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Schlafsack
Info Schlafsack
- Der Schlafsack
- Grundsätzliches
- Temperaturwerte
- Einsatzbereiche
- Daunenschlafsäcke
- Kunstfaserschlafsäcke
- Verarbeitung der Füllmaterialien
- Außen-/ Innenbezüge
- Form und Ausstattung
- Kombinieren & Koppeln
- Gewichtsangaben
- Packvolumen
- Pflege und Lagerung
- Inletts
- Isoliermatten
Der Schlafsack
Der Schlafsack ist einer der wichtigsten Bestandteile der Ausrüstung.
Auf vielen Touren ist er über einen langen Zeitraum hinweg der einzige
"warme" Ort, an dem der Mensch Schlaf findet und sich von psychischen
und physischen Belastungen erholen kann.
Klar, daß die richtige Wahl des Schlafsackes eine entscheidende Rolle
für den Verlauf und Erfolg der Tour spielt ob am Wochenende in der
Heide oder auf Expeditionen.
Schlafsack-Kauf ist Vertrauenssache.
Fachliche Information und Beratung haben einen besonders hohen
Stellenwert, denn in kaum einem anderen Bereich sind die Normen von
Qualität und Verarbeitung so verwaschen wie auf dem Schlafsacksektor. Um
auf Nummer Sicher zu gehen und einen Schlafsack zu finden, der wirklich
hält, was der Hersteller verspricht, ist gute Fachkenntnis notwendig.
Damit Sie "nicht die Katze im Sack kaufen", gibt es folgende Infos.
a Deckenschlafsack Sehr komfortabel dank weitem Schnitt, aber
ungünstige Wärmeleistung und höheres Gewicht als beim Mumienschlafsack.
b Let's Move Überaus komfortabel dank weitem Schnitt im Knie- und
Schulterbereich.
c Mumienschlafsack Körpernaher Schnitt für optimales
Gewicht/Wärmeleistungsverhältnis.
Grundsätzliches
Bevor Sie sich zum Kauf eines Schlafsacks entschließen, sollten
genaue Vorstellungen über dessen Einsatzbereich existieren. Es engt den
zur Auswahl stehenden Kreis erheblich ein und vereinfacht es Ihnen, sich
einen Überblick zu verschaffen.
Die folgenden vier Faktoren können ausschlaggebend für unnötigen
Wärme/Energieverlust des Körpers sein, man sollte ihnen daher von
vornherein Beachtung schenken.
Konvektion (Austausch)
Durch Luftzirkulation wird Wärme entzogen. Bei leicht geöffnetem
Schlafsack mischen sich warme und kalte Luft ständig, so daß der Körper
zum Erwärmen der Luft immer neue Energie benötigt. Das gleiche gilt für
zu große Schlafsäcke.
Radiation (Strahlung):
Der Körper gibt ständig Wärme an die Umgebung ab. Ein Schlafsack
reflektiert und speichert diese Wärme in den Luftzwischenräumen des
Füllmaterials.
Mit der Bauschfähigkeit (dem Alter) des Materials nimmt die
Isolationsfähigkeit ab.
Evaporation (Verdunstung):
Auf der Haut entstehende Feuchtigkeit trocknet der Körper durch
Wärme. Wird die Haut trocken gehalten, (die Feuchtigkeit z.B. durch
Kunstfasern abgeleitet), spart der Körper Energie.
Konduktion (Ableitung):
Wärme wird in unterschiedlichem Maße von Materialien geleitet. Je
schlechter ein Material Wärme leitet, desto besser isoliert es. Bei
direktem Kontakt mit kaltem Boden fließt Wärme sehr schnell ab. Von
daher sind Isoliermatten notwendig.
Frauen- oder Männerschlafsack?
Ob der Schlafsack für Frauen oder Männer zugeschnitten ist, spielt
kaum eine Rolle. Viel wichtiger ist, das individuelle Kälteempfinden
richtig einschätzen zu können, einen der Körpergröße entsprechenden
Schlafsack zu haben und sich über Einsatz- und Anwendungsbereich im
klaren zu sein. Egal, ob Frau oder Mann, wer leicht friert, sollte
lieber gleich zum wärmeren Schlafsack greifen.
Temperaturwerte
Komfortangaben beziehen sich auf Temperaturen, bei denen der Mensch
noch eine wohlige Wärme im Schlafsack empfindet (wobei das Wohlbefinden
von deutlich mehr Faktoren abhängt).
