Medientheorie
Metzler Lexikon Medientheorie, Medienwissenschaft
von Helmut Schanze
Amazon-Preis: EUR 39,90
Gebundene Ausgabe - 450 Seiten - Metzler
Erscheinungsdatum: Oktober 2002
ISBN: 3476017613
Kurzbeschreibung
Das gegenwärtige Zeitalter lässt sich als Zeitalter der Information und
der Kommunikation oder gar als Medienzeitalter beschreiben. In dieser
Situation stellt sich Medientheorie als eine Art Leittheorie
kulturhistorischer und kulturtheoretischer Debatten dar. Mediendiskurse
werden allerdings nicht erst seit Aufkommen der elektronischen
Massenmedien geführt; ihre Vorgeschichte reicht zurück bis zur Erfindung
der Schrift oder ins Reich der Bildlichkeit und der Töne. Die
Medienwissenschaft widmet sich Medienpraxis, Medienästhetik und
Mediengeschichte sowie den Produktionsformen und Wirkungsweisen der
einzelnen Medien. Dazu gehören neben traditionellen Medien wie
Fotografie, Phonographie, Kinematographie sowie Hörfunk und Fernsehen,
die modernen digitalen Speicher-und Distributionsmedien, insbesondere
die Neuen Medien und das Internet. In rund 250 Einträgen bietet dieses
Lexikon umfangreichere Einträge zu den Schwerpunktgebieten der
Medienwissenschaft (z.B. Medienpsychologie, Medientechnologie), daneben
Artikel zu wichtigen Fachbegriffen aus allen Bereichen (u.a. Internet,
Massenmedium, Elektronisches Publizieren, Intermedialität) und
Personenartikel, in denen wichtige Medientheoretiker vorgestellt werden
(Kracauer, Flusser, McLuhan etc.). Jedem Eintrag sind Literaturangaben
beigegeben; eine Auswahlbibliographie am Schluss des Bandes bietet
allgemeine Literatur zum Gesamtthema.
Handbuch der Mediengeschichte
von Helmut Schanze
Amazon-Preis: EUR 24,60
Gebundene Ausgabe - Kröner
Erscheinungsdatum: Oktober 2001
ISBN: 3520360012
Autorenportrait
Prof. Dr. Dr. Helmut Schanze ist Professor für Germanistik an der
Universität-GH Siegen und Sprecher des DFG-Sonderforschungsbereichs
"Bildschirmmedien" sowie Projektleiter der sfb-Teilprojekte
"Medienwertungsforschung" und "Interaktive Mediennutzung".
Sammelsurium von Artikeln unterschiedlicher Autoren und
Forschergenerationen, teilweise Redundanzen, inkonsistente Zitierweise,
unbrauchbarer Stichwortindex (drei (!) Seiten), weitgehend Beschränkung
auf bundesdeutsche Mediengeschichte, vollständiges Ausklammern der
Entwicklung in der DDR und keinerlei systematische Darstellung der
internationalen Entwicklung, gravierende Defizite im Bereich der
Bildmedien, insbesondere der Fotografie.
Grundwissen Medien
von Werner Faulstich
Amazon-Preis: EUR 37,90
Gebundene Ausgabe - UTB, Stuttgart
Erscheinungsdatum: März 2004
ISBN: 3825281698
Kurzbeschreibung
Dieses Basiswissen wird in zwei Teilen vorgestellt: Teil 1 bündelt
fachübergreifende Tatbestände, Frageperspektiven, Probleme und
Lösungsversuche in neun Schlüsselkategorien: Medientheorie,
Mediengeschichte, Medienökonomie, Medienpolitik, Medienrecht,
Medienpsychologie, Medienethik, Medienästhetik, Medienkultur. Teil II
widmet sich den verschiedenen Medien im einzelnen: Blatt, Brief, Buch,
Computer, Fernsehen, Film, Foto, Heftchen, Hörfunk, Neue Medien (Kabel,
Satellitenrundfunk, Videotext, Bildschirmtext, Walkman, Bildplatte),
Plakat, Schallplatte, Telefon, Theater, Video, Zeitschrift, Zeitung.
Autorenportrait
Dr. Werner Faulstich ist Professor für Medien und Öffentlichkeitsarbeit
an der Universität Lüneburg.
