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Perspektiven

Perspektiven : Übersicht
16-Apr-2002/14-Jan-07


Übersicht

Welche Perspektiven hat P2P, eine Gruppe von erklärungsbedürftigen und komplexen Technologien, die weder neu sind, noch evidente ökonomische Vorteile bietet? Entscheidend für die unmittelbare weitere Entwicklung ist wohl vor allem, ob der schlechte Leumund, den P2P durch die sog. "Tauschbörsen" bekommen hat, das gesamte P2P-Paradigma diskreditiert. Sollten weitere Gerichtsverfahren à la Napster und FastTrack mit vergleichbaren Urteilen abgeschlossen werden, dürfte der Begriff "Peer-to-Peer" wohl ein für alle mal zum Synonym für -- je nach Perspektive -- zivilen Ungehorsam bzw. organisiertes Verbrechen im internationalen Massstab werden; die Presse wird diese Skandale dann sicherlich bereitwillig aufgreifen und zahllose Fälle von Urheberverletzungen und Kinderpornographie dokumentieren.

Hier zeigen sich Parallelen zum Konflikt der Open Source-Community, die gegen Software-Patente Sturm läuft; auch hier gibt es eine anwenderfeindliche, die Rechte des Konsumenten bedrohende Interpretation etablierter Rechtsgrundsätze. Durch Priorisierung einer bestimmten Form der Rechtsauslegung werden andere Rechte -- ebenfalls etabliert und durch Verfassungen und Grundgesetze geschützt -- eingeschränkt. Welche Seite sich in diesem Diskurs kurzfristig durchsetzen wird, ist zur Zeit noch völlig offen.

Analysiert man die Entwicklung mit einem längerfristigen Interpretationsschema ist der Ausgang der Entwicklung vorhersehbar: Die Grassroots-Initiativen, die heute als Peer-to-Peer oder Open Source-Bewegung bezeichnet werden, werden sich durchsetzen. Indikatoren hierfür sind bekannte Fakten: Microsoft bedient sich aus frei verfügbarem Wissen (Quellcode unter BSD-Lizenz) und baut daraus kommerzielle Produkte mit mehr oder minder attraktiven Benutzeroberflächen, bekämpft jedoch mit aller Macht die konsequentere Form des frei verfügbaren Wissens: die GNU GPL.

Die Open Source-Community konstituiert sich selbst, aus eigenem Antrieb, ohne zentrale Leitung und ohne Führer; sie stützt sich daher selbst durch ihre enorme numerische Anzahl sowie gleichzeitig durch ihre Einheitlichkeit und ihre Vielfalt.

Ähnlich stellt sich die P2P-Bewegung dar: Eine enorme Masse, die gleichermassen durch Einheitlichkeit und Vielfalt gekennzeichnet ist. Eine numerisch kleine, aber gesellschaftlich mächtige Interessengruppe versucht, überkommene Besitzstände und Kommunikationsformen zu verteidigen; die Masse akzeptiert dies immer weniger; Veränderungen werden stattfinden, ebenso wie die Staatsform der Monarchie durch die Staatsform der Demokratie abgelöst wurde.

Letztlich stellt sich die Frage, wie Evolution abläuft: Kann eine numerisch kleine Gruppe, in der Biologie als Population bezeichnet, langfristig bessere Leistungen erbringen als eine numerisch um ein Vielfaches grössere Population? Die Wahrscheinlichkeit, dass Nischenpopulationen überhaupt langfristig existieren können, ist -- biologisch betrachtet -- unwahrscheinlich.

Auch in der IT-Branche wird es sicherlich immer ein Galapagos-Archipel geben, die Evolution findet jedoch woanders statt. Es ist alles eine Frage der Zeit.

 

Siehe auch: Emelie Rutherford,
www.cio.com/research/knowledge/edit/p2p_content.html.

 

ToC

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Literatur zu P2P (mehr)
Von Detlef Schoder, Kai Fischbach und René Teichmann:
»Peer-to- Peer. Ökonomische, technologische und juristische Perspektiven«
Von Andy Oram:
»Peer-to-Peer. Harnessing the Power of Disruptive Technologies«
Von Dana Moore und Joseph Hebeler:
»Peer-to-Peer«
Von Michael Miller:
»Discovering P2P«
Von David Barkai:
»Peer to Peer Computing. Technologies for Sharing and Collaborating on the Net«
Von Hassan Fattah:
»P2P. How Peer-to-Peer Technology Is Revolutionizing the Way We Do Business«
Von Bo Leuf & 
Ward Cunningham
:
»The Wiki Way. Quick Collaboration on the Web«
Von Bo Leuf:
»Peer to Peer. Collaboration and Sharing on the Internet«
Von Rebecca Blood:
»We've Got Blog. How Weblogs are Changing Our Culture«
»The Weblog Handbook. Practical Advice on Creating and Maintaining Your Blog«

 

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