Die Übermittlung von Nachrichten von und zu bewegten Objekten (z. B.
Autos, Eisenbahnzügen, Schiffen oder Flugzeugen) muß drahtlos, d. h.
über Funk erfolgen. Der Nachrichtenaustausch geschieht zwischen
ortsfesten und bewegten oder zwischen bewegten Funkstellen. Dieser
sogenannte Mobilfunk unterteilt sich in einen öffentlichen und
einen nicht öffentlichen Teil.
Unter den nicht öffentlichen Mobilfunk fällt z. B.
der Flugfunk, der CB-Funk und der
Betriebsfunk (diese überraschende Zuordnung des
CB-Funks entstammt der offiziellen DBP-/Telekom-Systematik).
Das Spektrum der Nutzer des Betriebsfunks reicht von
der Polizei (Polizeifunk), der Feuerwehr über Verkehrsbetriebe (z. B.
Flugfunk) und Taxi-Unternehmen bis zu privaten Unternehmen,
beispielsweise des Baugewerbes.
Als CB-Funk (Citizens Band Radio,
»Bürgerfrequenzband«, Jedermann-Funk, Bürgerfunk) bezeichnet man einen
Sprechfunk im 11-Meter-Band auf insgesamt 12 (ab 1981 22) Kanälen
zwischen 27,005 und27,13 MHz; Anruf- und Notrufkanal 9 auf 27,065 MHz.
Die Reichweite liegt bei etwa 10 bis 15 km bei der höchstzulässigen
Ausgangsleistung. Der Betrieb von mobilen Anlagen (insbesondere in KFZ)
ist in der BRD seit 1975 genehmigungs- und gebührenfrei.
Als Amateurfunk bezeichnet man einen Sprechfunk mit
Gegensprechmöglichkeit; der private Funkverkehr erfordert das
erfolgreiche Ablegen einer Prüfung, die zu einer staatlichen Genehmigung
(Amateurfunk-Lizenz) führt. Jedem Funkamateur ist ein Rufzeichen
zugeteilt, das aus einer 4-6-stelligen Buchstaben-Ziffern-Kombination
besteht und dessen erste Stellen den jeweiligen Staat angeben. Die
Frequenzen für Funkamateure sind international vereinbart.
Entsprechend der benutzten Frequenz kann jeder Punkt der Erde
erreicht werden, z. T. unter Verwendung von Amateurfunksatelliten. Die
Nutzung ist jedoch nur für rein private Zwecke erlaubt; das Austauschen
von politschen Informationen ist z. B. verboten. In den USA waren die
erstenFunkamateure bereits 1911 aktiv, heute weltweit 700.000, davon in
der BRD etwa 30.000.
Die öffentlichen Mobilfunknetze werden u. a. von der
Telekom AG, vormals Deutsche Bundespost TELEKOM, zur Verfügung gestellt.
Sie können von jedermann benutzt werden. Die öffentlichen Mobilfunknetze
sind die Funktelefonnetze, die Funkrufnetze,
das Rheinfunknetz und das Seefunknetz.
Die Funktelefonie (drahtloses Fernsprechen,
Funkfernsprechen) basiert auf dem Prinzip des
Fernsprechens, welches folgende drei Schritte umfaßt:
- Signalumwandlung der vom Sprecher erzeugten
Schallwellen über die Membranbewegungen in einem Mikrophon in ein
elektrisches Signal;
- Elektrische Übertragung dieses Signals über
eine Vermittlungseinrichtung zum zweiten Teilnehmer;
- Rückwandlung des elektrischen Signals durch die
Membranbewegungen in der Hörkapsel in Schallwellen.
Die Übertragung des Fernsprechsignals kann
oberirdisch als Freilandleitung, unterirdisch als Kabel,
im Inlandsverkehr drahtlos über Richtfunkstrecken oder im
Überseeverkehr drahtlos über Kommunikationssatelliten
(Nachrichtensatelliten) erfolgen. In Berlin standen 1989 2.700 analoge
Telefonkanäle über Kupferkabel, 28.800 digitale Telefonkanäle über
Glasfaserkabel, 18.240 analoge und 2.160 digitale Telefonkanäle über
Richtfunkstrecken zum Fernnetz des Bundesgebietes zur Verfügung.