Medien der Vernunft
von Matthias Vogel
Amazon-Preis: EUR 13,00
Broschiert - 426 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: Dezember 2001
ISBN: 3518291564
Kurzbeschreibung
Infolge des linguistic turn gehört es heute zu den philosophischen
Gemeinplätzen, daß eine Theorie der Rationalität auf der Analyse jener
Kompetenzen aufbauen muß, die wir als sprachlich kommunizierende Wesen
haben. Wenn die Rationalitätstheorie in dieser Perspektive aber auf eine
Theorie des Verstehens zustrebt, dann ist fraglich, ob unser Bild der
Vernunft nicht so lange unangemessen bleibt, wie hochentwickelte
nichtsprachliche Formen der Kommunikation und des Verstehens (etwa in
der Kunst) theoretisch undurchsichtig bleiben. Angesichts der engen
Verschränkung, die sich heute zwischen der Theorie des Verstehens, der
Theorie der Rationalität und der Philosophie des Geistes abzeichnet,
wird hier daher der Versuch unternommen, auf der Grundlage einer
tragfähigen Theorie der Medien unser Bild der Vernunft so zu erweitern,
daß die ganze Breite der Mittel erschlossen werden kann, die Verstehen
und Denken möglich machen.
Autorenporträt
Dr. Matthias Vogel ist wissenschaftlicher Assistent am Institut für
Philosophie der Johann Wolfgang Goethe-Universität
Meditationen
von Pierre Bourdieu
Amazon-Preis: EUR 13,00
Broschiert - 335 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: September 2004
ISBN: 3518292951
Kurzbeschreibung
Der Anthropologe und Soziologe Pierre Bourdieu beschäftigt sich in
seinen Meditationen mit den Grundthemen des abendländischen Denkens: der
Vorstellung und den Wissenschaften vom Menschen sowie den
Voraussetzungen des künstlerischen Schaffens und der philosophischen
Reflexion. Im Durchgang durch die impliziten Prämissen allen Denkens
entfaltet Bourdieu eine negative Philosophie, die die Ansprüche auf
Wahrheit und die Unterscheidungen zwischen Subjekt und Objekt – also
zentrale Kategorien abendländischer Philosophie – auf ihre
Geltungsvoraussetzungen befragt. Am Ende steht die These, die Pascal in
Worte gekleidet hat, daß »die wahre Philosophie über die Philosophie
spottet«.
Autorenporträt
Pierre Bourdieu ist Professor für Soziologie am College de France,
Paris. Seine Mitautoren sind an verschiedenen französischen
Universitäten und Forschungseinrichtungen tätig und langjährige
Mitarbeiter der von ihm herausgegebenen Zeitschrift Actes de la
recherche en sciences sociales.
Die Schrift
von Vilem Flusser
Amazon-Preis: EUR 24,00
Broschiert - 154 Seiten - Vice Versa
Erscheinungsdatum: März 2002
ISBN: 3923283598
Medienkultur
von Vilem Flusser
Amazon-Preis: EUR 10,90
Sprache: Deutsch
Broschiert - 238 Seiten - Fischer (Tb.), Frankfurt
Erscheinungsdatum: September 1997
ISBN: 3596133866
Kurzbeschreibung
Vilém Flusser gilt als "Medienphilosoph" (taz), als "digitaler Philosoph
des 20. Jahrhunderts" (FAZ). Seine Philosophie der neuen Medien, so
euphorisch sie sich auch manchmal gibt, entspringt allerdings der
Abrechnung mit jener Sparte von Medien, die wir gewöhnlich für die
Medien schlechthin halten: den Massenmedien. Im so aufregenden wie
aufgeregten Prozeß des Zusammenwachsens von Telekommunikation und
digitalen Technologien sah Flusser die Chance, der Fernsehkultur zu
entkommen. Die Vernetzung der Gesellschaft durch die neuen Medien
bedeutet letztlich einen Umbruch im Kulturprozeß, eine "Katastrophe der
bürgerlichen Kultur", die freilich auch Möglichkeiten für eine neuartige
Einbildungskraft eröffnet: "Es gibt nichts Neues vor der Katastrophe,
erst nach ihr."
Autorenporträt
Vilem Flusser, geboren 1920 in Prag, gestorben 1991, emigrierte 1939
über London nach Sao Paulo. 1959 wurde er Dozent für
Wissenschaftsphilosphie, 1963 Professor für Kommunikationsphilosophie an
der Universität Sao Paulo.
