Zusammenfassung


Die drahtgebundene Telegraphie wurde Ende des 19. Jahrhunderts weiterentwickelt zur drahtlosen Telegraphie und zur Bildtelegraphie; die frühe Bildtelegraphie verwendet mechanische Prinzipien zur Bildabtastung , die Vorläufer der beim Fernsehen eingesetzen Verfahren sind. Techniken der drahtlosen Telegraphie wurden zum Funk weiterentwickelt, der zunächst von einen geschlossenen Nutzerkreis (Militär, Handel) genutzt wurde; der private Empfang war verboten. Lizenzierte Amateurfunker erweiterten dann den Nutzerkreis. Der Rund-Funk, bei dem Ton- und Bildsignale mit Hilfe modulierter hochfrequenter elektrischer Wellen übertragen werden, wurde zunächst als Hörfunk populär, während zeitgleich die technischen Grundlagen für das mechanische Fernsehen entwickelt wurden, das im Experimentierstadium oft noch durch Draht übertragen wurde. Die administrativen Rahmenbedingungen waren zunächst raschen Veränderungen unterworfen, weshalb es zu einer Vielzahl von »Zaungästen« bei den ersten Hörfunkprogrammen kam. Die medialen Besonderheiten des Rundfunk - grenzüberschreitende Verbreitung, Rundfunkwellen schwer zu stören usw. - wurde seitens der nationalen Regierungen als Bedrohung betrachtet. In den 30er Jahren entdeckten politische Interessengruppen das propagandistische Potential des Rundfunks; besonders im Nationalsozialismus wurde der Hörfunk mit manipulativer Absicht eingesetzt.

Das mechanisches Fernsehen setzte zur Auflösung der Bildvorlage eine Nipkowscheibe ein; die Auflösung war begrenzt und es war stumm; Farbübertragungen gab es nur im Experiment. Das elektronische Fernsehen setzte die Kathodenstrahlröhre; die Auflösung nahm zu und zusätzliche UKW-Sender übertrugen Ton; Fernseher waren in Privathaushalten jedoch noch selten; verbreitet waren dagegen Fernsehstuben, in denen gemeinsam das Fernsehprogramm betrachtet wurde. Der Zweite Weltkrieg unterbrach die Entwicklung eines deutschen Farbfernsehens.

Nach dem Krieg wurden administrative (z. B. föderalisisches, öffentlich-rechtliches Rundfunksystem) und technische (z. B. Forcierung des UKW-Hörfunks durch Benachteiligung Deutschlands bei der Vergabe von Mittelwellen-Frequenzen) Rahmenbedingungen in Deutschland neu bestimmt. Die größten Teilnehmerzahlen erreicht der bundesdeutsche Hörfunk in den 50er Jahren, danach entwickelt sich das Fernsehen zum Leitmedium; Farbfernsehen löst nach langwierigen Norm-Streitigkeiten um das geeignete Farbfernsehsystem (NTSC, SECAM oder PAL) gegen Ende der 60er Jahre das Schwarz-Weiß-Fernsehen ab. Der Hörfunk erhöhte seine Attraktivität durch Stereoton entgegen, das Fernsehen zog bald nach. Satelliten übertrugen Fernsehprogramme weltweit in Echtzeit; das scheinbare Zusammenrücken der Nationen der Erde begann sich im öffentlichen Bewußtsein durchzusetzen. In den 80er Jahren wurde begonnen, in der Austastlücke des Fernsehsignals Videotext als Zusatzangebot zu übertragen. Weitere sog. »Neue Medien« nutzten Techniken der Telekommunikation und Datenfernübertragung (Bildschirmtext, BTX), blieben jedoch vorerst drahtgebunden.

In den 90er Jahren setzte sich mit der Deregulierung des Telekommunikationsmarktes die drahtlose Telephonie, der Mobilfunk sowie Paging-Dienste als Angebote auf dem Massenmarkt durch. Direktstrahlende Satelliten erweiterten das Angebot an Hörfunk- und Fernsehprogrammen für den Konsumenten; die Kabelnetze wurden vor allem in Ballungszentren ausgebaut, meist jedoch ohne Vermittlungstechnik vorzusehen. Kabelfernsehen mit dutzenden Programmanbietern wurde möglich, ein Rückkanal oder komplexere interaktive Dienste waren zunächst nicht vorgesehen. Angebote wie Pay-per-View wurden angedacht und in Modellversuchen getestet, jedoch nicht auf breiter Basis eingerichtet; auch das einfachere Pay-per-Channel (»Abonnentenfernsehen«) konnte nur einen begrenzten Markt erreichen. Das Fernsehen der 90er Jahre ist überwiegend ein durch Werbung finanziertes Angebot.

Dem Fernsehsignal wurden weitere Zusatzinformationen aufmoduliert wie Dolby Surround Sound und Breitbild-Informationen. Das hochauflösende Fernsehen HDTV wurde von der Industrie bis in die späten 90er Jahre nicht für den Massenmarkt angeboten; zuvor wurde mit geringem Erfolg versucht, das digitale Bezahlfernsehen einzuführen. Interaktives Fernsehen wurde ebenfalls angedacht und ansatzweise ausprobiert, es konnte sich mangels einer integrierten und standardisierten Technik nicht durchzusetzen. Ausgehend von der Telekommunikations- und Computerindustrie gehen jedoch starke Konvergenzimpulse aus, die mit einer Koppelung verschiedener Medien (»Multimedia«) experimentieren. Im Internet versuchen verschiedene kommerzielle Anbieter, Konkurrenzangebote zu den klassischen Medien Telefon, Rundfunk und Fernsehen zu etablieren (z. B. Internet-Telefonie, Internet Radio, RealAudio, iPhone, TrueSpeech u. a.); dabei ist eine Entwicklungslinie erkennbar, die zunehmend kabel- bzw. drahtlos konzipiert ist; Infrarot-Schnittstellen ersetzen z. B. bei der Vernetzung Koaxialkabel und Richtfunkstrecken überbrücken in Ballungsgebieten Telephonverbindungen zum Endkunden.


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Erstellt am: 24-Oct-1996 von: Agon S. Buchholz <asb@nsharra.snafu.de>
Zuletzt bearbeitet am: 25-Oct-1996 von: Agon S. Buchholz <asb@nsharra.snafu.de>