Seit 1950 gibt es in der BR Deutschland öffentliche
Funktelefonnetze, doch dienten sie in der Regel nur speziellen
Zwecken. Das A-Netz (ab 1958) und das B-Netz (1972 bis 1994) werden
nicht mehr angeboten; derzeit sind die Funktelefonnetze C-Netz, D-Netz
und E-plus auf dem Markt.
Das Öffentliche bewegliche Landfunknetz (»Autotelefon«,
öffentlicher beweglicher Landfunkdienst, öbL) ist ein
»öffentliches Funknetz für Nachrichtenverbindungen von beweglichen
Funkstellen untereinander und mit Endstellen des öffentlichen
Fernsprechnetzes. Die in einem solchen Netz gebotenen Dienste heißen
`öffentliche bewegliche Landfunkdienste´.«
Mit dem Landfunknetz ist es möglich, über ein Autotelefon In- und
Auslandsgespräche über das öffentliche Fernsprechnetz herzustellen: »Der
Verbindungsaufbau von einem Teilnehmer des Fernsprechnetzes zum
PKW-Teilnehmer erfolgt über die gewöhnlichen Vermittlungseinrichtungen,
eine Überleitvermittlung (die in das Funknetz überleitet) sowie über
diejenige Landfunkstelle, die dem PKW-Teilnehmer geographisch am
nächsten liegt.«. Die Fahrzeuge müssen mit einer Sprechfunnkanlage
ausgerüstet sein und sich im Versorgungsbereich einer festen
Landfunkstelle befinden.
Übersicht Funktelefonnetze:
| Netz |
Betrieb von/bis |
Netzbetreiber |
Technologie |
Verbreitung |
| A-Netz |
1958 bis 1977 |
Deutsche Bundespost |
(analog?) |
(Deutschland?) |
| B-/B2-Netz |
1972 bis 1994 |
Deutsche Bundespost |
(analog?) |
nur Deutschland |
| C-Netz |
ab 1986 |
DBP/DeTeMobil |
(analog?) |
nur Deutschland |
| D1-Netz |
ab 1992 |
DeTeMobil |
digital (GSM) |
europaweit |
| D2-Netz |
ab 1992 |
Mannesmann |
digital (GSM) |
europaweit |
| E-plus |
ab 1994 |
Veba, Thyssen u.a. |
digital |
(international?) |
| Tabelle 5: Übersicht Funktelefonnetze |
1958 wurde das A-Netz in Betrieb genommen; die
Gespräche wurden per Hand vermittelt; das A-Netz wurde 1977 eingestellt;
die Frequenzen wurden für das B2-Netz eingesetzt.
Das vollautomatische B-Netz wurde 1972 eingeführt
und 1994 eingestellt. Es arbeitete bis 1980 mit 38 Sprechkanälen. Durch
Erweiterung auf 75 Sprechkanäle wurde 1980 aus dem B-Netz das
B/B2-Netz. Dieses erreichte 1986 mit 158 Funkfeststationen und
ca. 27.000 Teilnehmern seinen höchsten Ausbaustand und gleichzeitig die
größtmögliche Teilnehmerzahl. Am 31.12.1988 hatte das B/B2-Netz
bundesweit noch 24.382 Teilnehmer. Im Land Berlin waren es noch 1.078
Teilnehmer. Ein gravierendes Problem des B/B2-Netzes besteht darin, daß
für eine Verbindung zu einem Mobiltelefon der Anrufer den Standort des
Mobiltelefons kennen muß, d. h., er muß wissen, im Einzugsbereich (ca.
27 km) welcher Funkfeststation sich das Mobiltelefon befindet.
Das Funktelefonnetz-C (C-Netz) ist
ein analoges, zellulares Mobilfunknetz (450 MHz) der deutschen
DeTeMobil, ehem. der Deutschen Bundespost TELEKOM, das
primär konzipiert wurde für telefonische Kommunikationsanwendungen
(Autotelefonnetz) mit Zugang zum Telefonnetz und ISDN. Es wurde im Jahre
1986 eingeführt und ersetzte die umständliche Handhabung des
B-/B2-Netzes. Das C-Netz ist auf Deutschland beschränkt, hatte zunächst
jedoch einen höheren Verbreitungsgrad als die digitalen Netze.
Eine flächendeckende Versorgung wird in Großzellen (Radius ca. 15-20
km) und Kleinzellen (2-3 km) in den Ballungsräumen realisiert. Bei der
Einführung des C-Netzes bestand das Netz aus zwei
Funkvermittlungsstellen und 175 Funkzonen bzw. Funkfeststationen. Das
C-Netz kann ca. 450.000 Teilnehmer aufnehmen. Aktivierte
Funkverbindungen werden beim Wechsel der Funkzelle weitergereicht (Handover).
