|
| |
Fallstudien: Zusammenfassung
Alternative Medien als Instrumente einer
Gegenöffentlichkeit,
Von Agon S. Buchholz
für Kefk Network Politik,
Juni 2005 ff.
Ihr Benutzername: Besucher
Wer ist gerade online? - 6 aktive User.
Erstellt/Bearbeitet: 20-Jun-2005/14-Jan-07
Systemzeit: Freitag, 09.01.2009, 07:43:16.
Home : Politik : Alternative.Medien : Fallstudien : Zusammenfassung
Übersicht
Die folgende Übersicht fasst die zentralen funktionalen Merkmale der Systeme
der einzelnen Fallstudien aus der Perspektive eines Benutzers zusammen (
Merkmal trifft zu,
Merkmal trifft nicht zu,
klare Zuordnung nicht
möglich):
|
|
Wikipedia |
Wikinews |
Indymedia |
Weblog |
| Publikations- und Revisionsprozess: |
| • Unmittelbares Veröffentlichen eigener
Artikel |
 |
 |
 |
 |
| • Unmittelbares Bearbeiten von eigenem
Artikel |
 |
 |
 |
 |
| • Unmittelbares Bearbeiten von fremdem
Artikel |
 |
 |
 |
 |
| Annotieren / Kommentieren /
Diskutieren: |
| • Kommentieren von Artikel |
 |
 |
 |
 |
| • Diskutieren über Artikel |
 |
 |
 |
 |
| • Strukturiertes Diskutieren über
Artikel |
[615] |
 |
 |
 |
| Inhaltliche Moderation: |
| • Zentralisierte Moderation /
Moderatorenkollektiv |
 |
 |
 |
 |
| • Dezentrale / kooperative Moderation |
 |
 |
 |
 |
| • Keine Moderation |
 |
 |
 |
 |
|
Weitere Merkmale: |
| • Institutionalisierter Prüfprozess
(Plausibilität, Fakten) |
 |
 |
 |
 |
| • Möglichkeit unmittelbarer Manipulation |
 |
 |
 |
 |
| • Freigabe der Artikel (GNU FDL / CC / PD) |
 |
 |
 |
 |
Bei
konventionellen
Massenmedien ist weder das unmittelbare Veröffentlichen,
noch das Bearbeiten eigener oder fremder Artikel (Beiträge) vorgesehen;
ebenso unmöglich ist ein unmittelbares Kommentieren oder Diskutieren des
Beitrags im Kontext der Publikation – dagegen ist die Wahrscheinlichkeit
einer unmittelbaren Manipulation vergleichsweise gering. Konventionelle
Medien stellen ihre Inhalte im Normalfall auch nie unter freien Lizenzen
zur Verfügung [616]. Die hier angeführten Merkmale geben Aufschluß über formale Merkmale der
jeweiligen Systeme, die Rückschlüsse auf Interaktionsmöglichkeiten mit
anderen Nutzern und vielleicht auch auf das Interaktionslevel zulassen;
eine Kausalität, die von einem »Mehr« an Interaktionsmöglichkeiten auf ein
»Mehr« an emanzipatorischem Potenzial schlußfolgert, ist jedoch als
derartiger Automatismus nicht sinnvoll; zur Herstellung einer solchen
Kausalitätsbeziehung ist eine differenzierte Betrachtung der Art und
Ausgestaltung der jeweiligen Interaktionsmöglichkeit in Verbindung mit
den assoziierten Merkmalen erforderlich. Die beiden Wiki-Systeme
Wikipedia und
Wikinews bieten mit großem Abstand das größte
emanzipative Potenzial, da die Teilnehmer hier das größte Maß an
Selbstorganisation und Selbstverantwortung übernehmen; gleichzeitig
haben die Teilnehmer die weitestreichenden Möglichkeiten, auf Inhalte
und Gestaltung der publizierten Artikel unmittelbar einzuwirken: Kein
zentralisiertes Moderatoren-kollektiv filtert vor der Veröffentlichung,
und die Moderation nach der Veröffentlichung erfolgt öffentlich,
kollektiv und transparent. Das emanzipative Potenzial von
Weblogs basiert zum einen auf der
Einfachheit, ein Blog einzurichten und zu betreiben und zum anderen auf
der engen Verzahnung der Blogs über Mechanismen wie Blogrolls,
Track-/Pingbacks und Syndizierung; die Dezentralisierung der einzelnen
Weblogs der ge-samten Blogosphäre ähnelt P2P-Topologien, während alle
bisher bekannten Wikis zentralisiert sind und mehr oder minder auf einem
einzigen Server betrieben werden. In der Blogosphäre ist die Frage, wer
in einem Blog zu welchen Bedingungen publizieren darf, von
vergleichsweise geringer Relevanz, da praktisch jeder Computerbenutzer
mit Internetanbindung innerhalb weniger Minuten kostenlos sein eigenes
Weblog einrichten kann.
