Thesen sind Lehrsätze oder Behauptungen, die sich
durch pointierte Fomulierungen auszeichnen. Thesen sind häufig
kontrovers und regen zum Diskurs an.
Der Forschungsstand zu Peer-to-Peer lässt momentan
noch keine Thesen zu, wir haben jedoch einige
Hypothesen formuliert.
In der Dialektik ist die These die
Anfangsbehauptung, der die Antithese gegenübergestellt wird. Sobald ein
vertretbarer Corpus an Thesen existiert, werden wir auch die
entsprechenden Antithesen
formulieren.
Martin
Luther soll am
31.
Oktober 1517
"mit
lauten Hammerschlägen" seine
95
Thesen an die Tür der
Schloßkirche
zu Wittenberg genagelt haben; er begründet, das Traktat gegen
Ablasshandel "aus Liebe zur Wahrheit und in dem Bestreben, diese
zu ergründen" verfasst zu haben. Der
Ablassprediger
Tetzel soll darauf Todesdrohungen gegen Luther ausgesprochen und ihn
auf den Scheiterhaufen gewünscht haben. Sicher ist jedenfalls, dass 1518
in Rom ein Ketzerprozess gegen den Kritiker eröffnet wurde.

Abbildung: Martin Luther. Disputatio
pro declaratione virtutis indulgentiarum (Die 95 Thesen). Wittenberg:
Melchior Lotter d.J., 1522. Sign: RA 92/3237, DHM; Quelle:
www.dhm.de/sammlungen/gifs/sammlungen/bibliothek/luther.jpg;
Zugriff: 17-May-2002.
Ebenfalls mit grossen Ambitionen veröffentlicht der
selbsternannte "Prophet der Ethik des letzten Wertes"
Robert
Stein-Holzheim die
95
Thesen für das dritte Jahrtausend. Seine Themen sind "Liebe,
Ethik, Globalisierung, Selbstorientierung und der letzte Wert jenseits
des Culture-Clash". Um den Wert dieser Thesen kann man sicherlich
streiten (vgl.
Leseproben
und
Book
on Demand), jedenfalls erregten sie weniger Aufmerksamkeit als die
Luthers.
Das wiederum kann man vom ebenfalls auf 95 Thesen
bestehenden
Cluetrain Manifesto von
Rick Levine,
Christopher Locke,
Doc Searls
und David
Weinberger nicht sagen. Dieses Manifest der Menschlichkeit wird seit
der Veröffentlichung nicht nur unter Marketingfachleuten kontrovers
diskutiert (vgl.
deutsche
Übersetzung der Thesen von Oliver Baer).