Der C-Netz-Teilnehmer ist im gesamten Versorgungsbereich unter einer
einheitlichen Zugangskennziffer (0161) und Funkrufnummer erreichbar. Am
31.12.1988 gab es bundesweit bereits 98.762 C-Netz-Teilnehmer, im Land
Berlin 2.076 C-Netz-Teilnehmer. Laut »Stiftung Warentest«,
Ausgabe 7 (1995), bietet »C-Tel ein hervorragendes
Preis-Leistungs-Verhältnis für alle Normal- und Vieltelefonierer«.
Neben der begrenzten Teilnehmeranzahl des C-Netzes sind auch die
vergleichsweise geringe Sprachqualität und das hohe Abhörrisiko
Kritikpunkte am C-Netz.
Das Funktelefonnetz-D (D-Netz) ist
ein mehrdienstfähiges (Übertragung von Sprache, Text und Daten),
zellulares, digitales Mobilfunksystem im Frequenzbereich 900 MHz mit
grenzüberschreitenden Nutzungsmöglichkeiten, das auf dem europäischen
GSM-Standard basiert. GSM (= Global System for Mobile
Communications) ist ein internationaler Standard für den
Mobilfunkbetrieb. In vielen Ländern sind neben der Sprachübertragung
inzwischen auch Daten- und Faxdienste verfügbar. In Deutschland arbeiten
das D1- und das D2-Netz nach dem GSM-Standard.
Der Standard ermöglicht grenzüberschreitendes Telefonieren in 13
europäischen Ländern. Die Sendenorm GSM wurde 1993 bereits von rund 30
Staaten weltweit unterstützt.
Zwei D-Netze sind derzeit auf dem deutschen Markt: D1-Netz
(Netzbetreiber in Deutschland: DeTeMobil) und D2-Netz
(Netzbetreiber in Deutschland: Mannesmann).
Die D-Netze mit digitalisierter Übertragung von Funktelefonaten
wurden im Juli 1992 eingeführt. Europaweit werden 10 Mio. Teilnehmer
erwartet. Nach der Einführung des E-plus-Mobilfunknetzes setzte 1994/95
ein erheblicher Preisverfall bei den D1-Endgeräten sowie bei der
Tarifstruktur ein (Preisreduzierung von 1992 bis 1993: ca. 40%).
Das D1-Netz ist das Mobilfunksystem der DeTeMobil,
das nach Aussage des Betreibers »nahezu abhörsicher« ist. Seit
1995 biete das T-MobilNet einen »Global-Roam«-Service; durch
eine Kooperation mit dem amerikanischen Mobilfunkanbieter GTE sind
D1-Kunden in den USA und in Kanada mit einem gesonderten Endgerät unter
ihrer gewohnten D1-Rufnummer erreichbar. Im April 1993 nannte die
Telekom 130.000 Teilnehmer.
Das D2-Netz (D2 privat) ist das
Mobilfunksystem der Firma Mannesmann Mobilfunk und war das
erste Telephonnetz eines privaten Anbieters, der als Konkurrent zur
Bundespost Telekom auftrat. Auf der CeBit 1991 kündigte die Firma
das digitale Netz D2 privat an, das planmäßig ab 1992
zur Verfügung stand. Die Mobiltelefone wurden zunächst über
Fernsehhändler und Kaufhäuser zu einem Preis von knapp unter DM 3.000
angeboten. Mit ca. 200 Antennenstationen war D2 zunächst in einigen
bundesdeutschen Großstädten wie Hamburg, Bremen, Hannover, Frankfurt,
Stuttgart u. a. präsent. Ende 1992 erreichte das D2-Netz 80 Prozent
Deutschlands. Die Gebühren lagen unter denen des bestehenden
Funktelefonnetzes C der Post. Von Anfang an waren Übergänge an das
Festnetz der Telekom vorgesehen. Im April 1993 nannte Mannesmann 200.000
Teilnehmer.
Das Funktelefonnetz-E/E1 (E-plus)
ist ein kleinzelliges digitales Mobilfunknetz in Deutschland, das auf
dem Standard DCS-1800 (= Digital Cellular System
1800 MHz) basiert, der GSM ähnelt. DCS-1800 gilt als Vorstufe zum
PCN (= Personal Communication Network);
gelegentlich wird E1-Netz auch synonym zu PCN benutzt. Weltweit erste
DCS 1800-Installation ist das One20ne in
Großbritannien.