Wäre die Blogosphäre weniger engmaschig vernetzt, würde ein neues
Weblog kaum zur Kenntnis genommen werden und müsste sich erst mühsam in
Suchmaschinen und Linklisten etablieren; durch die enge Verzahnung der
Blogosphäre kann ein neues Weblog jedoch sehr schnell von einer breiten
Öffentlichkeit wahrgenommen werden; daher ist es auch kaum sinnvoll, ein
distinktes Weblog als alternatives Medium zu betrachten – die
Blogosphäre gewinnt ihre Stärke aus ihrer dezentralen Vielfalt in
Verbindung mit der engen Vernetzung. Nachgeschaltete Selektions- und
Filterprozesse verstärken das emanzipative Potenzial der Blogosphäre,
da eben Informationen mit einem angeblich ‚geringen Nachrichtenwert’
nicht bereits vor der Veröffentlichung eliminiert werden, sondern die
Möglichkeit erhalten, sich in der Blogosphäre ‚herumzusprechen’ und von
der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Das emanzipative Potenzial von
Indymedia ist am
geringsten ausgeprägt; ein dem Gatekeeper vergelcihabres Kollektiv filtert Meldungen bereits unmittelbar
nach der Veröffentlichung eines Beitrags; weder der Autor noch die Leser
können Beiträge verbessern, und die Leser haben faktisch auch sonst nur
sehr geringe Partizipationsmöglichkeiten. Das emanzipative Potenzial ist
nur geringfügig höher als das einer alternativen Zeitung, und das auch
nur, da die Einstiegshürden im Vergleich zu einer gedruckten
Alternativpublikation gesenkt und die Verbreitungsmöglichkeiten erhöht
wurden. Weiter:
Schlussfolgerungen und Ausblick.
Fußnoten
[615] Konzeptionell angedacht, aber bisher nicht
realisiert, in Form der „LiquidThreads“; cf. Möller 2005: 192-195.
[616] Pressemitteilungen können typischerweise
zwar kostenlos genutzt („Abdruck frei“) und redaktionell bearbeitet
werden; ein Recht auf beliebige Veränderungen – insbesondere bei
Bildmaterial – besteht jedoch nicht.
Pressemittilungen unterliegen normalerweise weder einer definierten
Lizenz, noch sind sie urheberrechtlich geregelt; es handelt sich rechtlich
eher um eine geduldete Nutzung im Sinne des ‚fair use’ des
angloamerikanischen Copyright.
Amtliche Werke wie Gesetze und Verordnungen genießen
nach §5 UrhG keinen urheberrechtlichen Schutz, sie unterliegen jedoch dem
Änderungsverbot sowie weiteren Auflagen nach § 62 Abs. 1 bis 3 und § 63 Abs
1 und 2 UrhG und sind damit nicht gemeinfrei; zumindest das öffentliche
Publikationswesen kennt also durchaus klare Schranken des urheberrechtlichen
Schutzes.
Quelle und Lizenz
Anmerkungen
| Blättern: << Anfang | < Zurück | Weiter > | Ende >> |
| |
Zusammenfassung |
|
Ihr Name: Besucher (nicht angemeldet).
Online: 6 aktive User.
|
|
Anmelden | Abmelden
|
|
|
Benachrichtigen bei Änderungen: |
|
|
|
|
Thematisch verwandte Subsites:
Arbeit,
Bildung,
GNU/Linux,
Internet,
Medium,
Networking,
Peer-to-Peer,
Recht,
Research,
Streaming,
Wissen. |
| |
[ Zurück ]
| URL:
http://www.kefk.net/Politik/Alternative.Medien/Fallstudien/Zusammenfassung/index.asp. |
|
|
|
|