Es bedarf sicherlich einigen Muts, sich dieser Lektüre zu widmen, darf
der Autor doch als Ausnahmeerscheinung bezeichnet werden, und das aus
mehr als einem gutem Grund: Vilém Flusser's Texte erstrecken sich, was
ihn von vielen Kollegen seiner Zunft wohltuend unterscheidet, weit über
jene des klassischen Theoretikers hinaus, Flusser war u.a. ein Visionär
was die Beschreibung einer Welt, eingenommen von technischen und
digitalen Kommunikationstechnologien betrifft, Flusser war Weltenbürger
und Nomade, Theoretiker der Fotografie und der neuen Medien. Die
Genialität liegt darin, wie Situationen beschrieben und Technologien
interpretiert werden. Seine Veröffentlichungen in verschiedenen
Sprachen, darunter auch deutsch, sind unverzichtbar, wenn die Diskussion
einer modernen Medien- und Kommunikationskultur ansteht. Flusser deutete
schon in den fünfziger Jahren, daß Computer Wirtschaft und Gesellschaft
revolutionieren würden, schrieb über das Philosophische an der
Fotografie und skizzierte eine orientierungslose Gesellschaft im
Mediennetz. Ein großartiges Buch, ohne jeden Zweifel.
'Flusser ? Das ist doch dieser etwas großspurige brasilianische Prager
jüdischer Herkunft, der sich erdreistet hat, ohne Studienabschluß eine
Professur zu übernehmen.' So in etwa könnte das Urteil einiger Gerechter
lauten, die in der Wissenschaft ein empirisches Häufchen-Machen und
dann: Häufchen-Auszählen sehen. Vilem Flusser ist Hermeneut. Er deutet
die letzten technologischen Entwicklungen auf der Basis einer profunden
Kenntnis der europäischen Kulturgeschichte: nicht selten ist sein
Ausgangspunkt eine bloße verbale Analogie, der ein parforce-Ritt der
Assoziationen folgt. Doch ebenfalls nicht selten steht an dessen Ende
eine Einsicht, die die Umwege lohnt. Während Flusser sich in anderen
Texten - etwa dem 'Projekt Menschwerdung' - zu gar zu phantastischen
Formulierungen versteigt (die allerdings immer noch als intellektuelle
pulp fiction gelesen werden können), ist der Sammelband 'Medienkultur'
eine Perle der kontemplativen Literatur. Seine Aussagen über die
Höhlenbilder von Lascaux und die heutige Bilderflut, über die Tatsache
der 'gleichen Ansicht' aller Fernsehzuschauer, sind akademische Poesie.
1929 - Beiträge zur Archäologie der Medien
von Stefan Andriopoulos, Bernhard J. Dotzler
Amazon-Preis: EUR 14,00
Broschiert - 391 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: Oktober 2002
ISBN: 3518291793
Kurzbeschreibung
In der Geschichte der Medien markiert das Jahr 1929 einen zentralen
Schnittpunkt, an dem Literatur, Film, Photographie, Rundfunk und
Fernsehen in Beziehung treten. Während die Reichspost erste
Versuchssendungen eines elektrischen Fernsehens feiert, wird der
Stummfilm als Kunstform kanonisiert und zugleich in Richtung Tonfilm
überschritten. Neben einem "photographischen Gedenkjahr" wird
gleichzeitig der erste "Tag des Buches" ausgerufen. Die Beiträge des
Bandes nehmen jeweils ein konkretes Ereignis zum Anlaß für eine
übergreifende archäologische Analyse der technologischen Entwicklungen
wie auch der Debatten um Tradition und Innovation der Medien, mediale
Differenzen, disziplinäre Reaktionen und institutionelle Konsequenzen.
Autorenportrait
Stefan Andriopoulos, geboren 1968, ist Assistant Professor am Department
of Germanic Languages der Columbia Universität New York mit den
Arbeitsschwerpunkten Literatur- und Mediengeschichte,
Wissenschaftsgeschichte und Okkultismus.
Die kulturwissenschaftliche Darstellung des Jahres 1929 von Stefan
Andriopoulos und Bernhard Dotzler hat Julia Encke gelesen. Darin
versuchen laut Rezensentin die beiden Herausgeber, verdichtet auf ein
Jahr, die Entwicklung unserer modernen Mediengesellschaft darzustellen.
Dabei wollten die Autoren den Leser nicht in die damalige Zeit
versetzen, sondern Entwicklungen, die unser heutiges Leben bestimmen,
zurückverfolgen und sichtbar machen. So würden die frühen Konstruktionen
von Fernsehen und Computer ebenso reflektiert wie das Kino oder das
Radio, wobei Encke kritisiert, dass diese Darstellungen manchmal zu sehr
in das technische Detail gingen. Letztlich besteht für die Rezensentin
die Faszination dieses Buches darin, dass es den neuen "Denksystemen"
nachspürt und daher geht es ihr "wie den frühen Fernsehbastlern: es
locken die Testmädchen" im Badeanzug (Buchnotiz zu : Süddeutsche
Zeitung, 14.11.2002 von Perlentaucher.de).