Bundespostminister Wolfgang Bötsch (CSU) vergab 1993 die Lizenz für
den Aufbau eines dritten digitalen Mobilfunknetzes, des E1-Netzes. Das
E-plus-Funktelefonnetz ging Mai 1994 an dem Markt. Lizenzinhaber ist das
Konsortium E-Plus; Hauptgesellschafter sind Veba
und Thyssen. E-Plus ist damit neben Mannesmann der zweite
private Betreiber eines öffentlichen Telekommunikationsdienstes. Die
ersten E1-Geräte, die bereits kleiner waren als die des D-Netzes,
kosteten etwa 1.500 Mark. Kurz nach Markeinführung setzte ein
erheblicher Preisverfall ein; gegenwärtig sind E-plus-Mobiltelefone in
Verbindung mit einer Telekarte nahezu kostenlos erhältlich.
Bis 1998 sollen mindestens 75 Prozent der Bevölkerung in Deutschland
mit E-plus-Anschlußmöglichkeit versorgt sein. Das E-Plus Netz ist für
kleine, leichte Handys ausgelegt, die mit einer sehr geringen
Sendeleistung auskommen. Die maximale Sendeleistung von einem Watt führt
zu geringem Batterieverbrauch und damit relativ langen Gesprächs- und
Bereitschaftszeiten. Das E-Plus Netz besteht aus mehreren tausend
Funkstationen, ist also besonders engmaschig »geknüpft«. Diese
»Engmaschigkeit« soll zwei Vorteile gewährleisten: Je mehr Funkstationen
installiert werden, mit desto weniger Sendeleistung kann jede von ihnen
arbeiten; je kürzer der Abstand zur nächstgelegenen Sendestation, desto
höher die Empfangsqualität.
Chekker ist ein öffentlicher Mobilfunkdienst der
Telekom, bei dem Kunden mit Funkgeräten über eine Entfernung von
bis zu 100 km miteinander kommunizieren können. Chekker wird
insbesondere von Unternehmen mit Außenstellen genutzt und soll den
herkömmlichen Betriebsfunk ersetzen, der mit Reichweiten von 10 bis 15
km nur für innerbetriebliche Kommunikation zur Verfügung steht.
Die Funkdienste der seit 1992 in Konkurrenz zur Telekom anbietenden
28 privaten Unternehmen dürfen seit April 1993 zwischen den
Funkstationen eigene Übertragungswege aufbauen, die bis dahin von der
Telekom gemietet werden mußten. Private Funkdienste erlauben Anrufe von
Funkgerät zu Telefon und umgekehrt. Chekker ermöglicht lediglich Anrufe
von Funkgerät zu Telefon.
Chekker weist gegenüber dem privaten Betriebsfunk einige Vorteile
auf: Der Teilnehmer nutzt das öffentliche Funknetz, ihm entstehen keine
Kosten für den Aufbau einer eigenen Infrastruktur (z. B. für Einrichtung
und Wartung eines Sendemastes). Die Gespräche werden gleichmäßig auf die
verfügbaren Kanäle verteilt (sog. Bündelfunktechnik);
freiwerdende oder vorübergehend nicht genutzte Frequenzen werden sofort
anderweitig vergeben, so daß Wartezeiten auf eine der nur begrenzt
vorhandenen Frequenzen entfallen. Durch Umverteilung der Kanäle während
des Gespächs ist ein gewisser Schutz vor Mithören gewährleistet.
Anfang 1993 waren in Deutschland insgesamt 27 Chekker-Funknetze
eingerichtet, davon zehn in Ostdeutschland. Bei der Telekom waren 32.000
Chekker-Geräte angemeldet, 19.000 davon in den neuen Ländern. Mitte 1993
kostete das Gerät für die Chekker-Zentrale knapp 4.000 DM, ein Funkgerät
rund 2.500-3.500 DM. Die monatliche Gebühr pro Funkgerät, mit der auch
alle Gespächskosten abgegolten waren, betrug 59,80 DM.