Extremangaben über Temperaturleistungen sollte keine Bedeutung
zugemessen werden, denn sie gewähren keinen erholsamen Schlaf mehr. Alle
Temperaturangaben berücksichtigen die Verwendung einer Isomatte.
Ganz entscheidend ist die Größe von Schlafsack und Schläfer.
Füllt ein kleiner Mensch den Schlafsack nur zum Teil aus, befindet sich
vor allem im Fußbereich viel ungenutzter Luftraum. Die abgegebene
Körperwärme im Fuß-Bein-Bereich reicht dann nicht aus, den Raum im
Schlafsack zu erwärmen. Die Folge sind kalte Füße.
Allerdings fühlen sich manche Menschen in mumienförmigen Schlafsäcken
nicht wohl, sie brauchen Platz, den die eiförmigen Let’s Move
Schlafsäcke bieten.
Ein weiterer Faktor ist die Wärmeabgabe des Schläfers. Ein Mensch, der
ausgekühlt, erschöpft und ohne ausreichende Nahrungszufuhr ist,
produziert weniger Körperwärme als ein ausgeruhter, wohlgenährter.
Nicht der Schlafsack erzeugt die Wärme, sondern der Mensch, der darin
schläft. Der Schlafsack soll die abgegebene Wärme optimal speichern.
Luftfeuchtigkeit und Wind spielen für das Kälteempfinden ebenfalls eine
wichtige Rolle. Bei hoher Luftfeuchtigkeit wird Kälte viel unangenehmer
empfunden als in einer trockenkalten Frostnacht. Wer mit dem Schlafsack
häufig unter freiem Himmel übernachtet, sollte darauf achten, daß das
Außenmaterial möglichst wind- und feuchtigkeitsabweisend ist. Denn
gerade Wind hat mit zunehmender Geschwindigkeit einen enormen
Auskühlungseffekt.
Zuletzt entscheiden die eigene Konstitution und das persönliche
Kälteempfinden darüber, ob ein etwas wärmerer Schlafsack notwendig ist.
Einsatzbereiche
Um Klarheit zu schaffen, sind die Einsatzbereiche der Schlafsäcke in
Temperaturbereiche gegliedert, denn ein Tropenschlafsack eignet sich
nicht nur für die Tropen und der Campingschlafsack nicht nur zum Campen.
Milde Temperaturen über +5°C. Dazu zählen beispielsweise Schlafsäcke in
Deckenform, sehr leichte Modelle für Hütten oder Tropen, sowie einfache
Schlafsäcke.
Bei Schlafsäcken für den Temperaturbereich von +5° bis -10°C spielen
Schnitt (Mumie), Verarbeitung, Gewicht und Füllmaterial schon eine
wichtige Rolle.
Häufig gelten diese Schlafsäcke als 3-Jahreszeiten-Modelle, da sie im
späten Frühjahr, Sommer und frühen Herbst zum Einsatz kommen.
Je tiefer die Temperaturen, desto wichtiger die Qualität des
Schlafsackes: -10° bis -20°C. Herbst- und Winterschlafsäcke in
Mumienform.
Zu extremen Bedingungen zählt der Temperaturbereich von -20° bis -30°C.
Mumienförmige Schlafsäcke, die unter extrem winterlichen Bedingungen und
im Gebirge zum Einsatz kommen.
Zu guter Letzt die Schlafsäcke mit dem wohl eingeschränktesten
Einsatzbereich von -30° bis -40°C. Konstruiert für polare Gebiete und
Hochgebirgstouren.
In den einzelnen Beschreibungen der Schlafsäcke finden sich immer
Temperaturangaben, die mit der hier angegebenen groben Einteilung in
Einsatzbereiche die Auswahl einschränken, und im Endeffekt erleichtern
sollen.
Natürlich ist der Einsatzbereich auch abhängig vom Füllmaterial. Daune
reagiert z.B. empfindlich auf Feuchtigkeit; sie klumpt und isoliert im
schlimmsten Fall nicht mehr. Daher ist ein Kunstfaserschlafsack in
feuchten Gebieten geeigneter.
Eines haben alle Füllungen gemeinsam: durchs Körpergewicht werden sie
zusammengedrückt und isolieren nicht mehr ausreichend. Eine Isomatte ist
daher (fast) immer notwendig.
