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Alternative Medien als Instrumente einer Gegenöffentlichkeit: Einleitung

Alternative Medien als Instrumente einer Gegenöffentlichkeit,

Von Agon S. Buchholz für Kefk Network Politik, Juni 2005 ff.

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Erstellt/Bearbeitet: 20-Jun-2005/14-Jan-07
Systemzeit: Freitag, 09.01.2009, 06:40:33.

Home : Politik : Alternative.Medien : Einleitung


Übersicht

Die etablierten Massenmedien tragen idealtypisch als ‚vierte Gewalt’ zur Formierung und Gestaltung einer öffentlichen Meinung bei, die – so zumindest noch bei Rousseau – als Sittenwächterin des Gemeinwesens auftrat und in den allgemeinen Willen der volonté générale münden sollte. Im Verlauf der Durchsetzung moderner Massenmedien medialisierte sich diese Funktion der öffentlichen Meinung und ging zu weiten Teilen auf die Medien selbst über: Als ‚vierte Gewalt’ mit angenommener Wirkungsmacht übernahm die Medienöffentlichkeit Funktionen der Artikulation, Kritik und demokratischen Kontrolle; das Mediensystem wurde damit zu einem Kernstück bürgerlicher Öffentlichkeit, die zunehmend durch Formen indirekter – eben medialisierter – Kommunikation gestaltet wurde.

Allerdings sind die zur Staatsferne gehalten Massenmedien in der BR Deutschland auch Teil der Privatwirtschaft: Massenmedien sind dabei kommerzielle Produkte auf einem ‚Informationsmarkt’, der eigenen Gesätzmäßigkeiten folgt: Der Warenverbund ‚Massenmedien’ soll zwar demokratische Kontrolle ausüben, operiert jedoch selbst nach Marktgesetzen, die nicht demokratisch sondern vielmehr autokratisch sind. Dieser Widerspruch führte bereits früh zu weitreichender Kritik; so stellte beispielsweise Brecht in den 1930er Jahren fest, der Rundfunk sei kein Kommunikations- sondern lediglich ein Distributionsapparat, der nicht der Kommunikation, sondern ihrer Verhinderung diene; Horkheimer und Adorno analysierten 1948 in der Dialektik der Aufklärung den Warencharakter von Kulturprodukten, die in ihrem Verbund als Kulturindustrie zu einem Unterdrückungs- und Herrschaftsapparat würden; Habermas konstatierte 1962 einen Strukturwandel der Öffentlichkeit hin zu einem bloßen Interessenausgleich zwischen Privateigentümern, und Enzensberger beschrieb das Mediensystem 1970 als Bewusstseins-Industrie, die der »Verfälschung und Ausbeutung ganz realer und legitimer Bedürfnisse« diene.

In dieser kritischen Medientheorie wird angenommen, den repressiven und manipulativen Massenmedien komme eine einflussreiche Rolle bei der Demontage des politischen Systems der BRD zu, so sei die bürgerliche Öffentlichkeit zur »Waffe der herrschenden Klasse geworden« (Negt/Kluge 1972); aus dieser Feststellung wurde die konzeptionelle Forderung nach Herstellung einer Gegenöffentlichkeit entwickelt, als deren Instrumente alternative Medien einzusetzen wären. Ansätze zur oppositionellen Artikulation hatten sich allerdings bereits lange vor ihrer theoretischen Fundierung entwickelt: Die Protest- und Bürgerbewegungen der frühen Bundesrepublik hatten ebenso wie die spätere Stu-dierendenbewegung und die APO längst ‚Gegenöffentlichkeiten’ geschaffen. Zahllose alternative Medienprojekte entstanden und verschwanden, einige radikalisierten sich (radikal), andere institutionalisierten sich (taz, Stadtzeitungen), und wieder andere versuchten, die ‚neuen’ Medien der jeweiligen Zeit zu emanzipativen Zwecken zu funktionalisieren (Radio Dreyecksland, Radio Z).

Trotz beachtenswerter Erfolge wie der Thematisierung der Umweltprobematik befindet sich das ‚Projekt Gegenöffentlichkeit’ in einer Krise: Theoretische Defizite der emanzipativen Medientheorien wurden aufgedeckt und durch neue Paradigmen abgelöst, klassische alternative Infrastrukturen (Buchhandlungen, Verlage, Pressebüros) lösen sich auf und werden durch neue Strukturen ersetzt, zentrale Ziele der Demokratisierung, Emanzipation oder gar Aufgeklärtheit konnten bisher nicht erreicht werden: Strukturwandel der Gegenöffentlichkeit?

Kapitelgliederung

Gliederung der Einleitung:

1 Einleitung
1.1 Themenstellung und Zielsetzung.
1.2 Schwerpunkte und Eingrenzung der Thematik.
1.3 Disposition.

Siehe auch

Quelle und Lizenz

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Kontext: Der Text Alternative Medien als Instrumente einer Gegenöffentlichkeit entstand im Sommersemester 2005 als studienbegleitender Leistungsnachweis im Rahmen des Hauptseminars »Kritik und Alternativen des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland« unter Leitung von Prof. Dr. Fritz Vilmar am Otto-Suhr-Institut des Fachbereichs Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin.
Gliederung Alternative Medien als Instrumente einer Gegenöffentlichkeit:
  1. Einleitung: Themenstellung und Zielsetzung - Schwerpunkte und Eingrenzung der Thematik - Disposition.
  2. Medien und Öffentlichkeit: Theoretische Vorüberlegungen - Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeit - Bildung und Aufklärung - Individualität und Sozialität - System der konventionellen Massenmedien - Konventionelle alternative Medien - Transformationen des Mediensystems.
  3. Fallstudien: Freies Wissen (Wikipedia, weitere Projekte) - Alternative Nachrichtenquellen (Wikinews, weitere Projekte) - Diskursplattformen (Indymedia, weitere Projekte) - Publikations- und Diskussionsplattformen (Blogosphäre, weitere Projekte) - Zusammenfassung.
  4. Schlussfolgerungen: Thesen - Anti-Thesen.
  5. Anhang: Materialien - Quellennachweise - Personen- und Stichwortverzeichnis.
Stand der Textbasis: 22. Juni 2005 | Changelog.
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