Anthropologie der Sinne
von Helmuth Plessner, Günter Dux, Odo Marquard, Elisabeth Ströker
Amazon-Preis: EUR 14,00
Broschiert - 396 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: April 2003
ISBN: 3518292269
Kurzbeschreibung
Plessners wirkmächtige Schriften 'Die Einheit der Sinne' und
'Anthropologie der Sinne' die hier vereinigt sind, gehören zu den
Gründungstexten der philosophischen Anthropologie. In einer
Verschränkung von Wahrnehmungstheorie und Erkenntnistheorie verfolgt
Plessner das zentrale Thema der Anthropologie: Was ist der "Sinn der
Sinne"?
Die Kommerzialisierung der Kommunikation
von Siegfried J. Schmidt, Brigitte Spieß
Broschiert - 381 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: Januar 1997
ISBN: 3518288814
Kurzbeschreibung
So widersprüchlich und inkonsistent die Situation der Werbung (wie die
ihrer Beschreibung) Mitte der neunziger Jahre auch sein mag - in einem
Befund stimmen alle Beobachter überein: Die Entwicklung der Medien und
der Kommunikation seit dem Zwweiten Weltkrieg hat im Rahmen der
gesamtgesellschaftlichen Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland
zu einer "Kommerzialisierung der Kommunikation" geführt, an der Werbung
in erheblichem Maße beteiligt gewesen ist. Kommunikationsinhalte und
-stile werden in den verschiedenen Medien, die via Werbung längst von
der Wirtschaft abhängig geworden sind, primär ökomnomisch evaluiert und
erst dann sozial, kulturell oder politisch. Wie ist es zu dieser
Entwicklung gekommen? Wie kann man sie angemessen beobachten und
beschreiben?
Autorenportrait
Prof. Dr. Siegfried J. Schmidt ist Universitätsprofessor am Institut für
Kommunikationswissenschaft der Universität Münster,
Forschungsschwerpunkte: Mediengeschichte/Medientheorie,
Kognitionstheorie. Dr. Brigitte Spieß ist Managerin für Strategische
Planung in der Agentur Michael Conrad & Leo Burnett.
Kybernetische Anthropologie
von Stefan Rieger
Amazon-Preis: EUR 18,00
Broschiert - 556 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: Dezember 2003
ISBN: 3518292803
Kurzbeschreibung
Die Kybernetik war angetreten, die »zwei Kulturen« der Geistes- und
Naturwissenschaften im Rahmen eines neuen Erklärungsversuchs miteinander
zu versöhnen. Begriffe wie »Regelung« oder »Selbststeuerung« wurden auf
den Menschen übertragen mit dem Ziel, eine »kybernetische Anthropologie«
zu ermöglichen, mit deren Hilfe eine letzte einheitliche Bestimmung des
Menschen gelingen sollte. Stefan Rieger entziffert in seiner
materialreichen Studie diesen Entwurf einer Anthropologie als Episteme
im Sinne Foucaults, in deren Zentrum der Begriff des »Bildes« alle
Erklärungsanliegen bündeln soll: der Status des Menschen, seine Stellung
im Kosmos, seine Abgrenzung von Tier, Maschine und Umwelt. Der Mensch
ist auf Bilder und Bildtypen angewiesen, und diese Struktur wird zum
Definiens von Virtualität. Im Namen der Virtualität wird dem Menschen
des 20. Jahrhunderts noch einmal der Versuch einer wesensmäßigen
Bestimmung zuteil.
http://www.suhrkamp.de/buecher/archiv/specials/stw30/29280.htm
Rezensionen:
http://www.de-bug.de/cgi-bin/debug.pl?ID=21737&part=review&what=show
http://www.uni-online.de/artikel.php?id=1225
Telepolis: Anthropologie und Kybernetik, oder: Der Mensch kehrt zurück,
Rudolf Maresch 08.02.2004,
http://www.heise.de/tp/deutsch/special/med/16685/1.html.