Daunenschlafsäcke
Sie sind zu empfehlen, wenn minimales Packmaß und geringes Gewicht
gefragt sind: das Verhältnis zwischen Isolation, Gewicht und Packmaß ist
einfach unschlagbar.
Die Daune hat hervorragende feuchtigkeitsregulierende Eigenschaften: sie
speichert die Feuchtigkeit und hält den Schläfer trocken. Daher herrscht
im Schlafsack ein angenehm trockenes und warmes Schlafklima. Allerdings
kann sich die Speicherfähigkeit der Daune auch nachteilig auswirken,
denn feuchte Daunen verlieren erheblich an Isolationsvermögen. Wer
ausgedehnte Unternehmungen bei permanent hoher Luftfeuchtigkeit plant
(z.B. in die Tropen oder zur See), sollte keinen Daunenschlafsack
verwenden. Durch äußere Umstände ist es schwer möglich, den Schlafsack
vollständig zu trocknen.
Zwar können Daunen max. das 3fache ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit
aufnehmen, bevor sie substantiell an Loft verlieren, trotzdem würden sie
bei derart hoher Luftfeuchtigkeit verklumpen und eventuell beschädigt
werden.
Grundsätzlich sollte der Schlafsack vor Feuchtigkeit von außen geschützt
werden, beispielsweise durch einen wasserdichten Transportbeutel.
Kleine Daunenkunde
Die Daune ist ein einzigartiges Produkt der Natur und läßt sich bis
heute durch keine künstlich erzeugte Faser ersetzen. Gewonnen werden
Daunen von Enten und Gänsen. Sie bestehen aus vielen strahlenförmigen
Verästelungen, die von einem Kern aus in alle Richtungen herauswachsen
und mit einem weichen Flaum "überzogen" sind. Dadurch wird die Luft zu
einem Polster eingefangen, und dieses Luftpolster isoliert.
Ein wichtiges Qualitätsmerkmal für eine gute Daune ist ihre Größe und
Bauschfähigkeit, die unmittelbar vom Alter des Tieres und seinem
Lebensraum abhängt. Tiere aus kalten Regionen besitzen eine wesentlich
größere und kräftigere Daune als Tiere warmer Klimazonen.
Zudem ist die Daune ausgewachsener Gänse wesentlich dichter und größer,
als die Daune ausgewachsener Enten, daher gilt die Gänsedaune allgemein
als bessere Qualität: hohe Isolationswerte, bei geringer
Füllmenge/Gewicht. Dadurch ist es möglich, leichte Daunenschlafsäcke im
Temperaturbereich bis -40°C zu produzieren.
Im Schlafsack verwendete Daunenfüllungen sind immer eine Mischung aus
Daunen und Federn. Dieses Mischungsverhältnis wird bei unseren
Schlafsäcken grundsätzlich in Gewichtsprozenten angegeben.
Die Bezeichnung 90/10% bedeutet, daß sich die Füllung zu 90% aus Daunen
und 10% aus Federn zusammensetzt. Höhere Federanteile (z.B. 70/30% oder
50/50%) verringern die Bauschfähigkeit und infolgedessen das isolierende
Luftpolster. Ganz ohne Federn kommen auch sehr hochwertige
Daunenschlafsäcke nicht aus. Ein geringer Anteil ist zum Stützen der
Daunen immer erforderlich.
Jedoch klärt eine Mischungsbezeichnung 90/10% nicht darüber auf, ob es
sich bei der Füllung um eine Enten- oder Gänsedaune, minderer oder
hochwertiger Qualität handelt.
Um die Qualität bestimmen zu können, wird auf die Fillpower-Meßmethode
zurückgegriffen. An ihr ist die Bausch- oder Tragfähigkeit einer
Mischung zu ersehen.
Eine Unze (28 g) einer Daunenmischung wird in einem Meßzylinder für 24
Stunden zusammengepreßt. Anschließend wird das Volumen gemessen, auf das
sich die Probe ausdehnt und in inches3 (1 inch3 = 15,62 cm3) angegeben.
Eine Füllkraft ab 550 inches3 aufwärts ist gut, ab 650 Spitzenklasse.
Kurz gesagt, je mehr Volumen eine Daunenmischung bei gleichem Gewicht
erzeugt, desto besser ist auch ihr Isolationswert.
Leider ist die Fillpower Messung auf dem deutschen Markt noch keine
Vorschrift. Und Schlafsäcke mit Halbdaunen-Füllung dürfen noch immer als
Daunen-Schlafsäcke bezeichnet werden, obwohl der Inhalt zu 85% aus nicht
bauschfähigen Federn besteht.
