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Konzept des Kefk Network
Von Agon S. Buchholz
für Kefk Network, November 2001 ff.
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03-Nov-2001/07-Jan-06
Übersicht
Das Kefk Network ist konzipiert als semantisches Netz, das
zahlreiche Themenbereich,
unterschiedliche Inhalte und
verschiedene Formen umspannt und faktisch enzyklopädischen Anspruch
erhebt. Die Verknüpfungen der einzelnen Bereiche
werden durch elektronische Verweise (Hyperlinks) dargestellt, wie
es dem Medium World
Wide Web (WWW) entspricht.
Ideell verfolgen wir dabei einen Ansatz, den bereits
Pierre Bayle mit
seinem
Dictionnaire historique et critique (DHC) im 17. Jahrhundert
vorgezeichnet hat: In seinem DHC verwandte er eine aufwändige
Seitengestaltung mit zahllosen Fußnoten und Querverweisen: »Jeder
Meinung gesellt er sofort eine Gegenmeinung bei, um dem Benutzer
selbständiges Denken abzunötigen« [1].
Der Satzspiegel des DHC illustriert ein konsequentes Denken in
nichtlinearen Strukturen, wie wir es auch mit dem im Kefk Network
praktizierten Hypertext-Konzept verfolgen: Verschiedene Inhaltsbereiche
verweisen aufeinander, ergänzen oder widersprechen anderen Textorten –
es entsteht ein komplexes Wissens-Netzwerk.
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Abbildung: Reproduktion einer Seite aus dem
Dictionnaire historique et critique
(1694-1697) von
Pierre Bayle. Die nebenstehend widergegebene
Seite 2306 illustriert den aufwändigen Satzspiegel des
Werkes, der ein- und zweispaltigen Satz, Fußnoten und
Marginalien kombiniert. Hannelore Gärtner zur Mikro- und
Makrostruktur des DHC: »Auf das Stichwort folgt
zunächst eine sachliche Information, meist mit Definition;
Großbuchstaben an den entsprechenden Stellen in Klammern
eingefügt, verweisen auf den anschließenden Teil, der
einzelne Passagen des ersten Teils erläutert, kritisch
kommentiert, mit Zitaten beweist oder widerlegt. In diesem
Text machen wiederum Zeichen, lateinische oder griechische
Buchstaben auf die Randbemerkungen aufmerksam, die
Literaturangaben, auch Zitate und Verweisungen auf andere
Artikel enthalten« (Hannelore Gärtner: Zur Geschichte
der Lexikographie der Encyclopédie. In Hans-Joachim Diesner
und Günter Gurst: Lexika gestern und heute. Leipzig 1976:
98-99). |
Begriff
Die beiden Elemente des Konzepts – die inhaltliche Diversität
und die enge Verzahnung der Inhalte – werden repräsentiert durch
unseren Namen:
- Kefk, die
Raumstation in C. J. Cherryhs Alliance/ Union Universe-Zyklus, ist
der Sammel- und Treffpunkt für verschiedene Rassen und Spezies. Der
Name dient uns einerseits als Metapher für den inhaltlichen
Pluralismus des Kefk-Projekts und andererseits als Hommage für den
großartigen Science-fiction-Zyklus von C. J. Cherryh.
- Network, also »Netzwerk«,
bezeichnet die topologische Ordnungsstruktur der
Wissenspräsentation. Die hypertextifizierten Wissenspartikel aus den
verschiedenen Inhaltsbereichen werden netzwerkförmig miteinander
verzahnt. Nachdem wir zuvor jahrelang mit linearen
Präsentationsformen (z.B. im Bereich
Research) und
relationalen Datenbankstrukturen (z.B. im Projekt
CineDat)
gearbeitet hatten
Das Hypertext-Paradigma zieht sich also prägend durch das
gesamte Kefk Network: Das Kefk-Projekt wurde Anfang der 1990er
Jahre initiiert, um mit dem Aufbrechen linearer
Wissenspräsentationsformen zu experimentieren, und das Kefk Network
ist als work in progress das Ergebnis dieser frühen Versuche, das
Medium WWW mit seinen neuen Möglichkeiten zu erforschen.
Aus diesem Grund wurde auch die Top-Level Domain .net gewählt,
obwohl es sich um ein nahezu ausschließlich deutschsprachiges Projekt
handelt (was eine .de-Domain nahelegen würde) mit starken
Community-Anteilen (was wiederum
eher eine .org-Domain nahelegen würde): Die Netzwerk-Topologie
ist das prägende Element des Kefk-Projekts.
Kennzeichen und Merkmale
Folgende Merkmale kennzeichnen das Projekt Kefk Network:
Vernetzung.
