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Fallstudie: Indymedia

Art und Ausgestaltung der Inhalte von Indymedia

Alternative Medien als Instrumente einer Gegenöffentlichkeit,

Von Agon S. Buchholz für Kefk Network Politik, Juni 2005 ff.

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Erstellt/Bearbeitet: 20-Jun-2005/14-Jan-07
Systemzeit: Freitag, 09.01.2009, 07:32:16.

Home : Politik : Alternative.Medien : Fallstudien : Diskursplattformen : Indymedia : Inhalte


Übersicht

Das deutschsprachige IMC präsentiert sich als relativ unübersichtliche Portalseite, die einen enormen Fundus von textuellen Artikeln, Berichten und aktuellen Nachrichtenmeldungen [549] sowie audiovisuellen Inhalten umfasst [550]; zentral platziert sind aktuelle Berichte, die durch meist vergleichsweise reißerische Aufmacher gekennzeichnet sind.

Beiträge werden ausschließlich von Benutzern verfasst [551], eine Redaktion existiert nicht; ursprünglich wurden eingesandte Beiträge direkt veröffentlicht – ähnlich wie dies in der Wikipedia [552] üblich ist –, nach wiederholter mißbräuchlicher Nutzung dieses offenen Publikationssystem, unter anderem durch rechtsextreme und antisemitische Gruppierungen, wurde diese Funktion einer Vorabkontrolle unterworfen; seitdem erscheinen neue Beiträge auf dem deutschen Indymedia-Server zunächst auf einer so genannten Open Posting bzw. Public Posting-Seite [553], wo sie öffentlich einsehbar sind; die Beiträge erscheinen jedoch erst auf der Startseite, wenn sie von einem Moderatorenkollektiv nach bestimmten Kriterien [554] überprüft wurden.

In der Präsentation von Berichten werden grundsätzlich drei Stufen unterschieden, die allerdings nicht trennscharf abzugrenzen sind:

  • Besonders gelungene Beiträge werden zu Features [555], die über einen längeren Zeitraum prominent platziert bleiben;
  • Weniger gelungene Beiträge oder Berichte mit stärkerem Tagesbezug werden ähnlich zentral platziert wie die Features, allerdings rascher durch neue Meldungen abgelöst;
  • Sonstige Beiträge verbleiben im Newswire.

Die Beurteilung von Beiträgen kann sich verändern, beispielsweise wenn überarbeitete Fassungen eingesandt werden oder sich die Bedeutung eines Berichts durch tagespolitische Ereignisse verschiebt; ein Beitrag aus dem Newswire kann dann auch durchaus zu einem Feature werden. Nachdem ein Autor einen Beitrag eingesandt hat, kann er diesen nicht mehr selbst bearbeiten oder ergänzen; er kann allerdings das Moderatorenkollektiv in wichtigen Fällen bitten, Änderungen manuell einzuarbeiten. Indymedia Deutschland bietet jedoch keinen Mechanismus, um einen Text kooperativ zu erstellen.

Meldungen, die vom Moderatorenkollektiv als »faschistisch, rassistisch, antisemitisch oder sexistisch« eingestuft werden, werden »versteckt«; sie werden zwar archiviert, können aber nicht mehr öffentlich eingesehen werden.

Die auf der Startseite präsentierten Berichte und Features umfassten im Mai 2005 vor allem die folgenden Themenbereiche:

  • Studentische Proteste gegen Studiengebühren (»Summer Of Resistance«, 27.04.2005 10:44),
  • Aktionen gegen das Hartz-Konzept (»Gegen Hartz IV und Ein-Euro-Jobs«, 19.05.2005 16:27),
  • Demonstrationen von Antifa-Aktivisten gegen das ‚Gebirgsjägertreffen am Hohen Brendten’ (»’Mittenwald? Endlich weg damit!’«, 16.05.2005 00:00)
  • Debatte um die Verfassung für Europa (»Die EU-Verfassung: ein Überblick«, 06.05.2005 20:19),
  • Tag der Arbeit und ‚EuroMayday’ (»EuroMayday in Hamburg und anderswo«, 02.05.2005 00:00)

