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Diskursplattformen
Weitere Projekte
Alternative Medien als Instrumente einer
Gegenöffentlichkeit,
Von Agon S. Buchholz
für Kefk Network Politik,
Juni 2005 ff.
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Erstellt/Bearbeitet: 20-Jun-2005/14-Jan-07
Systemzeit: Freitag, 09.01.2009, 07:04:52.
Home : Politik : Alternative.Medien : Fallstudien : Diskursplattformen : Weitere.Projekte
Übersicht
Eine rein deutschsprachige, aber tendenziell mit Indymedia vergleichbare
Initiative ist das Internetportal Nadir.org [561], das sich als Sammelpunkt für
antifaschistische und antirassistische Gruppen versteht und vom Berliner
Verfassungsschutz als »linksextremistisch« eingestuft wird [562]. Neben einer
tagesaktuellen Berichterstattung pflegt Nadir.org ein Archiv mit Texten zu
linker Theorie und Praxis sowie Themen wie Anti-Atom Bewegung,
Antifaschismus, Antimilitarismus, Antirassismus, Antisemi-tismus,
Feminismus, Häuserkampf, Ökonomie, Internationalismus, Kultur, Medien,
Netzkritik, Ökologiebewegung usw. [563], bietet eine Plattform zur Verbreitung
elektronischer Periodika verschiedener Gruppierungen [564] und initiiert linke
Kampagnen [565].
Weitere bedeutende progressive Initiativen mit teilweise
abweichenden Schwerpunkten sind beispielsweise Linkeseite, Stressfaktor
(»Berliner Terminkalender für linke Subkultur und Politik«) und
Kanal B.
In hohem Grade kooperativ angelegt ist das Projekt Open Theory [566], das
versucht, die kollektiven Methoden der FLOSS-Bewegung auf die Entwicklung
von theoretischen Texten zu adaptieren; das Projekt fodert dabei
programmatisch vier Freiheiten ein,
- die »Freiheit von Unterdrückung und
Bevormundung«,
- vom »Zwang zur Lohnarbeit«,
- von »Warenmüll und
Kommerzwahnsinn« sowie
- von der »Unfreiheit des Lebens«.
Unter diesen
Maximen sollen Texte der politischen Theorie als »Resultat des Denkens
vieler« entwickelt werden. Zwar finden sich auf dem Server von OT
zahl-reiche Projekte, ihr Einfluss ist jedoch vergleichsweise marginal.
Selbstverständlich ist das Internet nicht begrenzt auf Initiativen
progressiver und linker Gruppen, sondern bietet auch rechtsextremen und
fundamentalistischen Gruppierungen eine Plattform zur Verbreitung von
Propaganda. Der Berliner Journalist Burkhard Schröder berichtet seit Jahren
über diese Szene [567] und pflegt auch eine kontroverse Linkliste
[568], die von der
Berliner Staatsanwaltschaft bereits strafrechtlich verfolgt wurde [569].
Die Verfassungsschutzbehörden der einzelnen Bundesländer beobachten und
dokumentieren rechtsextreme und fundamentalistische
(»ausländerextremistische«) Aktivitäten im Internet seit einigen Jahren
ebenso wie das Bundesamt für Verfassungsschutz; so weist der
Verfassungsschutzbericht 2003 des BMI beispielsweise allein 80 aktive NPD-
und JN-Homepages aus, hinzu kommen Angebo-te der DVU und der REP sowie eine
Vielzahl »unabhängiger«, diskursorientierter Angebote wie das
Störtebeker-Netz oder die virtuelle FUN-Partei
(»Freiheitlich-Unabhängig-National«); der letzte Verfassungschutzbericht
bezeichnet das Internet daher explizit als »Kommunikationsmedium für
Rechtsextremisten« [570].
Weiter:
Fallstudien: Publikations- und Diskussionsplattformen.
Fußnoten
[561] Nadir.org,
www.nadir.org.
[562] BerlVerfS 2003: 205 s.
[563] Nadir.org Archiv,
www.nadir.org/nadir/archiv.
[564] Nadir.org Periodika,
www.nadir.org/nadir/periodika.
[565] Nadir.org Kampagnen,
www.nadir.org/nadir/kampagnen.
[566] Open Theory (OT,
www.opentheory.de,
www.opentheory.org).
[567] Bspw. in Schröder 1995.
[568] Online unter
www.burks.de/nazip.html.
[569] Die Berliner Staatsanwaltschaft ging dabei von
der „generellen Möglichkeit eines strafbaren Verhaltens durch Setzen
eines Links“ aus, Schröder habe zudem keine Distanzierung vorgenommen
oder erklärende Hinweise gegeben.
Schröder vertritt dagegen die Position, dass Aufklärung und (Gegen-)
Information das beste Mittel gegen Propaganda und Geschichtsklitterung sei:
»Wer 'über' und 'gegen' rechts aufklären will, muss die
betreffenden Seiten anschauen – was sonst? Wie sollte man sich anders
über Rechtsextremismus informieren – indem man nur das Gute, Schöne und
Wahre zur Kenntnis nimmt? Wer keine Links will, verzichtet darauf, sich
mit dem Thema auseinanderzusetzen. Das fände ich fatal«.
Das Verfahren wurde 2001 eingestellt; cf.
www.heise.de/newsticker/data/cgl-10.12.01-001.
[570] Cf. bspw. DeuVerfS 2003 und BerlVerf 2004: 32-75
u. 167-192.
Siehe auch
Weitere Fallstudien:
Quelle und Lizenz
Anmerkungen
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