In einem Zeitraum von mehreren Jahrzehnten wird so ein komplexer
Hypertext entstehen,
mit dem die Möglichkeiten des Hypertext-Konzeptes ausgelotet werden
können.
Nach dem derzeitigen Kenntnisstand bildet das WikiWiki-Prinzip
das Hypertext-Prinzip technisch am besten nach; die Tatsache, dass
das Kefk Network nicht unter einer Wiki Engine wie
MediaWiki läuft, hat zwei Gründe:
- Als das Kefk Network Anfang der 1990er Jahre entstand
entstand, gab es noch keine derartige Software; selbst allgemein
datenbankbasierte Websites entstanden erst Mitte der 90er Jahre.
- Wikis haben zwar zahlreiche Vorteile gegenüber dem im
Kefk Network verfolgten Ansatz, jedoch auch einige
signifikante Nachteile: Zumindest alle bisherigen Implementation
kennen keine semantische Strukturierungshilfen, sie sind rein
begriffsorientiert und bieten keine Abhilfe gegen das klassische
Navigationsproblem des lost in hypertext.
Nachtrag: Wie wir im Oktober 2004
feststellen
mußten, haben zumindest offene Wikis noch einen weiteren Nachteil:
Sie sind potenziell illegal. Zumindest nach Einschätzung von
Personen außerhalb der wissenschaftlichen Traditionsbahnen wie der
Kanzlei Waldorf.
Semantische Struktur.
Die Struktur des Kefk Network ist hierarchisch
organisiert: Die Inhalte sind thematisch gegliedert in Subsites
und Metasites, innerhalb der Sub- und Metasites gibt es
weitere teilweise tief verschachtelte Gliederungsebenene, innerhalb
derer man sich überall mittels einer Breadcrumbs-Navigation
bewegen kann. Diese Struktur bietet den Vorteil, dass ein
Wissensraum über eine Struktur und unabhängig von einem bestimmten
Begriff erschlossen wird.
Im Gegensatz dazu ist ein klassisches Wiki wie die
Wikipedia
flach modelliert; alle Artikel befinden sich auasi auf derselben
hierarchischen Ebene und Gliederungsstrukturen lassen sich
allensfalls mit Hilfsmitteln wie Kategorien nachbilden, jedoch
derzeit kaum sinnvoll auswerten (z.B. in Form von Artikelsequenzen).
Das spannende an dieser Dichotomie ist, dass komplexe Wikis
hierarchische Gliederungsstrukturen benötigen, um ihren Wissensraum
durch Gewichtung sinnvoll zu erschließen, während hierarchische
Gliederungsstrukturen in endlosen Redundanzen enden, die sich
letztlich nur netzwerkförmig auflösen lassen. Solche Strukturen
lassen sich zwar auf Dateisystemebene ansatzweise durch Soft- und
Hardlinks nachbilden, jedoch unterstützt derzeit kein Content
Management System für das Web die notwendige Funktionalität.
Beim derzeitigen Stand der Technik muß man also eine
Entweder-Oder-Entscheidung fällen: also entweder ein
hierarchisches oder ein flaches Ordnungssystem einsetzen.
Komplexität.
Hypertext bedeutet, daß Wissen in vernetzte Fragmente zerlegt
wird. Das führt mit sich, daß zahlreiche Fragmente angelegt werden,
die nicht unbedingt vollständig ausgearbeitet sein müssen – die
angestrebte Komplexität kann nicht über Nacht erschaffen werden.
Solche »Nodeshells« sind beispielsweise Seiten, die in der
Navigationsstruktur auftauchen, jedoch nur wenig Text enthalten.
Diese Strukturelemente sind leider aus technischen Gründen
notwendig: Unsere Software bietet keine Funktion, die den »roten
Links« in einem Wiki
Forschung und Entwicklung.
Das Kefk Network ist als Forschungs- und
Entwicklungsprojekt angelegt. Das bedeutet auch, daß thematische
Stränge eingestellt und neue hinzukommen werden. Die grundlegende
Ausrichtung ist nichtkommerziell; Ziel des Kefk Network ist die
Verbreitung freien Wissens und die Erkundung des Hyperspace und
seiner Möglichkeiten, nicht jedoch die Gewinnerwirtschaftung.
Offenheit.
Das Kefk Network ist inhaltlich und personell offen; es
gibt keinen geschlossenen Personenkreis und kein fest definiertes
Themenspektrum. Kommentare und Beiträge von Lesern sind erwünscht.
Siehe dazu auch Planung für den Auf-
und Ausbau des Kefk Network.