Von den Mythen der Buchkultur zu den Visionen der
Informationsgesellschaft
von Michael Giesecke
Amazon-Preis: EUR 17,50
Broschiert - 456 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: September 2002
ISBN: 3518291432
Kurzbeschreibung
Die Ausbreitung alternativer Formen kultureller Informationsverarbeitung
und Vernetzung wird gegenwärtig dadurch erschwert, daß wir uns noch
immer an den Idealen und Konzepten orientieren, die in der Vergangenheit
für die Beschreibung und Propagierung der Buch- und Industriekultur
entwickelt wurden. Gerade die Erfolge dieser Epoche haben zu
Mystifizierungen geführt. Im Licht der ökologischen
Kommunikationstheorie erscheinen die Ambivalenzen der einzelnen Medien
und die Wechselwirkungen zwischen ihnen als Quelle der historischen
Dynamik. Michael Giesecke ist Professor für Vergleichende
Literaturwissenschaft mit den Schwerpunkten Kultur- und Medientheorie,
Mediengeschichte an der Universität Erfurt. Zuletzt erschien: Der
Buchdruck in der frühen Neuzeit (stw 1357).
Mythen der Buchkultur
Michael Giesecke plädiert für mehr Dialog
Lässt sich der moderne Tourismus mit dem mittelalterlichen Entwurf der
Pilgerreise beschreiben? Wohl kaum. Ebenso wenig lässt sich die Nutzung
des Computerbildschirmes mit dem Konzept des Lesens erfassen. So lautet
zumindest eine der provokanten Aussagen im neuen Buch des in Erfurt
lehrenden Literaturwissenschafters und Medientheoretikers Michael
Giesecke. Es ist ein gewichtiges Buch: Auf über 450 Seiten hebt Giesecke
zu einem kultur- und medientheoretischen Rundumschlag an, der zumindest
in der deutschsprachigen Debatte zurzeit seinesgleichen sucht. Giesecke
geht dabei von einem der wichtigsten Mythen der modernen Industrie- und
Informationsgesellschaft aus, dem Buchdruck. Mit diesem Thema ist er
bestens vertraut, sein grandioses Buch «Der Buchdruck in der frühen
Neuzeit. Eine historische Fallstudie über die Durchsetzung neuer
Informations- und Kommunikationstechnologien» (1991) ist mittlerweile zu
einem Standardwerk der modernen Mediengeschichte geworden. Die
Industrienationen, so die Ausgangsthese seines neuen Buches, hätten dank
der Buchkultur das sprachliche Wissen zum einzig glaubwürdigen Spiegel
der Welt erklärt. So sei diese Kultur Teil der Identität moderner
Gesellschaften geworden, ohne die weder Aufklärung noch allgemeine
Schulpflicht, aber auch keine industrielle Massenproduktion oder gar
Wissenschaft möglich gewesen wären. Doch nach einem Bündnis, das rund
fünfhundert Jahre gehalten habe, sei diese Allianz nun am Zerbrechen,
und die «beispiellose Erfolgsgeschichte» komme so allmählich zu einem
Ende. Gieseckes Bilanz: «Die Geschichte der typographischen
Massenkommunikation ist nicht nur eine Geschichte der Befreiung, sondern
auch eine solche der Unterdrückung, der Versklavung der Sinne, der
Prämierung von Eindimensionalität.» Die historischen Beispiele, mit
denen Giesecke seine Thesen belegt, sind faszinierend und eine der
Stärken des Buches. So schildert er die Entdeckung Amerikas als einen
Triumphzug des geschriebenen Wortes – und auch als einen Akt der
Zerstörung von Wissen, das dem Wahrgenommenen sehr nahe gewesen sei. Die
Buchkultur, so die Quintessenz, habe einseitig die interaktionsfreie
Informationsverarbeitung gefördert, die Visualität bevorzugt und die
kollektive, multimediale Wissensverarbeitung marginalisiert. Im
Anschluss an seine Analyse präsentiert Giesecke im letzten Teil seiner
Studie eine Art von Gegenentwurf: Mit Elementen aus der Systemtheorie,
der Gesprächstherapie und der Ökologie entsteht ein Konzept, das er
«Ökuloge» nennt (zusammengesetzt aus Ökologie, Kultur und Dialog). Im
Mittelpunkt stehen die synästhetische Informationsverarbeitung und der
Aufbau von multimedialen kulturellen Netzwerken. Das Paradebeispiel für
ein rückkopplungsintensives Interaktionssystem ist dabei das Gespräch.
Nun ist die Hervorhebung des Dialoges als interaktionsintensive
Kommunikation wahrlich nicht neu. Reizvoll sind die Ausführungen von
Giesecke trotzdem, weil sie sich auf die neuen Gegebenheiten der
Informationsgesellschaft beziehen. Man hätte sich zwar gerne auch in
diesem Teil so schöne Beispiele wie in der historischen Analyse
gewünscht, zumal nicht alles in dem Schlusskapitel einleuchten mag.
