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Medienbaukasten
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23-Jun-2004/14-Jan-07
Übersicht
Als Medienbaukasten bezeichnet man eine generelle bzw. generalisierende
Medientheorie aus dem Jahr 1972 von Hans Magnus Enzensberger, die in der
Tradition der emanzipatorischen Medientheorien von Brechts
Radiotheorie
steht.
Kernaussagen
Enzensberger knüpft in den frühen 70er Jahren an Brechts Aussagen aus
den 1920er/30er Jahren an. Unter Rückbezug auf Horkheimer und Adornos
Dialektik der Aufklärung (1947) formuliert er in seinem Medienbaukasten
im kämpferischen 68er-Ton: »Mit der Entwicklung der elektronischen
Medien ist die Bewusstsein-Industrie zum Schrittmacher der
sozio-ökonomischen Entwicklung spätindustrieller Gesellschaften
geworden«.
Ähnlich wie Brecht, allerdings erheblich schärfer, weist er der
aktuellen Erscheinungsform der Medien eine repressive Funktion zu: »In
der heutigen Gestalt dienen Apparate wie das Fernsehen oder der Film
nämlich nicht der Kommunikation, sondern ihrer Verhinderung. Sie lassen
keine Wechselwirkung zwischen Sender und Empfänger zu: technisch
gesprochen, reduzieren sie den feedback auf das systemtheoretisch
mögliche Minimum«.
Er meint allerdings, dass den Medien ein erhebliches progressives
Potential zukomme: »Das offenbare Geheimnis der elektronischen Medien,
das entscheidende politische Moment, das bis heute unterdrückt oder
verstümmelt auf seine Stunde wartet, ist ihre mobilisierende Kraft«.
In einem – eigentlich verblüffend hellsichtigen – Vorgriff auf die
Technologien der späten 1980er Jahre erkennt Enzensberger: »Hinweise
zur Überwindung dieses Zustandes könnten netzartige
Kommunikationsmodelle liefern, die auf dem Prinzip der Wechselwirkung
aufgebaut sind: eine Massenzeitung, die von ihren Lesern geschrieben und
verteilt wird, ein Videonetz politisch arbeitender Gruppen usw.«
Enzensberger sieht also, ebenso wie Brecht, ein erhebliches
emanzipatorisches Potenzial in den neuen Medientechnologien, das jedoch
noch aktiviert werden muss.
Mediengebrauch nach Enzensberger
| Repressiver Mediengebrauch |
Emanzipatorischer Mediengebrauch |
| Zentralgesteuertes Programm |
Dezentralisiertes Programm |
| Ein Sender, viele Empfänger |
Jeder Empfänger ein potenzieller Sender |
| Immobilisierung isolierter Individuen |
Mobilisierung der Massen |
| Passive Konsumentenhaltung |
Interaktion der Teilnehmer |
| Entpolitisierungsprozess |
Politischer Lernprozess |
| Produktion durch Spezialisten |
Kollektive Produktion |
| Kontrolle durch Eigentümer oder Bürokraten |
Gesellschaftliche Kontrolle durch
Selbstorganisation |
Siehe auch
Literatur
Hans Magnus Enzensberger: Baukasten zu einer Theorie der Medien. In:
Kursbuch 20, S. 159-186, 1970
Quelle
Diese Artikel wurde erstmals am 27. März 2004 in
Wikipedia, der
freien Enzyklopädie
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Stand: 08:20, 1. Apr 2004.
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