Kunstfaserschlafsäcke
Kunstfasern können mit der Daune im Vergleich zu Gewicht, Packvolumen
und Schlafklima nicht konkurrieren. Jedoch besitzen sie andere
vorteilhafte Eigenschaften: die Faser nimmt wenig Feuchtigkeit auf,
daraus resultiert eine kurze Trockenzeit. Die Füllung verliert auch in
nassem Zustand kaum Loft.
Aus diesen Eigenschaften ergeben sich folgende Einsatzmöglichkeiten:
bei ausgedehnten Unternehmungen, in Gebieten mit permanent hoher
Luftfeuchtig keit.
bei der Benutzung von wasserdichten Bi- waksäcken (Kondenswasser).
bei ausgedehnten Wintertouren.
Die Kunstfaserfüllungen werden aus Polyesterfasern verschiedenster Art
hergestellt. Wichtig für die Bauschfähigkeit ist die
Oberflächenbehandlung der Fasern. Unter dem Mikroskop hat die
Polyesterfaser eine rauhe Oberfläche. Die einzelnen "Fäden" können sich
so stark ineinander verhaken, daß sie sich nicht mehr aufbauschen.
Deshalb werden die Fasern mit einer glatten Silikonschicht ummantelt. Je
aufwendiger dieses Verfahren und der Aushärtungsgrad des Silikons ist,
desto länger bleibt die Bauschfähigkeit der Faser erhalten.
Bei Billigprodukten verschwinden diese Beschichtungen häufig schon nach
der ersten Wäsche. Deshalb sollten Sie beim Kauf eines
Kunstfaserschlafsackes auf Markenfasern zurückgreifen, da sie die
einzige Gewähr für beste Faserqualität sind.
Quallofil-7 von DuPont. Anfang der achtziger Jahre kam Hollofil als eine
der ersten Hohlfasern auf den Markt. Daraus entwickelte sich Quallofil
mit 4 Kanälen und schließlich Quallofil-7 mit 7 Kanälen: reduziertes
Gewicht ohne Stabilitätsverlust. Quallofil-7 ist die hochwertigste Faser
von DuPont.
Thermolite Extreme brandneu und ebenfalls von DuPont. Im Grunde ist
aus 3 Fasertypen eine enstanden: sehr feine, sowie thermofixierte
Vollfasern und spiralförmige Hohlfasern mit 3 Kanälen. Um aus drei
Komponenten eine Einheit zu schaffen, werden die Fasern vertikal
ausgerichtet. Ziel ist die Bauschfähigkeit, Kompression und Haltbarkeit
zu optimieren. Wird von Nordisk verarbeitet.
MTI-Loft, Ultraloft und Terraloft werden von Ajungilak verarbeitet.
MTI-Loft besteht aus silikonisierten Hohlfasern, während Terraloft eine
Mischung aus Hohlfasern und Spiralfasern ist. Ultraloft setzt sich aus
Mehrkanalhohlfasern und Spiralfasern mit hoher Elastizität zusammen.
Polarguard geht mit Polarguard 3D in die dritte Generation.
Ausschlaggebendes Merkmal von Polarguard 3D ist die Struktur der Faser:
sie ist gekräuselt, deutlich elastischer und bauschfähiger als andere
Fasern. Die 3D-Version ist feiner als ihre Vorgänger (s.u.) und weist
bessere Isolationswerte auf; bei entsprechender Isolierleistung wird
deutlich weniger Füllmaterial benötigt.
Polarguard HV (high void) ein Vorgänger. Ebenfalls eine Endlosfaser
mit Hohlkammer, jedoch ohne spezielle Struktur (glatt).
Polarguard ist die einzige Endlosfaser auf dem Markt; Vliese aus
Endlosfasern sind deutlich reißfester als Material aus kurzen
Stapelfasern. Wird in Schindeltechnik verarbeitet.
Verarbeitung der Füllmaterialien
Daunen
Würde man die Füllung einfach in den Schlafsack schütten, könnte sie
verrutschen und sich verwickeln. Daunen werden normalerweise in Kammern
gefüllt. Die Größe der Kammer muß genau auf das Bauschvolumen der Daune
abgestimmt sein. H- und Schrägkammern sind die üblichen Kammersysteme.