Wieso zum Beispiel sollen Gruppengespräche wertvoller sein als
Zweiergespräche? Gravierender aber scheint die mangelnde
Berücksichtigung elektronischer Medien wie Internet und Mobiltelefon
samt den mit ihnen verbundenen neuen Kommunikationstechniken – E-Mail,
SMS oder Chat-Räume. Und zuletzt wird sich der Leser die Frage nicht
verkneifen können, wieso der Autor die Mythen der Buchkultur
ausgerechnet mit den Mitteln der Buchkultur zu analysieren sich
anschickt. Das Buch als Teil eines «transmedialen Projektes» zu
definieren und ihm eine CD-ROM und eine eigene Web-Site zu spendieren,
ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung (Peter Haber in Neue
Zürcher Zeitung).
"Elektrische Promiskuität statt Papierfetischismus lautet die frohe
Botschaft des ökologischen Sozialtechnikers." Auf diesen Nenner bringt
Rezensent Christoph Albrecht die recht komplexen Ausführungen des
Michael Giesecke. Der Medienhistoriker prognostiziert, dass an die
Stelle des typographischen Fern-Sehens, Fern-Hörens, Fern-Fühlens
unserer heutigen Buchkultur neue, breitbandige, interaktive Medien
treten, erklärt Albrecht. Das Buch als Kommunikationsform habe dann
ausgedient, behalte aber seine Bedeutung als Speichermedium für
abstrahierte technische Informationen. Nachdem Giesecke eine Reihe von
Mythen, elf an der Zahl, über die Buchkultur zerstört hat, macht er sich
nach Angaben des Rezensenten daran, für die neuen sozialen
Wirklichkeiten die entsprechende interaktive Semantik zu finden. Dafür,
so Albrecht, erweitert er zunächst einmal den Begriff der Medien, der
bei ihm Technik, Natur und Gesellschaft umfasst. Da erscheint Giesecke
dem Rezensenten bisweilen fast ein wenig wie ein heiliger Franziskus,
"der selbst die Tiere, Pflanzen und Steine in seinen Begriff der
ökologischen Kommunikation einbezieht". Das Modell für dieses
ökologische Miteinander erblickt Giesecke laut Rezensent nun gerade
nicht im Markt oder in technischen Medien, sondern in der Kommunikation
von Angesicht zu Angesicht. Neu dabei ist Albrecht zufolge, dass
technische Medien diese Form von Kommunikation zum Teil in voller
Bandbreite technisieren. Damit könne alles mit allem verlustfrei, ohne
typografische Abstraktionen miteinander in Beziehung treten, die
Bedeutung des Gesprächs wachse, die interaktionsintensiven Medien würden
das therapeutische und sozialtechnische Wissen begünstigen. Wenn das
keine guten Aussichten sind! Und so nennt der Rezensent Gieseckes
visionäres Werk zu Recht das "Evangelium der neuen Medien" (Buchnotiz zu
: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2002 bei Perlentaucher.de).
Die Welt als Text
von Detlef Garz, Klaus Kraimer
Amazon-Preis: EUR 14,00
Broschiert - 427 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: Februar 1994
ISBN: 3518286315
Klappentext
Gegenüber der klassischen Texthermeneutik, deren Regeln sich auf die
Auslegung von Schriftdenkmalen kaprizieren und die in der persönlichen
Virtuosität des Philologen sich erhellt, rekurriert die von Ulrich
Oevermann entwickelte objektive Hermeneutik auf die Rekonstruktion
objektiver, durch Texte hergestellter Sinnstrukturen und nimmt von dort
ihren empirischen Ausgang, wobei die erfahrbare sinnstrukturierte Welt
ihren Gegenstandsbereich bildet. Oevermanns Ziel ist anspruchsvoll: er
intendiert die zugleich forschungspraktisch orientierte Grundlegung
eines sozialwissenschaftlichen Theorie- und Methodenkonzepts, das sich
auf den gesamten Bereich dessen erstreckt der von Menschen erfahrbar
ist. Das heißt in letzter Konsequenz auch daß diese Fundierung nicht nur
für die Sozialwissenschaften sondern auch für die Geistes- und selbst
die Naturwissenschaften Gültigkeit in dem Sinn beansprucht daß erst
aufgrund der in der objektiven Hermeneutik vorgetragenen Argumente -
sozusagen aufgrund einer Protountersuchung - sachhaltige
objekttheoretische Forschung möglich wird.