Datenfernübertragung (DFÜ) unabhängig von Leitungen wird ermöglicht
durch Modacom (= Mobile Data Communication),
einem zellularen Mobilfunkdienst mit Handover und Roaming. Die
Informationen werden vom Sender über ein Funkmodem an eine Post-Antenne
übermittelt und von dort über Datenleitungen an Firmen weitergegeben,
die an das Datex-P-Netz angeschlossen sind. Nach Aufnahme des
Regelbetriebes (1993) plant die Betreiberin DeTeMobil, im
Endausbau eine Versorgung von ca. 80% des Bundesgebietes zu versorgen.
Birdie ist ein drahtloser Telefondienst der Telekom,
der mit einem schnurlosen Handgerät im Umkreis von 50 bis 200 m um eine
Vermittlungsstation Anrufe ermöglichte. Der bis Mitte 1993 in
Betriebsversuchen erprobte Dienst hatte der Telekom zufolge keine
ausreichenden Marktchancen in Deutschland; der Dienst wurde daher Mitte
1993 eingestellt. In anderen Staaten Europas existierte Birdie 1993
unter der Bezeichnung Telepoint.
Die im folgenden vorgestellten Funkrufnetze (Funkrufdienste,
Paging, Personenrufdienste) zählen zu
den öffentlichen Mobilfunknetzen. Als Funkrufdienst
bezeichnet man Telekommunikationsdienste zur einseitigen funktechnischen
Übertragung kurzer Nachrichten - EIN/AUS, numerisch, alphanumerisch,
transparente Daten - an kleine mobile Funkrufempfänger (Pager).
Die Aussendung der Nachrichten erfolgt mit unterschiedlichen
Adresstypen als Einzelruf, Gruppenruf und Sammelruf. Alle Pagingsysteme
arbeiten unverschlüsselt, d. h. mit einem normalen Scannerempfänger und
einer kleinen Zusatzhardware zur Digitalwandlung kann man alle
Pagerdienste »abhören«.
Den Regionalbereich eines Funkrufsystems, in dem ein Funkruf gesendet
und empfangen werden kann, bezeichnet man als Funkrufzone.
Zu den Funkrufdiensten mit zellularer Struktur zählen Eurosignal,
Cityruf, Euromessage, ERMES. Darüber hinaus
existieren weltweite Rufdienste via Satellit wie beispielsweise
Inmarsat-Paging.
Die Funktionsweise von Paging ist simpel: Der Anrufer wählt
die Pager-Nummer über das normale Telefonnetz an und wird mit einem
Terminal des Betreibers verbunden; dort wird die Mitteilung verarbeitet
und an sämtliche Transmitter in der Rufzone (paging coverage area)
übertragen.
Die Transmitter strahlen die codierte Mitteilung - wie ein
Radiosignal - über die gesamte Rufzone aus. Alle Pager in der Rufzone
empfangen die Mitteilung, aber nur der Pager mit dem passenden Code
zeigt die Mitteilung an. Die meisten Pager verwenden als Funkprotokoll
POCSAG (= Post Office Code
Standardization Advisory Group); die Daten werden
dabei per Frequency Shift Keying auf den Träger moduliert.
Derzeit werden vier unterschiedliche Pager-Typen unterschieden, die
sich primär durch ihre Nutzungsmöglichkeiten unterscheiden: Mit einem
Tonruf-Pager werden Funkrufnetz-Teilnehmer durch einen
Piepton benachrichtigt. Einige Tonruf-Pager können den Rufton variieren.
Voicemail-Pager benachrichtigen den Teilnehmer mit
einem Piepton, wenn eine Voicemail angekommen ist. Einige Voicemal-Pager
kennzeichnen die Dringlichkeit der Mitteilung; einige Geräte können auch
die Mitteilung speichern. Numerik-Pager benachrichtigen
den Teilnehmer durch einen Ton oder durch Vibration, wenn eine
numerische Botschaft, z. B. eine Telefonnummer zum Zurückrückrufen,
angekommen ist. Alphanumerik-Pager benachrichtigen den
Teilnehmer durch einen Ton oder durch Vibration, wenn eine
alphanumerische Botschaft eingetroffen ist. Die Textmitteilung kann die
Notwendigkeit beseitigen, per Telefon zurückzurufen.