Die Berichte werden typischerweise aus subjektiver Perspektive verfasst und sind nicht nach journalistischen Kriterien gestaltet; mit der Funktion »Ergänze diesen Artikel« können Annotation und Kommentare angefügt werden, Indymedia versteht sich jedoch nicht als Diskussionsforum. Die Indymedia-Aktivisten weisen nachdrücklich darauf hin, dass der Leser die Berichte kritisch auf ihren ‚Wahrheitsgehalt’ prüfen solle; die Kommentare unter den Artikel, in denen Behauptungen widerlegt oder unterstützt werden können, helfen dabei zu beurteilen, »ob dem/der AutorIn zu glauben ist oder nicht« [556]. Sämtliche Beiträge werden archiviert und nach Themen [557] rubriziert; sie können – ähnlich wie die Meldungen in Weblogs [558] – syndiziert werden [559].

Weiter: Zusammenfassung Indymedia.

Fußnoten

[549] Indymedia Newswire,  de.indymedia.org/newswire.

[550] Die audiovisuellen Inhalte umfassen Fotos ( de.indymedia.org/foto), Tonaufnahmen ( de.indymedia.org/audio), Videos (  de.indymedia.org/video) sowie eine Druckausgabe (  de.indymedia.org/print).

[551] Für selbstgeschriebene Berichte existiert unter  de.indymedia.org/static/prepost.shtml ein Eingabe-Formular, das – ähnlich wie ein elektronisches Redaktionssystem – dazu dient, den Beitrag einer Kategorie zuzuordnen und inhaltlich zu strukturieren; Beiträge sind namentlich gekennzeichnet, Pseudonyme sind zugelassen; Indymedia speichert keine personenbezogenen Daten der Nutzer; zusätzliche Medien wie Bilder können dem Beitrag angefügt werden; cf.  de.indymedia.org/static/postingtipps.shtml.

[552] Cf. cap. 3.1.1, Fallstudie: Wikipedia (p. 66 ss.).

[553] Indymedia Open Posting ( de.indymedia.org/openposting).

[554] Zu den Moderations-Kriterien: Die Moderationspolitik von Indymedia,  de.indymedia.org/static/moderation.shtml [Zugriff: 23-05.2005].

[555] Indymedia Feature-Archiv,  de.indymedia.org/feature.

[556] Häufig gestellte Fragen (FAQ),  de.indymedia.org/static/faq.shtml.

[557] Das Themenspektrum umfasst u.a. die Bereiche Gender, Biopolitik, Netactivism, Ökologie, Kultur, Medien, Bildung, Freiräume, Antifa, Antirassismus, Atom, Globalisierung, Militarismus, Weltweit, Soziale Kämpfe und Repression.

[558] Cf. cap. 3.4.1, Fallstudie: Die Blogosphäre (p. 87 ss.).

[559] RSS-Newsfeeds von de.indymedia.org,  de.indymedia.org/static/rss.shtml.

Siehe auch

Weitere Fallstudien:

Quelle und Lizenz

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Kontext: Der Text Alternative Medien als Instrumente einer Gegenöffentlichkeit entstand im Sommersemester 2005 als studienbegleitender Leistungsnachweis im Rahmen des Hauptseminars »Kritik und Alternativen des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland« unter Leitung von Prof. Dr. Fritz Vilmar am Otto-Suhr-Institut des Fachbereichs Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin.
Gliederung Alternative Medien als Instrumente einer Gegenöffentlichkeit:
  1. Einleitung: Themenstellung und Zielsetzung - Schwerpunkte und Eingrenzung der Thematik - Disposition.
  2. Medien und Öffentlichkeit: Theoretische Vorüberlegungen - Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeit - Bildung und Aufklärung - Individualität und Sozialität - System der konventionellen Massenmedien - Konventionelle alternative Medien - Transformationen des Mediensystems.
  3. Fallstudien: Freies Wissen (Wikipedia, weitere Projekte) - Alternative Nachrichtenquellen (Wikinews, weitere Projekte) - Diskursplattformen (Indymedia, weitere Projekte) - Publikations- und Diskussionsplattformen (Blogosphäre, weitere Projekte) - Zusammenfassung.
  4. Schlussfolgerungen: Thesen - Anti-Thesen.
  5. Anhang: Materialien - Quellennachweise - Personen- und Stichwortverzeichnis.
Stand der Textbasis: 22. Juni 2005 | Changelog.
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Anmerkungen

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