Trapezkammern sind, wie der Name vermuten läßt, im Querschnitt
trapezförmig. Durch die Überlagerung der Kammern sind die Daunen auch
bei Kompression gleichmäßig verteilt.
V-Kammern (siehe Zeichnung) sind am aufwendigsten zu nähen und gewähren
die beste Isolation.
Daunenkammersysteme von oben nach unten:
Durchgesteppt:
Sollte nur bei leichten Sommerschlafsäcken zu finden sein.
H-Kammern:
In Kombination mit hochwertiger Daunenqualität durchaus gut für leichte
Minusgrade.
Schrägkammern:
Aufwendige, teure Verarbeitungsart. Mit ihr lassen sich sehr gute
Wärmeleistungswerte erreichen.
V-Kammern:
Aufwendigste Form der Kammerkonstruktion. Sehr teuer, dafür sind
optimale Wärmewerte möglich.
Kunstfaserverarbeitung Schindeltechnik:
Die Verarbeitungsart bei Schlafsäcken mit Polarguard-Füllung.
2lagig:
Beide Lagen sind nicht miteinander verbunden (durchgenäht). Dadurch
werden Wärmeverluste durch Nähte verringert.
3lagig:
Teure, aufwendige Verarbeitungsart für hohe Wärmeleistung, daher nur bei
Winterschlafsäcken zu finden.
Kunstfasern
Quallofil und andere Füllungen werden grundsätzlich auf einem
hauchdünnen Trägermaterial fixiert und mit Außen- und Innengewebe
verbunden. Je nach erwünschter Wärmeleistung, in mehreren Lagen.
Polarguard wird im Prinzip wie Dachschindeln verarbeitet (siehe
Zeichnung) und direkt am Außen- und Innenmaterial vernäht.
Außen- / Innenbezüge
Hochwertige Schlafsäcke haben daunen-, bzw. "faserdichte" Bezüge:
häufig Nylon- oder Polyestergewebe. Sie sind leichter und reißfester als
Baumwollbezüge.
Soll die Schlafsackfüllung vor Feuchtigkeit geschützt werden, so
empfehlen sich folgende Außenmaterialien.
Mikrofasergewebe: sie zeichnen sich durch die Verarbeitung feinster
Fasern in bestimmter Webart aus, z.B. Pertex Nylon; winddabweisend.
Für extreme Temperaturbereiche bietet sich Super Dryloft von Gore an
(z.B. Western Mountaineering). Es ist eine gestreckte Gore-Tex Membran,
laminiert auf Rip-Stop-Nylon.
Durch die Streckung erhöht sich die Wasserdampfdurchlässigkeit der
Membran, trotzdem ist sie resistent gegen Feuchtigkeit (ca. 8 m
Wassersäule) und absolut winddicht.
Windabweisendes / -dichtes Gewebe wirkt sich grundsätzlich positiv auf
die Wärmeleistung des Schlafsacks aus.
Von Futterstoffen aus Baumwolle haben die meisten Hersteller Abstand
genommen. Nylon wird häufiger verwendet, da es im Vergleich zur
Baumwolle deutliche Vorteile hat:
Nylon ist leichter als Baumwolle und reduziert das Gesamtgewicht des
Schlafsackes wesentlich.
Nylon ist verschleißfester und verschmutzt nicht so schnell.
Nylon trocknet wesentlich schneller, spakt nicht und entwickelt keinen
"Eigengeruch".
Ein Kompromiß ist Baumwolle / Nylon oder Viskose / Nylon Gewebe. Viskose
saugt Feuchtigkeit auf, und Nylon garantiert eine zufriedenstellende
Abriebfestigkeit. Dieses Mischgewebe trocknet im Gegensatz zu Baumwolle
schneller.
Wer trotz allem nicht auf Baumwolle verzichten will, sollte sich ein
leichtes Baumwollinlett in den Schlafsack legen (siehe Inletts).
Polyester ist seit der Saison ‘95 ein Thema. North Face hat damit
begonnen und ist dabei geblieben. Allerdings handelt es sich nicht mehr
um das anfängliche Thermastat, sondern um VaporWick Taffeta: sehr
weiches, fließendes Material, mit glatter Oberfläche.
Form und Ausstattung
Wichtig ist der Differentialschnitt:
Schlafsäcke sollten grundsätzlich so geschnitten sein, daß die innere
Hülle etwas kleiner als die äußere ist, damit ein Zusammendrücken der
Füllung durch die Hülle verhindert wird.