Übersicht Funkrufnetze:
| Netz |
Betrieb seit |
Netzbetreiber |
Funkprotokoll |
Frequenz |
Verbreitung |
| Eurosignal |
1974 |
DBP/DeTeMobil |
? |
87 MHz |
BRD (ohne NBL), F, CH |
| Cityruf |
1987/88/89 |
DBP/DeTeMobil |
POCSAG |
465 MHz |
Deutschland |
| Scall |
1994 |
DeTeMobil |
POCSAG |
465 MHz |
Deutschland |
| TellMi |
Dez. 1995 |
DFR GmbH |
POCSAG |
ca. 465 MHz |
Nur Ballungszentren |
| Quix |
1995 |
Miniruf GmbH |
POCSAG |
448, 475 MHz |
Nur Großstädte |
| Ermes |
- |
- |
? |
? |
(Europaweit?) |
| Omniport |
1994 |
Detex |
? |
RDS |
Deutschland |
| Tabelle 6: Übersicht Funkrufnetze |
Eurosignal (Europäischer Funkrufdienst,
»Europiep«, »Euromessage«) ist ein
Funkrufdienst der DeTeMobil GmbH, Bonn, (vormals
Deutschen Bundespost TELEKOM) mit zellularer Struktur im
Nur-Ton-Verfahren, der seit 1974 in Betrieb ist. Nachrichten an
Eurosignal-Empfänger werden über das Telefon abgesetzt. Der Empfänger
erhält ein optisches oder akustisches Signal. Die Übermittlung von bis
zu vier verschiedenen Signalen je Empfänger ist durch Wahl einer
bestimmten Rufnummer möglich. Die Bedeutung der Signale muß vorher
zwischen den Partnern verabredet werden.
Empfangsbereitschaft besteht fast überall in Europa. Um dem
Eurosignal-Teilnehmer eine Information zu übermitteln, muß der Anrufer
wissen, in welchem Funkrufbereich sich der Eurosignal-Teilnehmer
befindet. Die BR Deutschland war 1989 in drei Funkrufbereiche (Nord,
Mitte und Süd) unterteilt. Eurosignal-Empfänger sind derzeit nur noch
gebraucht erhältlich. Am 31.12.1988 gab es im Bereich der Deutschen
Bundespost TELEKOM 170.489, davon im Land Berlin 7.515
Eurosignal-Teilnehmer. »Gegenüber dem öffentlichen beweglichen
Landfunkdienst (`Autotelefon´) hat der Europäische Funkrufdienst den
Vorteil, erheblich kostengünstiger zu sein (Kostenrelation etwa 1 : 10).
Außerdem kann der Funkruf-Empfänger wegen seiner geringen Abmessungen
(etwa Notizbuch-Format) überall mitgeführt werden.«
Cityruf ist ein Funkrufdienst der DeTeMobil
GmbH, Bonn, vormals Deutsche Bundespost TELEKOM, mit
zellularer Struktur, bei dem Mitteilungen per Funk von der
Cityruf-Sendestelle zum tragbaren Cityruf-Empfänger übertragen werden.
Der öffentliche Cityruf-Probebetrieb wurde im November 1988 in Berlin
und Frankfurt/Main aufgenommen, im März 1989 wurde Cityruf offiziell als
Dienstleistung der Deutschen Bundespost TELEKOM eingeführt. Am
31.12.1988 gab es 333 Teilnehmer in Berlin und 603 Teilnehmer in
Frankfurt/Main. Cityruf wird nicht bundesweit flächendeckend, sondern in
sogenannten Rufzonen ausgestrahlt. Der Einzugsbereich einer Rufzone
entspricht etwa einer Großtadt.
Im Cityruf gibt es drei Typen von Cityruf-Empfängern:
Nur-Ton-Empfänger, Numerik-Empfänger und Alphanumerik-Empfänger. Die
Eingabe erfolgt abhängig von der Rufklasse des Empfängers mit
verschiedenen Zugangs-Rufnummern über das normale Telefon mit einem
besonderen Eingabegerät (z. B. Mehrfrequnztonsender), über Telex,
Teletex oder BTX/Datex-J/T-Online (#cityruf* und
<http://www.cityruf.detemobil.de>) oder per Modem. Für die Eingabe von
numerischen oder alphanumerischen Mitteilungen steht auch eine
Handvermittlung zur Verfügung. Die Rufabsendung erfolgt über die Vorwahl
0164 plus <Rufnummer>. Bis Ende 1989 sollten alle
Landeshauptstädte und alle Städte über 100.000 Einwohner an das
Cityruf-Netz angeschlossen sein.
Der Chaos Computer Club (CCC) und die holländische Computer-Zeitung
»Hacktik« wiesen 1991 nach, daß Cityruf-Meldungen mit geringem Aufwand
von beliebigen Dritten im Klartext gelesen werden können.
