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Fallstudie: Indymedia

Zusammenfassung

Alternative Medien als Instrumente einer Gegenöffentlichkeit,

Von Agon S. Buchholz für Kefk Network Politik, Juni 2005 ff.

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Erstellt/Bearbeitet: 20-Jun-2005/14-Jan-07
Systemzeit: Freitag, 09.01.2009, 07:36:30.

Home : Politik : Alternative.Medien : Fallstudien : Diskursplattformen : Indymedia : Zusammenfassung


Übersicht

Indymedia Deutschland ist eine explizit politische Plattform mit relativ klar definierten Themenschwerpunkten, die sich ausdrücklich als Teil der Gegenöffentlichkeit versteht. Der Mechanismus zum Veröffentlichen eigener Beiträge ist vergleichsweise offen angelegt, das Moderatorenkollektiv entscheidet jedoch letztlich darüber, ob ein Beitrag öffentlich einsehbar bleibt oder »versteckt« wird; dieses Kollektiv entscheidet auch über die Platzierung des Berichts, die Leser können – im Gegensatz zu vergleichbaren Systemen [560] – kaum Einfluss nehmen auf diesen Entscheidungsprozess; Entscheidungsprozesse mögen innerhalb des Moderatorenteams kollektiv gefällt werden, ‚normale’ Benutzer sind jedoch ebenso wenig Teil dieses Kollektivs wie sie an der Arbeit einer Zeitungsredaktion partizipieren können.

Auch der Prozess der Texterstellung ist nicht kooperativ; ein Autor – oder auch ein Autorenkollektiv – verfasst einen Text außerhalb von Indymedia, sendet diesen ein und muss dann auf die Bewertung des Moderatorenkollektivs warten; andere Benutzer können den Beitrag selbst nicht bearbeiten, sondern nur Kommentare dazu abgeben. Ein Unterschied zu geschlossenen Systemen, die häufig ebenfalls Kommentare erlauben, existiert nicht. Der einzige signifikante Unterschied zu geschlossenen Systemen ist die direkte Möglichkeit der Einsendung von Berichten; innerhalb der Mediengenese offener und kooperativer Systeme bildet Indymedia also ein extrem frühes Stadium mit sehr begrenztem emanzipativem Potenzial.

Tabelle: Übersicht zu den Prozessen der Texterstellung, -präsentation und –revision.

 

Indymedia

Kommerzielle Zeitschrift

Artikelauswahl

Individuelle Entscheidung, anschließend Prüfung durch Moderatorenkollektiv

Redaktioneller Auftrag oder individueller Vorschlag des Journalisten, dann Entscheidung durch Redaktion

Auswahl der Autoren

Selbstauswahl, eigene Entscheidung über hinreichende Qualifikation

Betriebliche und redaktionelle Entscheidung, Auswahl nach Qualifikation und Vorleistungen

Erstellung des Artikels

Individuell, kollektive Texterstellung nur außerhalb von Indymedia

Einzelner Journalist verfasst Artikel

Kontrolle und Qualitätssicherung

Moderatorenkollektiv

Verantwortlicher Redakteur; Prüfprozess vor Veröffentlichung

Revision des Artikels

Nur in wichtigen Ausnahmefällen möglich

Ergänzungen oder Korrekturen nur in  Ausnahmefällen möglich

Kommentare

Jederzeit möglich, werden unmittelbar nach Artikel veröffentlicht

Leserbrief, der einer redaktionellen Auswahl unterliegt und frühestens in der Folgeausgabe erscheint

Standpunkt und Tendenz

Offen tendenziös

Vorgeblich ‚Objektiv’, versteckt oder offen tendenziös, je nach Medium und redaktionellen Richtlinien bzw. Redaktionsstatut

Produktionsweise und Abhängigkeiten

»Wissens-Allmende«, Gemeingut; kein Warencharakter, Unabhängigkeit von Marktgesetzen

Kapitalistisch, Privateigentum; Ware auf dem publizistischen Markt, hohe Abhängigkeit von Werbeeinnahmen

Weiter: Weitere Projekte aus dem Bereich der Diskursplattformen.

Fußnoten

[560] Solche Systeme mit ausgeprägteren kooperativen Elementen sind beispielsweise Rob Maldas Slashdot („news for nerds, stuff that matters“,  slashdot.org) oder Rusty Fosters Kuro5hin („technology and culture, from the trenches”,  www.kuro5hin.org); beide Systeme erlauben es ihren Benutzern, über eingesandte Beiträge abzustim-men und sich teilweise auch am Moderationsprozess zu beteiligen; cf. Möller 2005: 116-121 und 139-145.

Siehe auch

Weitere Fallstudien:

Quelle und Lizenz

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Kontext: Der Text Alternative Medien als Instrumente einer Gegenöffentlichkeit entstand im Sommersemester 2005 als studienbegleitender Leistungsnachweis im Rahmen des Hauptseminars »Kritik und Alternativen des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland« unter Leitung von Prof. Dr. Fritz Vilmar am Otto-Suhr-Institut des Fachbereichs Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin.
Gliederung Alternative Medien als Instrumente einer Gegenöffentlichkeit:
  1. Einleitung: Themenstellung und Zielsetzung - Schwerpunkte und Eingrenzung der Thematik - Disposition.
  2. Medien und Öffentlichkeit: Theoretische Vorüberlegungen - Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeit - Bildung und Aufklärung - Individualität und Sozialität - System der konventionellen Massenmedien - Konventionelle alternative Medien - Transformationen des Mediensystems.
  3. Fallstudien: Freies Wissen (Wikipedia, weitere Projekte) - Alternative Nachrichtenquellen (Wikinews, weitere Projekte) - Diskursplattformen (Indymedia, weitere Projekte) - Publikations- und Diskussionsplattformen (Blogosphäre, weitere Projekte) - Zusammenfassung.
  4. Schlussfolgerungen: Thesen - Anti-Thesen.
  5. Anhang: Materialien - Quellennachweise - Personen- und Stichwortverzeichnis.
Stand der Textbasis: 22. Juni 2005 | Changelog.
Rechtliche Hinweise: Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Wenn nicht anderweitig gekennzeichnet: Copyright © Agon S. Buchholz 2005. Die Wiedergabe von Gebrauchsname, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Text berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann verwendet werden dürften. Alle Warennamen werden ohne Gewährleistung der freien Verwendbarkeit benutzt und sind möglicherweise eingetragene Warenzeichen. Weiterhin gelten für alle Bereiche dieser Website der Haftungsausschluss sowie die allgemeinen rechtlichen Hinweise.

Anmerkungen

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