Form und Wärmeleistung stehen in unmittelbarem Zusammenhang.
Für warme Temperaturen reicht ein geräumig geschnittener
Deckenschlafsack aus. Bei kühleren Temperaturen ist eine auf Körperform
geschnittene Mumie notwendig, um die Wärmeabgabe des Körpers zu
speichern.
Unausgefüllter Luftraum im Fuß-Bein-Bereich kann bei kühleren
Temperaturen vom Körper kaum noch erwärmt werden. Aus diesem Grund sind
umlaufende Reißverschlüsse (Deckenschlafsack) für tiefere Temperaturen
ungeeignet. Gerade der Fußteil eines Schlafsackes sollte durch spezielle
Kammerfüllungen die geringe Wärmeabgabe der Füße ausgleichen. Ein
Reißverschluß, der dieses System durchschneidet, ist trotz Abdeckleiste
eine enorme Kältebrücke.
Reißverschluß-Abdeckleiste:
Verhindert das Entweichen der Wärme durch den RV.
Wärmekragen:
Soll das Entweichen der wärme bzw. das eindringen kalter luft in den
Schlafsack verhindern.
Für den normalgebrauch nich erforderlich, erhöht das Gewicht des
Schlafsacks.
Ein weiteres Ausstattungsmerkmal ist der Wärmekragen. Häufig ist er
jedoch weniger wert, als sein Name verspricht. In Schlafsäcken, die bei
tiefen Temperaturen eingesetzt werden, verhindert er das Entweichen des
mühsam vom Körper aufgewärmten Luftpolsters. Bei Schlafsäcken der
mittleren und oberen Temperaturbereiche ist er eigentlich überflüssig,
denn ein guter Schnitt, der die Schultern umschließt, erfüllt die
gleiche Funktion. Besser ist es, auf einen guten Gesamtschnitt, als auf
überflüssige Details zu achten. Sehr wichtig ist eine exakte
Konturkapuze, die die Auskühlung des Körpers über den Kopf verhindert.
Dies kann bis zu einem Drittel der gesamten Wärmeleistung ausmachen. Wer
nachts frierend aufwacht, sollte sich in jedem Fall erstmal die Kapuze
über den Kopf ziehen oder eine Mütze aufsetzen.
Kombinieren & Koppeln
Einen Schlafsack für alle Anwendungsbereiche gibt es nicht! Unter
bestimmten Voraussetzungen ist es aber möglich, einen geräumigen
Schlafsack mit einem engeren Schlafsack zu kombinieren und folglich 3
Schlafsäcke für unterschiedliche Einsatzbereiche zu haben.
Achtung: Es nützt nichts, irgendeinen Schlafsack in einen anderen zu
stopfen! Lassen Sie sich unbedingt beraten.
Zwei Schlafsäcke koppeln ist hingegen viel einfacher. Voraussetzung:
exakt passende Reißverschlüsse! Ob der RV links oder rechts ist, ist
vielen egal, man arrangiert sich mit dem was dran ist! Wer sauber
koppeln will, braucht jedoch beide RV-Versionen von einem
Schlafsack-Typ; die Länge ist Nebensache. Den linken an den rechten
gezippt entsteht ein gemütlicher Schlafsack für zwei! Daß
unterschiedliche Typen zum Koppeln geeignet sind, ist selten. Häufig
killt man spätestens beim zweiten Versuch mindestens einen
Reißverschluß.
Gewichtsangaben
Die Gewichtsangaben sind Durchschnittswerte, die unter Umständen bis
zu 10% nach oben oder unten abweichen. Schuld sind Fertigungstoleranzen
bei der Herstellung. Die Gewichtsangabe beinhaltet den mitgelieferten
Packsack.
Packvolumen
Vergleichsmöglichkeit durch AFT-Prinzip: Jeder Schlafsack wird in
einen Meßzylinder gestopft und über eine bestimmte Zeit mit 50 kg
beschwert; Luft entweicht, das Füllmaterial wird komprimiert. 50 kg
entsprechen etwa dem Druck, der beim Stopfen des Schlafsacks in den
Beutel entsteht. Eine Skala am Zylinder verrät das Packvolumen des
komprimierten Schlafsacks.
Packvolumen:
Jeder Schlafsack wird in einen Meßzylinder gestopft und eine bestimmte
Zeit mit 50 kg beschwert; eine Skala zeigt das verbleibende Packvolumen
des komprimierten Schlafsacks.
