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Im Wahlkampf um das Präsidialamt der Vereinigten Staaten im Jahre
1993 stellte der Bewerber der Demokraten, Bill
Clinton, und sein Stellvertreter, Al
Gore, den Aufbau eines Information Highway in das Zentrum ihrer
technologischen Vision für die Zukunft Amerikas. In Anlehnung an die
Erschließung des Westens (»Go West«) durch die Pioniere
des vergangenen Jahrhunderts proklamierten Clinton
und Gore das Äquivalent
für das Informationszeitalter des 21. Jahrhunderts: Im Rahmen einer
anwendungsorientierten Technologieinitiative wurde mit dem Aufbau einer
National Information Infrastructure (NII) begonnen. Im weltweiten
Rahmen sollte sich diese zu einer Global Information Infrastructure
(GII) ausweiten. Direkt beim Weißen
Haus in Washington wurde beispielsweise die National Information
Infrastructure Task Force (NII Task Force) angesiedelt. Das
1993 gegründete hochrangige Gremium US-amerikanischer Politiker verdeutlicht
den Stellenwert, der dem schnellstmöglichen Aufbau einer landesweiten
Informationsstruktur auf politischer Ebene beigemessen wurde.
Angetrieben durch die Berichterstattung in den Medien nahm die Präsenz von Begriffen wie Information Superhighway, Datenautobahn und Multimedia auch im Bewußtsein der bundesdeutschen Öffentlichkeit etwa ab 1994 kontinuierlich zu. Spätestens zum Jahreswechsel 1994/95 dominieren die Themenkomplexe globale Vernetzung und Multimedia die Berichterstattung der Computerfachzeitschriften. Ab 1995 bestimmen die beiden Themen auch den Inhalt populärer Computerzeitschriften, rufen eine Flut von publizistischen Neugründungen [1] hervor und erreichen schließlich auch das Buchangebot etablierter Verlage. Die Fachmessen CeBit 1995, 1996 sowie die CeBit Home 1996 sind ebenfalls geprägt von weltweiten Netzen und Multimedia. Auch die konventionelle Presse greift den Trend auf; der Spiegel veröffentlicht im März 1996 das Spiegel Special »Die Multimedia-Zukunft«, der Spiegel vom 11. März 1996 trägt das Titelthema »Die Welt online. D@s Netz« und berichtet ausführlich über das Internet. Selbst regionale Tageszeitungen wie der Berliner Tagespiegel richteten Rubriken ein, die sich ausschließlich mit den neuen Technologien beschäftigten (»Interaktiv«) -- Online-Dienste und Internet haben ihren festen Platz im Bewußtsein der Öffentlichkeit gefunden. Die Vision des Leitbilds »Datenautobahn« wird in der Öffentlichkeit meist gleichgesetzt mit dem seit über zwanzig Jahren existierenden Internet. Dieses sogenannte Netz der Netze umfaßt derzeit zwar nur ein Subset der konstituierenden Bestandteile des Information Superhighway [2], wurde jedoch durch Dienste wie das am Genfer CERN konzipierte World Wide Web (WWW) äußerst populär. Das faktische Bedeutung des Internet wurde 1995/96 in der Wirtschaft so hoch eingeschätzt, daß nahezu alle größeren Firmen beliebiger Branchen begannen [3], Angebote im Internet aufzubauen;ähnliches ist im Bereich sowohl der staatlichen [4] als auch der nichtstaatlichen Institutionen [5] festzustellen. Mit enormen Investitionen kaufte Software-Monopolist Microsoft Internet-Technologien ein, um seine marktbeherrschende Stellung langfristig zu sichern. Sogar etablierte Online-Dienste wie CompuServe und America Online begannen, ihre proprietären Technologien im Sog des Internet-Hype den offenen Internet-Standards anzupassen [6]. Die Vision des Information Highway bietet nur ein Leitbild, über die konkrete Umsetzung herrscht Uneinigkeit; beispielsweise kann über die notwendigen technischen Voraussetzungen der »Datenautobahn« viel spekuliert werden, verbindliche Festlegungen gibt es nicht. Weitgehend unklar ist auch, wie die erheblichen finanziellen Investitionen zum Aufbau der erforderlichen globalen Infrastrukturen aufgebracht werden sollen. Selbst wenn die Interkontinentalverbindungen und Backbones des Information Highway durch eine Kooperation von staatlichen und privatwirtschaftlichen Finanziers aufgebracht werden sollten, bliebe die Mehrzahl der privaten Haushalte von der Global Information Infrastructure abgeschnitten: Die vorhandenen schmalbandigen Telekommunikationsverbindungen reichen nicht aus, um die geplanten multimedialen Dienste des Universalnetzes, z.B. Video on Demand, zu transportieren; große Teile Afrikas und Asiens können nicht einmal auf ein flächendeckendes Telefonnetz zurückgreifen. Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist es, einen Teilaspekt auf dem Weg zur Errichtung der »Datenautobahn« näher zu betrachten, der vor allem für Mitteleuropa und die USA von Interesse ist: Die Nutzung der vorhandenen breitbandigen Kabelnetze für Telekommunikationsdienste. Da diese Arbeit für das World Wide Web konzipiert und in HTML [7] verfaßt wurde, sind einige Besonderheiten zu beachten. Auf die technische Realisation des Hypertextes wird kurz eingegangen, sie bildet jedoch nicht den Gegenstand des Erkenntnisinteresses. Ausführlicher wird auf konzeptionelle Überlegungen eingegangen, die sich aus der Hypertext-Problematik ergeben. |
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Anmerkungen:
[1] Z.B.»Online Praxis«, »Hyper«,
»In'side Online«, »Global Online« u.a. |