Autorenportrait
Detlef Garz, geb. 1949, Studium der Erziehungs- und
Sozialwissenschaften; 1982 Promotion; 1984/85 Research Associate bei
Lawrence Kohlberg; 1988 Habilitation. Seit 1990 Professor für Allgemeine
Erziehungswissenschaft an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg.
Intermedialität
von Irina O. Rajewsky
Amazon-Preis: EUR 18,90
Broschiert - 216 Seiten - UTB, Stuttgart
Erscheinungsdatum: Juni 2002
ISBN: 3825222616
Kurzbeschreibung
Eine Einführung in den Gegenstandsbereich sowie ein kritischer Überblick
über die Entwicklung und den derzeitigen Stand der
Intermedialitätsforschung.
Das modische Schlagwort der "Intermedialität", das die Wechselwirkungen
zwischen den einzelnen Medien beschreibt und in den unterschiedlichsten
Disziplinen und auf unterschiedlichste Erscheinungen angewandt wird,
wird in diesem Band erstmals umfassend erläutert. Auf der Basis der
Intertextualitätstheorie werden Kategorien zur Beschreibung und Analyse
intermedialer Bezüge definiert und anhand konkreter Beispiele
veranschaulicht. Die Interessenten sind Medienwissenschaftler, Lehrende
und Studierende aller Philologien, Soziologen, Pädagogen u.
interessierte Leser.
Orality and Literacy.
von Walter J. Ong
UK-Preisempfehlung*: £10.99
Amazon-Preis: EUR 18,95
Sprache: Englisch
Broschiert - 232 Seiten - Routledge, an imprint of Taylor & Francis
Books Lt
Erscheinungsdatum: 4. Juli 2002
ISBN: 0415281296
Andere Ausgaben: Gebundene Ausgabe
Synopsis
This work explores the vast differences between oral and literate
cultures and offers a lucid account of the intellectual, literary and
social effects of writing, print and electronic technology. In the
course of his study, Walter J. Ong offers insights into oral genres
across the globe and through time and examines the rise of abstract
philosophical and scientific thinking. He considers the impact of
orality-literacy studies not only on literary criticism and theory but
on our very understanding of what it is to be a human being, conscious
of self and other.
Oralität und Literalität
von Walter J. Ong
Broschiert - 194 Seiten - VS Verlag für Sozialwissenschaften
Erscheinungsdatum: 1987
ISBN: 3531117688
Digitaler Schein
von Florian Rötzer
Amazon-Preis: EUR 15,00
Broschiert - 578 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: Juni 1991
ISBN: 3518115995
Wer bereit ist, die Herausforderung der nicht immer leicht verdaulichen
Sprache französisch geprägter Kulturtheorie anzunehmen, wird von diesem
Buch mit einem wahren Arsenal spannender Ideen und Konzeptionen belohnt.
Auch 10 Jahre nach ihrem Erscheinen haben die meisten der Beiträge kaum
etwas von ihrer Relevanz eingebüßt, nicht nur der wunderbare Aufsatz
Vilem Flussers, der diesem Band seinen Titel leiht. Besonders
Kulturschaffenden im Minenfeld der digitalen Kunst sei dieses Buch ans
Herz gelegt.
Writing Space: The Computer, Hypertext, and the History of Writing
von Jay David Bolter, J. David Bolter
Alle Angebote ab EUR 44,00
Sprache: Englisch
Taschenbuch - 258 Seiten - Lawrence Erlbaum Associates
Erscheinungsdatum: 1. Januar 1991
ISBN: 0805804285
Synopsis
This text is a study of the computer as a new technology for reading and
writing - a technology that may replace the printing press as our
principal medium of symbolic communication. One of the main subjects of
"Writing Space" is hypertext, a technique that allows scientists,
scholars and creative writers to construct texts that interact with the
needs and desires of the reader. Bolter explores both the theory and
practice of hypertext, demonstrating that the computer as hypertext
represents a new stage in the long history of writing, one that has
far-reaching implications in the fields of human and artificial
intelligence, cognitive science, philosophy, semiotics and literary
theory. Through the integration of introductory, historical,
illustrative and theoretical material as well as an accompanying
diskette containing a sample of hypertextual writing, Bolter supports
his claim that the computer will carry literacy into a new age - the age
of electronic text that will emerge from the "age of print that is now
passing". His reflections on literacy in contemporary culture lead him
to the conclusion that, ironically, cultural literacy is becoming
synonymous with computer literacy.
