Ab den 1980er Jahren kam es zu massiven Veränderungen der bundesdeutschen Medienlandschaft. Vorboten der Entwicklung waren die sogenannten »neuen Medien«, z. B. das auf Glasfasertechnik basierende »Bigfon«, das »Breitbandige, Integrierte Glasfaser-Fernmelde-Orts-Netz«, das Satelliten-Pilot-Projekt »TV-SAT«; Bildschirmtext (BTX) und Videotext (VTX) u. a., wobei es sich jedoch lediglich um »neue Verteiltechniken, andere Organisationsformen und größere Programmquantitäten« handelte.
Mit der Einführung des dualen Rundfunksystems in Folge auf das vierte Rundfunkurteil des Bundesverfassungsgerichts vom 4. November 1986 kam es zu einem Paradigmenwechsel, der die bundesdeutsche Medienlandschaft bis heute entscheidend prägt. Ab Mitte der 1980er Jahre wurde begonnen, auch terrestrische Frequenzen an private Anbieter zu vergeben. Hierbei wurden UKW-Frequenzen im Bereich von 100 bis 104 MHz genutzt, die zuvor hauptsächlich vom Flugnavigationsfunkdienst genutzt worden waren und durch das Genfer Abkommen von 1984 freigegeben worden waren.
Neben der Deregulierung der Medienlandschaft deuten sich auch technische Veränderungen an. Im Bereich des digitalen Hörfunks gibt es derzeit zwei Systeme, Digital Satellite Radio (DSR) und Digital Audio Broadcasting (DAB).
Das DSR sind seit 1991 über Satellit ausgestrahlte digitalisierte Hörfunkprogramme, das gegenüber dem analogen Hörfunk eine Reihe von Vorteilen aufweist. Im Unterschied zu DAB kann DSR jedoch nicht mit mobilen Radios empfangen werden. Voraussetzung für den Empfang ist ein Kabelanschluß oder eine Parabolantenne sowie ein geeignetes Hörfunkgerät, das die Satellitensignale entschlüsselt.
DAB, der »digitale Hörfunk«, ist ein digital ausgestrahltes Radioprogramm, das nur mit entsprechend ausgestatteten Endgeräten empfangen werden kann; es weist mit DSR vergleichbare Vorteile auf; einer der Hauptunterschiede ist die Kompression des DAB-Signals. Neben dem Hörfunk soll es zusätzlich einen »Datenrundfunk« geben. Neben Sprache und Musik in CD-Qualität könnten dann auch Bilder und Texte empfangen werden. Denkbar wären beispielsweise Zusatzdienste wie Wettervorhersagen, Veranstaltungshinweise, Sportergebnisse u. a. Die Dienste werden über das Radio oder einen zusätzlichen Bildschirm empfangen. DAB soll nach Intention der Rundfunkanstalten den UKW-Hörfunk vorerst nicht ersetzen, sondern ergänzen; eine Ersetzung ist jedoch langfristig geplant: das UKW-Band (87-108 MHz) soll ab 2010 für DAB freigegeben werden.
Unter dem Begriff Digital Video Broadcasting (DVB) ist ein digitales Fernsehen geplant, dessen konkrete Realisierung jedoch noch unklar ist. DVB-Programme werden, vergleichbar mit DAB, ebenfalls komprimiert ausgestrahlt. Hierbei besteht ein Zusammenhang zwischen technischer Programmqualität und der Zahl der übertragbaren Programme (»Bit Management«); DVB in PALplus-Qualität benötigt im Studio eine Bandbreite von 270 MBit/s, die durch Datenkompression auf 6 bis 8 MBit/s beim Teilnehmer reduziert wird (Kompressionsverhältnis 30 : 1). DVB in HDTV-Qualität benötigt im Studio eine Bandbreite von 1,4 GBit/s, die durch Datenkompression auf 40 MBit/s beim Teilnehmer reduziert wird (Kompressionsverhältnis 35 : 1). Die unterschiedlichen Kompressionsraten auf der Teilnehmerseite sind begründet durch die variable Kompression in Abhängigkeit vom Inhalt (»Genre«, »Format«) des zu übertragenden Programms; beispielsweise ist geplant, Fußballübertragungen mit geringerer Kompression zu übertragen, weil dieses Format besonders detailreich sei; Spielfilme könnten dagegen stärker komprimiert werden, da sie weniger detailreich seien.