhalten.
Arbeitsweise und Materialsammlung konventionell Strukturierung für den Leser des Hypertextes mußte völlig neu erfunden werden; während dies bei einem konventionellem Text mit einer sequentiellen Abfolge der einzelnen Abschnitte (Einleitung, Hauptteil, Schluß etc.) vergleichsweise einfach ist, mußte bei der vorliegenden Arbeit berücksichtigt werden, daß möglicherweise auch ein vollkommen anderer Zugang gewählt werden könnte. Gleichzeitig mußten jedoch auch die Anforderungen an eine wissenschaftliche Arbeit berücksichtigt werden, d.h. zumindest mußte es möglich sein, einen weitgehend vollständigen Ausdruck auf Papier anzufertigen. Ein Erkunden des Hypertextes mit allen seinen Vor- und Nachteilen ist jedoch nur in der elektronischen Version möglich, daher Diskette anbei (Windows 95, lange Dateinamen...).

Arbeitsweise archaisch, wie Steinzeitmensch mit Faustkeil beim Verewigen der Stammeschronik. Fehlen von vertrauten Hilfsmitteln einer textverarbeitung wie Word, z.B. Outline-Modus zum Strukturieren des Textes, schmerzhaft bemerkbar.

Weitere Probleme, z.B. Urheberrechte bzw. Zitierweise von Hypertextverweisen und Inkonsistenz des World Wide Web...

Automatische
Konverter
Eine Alternative hätte darin bestanden, den Text konventionell mit einer Textverarbeitung und den gewohnten Hilfsmitteln (Thesaurus, Rechtschreibprüfung, Outline-Modus, Kompletter Text übersichtlich in einer Datei usw.) zu erstellen, diesen wie gewohnt als Hausarbeit auszudrucken und anschließend mit einem automatischen Konverter einen Pseudo-Hypertext zu generieren; derartige Konverter sind u.a. für LaTeX (LaTeX2HTML), RTF (RTFtoHTML) und FrameMaker (HoTMaLe) verfügbar, die Struktur des Textes bleibt jedoch sequentiell bzw. linear, da ja ein linearer Text nur an einigen vordefinierten Stellen (i.d.R. kapitelweise) in mehrere Teildateien aufgesplittet wird. Ein vollwertiger Hytertext sollte jedoch mehr bieten, d.h. vor allem zusätzliche Zugriffsmöglichkeiten auf den Text bieten.
Arbeitsaufwand Eine »Nebenwirkung« dieses neuen qualitativen Niveaus von Hypertexten bedingt sowohl einen massiv erhöhten Arbeitsaufwand beim Autor des Hypertextes als auch einen aktiveren Leser. Der Leser ist es letztlich auch, der entscheiden muß, ob er die zusätzliche Mühe der Interaktion auf sich nehmen will und ob die gewählte Realisierung des Hypertextes mit den begrenzten, aber ausreichenden Möglichkeiten von HTML akzeptabel ist.
Einige Probleme HTML beinhaltet keine Möglichkeit, Art oder Ziel von Hyperlinks zu beschreiben: ein Link wie dieser kann zur sequentiell nächsten HTML-Seite, zu einem Glossareintrag oder aus dem jeweiligen Hypertext heraus führen, er kann auf sich selbst verweisen (was meist sinnlos wäre) oder sogar fehlerhaft sein (broken oder dead link). Als workaround empfehlen viele HTML Style Guides, Links möglichst aussagekräftig zu beschreiben, z.B.: »Weitere Informationen zu ADSL finden Sie im Glossar, im Abschnitt über die unterschiedlichen DSL-Technologien sowie auf der ADSL-Homepage des ADSL-Forums.«

Leider entstehen dadurch sprachliche Konstrukte, die den Lesefluß unterbrechen und daher normalerweise im Anmerkungsapparat (d.h. als Fuß- oder Endnote) untergebracht würden; in einem Hypertext würde dann ein Hyperlink auf die Anmerkung zeigen, die wiederum nur aus kommentierten Hyperlinks bestünde -- unerfreulich.

Um diese Problematik zu umgehen, experimentierte ich mit dem Hilfsmittel der Kreuzreferenz; dabei handelt es sich um HTML-Seiten außerhalb der inhaltlichen Bestandteile der Arbeit, also reine Meta-Informationen über die Strutur des Textes, in denen versucht wird, das jeweilige sematische Netz abzubilden.

Literatur-
hinweise
Schritte bei der Online-Enwicklung von Helmut Degen (Mailto degen@zedat.fu-berlin.de)

Weiter: Technik.


Erstellt am: 22-Mar-1997 von: asb@nsharra.snafu.de> mit Hab.
Projekt: Kabelnetze als Telekommunikationsnetze: Seminar: Konzeptionelle Überlegungen
URL: http://userpage.fu-berlin.de/~asb/Internet/TV-Programm/Seminar/anmerkungen.html