Titel: Die Gutenberg-Galaxis ; Das Ende des Buchzeitalters
Verfasser: Marshall MacLuhan
Erschienen: Düsseldorf, Wien: Econ-Verl., (1968)
Umfang: 402 S. 8".
Einheitssachtitel: (The Gutenberg galaxy, deutsch)
Signatur: 388655
Titel: Die Gutenberg-Galaxis ; M[a]cLuhan, [Herbert] Marshall ; Das Ende
d. Buchzeitalters. (Aus d. Amerikan. übers. von Max Nänny)
Verfasser: Marshall MacLuhan
Sonst. Personen: Nänny, Max
Erschienen: Düsseldorf [usw.]: Econ-Verl., (1968)
Umfang: 402 S. 8".
Einheitssachtitel: (The Gutenberg Galaxy [dt.])
Anmerkung: Literaturverz. S. 380-392
Signatur: 22 A 4993
Titel: Am Ende der Gutenberg-Galaxis : die neuen
Kommunikationsverhältnisse
Verfasser: Norbert W. Bolz *1953-*
Ausgabe: 2. Aufl.
Erschienen: München : Fink, 1995
Umfang: 249 S.
ISBN: 3-7705-2871-9
Sachgebiete: Soz B 91; Kommunikation; Pub A 91; Kommunikation
Signatur: 1 A 268599
Titel: Stimmen aus der Gutenberg-Galaxis : Essays zur Literatur / Werner
Dürrson
Verfasser: Dürrson, Werner
Erschienen: Baden-Baden ; Zürich : Elster ; Zürich : Rio-Verl., 1997
Umfang: 246 S.
Gesamttitel: Werke / Werner Dürrson ; 5
ISBN: 3-89151-259-7
Signatur: 1 A 205608-5
Michael Giesecke: Johannes Gensfleisch, gen. Gutenberg. Über Nutzen und
Schaden der typographischen Monokultur. Neue Zürcher Zeitung, 4./5.
Januar 1997
Alan Turing: Intelligence Service. Ausgewählte Schriften, herausgegeben
von Bernhard Dotzler and F.Kittler, Berlin 1987, Brinkmann & Bose
Wolfgang Coy, Computer als Automat, Werkzeug, Medium, Informatik
Spektrum, Feb. 95
Weizenbaum, Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft, FfM
1977, Suhrkamp
Friedrich Kittler, Draculas Vermächtnis. Technische Schriften, Leipzig
1993, Reclam
Jean-Francois Lyotard, Das postmoderne Wissen, Theatro Machinarum 3/4,
Bremen 1982
McLuhan, M. / Die Gutenberg-Galaxis : das Ende des Buchzeitalters
Addison-Wesley, 1995. - 375 S.
Walter Ong: Orality and Literacy. The Technologizing of the Word, London
1982
Endless Frontier: Vannevar Bush, Engineer of the American Century
von G. Pascal Zachary
US-Preisempfehlung*: $29.95
Amazon-Preis: EUR 27,90
Sprache: Englisch
Taschenbuch - 528 Seiten - MIT Press
Erscheinungsdatum: Juni 1999
Auflage: 1 Mit Pr
ISBN: 0262740222
Andere Ausgaben: Gebundene Ausgabe
Bush's seminal essay "As We May Think," which appeared in the Atlantic
Monthly in 1945, may seem quaint today, but not too long ago it was
required reading for budding library and information scientists. In it
Bush envisioned automated information retrieval and a complex device
called the Memex, and for that he has gained a place in history. Zachary
is a Wall Street Journal reporter and author of Show-Stopper (1994), an
account of Microsoft's efforts to create Windows NT. He has been
researching Bush's life for more than 10 years, and his effort has paid
off here. Zachary calls Bush "the most politically powerful inventor
since Benjamin Franklin." He documents Bush's many inventions and
patents and his contributions at MIT and the Carnegie Institution. He
details Bush's roles with the National Defense Research Committee and
the Office of Scientific Research and Development, where Bush helped
create what has become known as the military-industrial complex by
heading the research effort that united science with the military and
helped win World War II.
From Memex to Hypertext
von Vannevar Bush, James M. Nyce (Herausgeber), Paul Kahn (Herausgeber)
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe - 367 Seiten - Academic Press
Erscheinungsdatum: 4. Februar 1992
ISBN: 0125232705
Memex, a computer that was never built, was described in 1945 by pioneer
computer engineer Bush, and foreshadowed the principles and operations
of today's personal computers. Bush's writings about Memex are collected
here for the first time, interspersed with essays by historians and
computer researchers. His work with analog computers may be becoming
relevant again. No index.