Dieser Abschnitt beschäftigt sich mit Beweggründen für die
Entwicklung, Anwendung und Erforschung von P2P. Vgl. hierzu auch:
Aufgrund des breiten Spektrums
von P2P-Anwendungen und der unterschiedlichen
Definitionsansätze
betrachten wir die möglichen Beweggründe unter verschiedenen Aspekten.
Grundsätzlich können wir die Perspektiven von vier Gruppen von
P2P-Entwicklern, Anwendern und sonstigen Akteuren unterscheiden:
- Unternehmen - kommerziell orientierte Institutionen.
- Organisationen - nichtkommerziell orientierte
Institutionen.
- Individuen - Privatpersonen.
- Gemeinschaften - nichtkommerziell orientierte Gruppen
von Individuen (Communities).
Unternehmen - kommerziell orientierte Institutionen.
Fragestellungen: Warum entwickeln Unternehmen P2P-Lösungen?
Wie können Unternehmen P2P-Technologien für ihre
Geschäftstätigkeiten und zur Unterstützung unternehmensinterner
Prozese einsetzen?
Perspektive: Unternehmen betrachten P2P-Technologien aus einem
primär ökonomischen sowie evl. (sekundär) strategischen Blickwinkel.
Unternehmen suchen nach Lösungen, um interne oder externe Prozesse
effizienter und effektiver zu gestalten, beispielsweise um Kosten zu
sparen oder die Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern oder
Geschäftspartnern zu verbessern. Aus einer ökonomischen Perspektive
werden Unternehmen P2P-Technologien nur dann näher evaluieren, wenn
Grundfragen (z.B. Aspekte der
Sicherheit
und
Performance) hinweichend geklärt sind. Strategisch operierende
Unternehmen evaluieren P2P-Technologien aus einer weniger
lösungsorientierten Perspektive, sondern versuchen, das Potential
von P2P-Anwendungen mittel- und langfristig in ihre
geschäftsprozesse einzubinden.
Aspekte:
Arbeitsgruppen.
Gesamtunternehmen.
Organisationen - nichtkommerziell orientierte Institutionen.
Fragestellungen: Warum beschäftigen sich Organisationen mit
P2P-Lösungen? Wie können Organisationen P2P-Technologien für ihre
Aufgaben und zur Unterstützung organisationsinterner Prozese
einsetzen?
Perspektive:
Aspekte:
Individuen - Privatpersonen.
Fragestellungen: Warum entwickeln Privatpersonen
P2P-Anwendungen? Warum und wofür verwenden Individuen
P2P-Technologien? Welchen Nutzen können Individuen aus der Nutzung
von P2P-Technologien ziehen?
Perspektive: Individuen betrachten P2P-Anwendungen aus den
unterschiedlichsten Perspektiven, angefangen von einem
grundsätzlichen und eher diffusen technologischem Interesse für
Neues bis hin zu konkreten Bedürfnissen und Problemen, für die sie
eine Lösung suchen.
Aspekte:
Technisch. Privatanwender von Computern sind konfrontiert mit
einer Zunahme der Rechnleistung ihres PCs (Moore's Law),
wachsenden Festplattenkapazitäten und vor wenigen Jahren noch
unvorstellbar breitbandigen Internet-Zugängen. Der User sucht nach
Mäglichkeiten, das weitgehend brachliegende, aber bereits bezahlte
Potential dieser Technik besser auszunutzen. Oder anders formuliert:
Die leistungsfähigere Technologie eröffnet dem Privatanwender
Nutzungmöglichkeiten, die noch vor kurzem nicht vorstellbar waren.
Dieser Aspekt findet Gefallen seitens der Industrie und wird
entsprechend gefördert, u.a. durch
Intel und
Microsoft.
Ökonomisch. Privatanwender sehen sich konfrontiert mit einem
vielfältigen Angebot von Medien (beispielsweise zahllosen neu
erscheinenden Audio-CDs und Filmen), gleichzeitig jedoch auch mit
einem damit verbundenen Selektionsproblem: Kaum eine Privatperson
verfügt über ausreichend Ressourcen an Zeit und Geld, sich im
modernen Mediendschungel adäquat zu orientieren. Jedem Haushalt
steht ein mehr oder minder konstantes "Medienbudget" an Zeit und
Geld zur Verfügung, das hier investiert werden kann und auch
faktisch investiert wird. Eine Motivation zur Nutzung von
Anwendungen zum
File-Sharing ist daher rein ökonomisch orientiert:
Kontinuierlich steigende Preise für Audio-CDs, Videokassetten, DVDs,
Pay-TV usw. machen es unmöglich, alle möglicherweise interessanten
Medien käuflich zu erwerben. Die sog. "Tauschbörsen" werden
beispielsweise genutzt, um neue Musikstile und Interpreten zu
entdecken und in deren Produktionen hineinzuhören. Ob und wie das
Kaufverhalten dadurch nachhaltig beeinflusst wird ist derzeit
Gegenstand zahlreicher Studien.
Ein weiterer öffentlich geführter Diskurs erörtert die Berechtigung
zur
Privatkopie oder bekämpft das bisher verwendete Vergütungsmodell
durch
Pauschalabgaben. Der Diskurs wird z.Zt., zumindest in
Deutschland, allerdings nicht offen und lösungsorientiert geführt,
sondern primär ideologisch; wenn Pauschalabgaben auf Unterhaltungs-
und Kommunikationselektronik sowie Medien erhoben werden, sollte
eigentlich jeder zufrieden sein - auch die Datenmengen auf
Tauschbörsen müssen irgendwo gespeichert werden; eine vergütung
erfolgt dann also; werden die Daten gelöscht, wird auch niemand
geschädigt.
Gesellschaftlich-sozial. Privatpersonen empfinden häufig ein
diffuses Unwohlsein gegenüber dem Meinungsmonopol und der
Gatekeeper-Funktion der Medienindustrie. Mehr oder minder
erfolgreich suchen Privatpersonen nach Möglichkeiten, zu
kommunizieren und sich zu artikulieren, sei es durch CB-Funk oder
"offene Kanäle" im Kabelfernsehen. Mailboxnetze, Usenet und IRC
waren frühe Formen, dieses Bedürfnis durch Computerunterstützung
umzusetzen, aktuelle Formen sind Foren,
Annotations-,
Notifikations-
und Kommentierungsfunktionen,
Weblogging,
P2P Journalism
und in gewissem Umfang auch die sog.
Mind Projects.
Gemeinschaften - nichtkommerziell orientierte Gruppen von
Individuen (Communities).
Fragestellungen: Warum entwickeln Gemeinschaften
P2P-Anwendungen? Warum und wofür verwenden Gemeinschaften
P2P-Technologien? Welchen Nutzen können Gemeinschaften aus der
Nutzung von P2P-Technologien ziehen?
Perspektive:
Aspekte: