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Turing-Galaxis
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12-Aug-2003/14-Jan-07
Übersicht
Volker Grassmuck schlägt vor, »den emergierenden Horizont der
binär-digitalen Medien 'Turing-Galaxis' zu nennen, weil Alan Turing es
war, der dessen zwei zentrale Konzepte formuliert hat [...]«:
»Das erste seiner Konzepte ist die Universal-Maschine, die
extrem primitive Maschine, die jede andere emulieren kann; die
Schreibmaschine, die einen operativen Text aus nur zwei Buchstaben
schreibt und liest und dadurch ihre eigene Erscheinung modelliert
[...]. Das Problem, neue Maschinen zu bauen, gleich welcher Größe
oder Komplexität, ist ersetzt durch dasjenige, einen endlichen Satz
von Anweisungen für die Universal-Maschine zu schreiben, der diese
in die neue Maschine verwandelt. Daß dies möglich sein soll, ist an
sich schon verblüffend. Noch überraschender muß es gewesen sein, als
ein von der Turing-Maschine informierter Blick auf die funktionalen
Bestandteile des menschlichen Gehirns einen umfangreichen, aber
dennoch endlichen Automaten vorfand, jenes somit prinzipiell von
einer universellen Turing-Maschine emuliert werden kann.
Das andere Modell, das Turing uns aufgegeben hat, ist die
alte Frage 'Was ist der Mensch?', umformuliert unter Bedingungen der
Universal-Maschine. Das als Turing-Test bekannte, von ihm selbst
1950 als Imitationsspiel bezeichnete Gedankenexperiment hat
folgenden Aufbau: Eine Maschine (A) und eine Mensch (B) sind mit
einem Fragesteller (C) über Fernschreiber verbunden. C richtet an
beide beliebige Fragen in natürlicher Sprache, die darauf zielen,
nach einer endlichen Zeit zu entscheiden, ob A oder B der Mensch
ist. Turing geht von der Möglichkeit einer Maschine aus, die eine
solche Entscheidung nicht zuläßt, und behandelt im folgenden
mögliche Einwände gegen diese Ansicht. Damit leistete er eine
umfassende Bestimmung des Menschen als Symbolverarbeitungssystem auf
gleicher Stufe mit der Maschine und löste das Subjektproblem
technisch auf. Er ließ die Frage 'Kann eine Maschine denken?'
fallen, schloß alle metaphysischen Entitäten wie Seele und Geist in
eine Blackbox ein [...]« (Volker Grassmuck: "Die
Turing-Galaxis. Das Universal-Medium auf dem Weg zur Weltsimulation".
In: Lettre International, deutsche Ausgabe, Heft 28 (1. Vj.
1995), S. 48-55).
Wolfgang Coy ergänzt:
»Der Buchdruck hat aus oralen Gemeinschaften literale
Gesellschaften mit grapholektischen Hochsprachen geformt und daraus
folgend entstanden die Nationalstaaten, die Renaissance und die
religiösen Reformationen ebenso wie das universelle
wissenschaftliche Weltbild. Von der Erfindung des Textes im 12.
Jahrhundert und der Erfindung des Buchdrucksystems im 15.
Jahrhundert bis zur allgemeinen Schulpflicht sind Jahrhunderte
vergangen. Die kommende globale mediale Gesellschaft wird Prozesse
in Gang setzen, deren Wirkungen mit denen der Literarisierung
vergleichbar sind. Die Ablösung der Schriftkultur durch eine
Computerkultur hat gerade erst begonnen. Die Gutenberg-Galaxis
erweitert sich zur Turing-Galaxis [...]« (Wolfgang Coy: "Von
der Gutenbergschen zur Turingschen Galaxis: Jenseits von Buchdruck
und Fernsehen". Einleitung in: Marshall McLuhan: Die
Gutenberg Galaxis. Das Ende des Buchzeitalters).
Siehe auch
Netmarks
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