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Shawn Fanning

"Mr. Napster".

Akteure : Personen : Shawn Fanning : Übersicht
16-Apr-2002/14-Jan-07


Übersicht

Seit etwa Ende 2000 lässt der 19-jährige Studienabrecher die großen Musikkonzerne erzittern. Mit Hilfe seines mittlerweile weltweit verbreiteten Programms Napster tauschen die Nutzer ihre MP3- Dateien kostenlos untereinander aus und sparen sich nach Meinung einiger betroffenen Musiker so den Kauf der einen oder anderen CD.

Quelle: http://www.onearmedpony.org/sfanning/x/biography/images/index(shawn)(1).jpg

Die Geschichte seines Lebens beginnt 1980 auf einer High School Abschlussfeier, denn dort wurde er ungewollt gezeugt. Obwohl sein leiblicher Vater das Weite suchte, entschied sich die damals erst 17-jährige werdende Mutter Colleen Fanning letztlich gegen eine Abtreibung. Unter schwierigen sozialen Bedingungen wuchs er dann in Brockton und Harwich Port (Massachusetts) auf. Seine Mutter heiratete später einen LKW-Fahrer und im Laufe der Zeit bekam Shawn vier weitere Brüder und Schwestern. Während Colleen Haushalt und Kinder versorgte, arbeitete sein Stiefvater als Auslieferer für eine örtliche Bäckerei, verdiente aber nicht besonders viel. Wie Shawn sich erinnert, stand das Thema Geld immer auf der Tagesordnung. Die Dinge liefen für die Familie Fanning nicht besonders gut. Da seine Eltern Job und Wohnung verloren hatten und obdachlos wurden, lebte er mit seinen jüngeren Geschwistern ein Jahr lang in einer Pflegefamilie.

Doch in seinem Onkel (und späteren Napster-Teilhaber) John Fanning fand Shawn früh einen großzügigen Förderer. 1996 bekam er von ihm einen Computer - einen Apple Macintosh 512+ - inklusive Internetanschluss geschenkt. Außerdem konnte Shawn während der Sommerferien in der Firma seines Onkels erste Computer- Erfahrungen machen. Es dauerte nicht lange und seine bisher begeistert ausgeübten sportlichen Aktivitäten gerieten deswegen ins Hintertreffen. Nach Abschluss der High School begann er dann im Herbst 1998 ein Studium der Computerwissenschaften an der Northeastern University in Boston. Bereits hier spielte der Name Napster eine große Rolle in seinem Leben; es war sein Nickname in Internet Relay Chat-Räumen (IRC), wo er sich mit erfahrenen Programmierern unterhielt und so seine Computerkenntnisse stetig ausbaute.

Den umstrittenen und kürzlich von Bertelsmann teuer erkauften Napster-Stein brachte sein musikbegeisterter Zimmergenosse Matt ins Rollen. Dieser war im Netz ständig auf der Suche nach neuen Musikstücken im MP3-Format. Des öfteren lud er seinen Frust über schlecht zu findende MP3-Dateien, über tote Links oder nicht aktualisierte Suchmaschinen bei Shawn ab und fand dort einen interessierten Zuhörer. Fanning machte sich alsbald inspiriert ans Werk, musste sich dafür sogar ein für die Windows- Programmierung geschriebenes Buch besorgen, da er bislang er nur unter UNIX gearbeitet hatte.

Anfänglich für Shawn nur ein kleines Nebenbei-Projekt, begann Napster rasch und unaufhaltsam zu wachsen. Nach Fertigstellung einer ersten Testversion verteilte er diese an einige Freunde und bereits kurz darauf wurde er von einer ganzen Reihe an Reaktionen und Anfragen förmlich überrollt. Mit dem Wachsen der Ansprüche wuchs aber auch der für die Weiterentwicklung von Napster nötige Zeitbedarf. Im Winter beschloss er, sein Studium zu unterbrechen. Die Arbeit an seiner Software kostete ihn einfach zu viel Zeit. Eigentlich wollte er ursprünglich nur eine Auszeit nehmen und Napster fertig stellen, doch mittlerweile ist er sich sicher, sein Studium nicht mehr zu beenden.

Die Grundidee seiner "Music-Community" fand rasch viele Anhänger. Im Mai 1999 gründete er mit tatkräftiger Unterstützung seines bereits erwähnten Onkels John die Napster Incorporated. Sein in Virginia lebender Freund Sean Parker - er hatte ihn im IRC kennengelernt - stieg Mitte 1999 in das Projekt ein. Zusammen mit John Ritter, auch ihn hatte Shawn im IRC getroffen, veröffentlichte das Trio im Juni 1999 eine offizielle Beta-Version und verfeinerten diese mit Hilfe der bis zu diesem Zeitpunkt noch relativ wenigen Nutzer. Aber der Dienst sprach sich im Netz schnell herum und bereits in den ersten Wochen zählten sie an die 15.000 Downloads. Als Download.com das Programm im Herbst 1999 zum "Download of the week" erklärte, explodierte die Nutzerzahl sprichwörtlich.

Dieser riesige Erfolg führte dazu, dass sich sein Onkel John erfolgreich um 15 Millionen Dollar Risikokapital bemühte und die Firma im September 1999 offizielle Geschäftsräume in San Mateo (Kalifornien) bezog. Doch der unerwartete Erfolg ließ die Musikindustrie schnell aufhorchen und so dauerte es nicht lange, bis sich eine mächtige Allianz gegen den MP3-Tauschdienst entwickelte. Im Juni 2000 strengte der Verband der amerikanischen Musikindustrie (RIAA) eine Klage wegen Verletzung der Urheberrechte gegen Napster an. Nach einigem hin-und-her und der zeitweiligen zwangsweisen Schließung der Seite, steht eine endgültige Entscheidung darüber aber immer noch aus.

Ende des Jahres 2000 folgte nun sein zweiter großer Deal. Frei nach dem Motto "Mache deinen Feind zum Freund" konnte er Ende Oktober einen Kooperationsvertrag mit der Bertelsmann eCommerce Group unter Dach und Fach bringen. Diese unterstützen Napster nun finanziell beim Aufbau eines kostenpflichtigen Abonnementsystem, das nach Fertigstellung insbesondere die Titel der bei der BMG unter Vertrag stehenden Künstler digital vertreiben soll. Die BMG zog daraufhin die Klage gegen Napster zurück. Ob Fanning damit dem bislang bekannten Napster einen Bärendienst erwiesen haben könnte, wird sich zeigen. Der noch vor kurzem als "Held der Generation @" bezeichnete Fanning zog durch dieses Geschäft mit der unbeliebten Gegenseite die Wut seiner Fans und der über 30 Millionen registrierter Napster-Nutzer auf sich. In Diskussionsforen und Newsgroups wird zum Boykott aufgerufen und ein erneutes "Abtauchen in den Untergrund" angekündigt.

Dem Geschäftsmann Shawn Fanning wird dies wenig ausmachen; erst kürzlich wurde er von der renomierten Zeitschrift "Entertainment Weekly" auf Platz sechs der 101 wichtigsten Persönlichkeiten aus dem Show Business gewählt.

Quelle: www.politik-digital.de/koepfe/fanning.

Netmarks

Politik-Digital.de: "Shawn Fanning - Mr. Napster",
Von Michael Bornkessel <mbornkessel@politik-digital.de>, Friday, 10. November 2000, 13:03:46 +0100,
www.politik-digital.de/koepfe/fanning.

Onearmedponydotorg: Shawn Fanning - Biography,
www.onearmedpony.org/sfanning/x/biography/index.htm.

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