Als Inkunabeln oder Wiegen- und Frühdrucke (von lat.
incunabula, "Windeln", "Wiege") bezeichnet man in der
Buchwissenschaft Druckwerke aus der Frühzeit des Buchdrucks, bis 1500.
In der grafischen Kunst werden auch die Einblattholzschnitte sowie die
frühen Drucke des Kupferstichs, der Radierung und der Lithografie als
Inkunabeln bezeichnet.
Die Bezeichnung Inkunabel bedeutet, dass es sich um Druckwerke handelt,
die sozusagen noch in der Wiege liegen. Sie unterscheiden sich noch
nicht sehr von zeitgenössischen handgeschriebenen Büchern, da sie sonst
nicht gekauft worden wären und weisen noch oft einen experimentellen
drucktechnischen und typographischen Zustand auf.
Die berühmtesten Inkunabeln sind die Gutenbergbibel von 1455 und die
1493 von Anton Koberger gedruckte Schedelsche Weltchronik. Weitere
berühmte Inkunabel-Drucker sind unter anderem Albrecht Pfisterer in
Bamberg, Günter Zainer in Augsburg und Johannes Mentelin in Straßburg.
Die erste überlieferte Bibliographie von Inkunabeln ist das zwischen
1640 und 1657 entstandene handschriftliche Verzeichnis "Antiquarum
impressionum a primaeva artis typographicae origine et inventione ad
usque annum secularem MD deductio" von Bernhard von Mallinckrodt, auf
den auch die Bezeichnung Inkunabel zurückgeht. Es blieb unvollendet und
verzeichnet über 3.000 selbständige Druckwerke. Der erste überlieferte
gedruckten Katalog einer Sammlung von Inkunabeln, der "Catalogus
librorum proximis ab inventione annis usque ad a. Chr. 1500 editorum"
der Nürnberger Stadtbibliothek wird erstmals 1643 von Johannes Saubert
erwähnt.
Insgesamt gibt es etwa 40.000 verschiedene Wiegendrucke, die in einer
Gesamtzahl von rund einer halben Million Exemplaren auf uns gekommen
sind.
Die Inkunabeln des deutschen Sprach- und Kulturraums fallen im Rahmen
der Sammlung Deutscher Drucke in den Aufgabenbereich der Bayerische
Staatsbibliothek. Die Bibliothek erarbeitet dazu einen eigenen
Inkunabelkatalog sowie den Inkunabel-Census für die Bundesrepublik
Deutschland. Außerdem arbeitet sie am internationalen Incunabula Short
Title Catalogue (ISTC) mit und führt für Einblattdrucke die Datenbank
Einblattdrucke der Frühen Neuzeit.