Struktur
Das Kefk Network (Domain: kefk.net) ist zunächst konventionell
hierarchisch untergliedert: In der obersten Gliederungsebene sind die
Inhalte in eine Handvoll von Hauptkategorien untergliedert; systematisch
handelt es sich dabei um eigenständige
Subsites.

Abbildung: Subsites des
Kefk Network.
Auch innerhalb der Subsites wird die hierarchische Struktur
fortgeführt; die URLs sind semantisch interpretierbar aufgebaut, so dass
bei einer gewissen Kenntnis der Site-Struktur URLs direkt in das
Location-Feld eines Web-Browsers eingegeben werden können, ohne sich
durch verschachtelte Navigationsstrukturen zu handeln.
Beispiel für eine Subsite:
-
Ein quasi selbsterklärendes Beispiel bietet die
Subsite Kefk
Network Webtravel, die fotografische Reiseberichte bietet; sie
ist nach
Ländern
gegliedert; bei den Abkürzungen aus zwei Buchstaben handelt es sich um
die standardisierten ISO Country Codes
(ISO 3166-1, ISO 3166), die auch auch im Domain Name System (DNS)
des Internet verwendet werden.
Beispiel für die semantische Struktur der Subsite-Gliederung:
Entsprechend werden die URLs für andere Länder gebildet, also
beispielsweise de für »Deutschland«, fr für »Frankreich«,
eg für »Ägypten« usw.
Größere thematische Bereiche innerhalb der Subsites werden in
eigenständigen Microsites strukturiert; Microsites haben –
ähnlich wie Subsites – eigene Navigationsstrukturen, orientieren sich
aber an der Gestaltung der hierarchisch übergeordneten Subsite.
Beispiel für die Untergliederung einer Subsite in Microsites:
- Die Subsite Kefk Network Fotografie ist in rund ein Dutzen
Microsites untergliedert:
Im Gegensatz zu einem Hypertext, wie er beispielsweise in einem Wiki umgesetzt ist, gliedert sich das Kefk Network also zunächst
konventionell hierarchisch, während ein Wiki flach modelliert ist.
Hypertext-Strukturen setzen bei uns innerhalb der Sub- und
Microsites ein und vernetzen die Inhalte untereinander. Über die
verknüpften Nodes (Knoten) legt sich also über die hierarchische
Struktur des Kefk Network ein Netzwerk von Verweisen und Verknüpfungen.
Der Sinn dieser Struktur besteht darin, die Stärken beider
Gliederungskonzepte miteinander zu verbinden:
- Die hierarchische Gliederung strukturiert die Inhalte vor
und fasst zusammengehörendes topologisch 'nahe' beieinander
zusammen.
- Die netzwerkförmigen Verknüpfungen zeigen inhaltliche
Zusammenhänge zwischen einzelnen Nodes der Sub- und Microsites auf.
Während ein Wiki Wissen eher wie ein formal untergliedertes
Wörterbuch präsentiert – typische Ordnungsprinzipien sind hier mechanische, also beispielsweise die
Anordnung nach dem Alphabet – bildet eine hierarchische Gliederung eine
Baumstruktur nach. Baumstrukturen zur epistemologischen
Wissenspräsentation sind erheblich älter als mechanische
Ordnungssysteme, so verwendete beispielsweise bereits Porphyrios von
Tyros vor anderthalb Jahrtausenden den
Arbor
porphyriana als systematisches Klassifikationssystem für die
Unterscheidung zwischen Gattungsbegriffen und Artbegriffen; frühe
Enzyklopädien waren nach den
Septem artes liberales struktiert oder orientierten sich an anderen
systematischen Ordnungsstrukturen.
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| Der Stammbaum des menschlichen
Wissen zu Beginn von Band 1 der
Encyclopédie
(Des
connoissances humaines. Entendement: Memoire, Raison,
Imagination) |
Das figürlich dargestellte System
der Kenntnisse des Menschen (deutsche Übersetzung nach Gottsched) |
Ausschnitt aus dem Stammbaum des
menschlichen Wissens, Prospekt der
Encyclopédie (1750).
Vgl. auch
Programmatik der Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné
des sciences, des arts et des métiers. |
Spätestens mit Ludwig Wittgenstein ist jedoch bekannt, dass bestimmte
Dinge mit einer taxonomischen Klassifkation bzw. hierarchischen
Systematik nicht hinreichend erfasst werden können, ohne dass sich »der
Verstand Beulen holt« (Philosophischen Untersuchungen,
1953, I 119); genau hier setzt das netzwerkförmige Hypertext-Konzept an,
dass die Begrenzungen hierarchischer Systematiken auflöst.
Siehe auch
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