Scall ist ein Funkrufdienst der DeTeMobil GmbH,
Bonn, der seit 1994 in Betrieb ist. Die Besonderheit von Scall ist das
Fehlen monatlicher Grundgebühren. Der Besitzer eines Scall-Empfängers
ist in seinem persönlichen Empfangsbereich - in einem Kreisdurchmesser
von ca. 50 km um seine Postleitzahl - erreichbar. Scall kann
deutschlandweit genutzt werden; es werden die Cityruf-Frequenzen
genutzt. Die Rufabsendung erfolgt durch das Anwählen der Vorwahl 01681
plus <Rufnummer>; Kosten fallen für den Anrufenden an.
TellMi ist ein Funkrufdienst der Deutschen
Funkruf GmbH (DFR); die DFR ist ein Zusammenschluß von
Mannesmann, Motorola u. a. Die Besonderheit von TellMi ist
- wie beim Funkrufdienst Scall - das Fehlen monatlicher Grundgebühren.
Der Funkrufdienst ist sein Dezember 1995 in Betrieb. Der Betreiber plant
keine flächendeckende Netzdeckung; bis Anfang 1997 ist TellMi nur in
Ballungszentren verfügbar; auf Autobahnen können TellMi-Botschaften
nicht empfangen werden. Die Rufabsendung erfolgt bei numerischen
Daten durch das Anwählen der Vorwahl 0166-5 plus <Rufnummer>
oder bei alphanumerischen Daten durch das Anwählen der Vorwahl
0166-1 plus <Rufnummer>; Kosten fallen jeweils für den
Anrufenden an (1,3-Sekunden-Takt). Zusätzlich existiert eine
Sprachbox, von der Nachrichten abgehört werden können.
Quix ist ein Funkrufdienst der Miniruf GmbH,
Hannover, der seit 1995 in Betrieb ist. Es werden bundesweit acht
Regionen unterschieden; gegen Monatstarif ist auch eine nationale
Erreichbarkeit möglich. Eine Besonderheit von Quix liegt in der
Möglichkeit, dpa-Agenturmeldungen (Nachrichtenschlagzeilen) zu
empfangen. Bisher ist die Netzdeckung recht gering; Quix ist nur in
Großstädten verfügbar, ein Ausbau ist jedoch geplant.
ERMES ist ein Funkrufdiensten mit zellularer
Struktur, der als europäischer Funkrufstandard konzipiert war. In
Deutschland mußte die Einführung unterbrochen werden, da das
Kabelfernsehen erheblich gestört wurde.
Omniport ist ein Funkrufdienst der Detex,
Darmstadt, der seit 1994 in Betrieb ist. Der Funkrufdienst nutzt RDS und
ist daher überall in Deutschland verfügbar, wo es Hörfunk gibt; aus
diesem Grunde gibt es auch keine Rufzonen.
Inmarsat-Paging ist ein weltweite Rufdienst via
Satellit.
Weitere Funknetze sind das Rheinfunknetz und das
Seefunknetz.
Das »Handy« ist zweifellos beliebt; es hat sich innerhalb weniger
Jahre als Alltagsgegenstand etabliert; trotz Wettbewerb ist die
Mobiltelefonie ein lukratives Geschäft für die Betreiberfirmen.
Vergleichsweise wenig ist jedoch über die negativen Aspekte des
Mobilfunks bekannt. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit ist es leider
nicht möglich sein, ausführlich auf den Aspekt des Elektrsmogs
einzugehen, der in der nachrichtentechnisch orientierten
Einführungsliteratur kaum erwähnt wird. Daher sei an dieser Stelle
verwiesen auf die ausführliche Diskussion des Themas in dem im
Birkhäuser Verlag erschienen Buch »Auswirkungen elektromagnetischer
Felder auf Gesundheit und Umwelt« von Horst-Peter Neitzke, Jürgen
von Capelle, Katharina Depner, Kerstin Edeler und Thomas Hanisch (Basel
1994), das von einer Arbeitsgruppe an der Universität Hannover und der
Beratungstätigkeit des Wissenschaftsladens Hannover heraus im Rahmen des
»ECOLOG-Instituts für sozialökonomische Forschung und Bildung«
entstand und auf dem Projekt »Einfluß elektromagnetischer Felder auf
Umwelt und Gesundheit« basiert.