Pflege und Lagerung
beeinflussen die Lebensdauer eines Schlafsackes.
Um das Füllmaterial zu schonen, sollen Schlafsäcke zwischen den Touren
nicht zusammengepreßt im Packbeutel liegen bleiben. Besser ist es, den
Schlafsack, trocken und sauber, in einem größeren Aufbewahrungsbeutel zu
lagern. Grundsätzlich ist Lüften schonender als Waschen, mancher Mief
verschwindet buchstäblich im Wind. Ist der Schlafsack stark verschmutzt,
sollte er unter der Beachtung der vom Hersteller angegebenen
Waschvorschriften gewaschen werden. Weniger Waschmittel bedeutet mehr
Lebensdauer und wenn überhaupt welches verwendet werden muß, sollte es
ein spezielles Daunenwaschmittel sein (auch für Kunstfasern). Nur in
großen Waschtrommeln (z.B. 7,5 kg) waschen und gut ausspülen.
Außenmaterial und Füllung können durch UV-Strahlung Schaden nehmen,
direkte Sonneneinstrahlung daher vermeiden.
Inletts
In erster Linie schützen sie Schlafsackgewebe und -füllung vor
Schmutz, in zweiter Linie erhöhen sie die Wärmeleistung. Insgesamt sind
sie einfach zu waschen, trocknen schnell und ersparen das häufige
reinigen des Schlafsacks.
Inletts gibt es aus Baumwolle, Seide und Fleece. Naturfasern sind oft
angenehmer auf der Haut, sorgen aber für ein kühleres Schlafklima, denn
sie nehmen Feuchtigkeit auf und speichern sie direkt am Körper.
Daher ist für niedrige Temperaturen ein Fleeceinlett zu empfehlen, das
Feuchtigkeit vom Körper ableitet. Es erweitert den Temperaturbereich in
den Minusgraden zwischen 5 und 8°C.
Zwei Schnitte sind üblich: der klassische Jugendherbergssack mit
Kissenfach und die Mumienform. In warmen Gebieten lassen sie sich gut
als leichte Schlafsäcke verwenden.
Isoliermatten
Naturgemäß wird die Füllung des Schlafsackes durch das Körpergewicht
zusammengedrückt. Infolgedessen geht ein großer Teil des
Isoliervermögens verloren; der Schläfer liegt ungeschützt auf dem kalten
Boden (Konduktion). Eine Isoliermatte ist daher unerläßlich.
Hergestellt werden die Matten in unterschiedlichen Qualitäten. Einfache
PE-(Polyethylen)-Matten kann man (leider) als Einwegartikel ansehen.
Nach dem Urlaub sind sie platt und verschlissen, denn die Wände zwischen
den Kammern sind zerdrückt und halten kein Luftpolster mehr. Hochwertige
Produkte sind in ihrer Qualität sehr beständig.
Guter PE-Schaum nimmt kein Wasser auf (geschlossenzellig), ist leicht,
reißfest, elastisch und druckbeständig.
Am herausragendsten finden sich diese Eigenschaften bei Evazoteschaum
(Ethylen-Vinylacetat), der außerdem sehr rutschfest und bei Kälte
flexibel bleibt. Evazote Matten werden rein physikalisch geschäumt, so
daß im Endprodukt keinerlei Treibmittelrückstände enthalten sind, die
die chemischen, physikalischen und biologischen Eigenschaften
beeinträchtigen könnten.
Viele empfinden Luftmatratzen komfortabler als Isomatten. Aber sie sind
erheblich schwerer (ausgenommen Leichtluftmatratzen) und isolieren
nicht, weil die Luft in der Hülle zirkulieren kann. Sie sind sehr
sperrig und werden meistens außen am Rucksack angebracht. Wer
öffentliche Verkehrsmittel (bes.
Flugzeug) benutzen muß, sollte prüfen, ob am Zielort nicht eine
ausreichende, günstige Matte zu erstehen ist, die nach der Tour
verschenkt werden kann.
Anders ist es bei Thermo-Luftmatratzen, die mit weichem, offenzelligem
PU-(Polyurethan)-Schaum gefüllt sind. Hier ist die Zirkulation
unterbunden und die Isolation ist hervorragend. Die äußere Nylonhülle
verhindert, daß sich der offenporige PU-Schaum mit Wasser vollsaugen
oder Luft entweichen kann.
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