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Medien

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Erstellt/Bearbeitet: 03-Jul-2005/14-Jan-07
Systemzeit: Freitag, 09.01.2009, 10:31:54.

Home : Politik : Massenmedien


Übersicht

Konventionelle Massenmedien wie Zeitungen, Hörfunk und Fernsehen haben Wirkungen auf die Rezipienten, darin stimmen Werbewirtschaft, Politik und Forschung überein; strittig ist jedoch, in welchem Ausmaß beispielsweise die ‚öffentliche Meinung’ von Medien beeinflusst werden kann – das Spektrum der publizistikwissenschaftlichen Antworten reicht von der Annahme vernachlässigbarer Wirkungen bis hin zu der einer überwiegend medial konstruierten Realitätswahrnehmung. Allerdings investieren Werbetreibende Milliardenbeträge in die Medien in der Hoffnung, gezielt auf Kaufverhalten und Einstellungen Einfluß nehmen zu können; sie ermöglichen eine bunte publizistische Landschaft und finanzieren so eine Fülle von Zeitungen und Zeitschriften, aber auch die privatwirtschaftliche Hälfte des dualen Rundfunksystems.

Massenmedien können repressiv, manipulativ und konsensgenerierend wirken, es wäre jedoch unzureichend, ihre Funktion auf diese Eigenschaften reduzieren zu wollen: Zumindest ist dem Rezipienten zuzubilligen, eine aktive Rolle im Kommunikationsprozess spielen zu können. Diese politisch zentralen Wirkungen von Massenmedien werden von den heutigen Publizistik- und Kommunikationswissenschaften nicht mehr hinreichend analysiert, es ist daher ein massives Forschungsdefizit zu konstatieren. Dennoch gibt es zahllose Beispiele für massenmediale Manipulationen.

In der Rechtsordnung der Bundesrepublik Deutschland kommt den konventionellen Massenmedien eine privilegierte Stellung zu, da sie als staatsferne ‚vierte Gewalt’ betrachtet werden; in dieser Funktion haben sie wichtige öffentliche Aufgaben zu erfüllen, beispielsweise die der demokratischen Kontrolle. Öffentlich-rechtliche publizistische Angebote gibt es allerdings nur im Bereich des Rundfunks, das Verlagswesen ist ebenso wie die kommerziellen elektronischen Medien straff privatwirtschaftlich organisiert. Selbst wenn man nun annähme, die Massenmedien seien tatsächlich staatsfern und würden ihre Kontrollfunktion des politischen Systems hinreichend erfüllen, so wäre doch nirgends eine Wirtschaftsferne vorgeschrieben, die eine Kontrolle des Wirtschaftssystems ermöglichen würde: Die Wirtschaft übt eine nahezu absolute Kontrolle über praktisch sämtliche privatwirtschaftlich organisierten Medienunternehmen aus. Medien sind somit Waren und unterliegen den autokratischen Marktgesetzen der kapitalistischen Warenproduktion . Die Bedeutung solcher immateriellen Güter nimmt – verglichen mit materiellen Ressourcen und Produktionsmitteln – zu.

Das derzeitige System der konventionellen Massenmedien ist durch eine tiefgreifende Veränderung gekennzeichnet, die vor allem die Legitimation der Massenmedien als vierte Gewalt zunehmend in Frage stellt. Die maßgeblichen Einflüsse kommen nicht mehr aus der Politik, sondern der Wirtschaftsordnung; die konventionellen Massenmedien müssten also ebenso wirkungsvoll gegen wirtschaftliche Beeinflussungen geschützt werden, wie sie durch die Medienordnung der Nachkriegszeit vor Versuchen staatlicher Vereinnahmung geschützt wurden.

Alternativen zu dem medialen Einerlei gibt es ebensolange wie Medien in unserem heutigen Verständnis existieren – im engeren Sinne also seit der Etablierung des Buchdrucks in Mitteleuropa im 15. Jahrhundert; dominierende ‚Leitmedien’ schufen schon immer das Bedürfnis nach alternativen Informationsquellen. In der Medienpraxis der jüngeren Vergangenheit übernahm eine alternative Presse sowie Bürgerfunk, freie Radios, offene Kanäle und Piraten-Radios diese Funktion als Sprachrohre einer marginalisiertem Gegenöffentlichkeit. Die emergierenden alternativen oder ‚neuen’ Medien sind also keine Besonderheit der Informationsgesellschaft, sondern die Fortsetzung einer rund fünf Jahrhunderte alten Tradition. Möglicherweise neu sind jedoch die Potenziale, die ein schwer zensierbares globales Informationsnetz ohne klassische Gatekeeper oder funktionale Äquivalente ermöglicht.

Siehe auch

Die Arbeit nimmt eine knappe Bestandsaufnahme des gegenwärtigen Zustands der konventionellen Massenmedien und der so genannten »Gegenöffentlichkeit« vor und verortet aktuelle Internet-basierte Projekte im Kontext alternativer Medien.

Der Text »Alternative Medien als Instrumente einer Gegenöffentlichkeit« entstand im Sommersemester 2005 als studienbegleitender Leistungsnachweis im Rahmen des Hauptseminars »Kritik und Alternativen des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland« unter Leitung von Prof. Dr. Fritz Vilmar am Otto-Suhr-Institut des Fachbereichs Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin.

Die hier freigegebene Fassung ist eine Arbeitsversion mit Bearbeitungsstand vom 22. Juni 2005.

Darin:

Netmarks

Kefk Network Medium - Forschungs-Website des Kefk Network zu Medien und zum Themenkomplex Wissen, Information und Kommunikation (WIKM),
www.kefk.net/Medium.

Anmerkungen

Forum: Politologische Forschung Allgemein (Anmerkungen in diesem Forum: 5)

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